Schneller als der Wind? Elaine Thompson-Herah jagt Flo-Jo

OLYMPIC STADIUM. Zwar haben wir heute Morgen schon den Fabel-Weltrekord von Karsten Warholm erlebt, der seine eigene Bestmarke aus dem Juni um 0,76 Sekunden verbesserte, ach was: pulverisierte. Aber ich bin mir nicht sicher, ob es in 72 Minuten, um 21.50 Uhr Ortszeit (14.50 MESZ) nicht noch doller geht. Sie wissen schon, Elaine Thompson-Herah jagt über 200 Meter den Rekord von Flo-Jo.

Alles kaum zu glauben, nicht wahr, Karsten Warholm?

Can you see my emotions? Karsten Warholm. (Foto: IMAGO/Xinhua)

Was vom Tage übrig bleibt (2. August 21): Kristina Timanowskaja, das IOC und der mörderische olympische Diktator

TOKYO. Leute, es ist ein Wahnsinn. Die wichtigste und einzig wichtige olympische Frage des Tages lautet: Wie geht es Kristina Timanowskaja? Ist sie in Sicherheit? Wie geht es jener weißrussischen Sprinterin, die am Sonntagabend japanische Sicherheitskräfte und das Internationale Olympische Komitee (IOC) in einer dramatischen Aktion um Hilfe gebeten hat?

So habe ich heute morgen den Newsletter 14 begonnen. Inzwischen hat sich alles weiter zugespitzt. Zunächst das Wichtigste: Kristina Timanowskaja ist in Sicherheit – sie erhielt Asyl von der polnischen Regierung und befindet sich in der polnischen Botschaft in Tokio. Offenbar sind ihr Mann und ihr Kind aus Weißrussland geflohen, schreibt der Journalist Tadeusz Giczan, dessen Twitter-Kanal Pflichtlektüre in dieser Sache ist:

Vor drei Stunden berichtete Giczan unter Berufung auf Babuschka Timanowskaja, dass Häscher des Diktators Alexander Lukaschenko auf dem Weg zu den Eltern der Olympia-Sprinterin seien.

Inzwischen haben sich Polens Außenminister Marcin Przydacz und der Botschafter Polens in Japan, Paweł Milewski, zur Sache geäußert.

Tokio, was vom Tage übrig bleibt (31. Juli 21): Schneller als Flo-Jo, Wunderheilungen im Becken. Was darf man glauben?

Schneller als Flo-Jo: Elaine Thompson-Herah. (Foto: IMAGO/Panoramic International)

TOKYO/URAYASU. Zunächst Nachrichten aus dem Maschinenraum, muss sein, danach zum Wichtigen:

Es ist so lustig mit diesen Newsletter-Anbietern. Bei Nummer 12 streikte Revue, also musste ich mal eben zurück zu Mailchimp wechseln, das ich kurz zuvor für Revue verlassen hatte. Und eben, als Nummer 13 fertig war, streikt Mailchimp und erlaubt mir keinen Zugang mehr, weil der Server verdächtig erschien und meine vielen Anmeldeversuche aus Japan. Ach Leute. Also schnell zurück zu Revue. Die Auswahl und zwei Konten parallel zu haben, ist höchst praktisch. Dass bei diesen Instantwechseln allerdings so mancher Empfänger auf der Strecke bleibt, versteht sich leider von selbst. Schade, dafür kann ich mich nur entschuldigen – auch bei den wenigen Menschen, die diesen Newsletter abbestellt hatten und jetzt vielleicht doch wieder Nachrichten bekommen. Es ist komisch. Revue hat es kürzlich geschafft, rund 1.000 Empfängern einen der Newsletter nicht zuzustellen. Es haben zwar nicht 1.000 Leser nachgefragt, aber doch einige. So musste ich neulich nächtens einige Stündchen Emails verschicken.

Doch nun zurück zu den Olympischen Corona Spielen.

So sehr empört bin ich gar nicht nach dem 100-m-Finale der Frauen, falls das auf Twitter oder auf der Webseite (live-Blog: Wachstumshormon, Zahnspangendarling, und ihre wunderschnellen Gefährtinnenen) den Eindruck gemacht haben sollte. Nö, ich bin tiefenentspannt und durchaus belustigt. Das ging mir schon mal anders, 2016 in Rio zum Beispiel, als ich im damaligen Estádio Olímpico João Havelange (heute Estádio Olímpico Nilton Santos) den Weltrekord von Wayde van Niekerk im Rundenlauf sah und sofort das Weite suchte.

