Don’t ask, don’t tell: Thomas Bachs Ghorfa, der Israel-Boykott, die FDP-Connection und die Bundesregierung

 •  • 11 Comments

Im letzten Sommer, anlässlich der Debatte um eine Schweigeminute für die Opfer des Münchner Terrors während der Eröffnungsfeier der Spiele in London, haben jw und ich einem unappetitlichen Thema schon einmal einige Zeilen gewidmet: Dem Israel-Boykott, den die Ghorfa unter der Präsidentschaft von Noch-IOC-Vizepräsident Thomas Bach für deutsche Exporte in die arabische Welt exekutiert. [kraut project=”https://krautreporter.de/de/projects/94-macht-moneten-marionetten/”]Nun gibt es ein kleines, aber wichtiges Update. Die grüne Bundestagsabgeordnete Viola von Cramon hat dazu zwei Fragen an die Bundesregierung übermittelt und eine interessante Antwort aus dem Ministerium des liberalen Bach-Parteifreundes Philipp Rösler erhalten. Der Wirtschaftsminister hat gerade seinen ersten Israel-Besuch absolviert. Dami…


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Ralf #1

Frage aus reinem Interesse (habe mich auch schon mal an dieser Sprache “versucht”):

Wie gut spricht das UDIOCM eigentlich arabisch?

JW #2

… und warum werden die Tweets da oben nicht mehr angezeigt?

Noch so ne Frage aus reinem Interesse.

ha #3

@Ralf
Soweit man seinem offiziellen Lebenslaufentnehmen kann, gar nicht.
Englisch, Französisch, Spanisch.

gucker #4

Sollte das etwa der (ein) Stolperstein auf dem Weg zum IOC-Thron werden ? Ein Stein des Anstoßes ist es jedoch schon.

Wirtschaftlich eher im Peanuts-Bereich und zu vernachlässigen, sicher auch für Bach selbst (“2011 kassierte der Verein dafür 900 000 Euro, 43 Prozent seiner Einnahmen.”), ist es politisch ( “Die Prüfung stammt aus den Siebzigerjahren; sie diente der Arabischen Liga als Waffe im Israel-Boykott.”) schon schlüpfrig. Man fragt sich nur, ob Bach das bei der Vorbereitung seiner Kandidatur einfach nur übersehen oder schlicht politisch unterschätzt hat. Da nutzt auch die Abwiegelei der BK nichts. PR-mäßig hätte das doch der Speakersperson auffallen müssen. ;) PR ist doch auch Politik oder nicht ?

Bleibt die Frage, ob die Sportlobby mehr als Notiz davon nimmt und es zu einer für Bach ungünstigen Abwägung kommt. Aber solange das arabische Geld nicht zu stinken beginnt, ist eigentlich auch keine Gefahr im Verzug.

Ralf #5

Grit Hartmann in der Jüdischen Allgemeinen: Thomas von Arabien – IOC-Vize Bach sitzt anti-israelischer Lobby vor

Und Thomas Bach? Beteuert gern, er trenne strikt zwischen Sport und Beruf. Zählt aber auf das arabische Stimmenpaket bei der IOC-Wahl. Schaden können die Ghorfa-Aktivitäten da bestimmt nicht. Aus zehn der 20 Staaten, denen der Verein seinen »Legalisierungs-Service« anbietet, kommen wahlberechtigte IOC-Granden.

Ralf #6

Hajo Seppelt und Robert Kempe für Monitor: Umstritten: Der designierte IOC-Präsident Thomas Bach

JW #7

Im Grunde gab es diesen Monitor-Beitrag schon hier (ich meine diesen Text von Grit Hartmann über die Ghorfa, unter dem wir diskutieren) …

… und hier: http://www.jensweinreich.de/2012/07/25/london2012-v-thomas-bach-die-schweigeminute-die-ghorfa-und-andere-vielfaltige-lebvenssachverhalte/ (bzw auf Spiegel Online) …

… und hier: http://www.jensweinreich.de/2013/05/31/wer-regiert-den-weltsport-teil-1-wladimir-putin-marius-vizer-und-scheich-ahmad-al-sabah/ (wie exakt Husain und Ahmad Wahlen deichseln) …

Grit Hartmann #8

Aber schön, dass das – inklusive des Auftakts mit der verweigerten Schweigeminute für die israelischen Opfer des Münchner Attentats, unsere Geschichte aus dem letzten Sommer – auch mal im Fernsehen zu sehen war. Ironiefrei. Und die recht eindrucksvollen Statements, die sie zur Ghorfa eingeholt haben, waren Eigenleistung.

Interessant fand ich ja den Hinweis, dass die Ethik-Kommission des IOC wegen der Scheich-Positionierung für Bach (Das hattest Du auch aus St.Petersburg im Mai, nicht?) ermitteln müsse. Nun hat al-Sabah das inzwischen in Nanjing öffentlich zurückgenommen. Und die Erfahrungen mit dem Ethik-Kommando des IOC sind eigentlich auch andere. Zuletzt im Zusammenhang mit den bis heute ungeklärten verschwundenen Millionen unter Gewichtheber-Weltpräsident Tamas Ajan demonstriert.

Naja – man darf gespannt sein. Prognose: Passieren wird gar nichts.

ha #9

Noch zur Ethik-Kommission: Anzeigen könnte die Sache nach IOC-Ethik-Code zwar so ziemlich jede natürliche oder juristische Person.
Zweiter Schritt aber: Der IOC-Präsident, also Rogge, entscheidet in jedem Fall, ob eine Beschwerde dann auch an die olympische Putzkolonne weitergeleitet wird, ob also Ermittlungen eingeleitet werden. Tut er das nicht, ist die Angelegenheit ohne Einspruchsmöglichkeit erledigt. Siehe das hier dokumentierte CAS-Urteil im Fall Ajan, das Grundsätzliches zu derlei Verfahren festhält.

#Programmhinweis: Vielleicht ja Substanzielleres dazu am Montagabend im WDR von Duo Seppelt/Kempe.

Iris #10

Der deutsche Wähler hatte ein Erbarmen und komplimentierte Frau Viola von Cramon nach nur einer, dafür aber unerträglichen, Wahlperiode wieder heraus aus dem Bundestag. Die studierte Landwirtschaftsfachkraft wäre besser im Agrarbereich tätig geworden als in der Sportpolitik. Der in ihren sportpolitischen Statements in den letzten vier Jahren zu Tage getretene Hang zur oberflächlichen Vorverurteilung von Sportlern und Sportfunktionären, gepaart mit Grünem Bevormundungs- und Belehrungsduktus – wie er auch in ihrer letzten Anti-Bach-Attacke zum Tragen kam -, war wohl nur für Grit Hartmann zum Aushalten und Beifallklatschen geeignet.
Aber wie das Leben so spielt: Bach ist IOC-Chef und von Cramon raus… Danke, Souverän!
Bleibt zu hoffen, dass die Grünen als neue/n sportpolitische/n Sprecher/in diesmal eine versiertere Person mit weniger Hang zur politischen Hyperventilation benennen.

Otto #11

#10
bei so viel Schaum vor´m Mund kann man schon ml übersehen, dass die Überzeugung des Souveräns die politische Heimat des FDP-Mitglieds Bach erst so richtig kalt erwischt hat.

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