Thomas Bach: die vielfältigen Lebenssachverhalte des unpolitischsten deutschen IOC-Präsidenten

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Youth Olympic Games 2014 (Foto: IOC Media)

Youth Olympic Games 2014 (Foto: IOC Media)

Wer ist dieser Mann, der die bislang mutigste und wichtigste Whistleblowerin in der Geschichte des olympischen Sports nicht zu den Sommerspielen in Rio de Janeiro zulässt, weil Stepanowa, die ihr Leben aufs Spiel setzte, angeblich nicht “die ethischen Anforderungen” erfülle, “um an den Olympischen Spielen teilzunehmen”?

Wer ist dieser Mann, der Entscheidungen organisiert, die in weiten Teilen des Planeten blankes Entsetzen auslösen? (Außer in Russland, China, Aserbaidschan, Turkmenistan, Weißrussland, Katar und anderen olympischen, spezialdemokratischen Mächten.)

Wer ist dieser Mann, der Wladimir Putins nachweislich totalkorrupten Propagandaspiele in Sotschi als großen Erfolg und als “Spiele der Athleten” bezeichnete?

Wer ist dieser Mann, der die Aufklärung des russischen Staatsdopingssystems, über das Nick Harris und Martha Kelner bereits im Juli 2013 exklusiv und großflächig berichteten (und alle wichtigen Institutionen informierten), gemeinsam mit vielen anderen führenden Funktionären aus der großen olympischen Sportfamilie (WADA, IAAF, IOC, FINA, ANOC, EOC, IJF, UWW, IIHF, ASOIF etc pp), von denen viele tief im Sumpf stecken, letztlich bis 2016 routiniert verzögerte? (Für Droh-Anwälte: Das Verb “verzögern” sollte es doch mindestens treffen, oder?)

Wer ist dieser Mann, der sicher stellt, dass Russlands NOK, per se im Zentrum des Staatsdopingssystems und per se nicht konform mit der Olympischen Charta (weil Funktionäre von der Politik benannt und abberufen werden, weil Funktionäre die ihnen zugedachte Rolle ausführen), nicht suspendiert wird, so wie das Olympische Grundgesetz es in zahlreichen Artikeln vorsieht?

Wer ist dieser Mann, der sicher stellt, dass die russische Flagge in Rio de Janeiro weht und damit seinen Sportkameraden Wladimir Putin, Ehrenpräsident zweier Sport-Weltverbände (Judo und Sambo) und mächtigste Figur des letzten Jahrzehnts im olympischen Weltsport, zufrieden stellt?

Foto: President of Russia

Foto: President of Russia

Wer ist dieser Mann, der das Glück hatte, als Präsident eines Monopol-Unternehmen seit 2013 gigantische Marketingverträge (TV und Sponsoring) im Wert von mehr als 13 Milliarden Dollar, teilweise bis 2030 datiert, zu unterschrieben, der aber gleichzeitig hauptverantwortlich dafür ist, dass das Image des supranationalen Sportkonzerns IOC auf Null gesunken ist?

Wer ist dieser Mann – und das vor allem -, der gegen den Willen tausender Elitesportler aus aller Welt agiert, gegen die verzweifelten Aufrufe und Initiativen der Athletensprecher von WADA und IOC, gegen die auf Fakten basierende Argumentation wichtiger und vergleichsweise halbwegs unbelasteter nationaler Antidoping-Agenturen, ja am Ende sogar gegen die Deklaration der flink gewendeten WADA?

Wer ist dieser Mann, der verantworten muss, dass die Atmosphäre dieser ohnehin von Organisationschaos und Korruption überschatteten Rio-Spiele durch die Lex Russland extrem vergiftet wird?

Diesen Brief hat Thomas Bach übrigens an seine olympische Familie geschrieben:

Wer ist dieser Mann, dessen alte Mitstreiter, Freunde, Helfer und fürstlich entlohnte Propagandisten behaupten, er stehe gar nicht so gut mit Freund Wladimir, das sei alles nur eine Erfindung der Medien?

Wer ist dieser Mann, von dem ausgerechnet sein Leib- und Magenblatt FAZ, ihm Jahrzehnte wohl gesonnen, nun sagt, er falle vor “den Verrätern der olympischen Idee auf die Knie”?

Wer ist dieser Mann, dessen Macht im IOC und in der olympischen Bewegung, ja, sie nennen es: Bewegung, zu großen Teilen auf Deals mit dubiosen Figuren basiert – etwa Scheich Ahmad Al-Fahad Al-Sabah aus Kuwait; Patrick Hickey aus Irland; Julio Maglione aus Uruguay; Lamine Diack aus dem Senegal; Witali Smirnow, Schamil Tarpischtschew aus Russland, die beiden KGB-Spione; René Fasel aus der Schweiz, um nur einige zu nennen?