Gestern (Ortszeit) sah ich also im Olympic Stadium, wie einer der unwirklichen Fabel-Rekorde von Florence Griffith-Joyner (†) aus den Annalen getilgt wurde. Die Jamaikanerin Elaine Thompson-Herah brauchte 10,61 Sekunden für die 100 Meter und gewann vor Shelly-Ann Fraser-Pryce und Shericka Jackson.

Damit verbesserte sie den Olympischen Rekord der verstorbenen mutmaßlichen Doperin und Fabelläuferin Florence Griffith-Joyner von den Olympischen Spielen 1988 in Seoul um eine Hundertstel Sekunde.

Können diese Augen lügen? Kann dieses Lachen lügen? Kann dieser Körper lügen?

live aus Tokio: Florian Wellbrock

TOKYO AQUATIC CENTER. Caeleb Dressel gerade mit seinem sechsundneunzigsten Olympiasieg hier. Oder doch erst vier? Ich warte aber, ganz ehrlich, auf die 1.500m Freistil mit Florian Wellbrock, die in acht Minuten beginnen.

Platz vier über 800m war ja zum Kopfschütteln:

Florian Wellbrock. (Foto: IMAGO/Laci Perenyi)

Wobei das Foto nach dem 1.500m-Vorlauf entstand, passt aber als Symbolbild.

Sein Coach und Bundestrainer Bernd Berkhahn schaut übrigens gelegentlich hier vorbei, wie so viele Funktionäre, die es meist nicht zugeben.

Emma McKeon aus Australien gewinnt die 50m. Jetzt aber. Der erste deutsche Schwimm-Olympiasieg seit 1992? Seit Dagmar Hase, ebenfalls aus Magdeburg? Quatsch: Natürlich seit Britta Steffen 2008 in Peking. Einmal Hase 1992, zweimal Steffen 2008 – beide trainiert von zwei Freunden, mit typischer DDR-Trainervergangenheit: Bernd Henneberg und Norbert Warnatzsch.

Schaut’s Euch selbst an:

live-Blog: Wachstumshormon, Zahnspangendarling, und ihre wunderschnellen Gefährtinnenen

TOKYO/OLYMPIC STADIUM. Ach kommt, lasst uns respektvoll die Zahnspangenlady abfeiern. Das ist hier doch eine schöne olympische Tradition, selbst wenn in diesem Theater nicht mehr Trilliarden Menschen zuschauen. Obwohl, wenn ich rechnen könnte wie ein IOC-Funktionär, dann käme ich vielleicht auch auf solche Zugriffszahlen.

Zwei Screenshots, damals und heute:

Peking 2008
Tokio 2021

Wir haben sie erstmals in Peking gefeiert, die Shelly-Ann Fraser, jetzt Shelly-Ann Fraser-Pryce. Wer mag, kann die Suchfunktion benutzen. Sie ist nun, ohne Zahnspange, im Alter von 34 Jahren schneller als je zuvor. Ein glückliches Los, das sie mit einigen Sprinterinnen und Sprintern teilt, die alle Erkenntnisse der Physiologie in der Menschheitsgeschichte Lügen strafen.

Viel Vergnügen.

Quadratur des Kreises: das olympische Programm

Es gibt sie, die besinnlichen, die besonderen Momente im Olympic Village von Tokio. (IOC/Matthew Jordan Smith)

TOKYO. Karl Stoss hat einen der interessantesten Jobs bei den Olympischen Spielen. Der Österreicher ist Chef der Programmkommission des IOC. In dieser Funktion hat er auf der 138. Session vergangene Woche gerade die Einführung von Skibergsteigen für die Winterspiele 2026 in Mailand/Cortina durchgezogen. In Tokio, und im nächsten halben Jahr bis zur IOC-Session in Peking, ist er schwer damit beschäftigt, das Programm dieser XXXII. Sommerspiele zu evaluieren. Er schaut sich täglich mehrere Wettbewerbe an – am Tag, als wir telefonierten, war er beim Judo und Mountainbike -, er hat seine ersten Siegerehrungen gleich am ersten Wochenende absolviert, im Tokyo Aquatic Centre, und er koordiniert gemeinsam mit dem IOC-Sportdirektor Kit McConnell die Arbeit der Programmkommission.

