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Was vom Tage übrig bleibt (1. Juni 2015): FIFA, Warner, Jennings, Jauch, Oliver …

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Fundstücke, Kurzkritiken, Lobeshymnen, Verrisse und Lesebefehle – aktuelle Notizen vom Tage. Freue mich über jede Ergänzung und Mitwirkung.

1) Am jüngsten Video des Blatter-Stimmenbeschaffers und FIFA-Ganoven Jack Warner ist vieles lustig. Auch das:

2) Ich beneide Peter Ahrens absolut nicht, die von der Jauch-Redaktion produzierte Inhaltsleere in Worte zu fassen. Er war sehr zahm, der Frühkritiker auf Spiegel Online, und gewiss auch ziemlich klug, es so sachlich und vorsichtig zu skizzieren.

@Peter_Ahrens schreibt u.a.:

Aber wenn Bauer hervorhebt, dass „man von Glück sagen kann, dass die ARD Geld in die Hand nimmt, um kritisch über die Fifa und Katar zu berichten“, dann hätte man sich über einen Einwurf gefreut, dass es dieselbe ARD ist, die gemeinsam mit dem ZDF 218 Millionen Euro für die WM in Russland ausgibt und 214 Millionen Euro für die WM in Katar. Und damit mithilft, das System Fifa grundlegend zu stützen.

Ebenso kein Wort darüber, dass die Bundeskanzlerin Blatter das Bundesverdienstkreuz umgehängt hat, dass die Sommermärchen-WM 2006 auch durch dubiose Umstände an Deutschland vergeben wurde, dass Roth 2011, als die Frauen-WM nach Deutschland gegangen war, voller Lob für den Ausrichter Fifa war. Lieber nicht.

3) In der aufgeregten FIFA-Diskussion, bei der jeder prominent mitreden darf, ohne ein Mindestmaß an Kenntnis (s.o.), gehen wichtige Details und kausale Zusammenhänge leider verloren. Immer wieder höre ich die Frage, auch in der o.g. Sendung, auch von Joseph Blatter und seinen fürs Lügen und Irreführen bezahlten Propagandisten, warum das FBI, warum die IRS eigentlich ermittelten. Gern wird, von Blatter und natürlich auch von seinem langjährigen Kumpanen und Stimmenbeschaffer Jack Warner, die Mär von einer amerikanischen Verschwörung aufgetischt. Dabei ist es doch so einfach. Ein miteintscheidender Grund, warum das FBI die Recherchen ab 2011 forcierte, heißt Andrew Jennings. Ein Grund sind also journalistische Enthüllungen, war 2011 zeitnah hier nachzulesen. Die Abläufe lassen sich belegen. Ich empfehle ernsthaft, auch die Links in den folgenden drei Tweets zu klicken. Niemand wird deshalb dümmer – im Gegenteil. Vielleicht hilft das sogar der nächsten Talkshow-Redaktion, sollte die Interesse an Inhalten haben:

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FIFA-Nachbereitung

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ZÜRICH. Hatte gerade auf dem Flughafen noch ein wenig Zeit, die Kommentare zu jenen Elaboraten zu überfliegen, die von mir zuletzt auf Spiegel Online verfasst wurden. Recht haben die Idioten, ich bin (alles Zitate):

  • ein Teenager
  • eine journalistische VollNULL
  • ein Nichtsmerker
  • ein kleines Journalistenlicht
  • Teil einer Spezies die mit Unvermögen glänzt
  • trunken vom Sieg über Theo Zwanziger
  • ein Herumschwadronierer

Zudem:

  • Weinreich möchte das aus Kolonialzeiten oder dem kaiserlichen Drei-Klassen-Wahlrecht stammende Abstimmungsverhalten bei der FIFA neu beleben. Das hat einen deutlich rassistischen Unterton

Gefällt mir.