Sportkameraden Lamine Diack (unter Hausarrest), Scheich Ahmad (verklagt im Emirat Kuwait), Thomas Bach

Sportkameraden Lamine Diack (unter Hausarrest), Scheich Ahmad (verklagt im Emirat Kuwait), Thomas Bach (Foto: ANOC)

Wer ist dieser Mann, der im Laufe seiner Karriere meist im Graubereich zwischen Sport, Wirtschaft und Politik lavierte, meist in bester Deckung? Gern in traumhaft entlohnten Lobbyisten-Rollen, die eines aber gewiss nicht waren: eine Verquickung von Job und Ehrenamt, darauf legte Dr. Bach Wert, wann immer einer dieser Verträge öffentlich wurde, ob nun Holzmann oder Siemens?

Wer ist dieser Mann, der auch in der Russland-Doping-Frage zuletzt wieder das ganze propagandistische Arsenal aufgefahren hat, das man seit den frühen 1990er Jahren von ihm kennt?

Wer ist dieser Thomas Bach, der trotz seiner vermeintlichen Reform-Agenda 2020 die Vergabe der Olympischen Winterspiele 2022 nach Peking und damit Gigantismus und Verletzung von Menschenrechten verantworten muss?

Wer ist dieser Fecht-Olympiasieger von 1976, Franke, glühendes FDP-Mitglied, ehemaliger Adlatus des Adidas-Zampanos Horst Dassler?

Wer ist dieser 62-Jährige, den die Nähe zu den Mächtigen schon immer faszinierte?

Wer ist Thomas Bach?

Ziemlich viele Fragen. Ich könnte mehr davon stellen. Berechtigte Fragen. Fragen dieses Tages, dieser Wochen, dieser Stunden.

Screenshot ARD

Ich möchte Ihnen einige Optionen für Antworten offerieren. Ich werde weder den großen Bach-Versteher geben, noch einen vernichtenden Text anbieten. Ich denke, die Ereignisse der vergangenen Wochen sprechen, wie vieles andere aus den vergangenen Jahrzehnten, durchaus für sich. Wenn ich Ihnen noch einige Hintergründe, Erklärungen, Beobachtungen, Fakten liefern kann, geht das in Ordnung. Es ist ein sehr langer Text. Ergänzend dazu gibt es in diesem Blog gewiss mehr als 100 Beiträge, vielleicht sogar 200, die sich im weitesten Sinne mit dem Leben und Wirken des neunten IOC-Präsidenten befassen. Kürzlich habe ich etliche dazu verlinkt, unter der von Bach geprägten Formulierung der “vielfältigen Lebenssachverhalte”, die er immer dann wählte, wenn es in Deutschland für ihn etwas brenzlig wurde. Sollten Sie mit dem Begriff der Lebenssachverhalte – die virtous zwischen persönlichen, geschäftlichen, nationalen, supranationalen, olympischen und universalen Lebenssachverhalten changieren und sich jeder Situation anpassen – noch nicht so vertraut sein, nehmen Sie sich doch bitte einen Tag Zeit und überfliegen diesen und diesen und diesen und diesen und diesen und diesen und diesen und diesen und diesen und diesen und diesen und diesen und diesen und diesen und diesen und diesen und jenen und weitere Texte, lesen dieses Ebook, folgen den Links in all diesen Textangeboten und studieren die Dokumente.

Willkommen in der Spezialdemokratie des Tauberbischofsheimer Fechtmeisters, wo man ein Faible dafür hat, Kausalitäten und sonstige Zusammenhänge (etwa im russischen Staat und in der russischen Sportdopingpolitik) als eine Aneinanderreihung von Zufällen zu betrachten.

Inzwischen ist er ja HON-Circle-Weltenbürger, verkehrt als Boss einer Parallelgesellschaft fast nur noch mit den Großen des Planeten und verschaffte dem IOC endgültig Beobachterstatus bei den Vereinten Nationen.

