Der Überlebenskampf: Olympische Winterspiele 2026

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Eröffnung der Olympischen Jugend-Winterspiele 2012 am Bergisel in Innsbruck (Foto: IOC Media via Flickr)

Eröffnung der Olympischen Jugend-Winterspiele 2012 am Bergisel in Innsbruck (Foto: IOC Media via Flickr)

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat den Bewerbungsprozess für die Olympischen Winterspiele 2026 auf die Zeit nach den Winterspielen 2018 in PyeongChang vertagt. Normalerweise hätte der Olympia-Wettbewerb, der im Sommer 2015 in größter Not neu strukturiert wurde, bereits in diesem Herbst begonnen – unmittelbar nach der Vergabe der Olympischen Sommerspiele 2024 in Lima an Paris, Los Angeles oder (der Vollständigkeit halber) Budapest. Es mag ein von Lobbyisten gestreutes Gerücht sein, dass auf dieser IOC-Session in Peru nicht nur die Spiele 2024, sondern auch gleich die für 2028 vergeben werden. Ein olympischer Doppelpack für Paris und Los Angeles – anyway, die Mega-Events des IOC bleiben aus vielerlei Gründen ein gigantisches Problem. Vor allem die Winterspiele, wo aus geografischen Gründen ohnehin maximal zwei Dutzend Nationen als Gastgeber in Frage kommen.

Ich habe vor einigen Tagen für Die Presse gedichtet, aus österreichischer Sicht gewissermaßen, und den Beitrag wie immer ergänzt, erweitert (u.a. mit einem Q & A des Sportministers Hans Peter Doskozil, auch mit Dokumenten), aktualisiert und verlinkt:

* * *
Die olympische Parallelwelt bebt. Korruption, Gigantismus und Doping bestimmen die Schlagzeilen weltweit. Die Glaubwürdigkeit des IOC und vieler Sport-Weltverbände tendiert gegen Null. Mega-Events wie Olympische Spiele, Kontinentalspiele oder Fußball-Weltmeisterschaften werden vorzugsweise in Diktaturen, Erbmonarchien oder Oligarchien ausgetragen – China, Russland, Katar, Aserbaidschan, Weissrussland. Die Kosten steigen ins Unermessliche. 50 Milliarden Dollar hat sich Wladimir Putin die Olympischen Winterspiele 2014 kosten lassen, gigantische Korruptionsmargen für Oligarchen inklusive. Nur weniger preiswert werden, entgegen aller Behauptungen, die Winterspiele 2022 in Peking sein, inklusive der exorbitanten Infrastrukturmaßnahmen. In demokratisch strukturierten Nationen dagegen sprechen sich immer mehr Menschen gegen derlei Großprojekte aus. Im Weltsport herrscht Alarmstufe Rot. Und ausgerechnet in dieser Zeit forciert das Österreichische Olympische Comité (ÖOC) gemeinsam mit der Politik eine neuerliche Olympiabewerbung.

Das klingt absurd.

In jeder Krise liegt aber eine Chance. Wenn man es richtig angeht und mit den bislang dominierenden Usancen bricht.

Nur dann.


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duesseldorfer #1

Und wenn es um die Sommerspiele nicht soviel besser steht -siehe Widerstand in Budapest und Gerüchte um eine Doppelvergabe 2024/2028- entweder macht man den Laden zu oder verkauft ihn endgültig ans organisierte Verbrechen.

Was ist die Motivation hinter der Doppelvergabe?
– Einfach nur mehr Geld nebenher verdienen. Wer weiß, was mit den internationalen Netzwerken in den nächsten Jahren geschieht.
– Tatsächliche Torschlusspanik, das man keine Ausrichter für weitere Ausgaben findet.

JW #2

Panik. Angst, dass sich Mega-Cities wie Paris und LA dann auch für lange Zeit oder völlig verabschieden. Gleichzeitig: das Wissen um langfristige TV- und Sponsorenverträge, die es bereits gibt und damit eine gewisse Sicherheit geben. Er wird (erneut) argumentieren, dass man damit Zeit gewinnt, um alles zu überarbeiten (dabei sollte die Agenda 2020 je schon der Heilsbringer gewesen sein).