Ich werde heute von zu Hause ein bisschen bloggen, muss aber nach meiner Rückkehr zunächst mal Fußball spielen. was mich vor allem interessiert, ich hoffe, da kann jemand helfen:

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live aus Zürich: der Tag danach im Home of FIFA

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ZÜRICH. Moin moin. Nun geht es hier also doch noch mit mir weiter. Bin gleich unterwegs auf den Zürichberg, wo Sepp in Kürze sein neues Exekutivkomitee versammelt. Mit dem schweigsamen Wolfgang Niersbach, der gestern leider so heftig mit sich und seinem Innersten gerungen hat, dass er glatt vergaß, auf dem FIFA-Kongress irgendetwas zu sagen und überhaupt mal ein Zeichen zu setzen. Leute, vergesst all den Unsinn, all die vielen Interviews – gestern war wichtig. Und da war wieder mal Handlungsstarre bei DFB/DFL-Vertretern. Wie immer. Es zählen nicht Worte, sondern Taten.

Aber gefühlige Texte über den ach so schwierigen Spagat, der einem wie Niersbach die Männlichkeit zu zerreißen droht, ob nun in einer großen „Nachrichten“agentur oder anderswo, die hat der Wolle Niersbach natürlich bekommen. Gestern durfte er auch noch in einem „Interview“ seine Sicht der Dinge loswerden, nachdem sein rückgratsloser Pressechef einen Großteil des Kongresses neben den Reportern verbracht hatte. Das ist ganz einfach.

Halten wir kurz mal fest. Natürlich ist Niersbach kein „Blatter-Kritiker“. Nie gewesen. Er ist Teil des Systems, verwoben mit Blatter, mehr noch mit Platini – und all den anderen.

So geht das, wenn man Rückgrat hat (und was anderes).

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live aus Zürich: FIFA-Krönungsmesse für Kim Il-Blatter

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ZÜRICH. Bevor es in eine kurze Nachtpause geht, mache ich schon mal den Beitrag für heute auf. Zum vierten Mal wird der Blatter Sepp heute im Amt als Jesus-Moses-Mandela-Churchill-Martin-Luther-King-Mutter-Teresa des Weltfußballs bestätigt. Mit all diesen Personen hatte ihn kürzlich der Verbandschef der DomRep verglichen, der heute natürlich auch wieder für Blatter stimmt. 1998 gewann er gegen Lennart Johansson, 2002 gegen Issa Hayatou, 2007 wurde er per Akklamation bestätigt, 2011 wurde ohne Gegenkandidaten, nun ja, gewählt. 2015 verliert Prinz Ali aus Jordanien gegen Blatter. Für den Prinzen endet damit auch die vierjährige Amtszeit im FIFA-Exekutivkomitee. Nachdem des Prinzen Schwester Haya, Zweitfrau des Herrschers Makhtoum von Dubai, der mich freundlicher Weise mal zum Frühstück geladen hatte, vor einem halben Jahr als Präsidentin des Reiter-Weltverbandes FEI zurücktrat und damit auch die ex officio IOC-Mitgliedschaft verlor, bleibt aus der jordanischen Königsfamilie nur noch Prinz Feisal in hohen Ämtern – als IOC-Mitglied noch einige Jahrzehnte.

Aber ich schweife ab, wie so oft. Es ist ja auch eine eigenartige Welt, die wir gemeinsam da beobachten.

* * *

Kaufen, Leute, und Journalismus finanzieren. Wer gute Geschichten und ein bisschen Analyse will, kann was dafür tun:

Das Ebook “2022” soll ein kleines Handbuch zur FIFA-Korruption werden. Mit Namensregister, Zeitstrahl, Dokumenten und vielen Links. (Verspätet) ab Ende Juni, danach bis Ende des Jahres monatlich aktualisiert und erweitert. Das Nachschlagewerk für das Smartphone. Ähnlich wie „Macht, Moneten, Marionetten“.

