Winterspiele 2022: die Entscheidung in Graubünden. Münchens Chancen. Demokratie/Transparenz vs Heimlichtuerei. Olympiafinanzen. Journalismus vs Propaganda

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Das Volk hat das Wort! In der Schweiz gehören plebiszitäre Elemente, wie auch eine erstaunliche Transparenz in der Verwaltung, gewissermaßen zur DNA der Demokratie. Anders als in Deutschland, diesem Entwicklungsland in Sachen Transparenz und Bürgerbeteiligung. Im Kanton Graubünden entscheidet sich in diesen Momenten die Zukunft der Olympiabewerbung 2022 – und ich werde den Nachmittag aus der Ferne etwas begleiten. Ich war auch in den vergangenen Wochen oft vor Ort, habe über die Bewerbung berichtet, habe einige Interviews gegeben (über eines wird gleich noch zu reden sein) und durfte in Chur einen Vortrag zu Olympiabewerbungen, deren Finanzierung un…



Das Volk hat das Wort! In der Schweiz gehören plebiszitäre Elemente, wie auch eine erstaunliche Transparenz in der Verwaltung, gewissermaßen zur DNA der Demokratie. Anders als in Deutschland, diesem Entwicklungsland in Sachen Transparenz und Bürgerbeteiligung. Im Kanton Graubünden entscheidet sich in diesen Momenten die Zukunft der Olympiabewerbung 2022 – und ich werde den Nachmittag aus der Ferne etwas begleiten.

GRAUBÜNDEN 2022

Zur Orientierung:


Ich war auch in den vergangenen Wochen oft vor Ort, habe über die Bewerbung berichtet, habe einige Interviews gegeben (über eines wird gleich noch zu reden sein) und durfte in Chur einen Vortrag zu Olympiabewerbungen, deren Finanzierung und zum IOC halten. Ich habe wieder einiges gelernt über die Schweiz, und bei einigem Kopfschütteln (etwa über die Propaganda von Politikern und deren Helfershelfern) bleibt doch ein Erstaunen, wie selbstbewusst sie dort mit ihrem Grundrecht auf Mitbestimmung umgehen. Chapeau! Das wünschte ich mir in Deutschland, oft genug habe ich beschrieben und argumentiert, dass vor einem Mega-Projekt wie einer Olympiabewerbung doch diejenigen befragt werden sollten, die die Zeche in jedem Fall zahlen müssen: die Bürger.
Ungleich transparenter al…
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ha #1

Das finde ich nach Lektüre Deines Sonntagszeitungs-Textes noch spannender: Man stelle sich vor, nach dieser Niederlage in der Schweiz würde auch in Oslo, falls Bewerbung, ein Nein-Referendum herauskommen. Dann bliebe dem IOC, die Spiele Janukowitsch zu schenken?

Dem kann ich ja durchaus etwas abgewinnen ;)

Benedikt #2

In Bayern wird doch Anfang September gewählt, dann steht die neue Regierung Ende Oktober oder November. Die neue Bundesregierung dürfte auch erst November oder Dezember stehen. Da müsste die Bewerbung München 2022 mitsamt einer Rumpf Finanzierung in sehr wenigen Tagen, ohne Vorbereitungszeit durchgepeitscht werden. Das halte ich für Politisch nicht machbar.

JW #3

@ Benedikt: Deshalb sage ich ja: Bürgerentscheid in München, Schönau, GaPa und Ruhpolding (sie sollten dabei sein) so schnell wie möglich. Dann herrschte Klarheit, das wäre demokratisch. (Ausnahmsweise mal bei deutschen Bewerbungen.)

Im Herbst wäre es zu spät – weil Bach und Ude nicht mit offenen Karten spielen, weil sie private Interessen über jene stellen, die sie einige Jahre als „nationale Interessen“ bezeichnet haben (während der 2018er Offerte).

ha #4

#3
Werfe mal kurz in die Debatte, dass die Ausrichterorte St. Moritz und Davos dafür gestimmt haben, der Kanton insgesamt dagegen.
Ohne mir eine Meinung darüber gebildet zu haben, was das für Bürgerentscheide in Bayern und /oder MünchenGarmischRuhpoldingSchönau bedeuten könnte /sollte – und ob überhaupt etwas.