Karl Stoss, seit 2016 in Rio de Janeiro IOC-Mitglied, gehört zu jener Minderheit von IOC-Mitgliedern, die stets ansprechbar und diskussionsbereit sind. Eine Whatsapp-Nachricht, die sofort beantwortet wird – und schon ruft er zurück. Das ist selten. In unserem Gespräch verspricht er, das IOC wolle erstmals nach vielen Jahren den Evaluierungsbericht für das olympische Programm von Tokio veröffentlichen. „Ich werde mich dafür einsetzen.“

Das werden vor allem jene Sportverbände gern hören, die nicht im Programm sind, aber teilweise modernere und globalere Angebote machen, die von mehr Menschen betrieben werden, als einige der ewigen Olympiasportarten. Und die nur selten wissen, woran sie sind, weil es keine eindeutigen Regeln gibt.

Die Basics, eine kleine Einführung:

  • In Tokio gibt es 28 sogenannte Kernsportarten. Wobei einer der 28 permanenten olympischen Weltverbände, die AIBA, vom IOC suspendiert wurde. Streng genommen also: 27 Weltverbände machen ihr Ding – und das IOC organisiert das olympische Boxturnier in Eigenregie.
  • In Tokio gibt es sechs Gastsportarten: Skateboarding, Sportklettern, Karate, Surfen sowie Baseball und Softball. Manche zählen Baseball (Männer) und Softball (Frauen) als eine Sportart, sie werden mittlerweile von einem Weltverband vertreten, was vor Jahren mal eine Bedingung des IOC für die Aufnahme ins Programm gewesen ist, so verschmolzen zwei Verbände.
  • Insgesamt reden für Tokio also 33 olympische Weltverbände mit. 28+5. Oder 27-1+5, wenn man die AIBA außen vor lassen möchte.
  • Ohne die Evaluierung der Tokio-Spiele abzuwarten, hat das IOC gemeinsam mit den Organisatoren 2024 in Paris bereits die diese vier Gastsportarten festgelegt: Sportklettern, Skateboard, Surfen und Breakdance. Karate sowie Baseball/Softball mussten weichen, ohne eine nachhaltige Chance bekommen zu haben. Das ist eine der vielen Absurditäten, von denen die Programmdiskussion seit Ewigkeiten geprägt ist.
  • Für 2028 hat Los Angeles natürlich schon klare Vorstellungen. Selbstverständlich wollen die Amerikaner, neben anderen Sportarten, auch wieder Baseball und Softball dabei haben.
  • Im Vergleich dazu: Das Programm Olympischer Winterspiele prägen traditionell sieben Weltverbände: Skisport, Biathlon, Eishockey, Curling, Rodeln, Bobfahren/Skeleton und Eislaufen. Für 2026 kommt die International Ski Mountaineering Federation (ISMF) hinzu. Endlich mal ein neuer Name.

Tokio, was vom Tage übrig bleibt (29. Juli 21): die rassistische Kehrtwende

URAYASU. Ich weiß nicht, ob es Kameltreiber auf Fidschi gibt. Mir ist egal, welchen rassistischen Spruch ein dummer deutscher Radsportfunktionär möglicherweise für die Rugby-Olympiasieger aus dem Pazifik parat hätte. Doch diese Banknote zu Ehren der Flying Fijians wollte ich Ihnen nicht vorenthalten, vielleicht wird der Schein nach dem zweiten Olympiasieg neu aufgelegt – oder die Reserve Bank of Fiji macht gleich eine Serie draus.

Reserve Bank of Fiji

Eine Sieben-Dollar-Münze wurde nach dem ersten Erfolg in Rio de Janeiro auch herausgegeben.

Und diese Nationalhymne erst!

Schweigen, lächeln, genießen.

Es wird kaum schöner werden bei diesen Olympischen Corona Spielen:

Tokio, was vom Tage übrig bleibt (28. Juli 21): wenn Rassismus im deutschen Team folgenlos bleibt

UPDATE am Ende des Textes: Offensichtlich unter dem Druck der Öffentlichkeit – und nach internem Druck – hat die DOSB-Führung den Radsportfunktionär Patrick Moster nun doch nach Hause geschickt. Die Entscheidung erfolgte vor wenigen Minuten.