Nennen wir dieses bescheidene Angebot also: eine total unvollständige Collage, die sich vor allem mit den Wurzeln des Thomas Bach und seinem Aufstieg befasst, die zu großen Teilen auf meinem IOC-Ebook “Macht, Moneten, Marionetten” beruht, letztlich aber auf einem Vierteljahrhundert (herrjeh) in diesem Business, oft genug im wahrsten Sinne des Wortes auf den Spuren und auf der Fährte des heutigen IOC-Präsidenten, wie etwa 1996 in einem Luxushotel in Cancun, als er tatsächlich vor Thomas Kistner und mir wegrannte und flink noch in den Fahrstuhl schlüpfte – unvergessen. Eine kleine Collage darüber also, wo er herkommt und warum er sich wie an der Spitze des Ringe-Konzerns bewegt, wie er routiniert Mehrheiten organisiert und die Bewegung lenkt und die vielen Gremien und Kommissionen (alte und neue, die ständig gegründet und handverlesen besetzt werden, wenn ein Problem dräut, dass auszusitzen und dem gewünschten Ergebnis zuzuführen ist, ob nun früher beim DOSB oder nun beim IOC), das kann ohnehin gerade jeder ausgiebig beobachten.

Auf gehts.

Auf meine Bitte, er möge doch einmal aufschreiben, warum er glaube, der richtige IOC-Präsident zu sein, hat Thomas Bach 2013 kurz vor seiner Wahl in Buenos Aires für die Leser dieses Blogs übrigens notiert:

Thomas Bach: I would be the right IOC president because... I think that I have good experience on the one hand and good ideas for the future of the IOC on the other.

If you are interested in genuine coverage, if you’d like to read more stories like this (The IOC, the olympic family and the absolutely impeccable reputation of KGB/FSB agents), consider to support investigative journalism, freelance journalism, when booking the Rio 2016 coverage ticket or an Annual ticket for my blog “Sport and Politics:

Neu: Olympia-Pass buchen! Recherche finanzieren.

In diesem Theater bekommen Sie auch heute wieder erstklassige Informationen, orientiert an Dokumenten, verbunden mit Analyse. Dieser Beitrag ist wie die TextedervergangenenTage, regelmäßig mit Exklusivmaterial versehen, bereits Teil meiner vorolympischen Berichterstattung. Einige Beiträge und Supplements werden hinter einer bescheidenen Paywall verschwinden.

Ich werde vom 1. bis 21. August, in hoffentlich alter Frische und bester Tradition, nahe an 24/7 aus Rio de Janeiro bloggen – wie zu anderen Großereignissen und während vieler anderer Reisen.

Das ist gerade die richtige, schwer durchschaubare Krisen-Atmosphäre für so ein Projekt. Für die sogenannte olympische Bewegung geht es ums Überleben.

An Ideen und Lust mangelt es nicht, ich bin in einem magischen olympischen Dreieck zwischen IOC, Deutschem Haus und Olympiapark in Barra da Tijuca einquartiert, erlebe meine 25. IOC-Session, wenn ich richtig zähle, habe als einer von nur wenigen Dutzend Journalisten weltweit Zugang zum IOC-Hotel, werde die Olympia-Bosse beobachten, interviewen, debattieren, werde recherchieren und Ihnen/Euch darüber aus erster Hand berichten. Ich freue mich sogar auf das traditionelle Live-Blog von der Eröffnungsfeier im João-Havelange-Stadion und den Kollegen G neben mir. Ob die Kraft reicht, muss der olympische Geist entscheiden.

Sagen Sie es gern weiter.


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Jörg Winterfeldt in der Berliner Zeitung: Eine Karriere mit hohem Preis

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Johannes Aumüller und Thomas Kistner in der SZ: Wofür braucht Thomas Bach seit mehr als 20 Jahren einen Diplomatenpass?

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Johannes Aumüller und Thomas Kistner in der SZ: Neue Irritationen um Thomas Bachs Diplomatenpass

[Bach] war im Juli 1994 “für die Zeit seines Vorsitzes in der Evaluierungskommission des IOC für die Winterspiele 2002” ein Diplomatenpass erteilt worden, heißt es in einer schriftlichen Antwort des Ministeriums auf eine Frage des Bundestagsabgeordneten Özcan Mutlu (Grüne). Und nach der Zeit als Kommissionschef habe Bach ob seiner Funktion als Mitglied bzw. Vizepräsident bzw. Präsident des IOC “vor dem Hintergrund des besonderen deutschen Interesses an der Förderung der olympischen Bewegung” bis jetzt Diplomatenpässe erhalten.

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Johannes Aumüller und Thomas Kistner in der SZ: Ein Diplomatenpass ist Thomas Bach zu wenig

Nach Informationen der SZ erbat sich der 62-Jährige nach seiner Wahl zum IOC-Boss im Herbst 2013 erweiterte Privilegien für seinen Reiseverkehr. Aus Berliner Sicherheitskreisen heißt es, Bach habe sich um eine Freistellung von den sogenannten Luftsicherheitskontrollen bemüht. […] Nach SZ-Informationen erfüllte die Behörde das Begehr des IOC-Präsidenten nicht.

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