JW #5

St. Moritz und Davos können Olympia natürlich nicht stemmen. Es ging um 5 Mio in St. Moritz, um 2 Mio in Davos (hoffe, die Zahlen frei richtig wiederzugeben) – aber um 300 Mio CHF aus dem Kanton (genau das war die Frage bei der Abstimmung, und nichts anderes/siehe oben). Damit verbunden ging es um mindestens 2,285 MRD CHF vom Bund:

5 Mio bereits jetzt für Propaganda
30 Mio für erste Bewerbungsphase
1 Mrd Bürgschaft
1 Mrd Infrastruktur
250 Mio Sicherheit

Tendenz wäre gewesen: steigend.

Benedikt #6

Bei einer Volksbefragung zu München 2022 müssten sich einige Politiker als Olympia Unterstützer outen. Was denen Stimmen bei den Wahlen kosten wird. Die eigene Politiker Zukunft ist denen alle wichtiger, als Olympischen Spiele in München. Daher wird die Politik jede Diskussion um Olympia 2022 vor den Wahlen im Keim schon ersticken. Und danach ist die Zeit zu knapp, eine Olympia Bewerbung 2022 auf die Beine zu stellen.

Wenn das IOC keine zwei ernsthaften Bewerber zusammen bekommt, muss sich das IOC sowieso ein Plan B, mit anderen Vorgaben überlegen.

ha #7

#5, jw
Ja, die Frage war deshalb auf München 2022 bezogen: Kosten kämen auch auf den Freistaat Bayern zu (und auf den Bund), nicht nur auf die Veranstalter-Orte.
Wäre es deshalb ein Muster von welchem demokratischen Wert, dass in der Schweiz der gesamte mitzahlende Kanton abgestimmt hat?

Ich neige dazu, das so zu sehen..

ha #8

Sorry, meine Dämlichkeit: Realität fällt unter Katagorie „demokratisches Entwicklungsland“ Deutschland.
Für Abstimmung auf Landesebene bräuchte es ja erstmal ein Volksinitiative.

Arnesen #9

Interessant, dass die Abstimmung auch und vor allem im Kantonshauptort Chur verloren wurde.

enrasen #10

Mit dem aktuellen Stand aus der Schweiz, Oslo und München und in Betracht der Wahlen im IOC, Bayern und Bund ist es doch ein leichtes für den Kollegen Bach im IOC dafür zu sorgen, dass die Bewerbungsfrist verlängert wird, oder?

Da sollte er doch das Exco, sollte es die Befungnis haben, entsprechend zu bewegen können mit der Aussicht vieler schöner Geschenke, Reisen, VIP Logen in München und Bayern 2022.?!

Vorallem wenn er gewählt würde kann er das doch per order de mufti bestimmen und seinem Nachfolger Vesper wunderbar befehlen, die Bewerbung jetzt bitte schnell bis Feb/Mrz 14 mit OB Ude und BK Merkel in Gang zu setzten.

Ralf #11

nolympia.de: Graubündner Bevölkerung beerdigt Graubünden 2022

Wer naiv für die Befragung der Bevölkerung in Sachen Olympia-Kandidatur (zum Beispiel München 2022) als “demokratisch” eintritt, sollte sich die tatsächlichen Machtverhältnisse vor Augen führen.

ha #12

#11, Ralf
Siehst Du Alternativen dazu? Mal abgesehen davon, dass die repräsentative Demokratie in Gestalt der Parteien im Bundestag und abwärts da auch noch ein Wörtchen mitzureden hat?

Schwerer als die „tatsächlichen Machtverhältnisse“, in Graubünden gerade von den Olympiagegnern auf den Kopf gestellt, wiegt womöglich der Umstand, dass direkte Demokratie wie in der Schweiz praktiziert bei uns nicht möglich ist, meint hier: Es können nicht alle, die zur Kasse gebeten werden sollen, befragt werden. Nicht umsonst hatten ja die Spiele-Gegner in der Schweiz für den Fall des Scheiterns im Kanton schon eine landesweite Befragung ins Auge gefasst. Bei uns dagegen: schon in Bayern hohe Hürden für ein Volksbegehren, dann kann der Landtag noch immer ablehnen, dann dauert es noch einmal bis zum Volksentscheid – bundesweit das Ganze ohnehin unmöglich.