URAYASU. Was berichten Weltmedien heute über das deutsche Olympiateam? Reuters zum Beispiel:

Ob das wirklich eine Entschuldigung war, weiß ich nicht, das schauen wir uns gleich an. Darum geht es:

Reuters schreibt:

“Get the camel drivers, get the camel drivers, come on,” Patrick Moster said as he urged on his rider Nikias Arndt, who was chasing opponents Algeria’s Azzedine Lagab and Eritrea’s Amanuel Ghebreigzabhier.

Und:

Germany’s Olympic Committee (DOSB) did not respond to a request for comment.

Man könnte es sich einfach machen und sagen: Es ist halt Radsport, da darf man nichts erwarten. Die flächendeckende Unkultur in dieser Branche ist seit Jahrzehnten bestens belegt. Doping und sonstige Gaunereien. Es ist mir egal, ob jetzt Leser aufschreien. Ja, Radsport steht aus guten Gründen unter besonderer Beobachtung. Und jetzt dies: 

Rassistische Äußerungen von Patrick Moster, Sportdirektor des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR), beim olympischen Einzelzeitfahren – live übertragen und deshalb nicht zu leugnen. Und deshalb auch für alle Ewigkeiten archiviert in diesem Internet.

“Hol die Kameltreiber! Hol die Kameltreiber! Komm!”

Programmhinweis: Gespräch mit Birgit Fischer und Gunter Gebauer

URAYASU. Moin, moin. Lange keinen Programmhinweis mehr veröffentlicht. Nun aber, ich hatte vorgestern im Newsletter 9 darauf hingewiesen: Im SWR2-Forum durfte ich unter Moderation von Thomas Ihm mit Birgit Fischer und Gunter Gebauer diskutieren.

When we were young: Birgit Fischer 2004 im Jahr ihrer letzten Olympiateilnahme mit drei anderen deutschen „Sportlern des Jahrhunderts“ auf einer ZDF-Gala – mit Boris Becker, Katarina Witt und Franz Beckenbauer. (Foto: IMAGO/Eventpress)

Tokio, was vom Tage übrig bleibt (27. Juli)

URAYASU. Olympia werde jünger, hieß es in den vergangenen Tagen bei den Auftritten der Skateboard-Teenies und der zwölfjährigen Tischtennisspielerin Hend Zaza aus Syrien. Die New York Times bemühte den Taschenrechner: 42 Jahre alt waren die drei Medaillengewinnerinnen beim Skateboard demnach.

Nun, die Beobachter dürfen sich wieder beruhigen: Die Olympischen Spiele sind und werden keine Veranstaltung für Kinder, so wie eine Mitgliedschaft im Internationalen Olympischen Komitee (IOC) längst nicht mehr an das Rentenalter und/oder blaublütige Abstammung gebunden ist – die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen.

So gewann ja schon am ersten Tag der Iraner Javad Foroughi, Mitglied der mörderischen Iranischen Revolutionsgarde (IRGC) die Goldmedaille mit der Luftpistole. Foroughi feiert bald seinen 42. Geburtstag, dann ist er so alt wie die drei besten Skateboarderinnen zusammen. Und am Dienstag hat nun eine deutsche Reitersfrau bewiesen, dass man auch im sechsten Lebensjahrzehnt olympische Hochleistungen vollbringen kann. Okay, es war nur Dressurreiten, und es gibt tausend gute Gründe, darüber zu diskutieren, warum diese Art Sport nicht längst aus dem Olympiaprogramm verbannt wurde. Doch es ist, wie es ist, was wären die Deutschen ohne ihre Reiterinnen und Reiter und ohne deren Rekorde:

Isabell Werth, geboren am 21. Juli 1969, gewann mit dem Team heute Gold. Es ist bereits der siebente Olympiasieg für die Frau, die behauptet, nicht auf die Statistik zu schauen. Vier Silbermedaillen hat sie ebenfalls, und am Mittwochmorgen (Ortszeit) könnte sie in der Einzelkonkurrenz ihre achte Goldmedaille holen. Sie würde mit der Kanutin Birgit Fischer gleichziehen als erfolgreichste deutsche Olympiateilnehmerin aller Zeiten.