Stefan #3

Steht noch nirgendwo, dass Graubünden nach erfolgloserreicher Volksabstimmung nun auch ausgestiegen ist? Nun noch mit mehr Nein-Stimmen! (60%) Westschweiz bleibt bishr im Rennen.
http://www.deutschlandfunk.de/olympia-2026-keine-spiele-in-graubuenden.1346.de.html?dram:article_id=378776

JW #4

Das sollte eigentlich schon vergangene Woche veröffentlicht werden. Komme nur nicht dazu, kopiere den Rohtext hier mal rein. Arbeite gerade an 2024/28 und anderen Themen, weshalb hier noch ein paar Tage Ruhe bleibt. Leider.

Der Widerstand gegen olympische Mega-Events mit milliardenschweren Risiken bleibt groß. Im Schweizer Kanton Graubünden wurden am Sonntag bei einem Volksentscheid die Pläne für Olympische Winterspiele 2026 gestoppt. In Budapest werden bis Ende der Woche Stimmen gesammelt, um eine Volksabstimmung gegen die Olympiapläne 2024 zu erwirken. Die Initiative braucht nur noch einige tausend der nötigen 138.000 Unterschriften. Die Hiobsbotschaften für den Besitzer der Olympischen Spiele, das Internationale Olympische Komitee (IOC), reißen also nicht ab. Wann immer Bürger an die Wahlurnen dürfen, werden Pläne für die gigantischen Showveranstaltungen gestoppt und der von Korruption und Doping geprägten olympischen Bewegung eine Ohrfeige nach der anderen verpasst. Auch in München und Umgebung (Winterspiele 2022) und Hamburg (Sommerspiele 2024) war das der Fall. Dennoch wird in Deutschland, in Nordrhein-Westfalen, schon wieder an einer Olympiabewerbung gebastelt – diesmal für die Sommerspiele 2028.

Das jüngste Wahlergebnis in Graubünden ist erstaunlich. 60 Prozent der Bürger sprachen sich gegen die Olympiabewerbung aus. Trotz einer mächtigen Allianz aus Wirtschaft, Politik und Medien, die gewaltig Stimmung machte für das Projekt 2026, ist die Ablehnung im Vergleich zu 2013 gestiegen: Damals stoppten knapp 53 Prozent der Wähler die Olympiabewerbung 2022. Am Sonntag fand sich nicht einmal in der Luxus-Destination St. Moritz, wo gerade die alpine Ski-Weltmeisterschaft ausgetragen wird, eine Mehrheit für die Winterspiele: Bei 58 Prozent Wahlbeteiligung in der Gemeinde St. Moritz unterstützten weniger als 44 Prozent das Großprojekt, das durchaus unlauter vorangetrieben wurde: In das nunmehr beerdigte Bewerbungskonzept war auch Zürich als Zentrum für Eishockey und Eislaufen einbezogen. Dabei hatte die Stadtverwaltung kein Interesse an den Winterspielen und lehnte sowohl Bürgschaften als auch Neubauten für 2026 ab.

Es wird dennoch eine Schweizer Olympiabewerbung geben. Denn nur das Projekt Graubünden 2026 ist gestoppt, nicht aber das konkurrierende Projekt Sion 2026, für das es vorerst keinen Volksentscheid gibt. Der Trick liegt im Detail, in die Pläne der Westschweiz, mit dem Aushängeschild Sion, sind vier Kantone eingebunden: Wallis, Waadtland, Bern und Freiburg. Dadurch werden auch die Kosten für die Bewerbungsphase auf vier Kantone verteilt und sinken in einen Bereich, für den kein Volksentscheid nötig ist. Die vier Kantonalregierungen können also über die Millionensummen selbst bestimmen, anders als in Graubünden, wo es am Sonntag um einen Verpflichtungskredit für die Kandidaturphase in Höhe von 25 Millionen Franken ging. Davon hätten Graubünden neun Millionen, der Bund acht Millionen und die Sport-Dachorganisation Swiss Olympic ebenfalls acht Millionen aufbringen müssen.

So wird der Exekutivrat von Swiss Olympic am 7. März die Kandidatur Sion 2026 unter dem Titel „die Winterspiele im Herzen der Schweiz“ beschließen. Im April erfolgt, reine Formsache, die Zustimmung des Sportparlaments. Der Schweizer Bundesrat hat sich grundsätzlich positiv zu einer Olympiabewerbung geäußert. Die Schweiz richtet 2020 bereits die Olympischen Jugendspiele aus, mit dem Zentrum Lausanne, wo seit 1915 auch das IOC residiert und zahlreiche Privilegien genießt. Erst später in der Bewerbungsphase, wenn über die vom IOC geforderten Bürgschaften und mögliche Milliardenlasten entschieden werden muss, könnte auch für das Projekt Sion 2026 ein Volksentscheid anstehen. Aus Sicht der Sportverbände ist die Gefahr keinesfalls gebannt.

Als mögliche Konkurrenten der Schweizer bereiten sich Stockholm (Schweden) und Calgary (Kanada) vor. In Calgary, Olympia-Gastgeber 1988, wird für mehrere Millionen Dollar eine Machbarkeitsstudie erstellt. In Stockholm wurde eine solche Studie soeben vorgestellt. Angeblich sollen die Winterspiele 2026 in Stockholm, Falun und Åre lediglich 1,5 Milliarden Dollar kosten – es wären die mit gewaltigem Abstand billigsten Spiele der vergangenen Jahrzehnte. Und gerade diese kühne Prognose lässt Zweifel an den Planungen aufkommen. Auch für 2022 war Stockholm zeitweise im Rennen, doch der Widerstand in der Bevölkerung wuchs und der Stadtrat beendete das ungewisse Abenteuer rechtzeitig. Vierter möglicher Kandidat für die Winterspiele 2026 könnte Innsbruck werden, bereits 1964 und 1976 Olympia-Ausrichter und 2012 Gastgeber der Jugendspiele.

Die Österreicher haben die deutschen Firmen Proprojekt und Albert Speer + Partner verpflichtet, die in zuletzt in alle deutschen Olympiabewerbungen und auch in die Planungen der Fußball-WM 2022 in Katar eingebunden waren. Proprojekt-Geschäftsführer Stefan Klos sagt, er wolle keine Machbarkeitsstudie für das IOC produzieren, sondern eine für Tirol. Was hat die Region? Was braucht die Region? Was braucht der Sport? Derlei Fragen sollen die Studie dominieren. Von den drei kostenintensivsten olympischen Sportstätten (Bob- und Rodelbahn, Skisprunganlagen, Halle für Eisschnelllauf), die viele Olympiaausrichter ins Verderben trieben, sind in Tirol zwei vorhanden. Doch braucht es wirklich eine Halle für das Eisschnelllaufen? Das Team von Klos dürfte diese Frage, eine gewaltige Hürde in den Planspielen, mit Nein beantworten und Alternativen empfehlen. In Österreich würde es in jedem Fall einen Bürgerentscheid geben. Zuletzt waren 1993 und 1997 in Innsbruck und 2013 in Wien nach Volksbefragungen Olympiapläne gestoppt wurden.

Der Olympia-Konzern IOC ist in einer selbstverschuldeten Notlage und muss sein nahezu unverkäufliches Produkt retten. Das IOC braucht Partner, um die Winterspiele nach den Abenteuern in Sotschi (2014), PyeongChang (2018) und Peking (2022) wieder im olympischen Kernland austragen und die Marke beleben zu können. Bei Winterspielen, für die maximal zwei Dutzend Nationen weltweit infrage kommen, ist der Leidensdruck besonders groß. Bei den Sommerspielen ist er allerdings kaum geringer. In Rio de Janeiro (2016) verrotten erwartungsgemäß schon ein halbes Jahr nach den Spielen die Sportstätten. In Tokio (2020) vervielfachten sich – ebenfalls erwartungsgemäß – die Kosten. Und wenn Budapest für 2024 ausscheiden sollte, wie zuvor bereits Rom, bleiben nur Los Angeles und Paris als Bewerber übrig. Das sind eigentlich Metropolen, die Olympia durchaus verkraften können, die Amerikaner haben 1984 vorgemacht, wie man die Sommerspiele wirklich profitabel ausrichtet. Doch mit der Trump-Administration und einer möglichen Rechts-Regierung unter Marine Le Pen demnächst in Frankreich gerät auch dieser Wettbewerb in unkalkulierbare Turbulenzen.