Wie auch immer: dass es Bürgerbefragungen gibt, halte ich für einen Fortschritt (wie es einer war, dass die Grünen die gesamte Partei befragt hatten für 2018), auch, dass der DOSB das verstanden hat. Wenn allerdings das Schweizer „Ja“ in den Veranstalterorten ein zu verallgemeinerndes Indiz sein sollte, dann kann man sich darüber ärgern bzw. gegen eine solche Tendenz arbeiten – es ist aber zu akzeptieren, oder? Das wäre so demokratisch, wie es die Bundesrepublik mit ihren historisch geprägten Vorbehalten gegen Elemente der direkten Demokratie derzeit ermöglicht. (Auch wenn man diese Vorbehalte für überholt hält.)

ha #13

P.S.: Damit habe ich nichts zum Fahrplan für diese Bürgerbefragungen gesagt ;)

Das hat jw getan: Alle Wege führen nach München

Ralf #14

Daß Schmidbauer und Co. nach mehreren Monaten gerade mal ein Drittel der für ein Bürgerbegehren notwendigen Unterschriften beieinander haben, zeigt eigentlich mehr als deutlich, daß es in München keinerlei Olympiabegeisterung gibt. Schuld ist nun aber angeblich allein das fehlende Geld:

«Wir sind finanziell zu mager ausgestattet. Wir bräuchten mehr Personal, um Infostände aufstellen zu können und noch mehr Stimmen zu sammeln.»

Das traurige ist: Sobald die Propagandamaschine anspringt, spielt Geld für die Befürworterseite keine Rolle mehr. Die Olympiagegner dagegen werden auch in der entscheidenden Phase nur „mager ausgestattet“ sein.

Grundvoraussetzung für eine faire Auseinandersetzung wäre zumindest ein Verzicht auf den Einsatz staatlicher Mittel…

ha #15

Naja, dann kann man nur hoffen, dass die Münchner bereit sind, ihre mangelhafte Begeisterung auch bei der von Ude/DOSB ausgerufenen Bürgerbefragung im November (falls nicht doch eine frühere kommt) zu bekunden und nicht die Nase voll haben vom Herbst-Wahlmarathon … ;)

Wenn man sich Schweizer Verhältnissen annähern wollte, bräuchte es ja, je nach Zahl der Veranstatungsorte, vier Befragungen. Bei einem einzigen Nein wäre „München 2022″ geplatzt. Oder hieße das Superevent dann „Schönau 2022″ ?

Ralf #16

Wenn man sich Schweizer Verhältnissen annähern wollte, bräuchte es ja, je nach Zahl der Veranstatungsorte, vier Befragungen.

Falls sich Bach/Ude zu einer Bewerbung durchringen können, wird es wohl tatsächlich mehrere parallele Bürgerentscheide geben.

JW #17

Ooops. Da ist mal wieder ein Kommentar von mir verschluckt worden. Irgendwo in den Tiefen des Internetzes.

@ Ralf #14: Ich bin absolut dafür, Olympiabewerbungen endlich mal vorab per Bürger/Volksentscheid zu klären, wie man das auch immer nennen mag. Dass es in der Regel dann ein unfairer Wettbewerb ist, kann Mann leider nicht ändern. Das war es letztlich auch in der Schweiz/Graubünden, da wurden – frei wiedergegeben – mindestens 5,4 Mio CHF plus Ringier-Kampagne plus Infrastruktur von Maurer & Co – in die Propaganda gegen die überaus zurückhaltende Opposition investiert.

Es hat dennoch nicht gereicht.

Das finde ich alles ziemlich erstaunlich.

Und dabei blieben die Vertreter des Olympiakritischen Komitees so cool und zurückhaltend, dass ich es kaum glauben mochte. Was ich erst spät begriffen habe: diese zurückhaltende Art der Auseinandersetzung beruht auf der gelassen machenden, wunderbaren Gewissheit, mit dem Mittel der Volksentscheide immer wieder (selbst nach einer Niederlage am 3. März) eine Möglichkeit gehabt zu haben, in den Fluss der Ereignisse und Olympiaplanungen einzugreifen. Da geht was in der Schweiz, und es ist selbstverständlich, was in Deutschland schlicht undenkbar ist und sogar unmöglich.