Reitersfrauen reiten naturgemäß nicht alleine, deshalb sollte man auch ihre Gäule zeigen. Hier also: Dorothee Schneider, Showtime, Isabell Werth, Bella Rose, Jessica Bredow-Werndl und Dalera. (Foto: IMAGO/Stefan Lafrentz)

Birgit Fischer wird am Mittwoch aufgeregt und womöglich auch etwas traurig sein, sollte sie ihren deutschen Rekord teilen müssen. Ich werde es live erfahren, denn unmittelbar vor der Einzelkonkurrenz im Dressurreiten diskutiere ich mit ihr und Gunter Gebauer und Thomas Ihm eine Stunde im Radiosender SWR2. Vielleicht möchten Sie mal reinhören, Mittwoch ab 17.05 Uhr MESZ.

Tokio, was vom Tage übrig bleibt (26. Juli 21): Albträume von Ewig-Präsidenten

TDLR: Kann es sein, dass Thomas Bach als IOC-Präsident eine dritte Amtszeit dranhängt und für ihn die Olympische Charta geändert wird, weil seine Anhänger sich das ganz dolle wünschen? Ist es möglich, dass DOSB-Präsident Alfons Hörmann doch nicht abtritt in diesem Herbst und es also nicht zu Neuwahlen kommt, weil Hörmann & Co ja erst noch Deutschland retten müssen nach der Umwetterkatastrophe? Und sollten die selbstbewussten deutschen Athleten nicht konsequenter Weise Kandidaten für das Präsidentenamt stellen, um wirklich Veränderungen zu forcieren? Fragen über Fragen.

URAYASU/TOKYO. Der Taifun Nr. 8, Nepartak genannt, nähert sich der Olympiaregion. Der Regen trommelte heute Nacht gegen mein Fenster hier im Hotel direkt an der Tokyo Bay. Es wird ein bisschen ungemütlich. Alle weiteren Informationen entnehmen Sie bitte dieser Mitteilung der Japan Meteorological Agency (JMA), damit sollten Ihre Fragen vollumfänglich beantwortet sein.

Japan Meteorological Agency

Tokio, was vom Tage übrig bleibt (25. Juli 21): „Truer words were never spoken“

TOKYO. Die Spiele laufen passabel an und sie produzieren – auch ohne Zuschauer – jene Bilder, die das IOC braucht. Es geht bei Olympischen Spielen um nichts als die Bilder, das erkläre ich immer wieder. Die Bilder bringen das Geld, die Bilder können verzaubern, die Bilder können täuschen. So ist das seit einem halben Jahrhundert. Und schon melden sich die üblichen Verdächtigen und beschwören den olympischen Geist. So ist das auch immer. Aber wir wollen es gemeinsam besser wissen, oder?

Darf ich deshalb vorstellen: der NBCUniversal-Kolumnist Alan Abrahamson; der ehemalige IOC-Marketingdirektor und Bernie-Ecclestone-Berater Michael Payne, ehemaliger Skilehrer, guter Freund von Thomas Bach (FDP); und der einstige IOC-Mitarbeiter, heutige Berater und mehrmalige Olympic-and-World-Cup-Bid-Winner Terrence Burns. Die Jungs sind außer sich vor Freude. Abrahamson steht während der Spiele beim wichtigsten IOC-Partner unter Vertrag (NBCUniversal), ob Payne und Burns gerade als Berater vom IOC oder anderen an der Organisation beteiligten Parteien Honorar bekommen, weiß ich nicht. Gelegentlich frage ich Michael öffentlich auf Twitter danach, wann immer es mir zu bunt wird. Im Zweifel gibt es da meistens irgendwelche lukrativen Geschäfts-Verbindungen.

Kaum zu glauben: Olympiasieger Ahmed Hafnaoui. (Foto: IMAGO / Xinhua)

Jedenfalls, ihre Tweets zum überraschenden Olympiasieg des 18jährigen Tunesiers Ahmed Hafnaoui über 400m Freistil (das Rennen habe ich heute im Tokyo Aquatic Center beobachtet) ähneln sich wie das sprichwörtliche Ei dem anderen. Das ist natürlich kein Zufall. Und jemand, der Jahrzehnte lang in dieser Branche an exponierter Stelle tätig war, der diese drei bestens kennt, schreibt mir in wirklich genau diesem Moment, glauben Sie mir bitte:

“Ich kann sie nicht mehr lesen, diese olympischen Berufsclaquere.”

Ihnen wollte ich das aber nicht vorenthalten. Ich würde Alan, Michael und Terrence selbstverständlich niemals Berufsclaquere nennen, Pionierehrenwort! Sie müssen das jetzt lesen: