„Vielfältige Lebenssachverhalte“

Achtung, es wird kompliziert. Unmittelbar vor dem Auftakt des Prozesses gegen den früheren Siemens-Zentralvorstand Johannes Feldmayer und dessen dubiosen Geschäftspartner Wilhelm Schelsky gibt es auch Neues vom UDIOCM. „Siemens-Affäre: IOC-Vize Bach und CDU-Abgeordneter Adam in Erklärungsnot“, titelt Spiegel Online. Im Beitrag heißt es, das UDIOCM (unpolitischstes deutsches IOC-Mitglied) betreffend:

Auch IOC-Vizepräsident Bach, der auf Schelskys Vermittlung einen mit 400.000 Mark dotierten Beratervertrag mit Siemens hatte, gerät in Erklärungsnot. Der Wirtschaftsanwalt hatte gegenüber dem SPIEGEL behauptet, er habe stets strikt zwischen seinen „geschäftlichen Tätigkeiten“ und seinen „ehrenamtlichen Funktionen im Sport“ getrennt.

Eine E-Mail vom 31. Januar 2005, die Bach an den Siemens-Vorstand Rudi Lamprecht schickte, liest sich dagegen anders. Damals bemühte sich Siemens darum, Kuwait als Großinvestor zu gewinnen, und Bach meldete, sein „Freund und Kollege, Energieminister Scheich Ahmed al-Sabah“, sei derzeit für eine vertrauliche Anfrage zum Stand der Verhandlungen schwer erreichbar.

Am 9. März meldete der IOC-Funktionär dagegen an den Siemens-Vorstand, er habe „die Investitionsfrage noch einmal mit dem Energieminister vertraulich besprochen“. Da Bach kein Minister und der Scheich kein Rechtsanwalt ist, ergibt sich daraus, dass Bach den Scheich bei seiner Siemens-Tätigkeit nur in einer anderen Hinsicht als Kollegen angesprochen haben kann: Sabah ist Mitglied des IOC.

Bach dementiert dennoch jede Verquickung „zwischen dem IOC-Ehrenamt“ und seiner „beruflichen Tätigkeit“. Es gebe aber „vielfältige Lebenssachverhalte, in denen sich persönliche, durch Freundschaften oder auch Ehrenämter begründete Bekanntschaften und berufliche Kreise überschneiden“.

In der Tat sind die Lebenssachverhalte in diesen Kreisen vielfältig. Scheich Ahmed Al-Fahad Al-Ahmed Al-Sabah war übrigens auch mal Opec-Chef, ist Boss des Olympic Councils of Asia (Oca), möchte demnächst gern Chef der Weltvereinigung aller NOK werden – und ist doch eine große Skandalnudel, der mit seinen vielfältigen Verstrickungen im Weltsport immer wieder für Ärger sorgt.

Sein Freund und Kollege, das UDIOCM, Mitglied der FDP und Träger des Ehrenpreises „verschlossene Auster“, ist u. a. Aufsichtsvorsitzender der Weinig AG, die seit mehr als zwanzig Jahren in den Händen kuwaitischer Investoren ist; es vertritt ohnehin Interessen kuwaitischer Investoren; es agiert als Präsident der Ghorfa (Arab-German Chamber of Commerce and Industry); es reist mit Schröder (mehrfach) und Merkel (2007) in den Nahen Osten; und wenn der Weinig-Aufsichtsratskollege Ali Mohamed Thunayan Al-Ghanim das Große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland erhält, wie im Herbst 2005, ist das UDIOCM natürlich mit Schily und Schröder zugegen (siehe Foto); und wenn das UDIOCM zum Ehrenbürger von Tauberbischofsheim ernannt wird, hält Al-Ghanim selbstverständlich eine Rede.

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10.10.2005 — „Gruppenbild mit den Gästen anlässlich der Ordensverleihung durch Bundesinnenminster Otto Schily in Gegenwart von Bundeskanzler Gerhard Schröder an Herrn Ali Th. Al-Ghanim, Präsident der kuwaitischen Industrie- und Handelskammer“ / © Deutsche Botschaft in Kuwait

Das soll nun mal reichen, es gäbe zwar noch mehr zu sagen, und es ist ja auch wirklich schon viel gesagt worden, aber im Grunde hat das eine mit dem anderen nichts zu tun, die Dinge stehen in keinem Zusammenhang miteinander, nicht politisch, nicht ökonomisch, nicht sportpolitisch; das UDIOCM weiß zwischen Haupt-, Ehren-, Zweit-, Dritt- und Nebenämtern stets zu trennen. Es gibt eben: nur vielfältige Lebenssachverhalte, weshalb sich Fragen nach Interessenskonflikten und Intransparenz gar nicht erst stellen.

Es gab übrigens nicht nur den Siemens-Vertrag, sondern auch mal einen mit der konkursiten Holzmann AG. Aber nur über 250.000 Mark pro Jahr. Wie billig.

17 Gedanken zu „„Vielfältige Lebenssachverhalte““

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  6. Grit Hartmann für dradio.de (03.06.): Nachbeben des Siemens-Skandals – Olympische Bestechung in Athen?

    Vor einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss, der die Siemens-Korruptionsaffäre beleuchtet, räumte der sozialistische Politiker die Annahme von reichlich 200.000 Euro Schmiergeld bis zum Jahr 2000 ein. Im Gegenzug schanzte Mantelis dem Konzern Aufträge für die Spiele in Athen zu.
    […]
    Einen unangenehmen Beigeschmack dürfte der Skandal auch für Deutschlands mächtigsten Sportfunktionär haben, für Thomas Bach. Mit ihm hatte Siemens im Jahr 2000 einen inzwischen einvernehmlich beendeten Beratervertrag geschlossen.

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