Und noch etwas, auch mehrfach angetönt: Die Olympiaplanungen waren bis zu einem gewissen Punkt (der offenbar immer ein kritischer Punkt ist, nämlich: wie finanziert man die Budgets) vergleichsweise traumhaft vorbildlich! Da wurde wirklich jede Institution, jeder Verband befragt, da gab es Hearings, da wurden Protokolle der Hearings veröffentlicht, selbst die Finanz“Studien“ lasen sich vergleichsweise zurückhaltend (immer im Vergleich zu Dingen, die Mann in Deutschland erlebt/e). Hat mich mitunter regelrecht begeistert. Was mich aber nicht daran hinderte, dann zuzubeißen und etwa in diesem SRF-Radiointerview die Propaganda Maurers als solche zu entlarven.

Arnesen #18

Vesper auf ServusTV (Sport und Talk aus dem Hangar 7) über Münschen 2022 sinngemäß:
– keine Initiative vor September
– dann viel Arbeit bis November
– wollen die Bürgermeinung
– Vorteil eines fertigen Konzeptes (nur München, Königsee und Garmisch-P. namentlich erwähnt)
– Transparenz, Offenheit, frühzeitig :-)
– finanziell lohnt sich das alles langfristig

Mein Fazit: Kann nachher immer sagen, dass es an ihm nicht gelegen habe.

hilti #19

Sinnvoll wäre es, wenn die Bürgerbefragung zur Münchener Bewerbung mit der Landtagswahl oder notfalls der Bundestagswahl verbunden werden würde. Bietet sich ja eigentlich an. Tja, da sind nur Bach und ude vor…

OP #20

Apropos Olympische Spiele und Volksentscheid, in Wien (Stadt) will man jetzt diese Woche bei der Volksbefragung u.a. auch wissen, ob Wien sich für Olympia 2028 bewerben soll.

derstandard.at: Die Bewerbungsbewerbung: Häupl forciert Olympia 2028 in Wien

Ralf #21

Heiner Effern und Silke Lode in der SZ: Münchens Olympia-Chancen steigen

Doch dann bliebe die Frage: Was solle mit den nordischen Skisportlern geschehen? Zwei Möglichkeiten gäbe es: sie in Garmisch-Partenkirchen belassen und dort nach passenden Loipen suchen. Dann bliebe die Marktgemeinde der zweite große Standort der Spiele. Oder Springer, Läufer und Kombinierer in Oberstdorf antreten lassen.

Otto #22

Das erste Voting, freilich nicht repräsentativ, läuft derweilen schon mal bei

Merkur-Online (Garmisch-Partenkirchner Tagblatt) vom 04.03.13:

„Olympia 2022: Der Schlagabtausch beginnt“

Ralf #23

Stefan Grass im ND-Interview: Graubünden bleibt Olympia erspart

Ralf #24

zu #18:

Eine Aufzeichnung von ServusTV gibt es hier (ab ca. 28:00 min)…

Ralf #25

Benedikt Voigt im Tagesspiegel: Olympia nach Neuseeland?

[Das IOC] sollte ernsthaft darüber nachdenken, die Spiele alternierend an immer dieselben Orte zu vergeben. Falls das zu revolutionär ist, könnte es zumindest die Chance nutzen, die Winterspiele 2022 erstmals auf der Südhalbkugel stattfinden lassen. Also konkret: Fußball-WM 2022 im Winter in Katar – und Winterspiele im Sommer in Neuseeland.

Stefan #26

@Ralf
Oh ja. Peter Jackson wird hocherfreut sein, wenn er dann die hässlichen Betonschanzen aus seinen Filmen rausretuschieren muss.

mik #27

Ich habe vor einiger Zeit einen Artikel gelesen (SZ/FAZ/ZEIT?), der die Transparenz während der Bauphase in London hervorhob. Hat man sich dort nach dem Zuschlag besonnen oder kannst Du dieser Deutung ohnehin nicht zustimmen?

JW #28

@ mik: Danke für die exakte Quellenangabe ;)

London hat die Spiele 2005 in Singapur (einen Tag vor dem Bomben-Attentat in der Tube) mit einer großen Lüge gewonnen. Die Regierung hielt ein Dossier unter Verschluss, wonach sich das Budget verdreifachen würde. Dieses haben sie dann aber einigermaßen unter Kontrolle gehabt – und die Umsetzung via Olympic Delivery Authority war, soweit sich das in einem Satz sagen lässt, vergleichsweise okay. Vor allem aber ließ sich über parlamentarische Diskussionen und Veröffentlichungen der Regierung und der ODA einiegermaßen nachvollziehen, was mit dem Geld geschah.

Arnesen #30

@ #29
Das 1948-Bild im zweiten Link ist ja mal allerliebst. Viel deutlicher kann die Entwicklung des olympischen Wintersports in Texten kaum verständlich gemacht werden.

JW #31

@ Arnesen: Budget damals: 1,1 Mio CHF. Für die gesamten Spiele. Heute kostet ein teilnehmender Sportler rund 1 Mio CHF, rechnet Mann wie ein Milchmädchen und dividiert das Durchführungsbudget mit der Zahl der teilnehmenden Athleten.

Lies mal nach in der Botschaft des Bundesrates dort oben.

Da heißt es zu St. Moritz 1948:

Nach Beendigung des Zweiten Weltkriegs fanden die ersten Olympischen Winterspiele 1948 ebenfalls in St. Moritz statt. Im Bewerbungsverfahren hatte sich St. Moritz gegen Lake Placid (USA) durchgesetzt. In 6 Sportarten und 22 Disziplinen nahmen 878 Sportlerinnen und Sportler aus 28 Nationen teil. Die Spiele wurden von 59 037 Zuschauerinnen und Zuschauern besucht; 570 Journalisten aus 38 Ländern berichteten über die Winterspiele in der Schweiz. Das Budget des Organisationskomitees betrug 1,1 Millionen Franken. Etwa die Hälfte konnte aus dem Verkauf von Eintrittskarten gedeckt werden. Der Beitrag des Kantons belief sich auf 100 000 Franken, jener der Gemeinde St. Moritz auf 76 000 Franken. Der Bund leistete einen Beitrag von 133 000 Franken und übernahm das Defizit von 24 000 Franken. Die Anlagen aus dem Jahr 1928 konnten grundsätzlich wieder genutzt werden. Aufgrund der Qualität der bestehenden Infrastruktur waren lediglich punktuelle Modernisierungsarbeiten auszuführen. Als neue Disziplin wurde der alpine Skilauf in das Programm aufgenommen. Die erforderlichen Infrastrukturen waren bereits vorhanden, mussten also nicht neu erstellt werden. Was die Beherbergung betrifft, mietete die Gemeinde für die Durchführung der Spiele fünf Hotels in St. Moritz-Bad. Alle anderen Hotels gaben 20 Prozent der Betten für die Olympischen Spielezu stark reduzierten Preisen ab. Auf diese Weise konnten genügend Unterkünfte bereitgestellt werden. Das Interesse an den Olympischen Winterspielen in St. Moritz war weltweit sehr gross. Dies war unter anderem darauf zurückzuführen, dass es sich um die erste internationale Grossveranstaltung nach dem Zweiten Weltkrieg handelte. Für St. Moritz brachten die Winterspiele einen wirtschaftlichen Entwicklungsschub inden Bereichen Infrastruktur (Strassen, Telefonnetz, Erschliessung des Skigebiets) und technischer Wissensaustausch über die Landesgrenzen hinweg. Für den damals noch nicht so verbreiteten Wintersport stellten die Spiele eine sportlich und wirtschaftlich wichtige Präsentationsplattform dar. Nach den Olympischen Winterspielen von 1948 erlebte St. Moritz einen eindrücklichen touristischen Aufschwung und wurde in der Folge zu einem der bekanntesten Wintersportorte der Welt.

Lui16 #32

Wolfgang Maennig im Interview mit der „Welt“: Wer sich gegen Olympia entscheidet, verpasst was

Wenn die Mehrheit der Deutschen die Spiele nicht mit Überzeugung will, hat es keinen Sinn sich zu bewerben. Es gibt noch genügend Regionen auf der Welt, welche die Spiele herzlich gern ausrichten würden. (…)
Fakt ist: Die Investitionen für München 2022 wären vergleichsweise überschaubar. Bayern ist eine der Regionen der Welt, die infrastrukturell am besten aufgestellt sind. Da wäre nicht mehr viel hinzuzufügen. Eine Investition von schätzungsweise zwei bis drei Milliarden Euro im Rahmen der Spiele muss sich ein Land wie Deutschland leisten können – und wollen! (…)
Wir müssen uns die Frage stellen: Wer ist eigentlich abstimmungsberechtigt, wenn es um eine Münchner Olympiabewerbung geht? Nur die Münchner? Alle Bayern? Oder müsste nicht vielmehr ganz Deutschland über diese Frage entscheiden?

JW #33

Diesen Sätzen kann ich folgen. Grundsätzlich aber habe ich ein Problem mit anderen Aussagen und mit Maennig überhaupt. Da mangelt es mir an Transparenz, da hat er zu oft Auftrags“studien“ erstellt, auch für Olympiabewerber (Berlin, Leipzig).

JW #34

Ohohoh, nochmal zu Lui16 #32:

Hier stellt sich natürlich die Frage nach dem Leistungsschutzrecht – gerade weil ein Produkt des Springer-Konzerns zitiert wurde. Ein Snippet ist das nicht mehr. Im Rahmen dieses gesamten Beitrages (inklusive der nun 33 Kommentare) könnte es aber vielleicht durchgehen.

Muss mir unbedingt Gedanken machen, wie künftig mit Zitaten und Verlinkungen zu Medienkonzernen umzugehen ist. #Notizanmichselbst #LSR

ha #35

Kleine Anmerkung zu Maennig:

Wir müssen uns die Frage stellen: Wer ist eigentlich abstimmungsberechtigt, wenn es um eine Münchner Olympiabewerbung geht? Nur die Münchner? Alle Bayern? Oder müsste nicht vielmehr ganz Deutschland über diese Frage entscheiden?

Nein, Maennig führt in die Irre: Diese Frage muss man sich in der Bundesrepublik, müssen sich Olympiapromoter aller Couleur eben nicht stellen. Siehe oben.

JW #36

Dazu passt sehr schön dieses Projekt der DJS München mit der HTW Chur:

Demokratie – und wie?!
Fragen und Antworten aus Deutschland und der Schweiz

Stefan #37

Halleluja! Bayern ist gut aufgestellt. Noch. Mit Olympia wären sie endlich kein Geberland mehr im Länderfinanzausgleich und wir sind endlich das Geplärre aus München los. Nun muss nur noch jemand der Staatsregierung diese göttliche Botschaft vorbeibringen.

Ralf #38

newsinenglish.no: Oslo rolls out its Olympic plans

City officials have rolled out prospects for a Winter Olympics in Oslo in 2022 that would cost at least NOK 20 billion (USD 3.6 billion) and spur major redevelopment of the city’s semi-industrial northeast side. It would also play heavily on the success of the 1994 Olympics at Lillehammer, re-using facilities built in that area for alpine and bobsledding events.
[…]
All the other Olympic events are planned for the Oslo area with only the adjacent township of Bærum allocated a venue for major competition (figure skating at the Telenor Arena at Fornebu) and Lørenskog just northeast of Oslo getting the curling competition.
[…]
The city also needs to drum up public support for an Olympics because of the enormous costs involved, which range from NOK 20 billion at the low end to NOK 34 billion at the high end.

Ralf #39

AZ: Olympische Spiele: Peking wird zum Rivalen

Asien ist wohl frühestens 2026 wieder dran…

JW #40

Wenn niemand will, dann machens halt die Chinesen. Die lassen zur Not den Schnee von einem der Pole einfliegen und sind recht spendabel mit den Milliarden.

Wenn China antritt, dann muss man um das Rotations-Argument fürchten.

ha #41

Glaube nicht, dass mit Peking Peking gemeint ist, im Sinne der Ausrichterstadt. Dafür ist /war Harbin in der Nordost-Provinz Heilongjiang im Gespräch. Und da muss man nichteine einzige Schneeflocke einfliegen ;)

Harbin stand auch schon irgendwann mal auf der Longlist der Bewerber. Für 2018 wollten sie, haben aber kein grünes Licht von der Partei /Peking bekommen.

Ralf #42

Es geht wohl schon um Peking…

International Business Times (26.12.12): China vies to host 2022 Winter Olympic Games

China’s government is working toward having Beijing and nearby cold-weather tourist destination Zhangjiakou jointly bid to co-host the 2022 Winter Olympics.

ha #43

Oh – „Glaube“ korrigiert. Thx.