2022

Alles was derzeit passiert und uns den Atem raubt, wird darin auftauchen und dem Versuch einer Analyse und Einordnung unterzogen. Selbstverständlich. Oder hat jemand die 281 Seiten Anklageschriften aus den USA schon studiert, die das Justice Department gemeinsam mit FBI und IRS veröffentlichte? Hochspannend. Je mehr es kaufen, desto besser wird es, klare Kiste, Recherche kostet, jeder Leser kann etwas beisteuern.

* * *

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live aus Zürich: Götterdämmerung im Home of FIFA

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ZÜRICH. Moin moin. Und sie dreht sich noch, die Welt des Joseph Blatter. Noch. Doch seit gestern ist vieles anders. Dieser 27. Mai 2015 war ein historischer Tag. Seit gestern dürfen sich korrupte Funktionäre, und davon gibt es im Weltsport ja noch einige Tausendschaften mehr als jene 14, gegen die Anklage erhoben wird inklusive jener sieben, die im Baur au Lac verhaftet wurden, seit gestern dürfen sich diese Typen in der Schweiz nicht mehr sicher fühlen. Dazu habe ich ein wenig gedichtet, u.a. hier auf SpOn.

Ich denke, es ist völlig offen, ob am Freitag auf dem FIFA-Kongress gewählt wird.

Auch heute werde ich das Blog tagsüber, zwischen vielen Terminen und der Produktion, als Notizblock nutzen, gewiss ausführlicher als gestern. Zunächst nochmal der Hinweis auf ein Projekt, an dem ich seit einiger Zeit arbeite und das schon wieder fünf Monate verspätet ist, allerdings bleibt es brandaktuell, wie die Welt gestern wieder begutachten konnte: Das Ebook „2022“ soll ein kleines Handbuch zur FIFA-Korruption werden. Mit Namensregister, Zeitstrahl, Dokumenten und vielen Links. Ich werde das Büchlein bis ans Jahresende monatlich aktualisieren – wer bisher vergeblich drauf gewartet hat, bekommt dafür Vergünstigungen, die sich nicht mit denen messen lassen, die in der FIFA normalerweise gewährt werden, die aber von Herzen kommen.

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live aus Zürich: Razzia im FIFA-Hotel Baur au Lac #FIFAcorruption #Russland2018 #Katar2022

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ZÜRICH. Und schon wieder werden sämtliche Planungen über den Haufen geworfen. Wie wunderbar! Heute morgen wurden FIFA-Offizielle im Nobelhotel Bau au Lac festgenommen, in einer der FIFA-Absteigen hier in Zürich. Die New York Times wusste das, Dank traditionell guter Kontakte zu den Law Enforcement Agencies, offenbar vorab:

Dass das FBI ermittelt, wissen wir Dank Andrew Jennings seit einigen Jahren. Ausgangspunkt waren die Drecksgeschäfte des langjährigen FIFA-Vorstands und CONCACAF-Generalsekretärs Chuck Blazer.

Es wird spannend in dieser Kongresswoche. Wer hätte das gedacht. Nicht dass der ewige Sepp doch noch Schwierigkeiten bekommt. Sein Liebling Jeffrey Webb, der Banker von den Caymans, soll zu den Festgenommenen zählen. Die NYT nennt auch Uruguays Eugenio Figueredo, den ich gestern Abend noch an der Bar gesehen habe.

Stay tuned.

Pressekonferenz in NYC heute Nachmittag. Etliche FIFA-Termine hier.

Ich bin unterwegs in der FIFA-Stadt, werde in einigen Medien berichten und hier immer mal Notizen von der Front hinterlassen.

Viel Vergnügen.

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Aufstand in Sotschi: Marius Vizer attackiert Thomas Bach

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Dass Thomas Bach und Marius Vizer sich nicht mögen, ist ein offenes Geheimnis. Allerdings haben beide einige mächtige Verbündete, die ihnen vor zwei Jahren halfen, die Präsidentschaften in IOC (Bach) und SportAccord (Vizer) anzutreten: Scheich Ahmad Al-Sabah und Wladimir Putin.