Ralf #5

Michael Mronz im SpOn-Interview zu den Olympia-Plänen in NRW: “Die Menschen sind extrem sportbegeistert”

Stefan #6

Budapest hat sich nun auch zurückgezogen.
http://www.insidethegames.biz/articles/1047368/budapest-2024-olympic-and-paralympic-bid-axed
Der Budapester Botschafter hat dazu den schönen Satz gesagt:

There is no point dragging out this process like strudel dough.

Und er hat recht. Ich habe daraufhin dieses schöne Video gefunden, wie man einen Strudelteig auszieht, und die Analogie zum olympischen Bewerbungsprozess liegt auf der Hand!
https://www.youtube.com/watch?v=WQBsUwaao50

Stefan #7

Sagte ich “Botschafter”? Ich meinte Bürgermeister.

duesseldorfer #9

Zum Tweet vom 26.06.2017, was Dr. Thomas Bach meinte: Unerhört, wie geizig die Ausrichter geworden sind, die wenigen Euro, die man für Schmiermittel für komplexe Vergabe-Prozesse konsumieren kann, sollten die Städte noch überhaben.
Wenn sie dann hinterher beim Bau der Austragungsstätten und der Verkehrsinfrastruktur genauso großzügig sind, ist das allerdings nicht mehr unser Problem.

Thomas Zeindl #10

Warum nicht eine gemeinsame Bewerbung von Österreich (Innsbruck, Salzburg, Kitzbühel, Bayern (München, Inzell, Berchtesgaden, Oberstdorf) sowie Schweiz und Südtirol? Wenn das für die Sommerolympiade mit Paris UND Los Angelos angedacht wird, warum dann nicht im Winter zumindestens regional auf einem Kontinent? Die Idee nur wie im Altertum die Stätte auf dem Olymp zu verwenden, war nur zu Zeiten von Coubertain praktikabel. Mega-Events dürfen finanziell nicht am Mega-Aufwand ersticken. Auch eine zeitliche Aufteilung wäre denkbar mit 10 Tagen am Anfang des Winters zB Dezember (Skibewerbe) und 10 Tage am Ende des Winters (Eishockey, Eisschnelllauf, Bob- und Schlittenbewerbe – die sind ja nicht so abhängig vom Schnee). Warum da noch keiner darauf gekommen ist?

Ralf #11

Johann Osel und Christian Sebald in der SZ: Inzell träumt von Olympia – aber es regt sich schon Widerstand

Ralf #12

Manfred Mitterwachauer in der TT: Ein olympisches Strohfeuer?

Kaum mehr als 80 Leute hat die kürzlich gestartete „Olympia im Dialog“-Reihe von Land und Stadt Innsbruck bei ihren ersten beiden Stopps in Innsbruck und Imst erreicht.
[…]
Die Infotour, die übrigens nur die Bezirksstädte streift, kommt trotz üppigem Budget dermaßen schmalspurig, bieder und bar jeder Emotion daher, dass einem das dort dargebotene Zahlenmaterial schier im Halse stecken bleibt.

mehr demokratie!: Tiroler Olympia-Volksbefragung: Fragestellung verfassungswidrig

„Der VfGH würde diese Olympia-Volksbefragung wegen dieser Fragestellung mit beträchtlicher Wahrscheinlichkeit aufheben. Es ist unverantwortlich, öffentliche Mittel für eine Volksbefragung einzusetzen, deren Verfassungskonformität in Zweifel steht.“

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