Ralf #44

René Fasel im Interview mit dem Tages-Anzeiger: «Morgen wieder eine Kandidatur starten»

Erst einmal möchte ich aber all jenen danken, […] die Ja gestimmt haben. Sie nahmen sich die Mühe, richtig zu analysieren, was Olympische Winterspiele gebracht hätten und was nicht.
[…]
Die Presse hat uns auch nicht geholfen. Sie können sich nicht vorstellen, was für eine Macht Sie haben. Wahrscheinlich müsste man sich mit allen wichtigen Medien zusammentun, bevor man ein solches Grossprojekt angeht. Auch bei Sion 2006 waren die Schweizer Medien schuld, dass es nicht klappte.

JW #45

Morgen schon? Dann klappt’s wohl doch noch für 2022?

JW #46

Eine feine Diskussion übrigens beim Tagi zum Fasel-Interview. Als mehrheitsfähig darf dieser Kommentar wohl gelten:

Ein Musterbeispiel sich selbst überschätzender undemokratischer Unbelehrbarkeit.

Ralf #47

Mike Schier im Merkur: Olympia belastet die Opposition

Im Rathaus hat [Ude] eine Arbeitsgruppe eingesetzt, außerdem will er im Falle seiner Wahl zum Ministerpräsidenten die blinde Ex-Sportlerin Verena Bentele zur Olympiabeauftragten des Freistaats machen – mit eigenem Büro in der Staatskanzlei.
[…]
Die Grünen legten sich gestern bei einer Vorstandssitzung auf ein Nein fest. Auch die Freien Wähler, mit denen Rot-Grün ein Dreierbündnis anstrebt, positionieren sich eindeutig: „Wir haben uns schon für die Bewerbung Münchens für die Spiele 2018 eingesetzt“, sagt der Münchner Landtagsabgeordnete Michael Piazolo.
[…]
Dieter Janecek regt an, die Abstimmungen über Olympia mit der Landtagswahl zusammenzulegen. „Wenn es zur Bewerbung kommt, wird das ohnehin vor der Landtagswahl thematisiert werden“, gibt er zu bedenken.

Ralf #48

Informationen zu Oslo 2022

Christian Bütikofer #49

ich denke, das „Ungeheuerliche“ dieses Projekts war die „Milliarden-Garantie“ des Bundes, die eigentlich alles abdeckte. Das IOC wälzt sozusagen jegliches Risiko von vornherein auf die Veranstalter ab. Die Schweizer sind in etwas gut: sich die – wirtschaftlichen Risiken (ob Umwelt oder sonst) genau anzuschauen. Wenn Du dann als IOC kommst und nix anderes als „PR-Argumente“ bringst (Image, bla bla) als „Incentive“, sie aber von allem anderen nix wissen wollen… da wird auch so mancher „Fan“ oder klarer „Wirtschaftsfreund“, dem die Umwelt eigentlich relativ egal ist, nachdenklich…

Christian Bütikofer #50

von daher würde ich mal das „Statement“ pro Alpenländer (Umweltschutz) nicht überbewerten. ;-). Vielleicht wurde die Abstimmung viel mehr als man denkt von knallharten „Wirtschaftsargumenten“ entschieden…

Ralf #51

Swiss-Olympic-Präsident Jörg Schild im NZZ-Interview: «Das Image des IOK ist nicht das beste»

Schön wäre es natürlich, wenn ein Schweizer [IOK-]Präsident würde. Doch wir haben schon jetzt mehr Präsidenten internationaler Sportverbände als alle anderen Länder. Das provoziert auch Neid. Das Image des IOK ist nicht das beste, das hörten wir im Abstimmungskampf immer wieder. Das trug uns bei der Olympia-Abstimmung vom 3. März bestimmt nicht viele Ja-Stimmen ein.

Ralf #52

SonntagsBlick: Bündner rüsten zum nächsten Angriff – Der Kampf um Olympia geht weiter

Jenny hat seinem Olympia-Projekt den Namen «A bis S» verpasst: Von A wie Arosa über Chur, Davos, Flims/Laax, Lenzerheide bis S wie St. Moritz sollen bei der für 2030 angestrebten Neubewerbung die wichtigsten Bündner Tourismuszentren Austragungsort werden.