Beide, der Scheich und Putin, sind derzeit ein wenig angeschlagen. Die Dinge entwickeln sich.

Marius Vizer, Präsident des Judo-Weltverbandes (IJF) und der Vereinigung aller Sport-Weltverbände (SportAccord), hat heute in Sotschi die Sportaccord Convention mit einer Attacke auf Thomas Bach, das IOC und Bachs Agenda 2020 eröffnet. (Ein Teil dieser Auseinandersetzung ist eine alte olympische Debatte: Wem gehört der Sport bzw wem gehören die Olympischen Spiele? Wer soll wie daran beteiligt werden? Wie viel Macht kommt den Weltverbänden zu? etc pp)

If you want to be respected, you have to be fair …

… sagt (ausgerechnet) Vizer.

Er wirft Bach Intransparenz vor, behauptet, die Agenda 2020 bringe nichts für den Sport und die Athleten, schimpft darüber, dass der olympische Bieterwettstreit (2022 ff) kompromittiert sei, so geht es in einem fort. (Ich kann mich nicht erinnern, seit 1990 in diesem Business Ähnliches gehört zu haben – von Super-Präsident zu Super-Präsident.)

Oops.

Bach reagiert einerseits ziemlich cool und inhaltlich ohnehin auf der Höhe, er bedankt sich zwei Mal für den „freundlichen Empfang“, der unfreundlicher nicht hätte sein können, andererseits hört man ihm die Überraschung an. Er wirkt angegriffen.

Unbedingt hören und sehen:

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Katar und die Handballreporter: das große Dankeschön

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Everything was good! Really perfect! Very special! A new level! Good service! No problems! You can feel how they take care about us! From every single aspect this is the best championship I ever have been! Amazing! Spectacular!

War alles fantastisch jüngst bei der von Katar gekauften Handball-WM, zu der auch (mindestens) 680 Journalisten eingekauft worden sind.

Das vom WM-Organisationskomitee soeben veröffentlichte Video belegt die Symbiose von VIP-Treatment und journalistischer Zufriedenheit. Katar und der Emir und die Sportbegeisterung … sind … kurzum: ein journalistischer Traum.

Ich hatte mich im Januar so dazu geäußert:

Einige der von Katar finanzierten Journalisten hatten zwar nach der WM Erklärungen angekündigt, verzichteten aber (wenig überraschend) darauf.

Hier geht’s zum Video des Organisationskomitees …

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Live-Blog zu Olympia 2024: die DOSB-Führung zieht den Fifty-Fifty-Joker – Hamburg

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Für Krautreporter habe ich dazu gedichtet: Hamburg 2024: das Problem der Einmütigkeit

Der einmütige Vorschlag des DOSB-Präsidiums an Sportdeutschland lautet Hamburg.“

Hörmann hält nicht viel von Inszenierungen. Er verkündet es, ohne die Stimme zu heben und/oder eine bedeutungsschwere Pause zu machen.

19.23 Uhr: Hörmann nennt drei Hauptpunkte, die den Ausschlag gegeben hätten:

1) Stimmungslage in der jeweiligen Stadtgesellschaft
2) klares Votum der Fachverbände
3) „Expertenrunde“, die „in der Gesamtschau dessen, was der olympische Geist für das Projekt ausmachen kann, uns nochmal wichtige Hinweise gegeben hat“ … (Herrje. Was für ein Quatsch.)

19.21 Uhr:

Nicht einstimmig, sondern einmütig.“

19.16 Uhr: „Hamburg ist eine echte Agenda-City“, sagt Hörmann. Und jetzt beginnt die Arbeit.

19.14 Uhr: Mehrheit der Spitzenverbände sei für Hamburg gewesen. 18 pro Hamburg, 4 pro Berlin, der Rest für beide = unentschieden.

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