Ralf #53
Ralf #54

newsinenglish.no: Olympic boosters downplay deficit

Critics claim the Olympics will leave Oslo with a huge budget deficit, angry organizers of an earlier Olympic bid in Tromsø are staging an uproar, and even the plans for a new biathlon stadium are being bashed.
[…]
Elvestuen was determined to put a positive spin on the new analysis showing a projected deficit of at least NOK 9 billion-12.5 billion. “I think it’s worth it,” Elvestuen told reporters on Monday. “Winter sports create considerable enthusiasm and commitment among most folks, and that also should be reflected in the total accounting.”

Ralf #55
Ralf #56

The Slovak Spectator: Potemkin Olympics

Ralf #57
Ralf #58

infranken.de: Grüne lehnen erneute Olympia-Bewerbung ab

Ude wolle sich mit München noch einmal für Olympia bewerben. Aber das sei mit den Grünen nicht zu machen. „Eine Olympiabewerbung widerspricht den grünen Werten“, sagte Hartmann.

antragsgruen.de: Änderungsantrag Ä59

Wir lehnen eine erneute Bewerbung für Olympische Winterspiele der Landeshauptstadt München mit ihren Austragungsorten aus ökologischen und ökonomischen Gründen entschieden ab. Angesichts des Klimawandels sind Olympische Winterspiele in den niedrig gelegenen Austragungsstätten der hochsensiblen Alpenregion ein Zeichen gegen die Zeit. Ferner sind die unkalkulierbaren finanziellen Risiken für die SteuerzahlerInnen nicht verantwortbar.

Ralf #59
Ralf #60

Landeshauptstadt München, Rathaus Umschau: Olympiabewerbung München 2022: Optimierung des Sportstättenkonzeptes

Die Vorschläge betreffen eine Verlegung von Biathlon und Langlauf vom Gestüt Schwaiganger nach Ruhpolding im Landkreis Traunstein. Dadurch würde ein drittes Olympisches Dorf neben München und Garmisch-Partenkirchen im Umfeld der Sportstätten von Schönau und Ruhpolding notwendig. Für Freestyle-Wettbewerbe, Aerials und Halfpipe wird eine Verlegung von Garmisch-Partenkirchen nach München erwogen. Mit diesen Maßnahmen würde das Olympische Dorf in Garmisch-Partenkirchen um bis zu 40 Prozent verkleinert werden können, was auch unter den Aspekten der Akzeptanz günstig sein könne.

JW #61

Hochinteressant. Vernünftig. Exakt, was ich erwartet hatte :)

Ralf #62

Bewerbungsgesellschaft München 2018 GmbH: 18 Irrtümer über die Olympia-Bewerbung – und unsere Antworten darauf

„München plus 4 (Ruhpolding, Inzell, Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen) wäre das ökologisch bessere Modell gewesen, das man hätte unterstützen können.“

Das ist falsch. Im Gegenteil, dieses Modell würde
− mehr Verkehr auf längeren Wegen auslösen,
− mehr Flächenverbrauch durch zusätzliche Infrastruktureinrichtungen bedeuten und
− mehr Eingriffe in Natur und Landschaft notwendig machen.
[…]
Zudem würde eine solche Ausweitung Münchens Chancen im internationalen Wettbewerb massiv beeinträchtigen, denn der Grundgedanke Olympischer Spiele ist es, Sportler/innen aus allen Kontinenten und aus den unterschiedlichsten Sportarten zusammenzubringen, um die internationale Verständigung zu fördern.

Ralf #63

sid (19.01.10): Bach „spürt große Sympathie“ für München

SID: „Gerade hat Ruhpolding wieder seinen ausgezeichneten Ruf als Biathlon-Hochburg unter Beweis gestellt. Warum passen die Chiemgauer dennoch nicht in das Konzept für München 2018?“

Bach: „Weil es dann keine Olympischen Spiele in Deutschland geben würde. Mit einer Flickenteppich-Bewerbung hätten wir keine Chance. In Ruhpolding müsste unter anderem ein zusätzliches olympisches Dorf errichtet werden, ein solches Subzentrum mit kostenintensiven Verkehrswegen ist nicht zu rechtfertigen.“

Ralf #64

Die Kommentare #39-43 waren wohl die ersten in diesem Blog zum Thema Peking 2022…

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