live-Blog von der Friedensnobelpreisgala der Corona Games

TOKYO. Moin, moin. Ich bin dann mal los. In guter alter Olympia-Tradition soll es auch heute ein live-Blog von der Eröffnungsfeier geben, die um 13.00 Uhr MESZ beginnt (20.00 Ortszeit) und wohl rund vier Stunden dauert. Seit 2008 gibt es zu Eröffnungsfeiern immer ein live-Blog in diesem Theater, wenn ich mich nicht täusche: Peking, Vancouver, London, Sotschi, Rio de Janeiro, PyeongChang – und nun Tokio. Ich würde mich sehr freuen, wenn ich nicht alleine bleibe und wir diese Tradition angemessen fortsetzen, als virtuelle Eröffnungsfeiergemeinde.

Tatsächlich, habe mich nicht getäuscht:

  1. Peking, die Eröffnungsfeier
  2. Vancouver, die Eröffnungsfeier
  3. #London2012 (IX): live-Blog Eröffnungsfeier, „Isles of Wonder“ (der Hit schlechthin)
  4. live-Blog zu Wladimir Wladimirowitschs Olympia-Eröffnungsfeier #Sochi2014
  5. live aus Rio (7): Eröffnungsfeier im Mario-Götze-Mausoleum
  6. live aus PyeongChang (10): Thomas Bachs IOC-Friedensnobelpreiswunschgala™

Also, hereinspaziert in dieses Theater. Wir müssen gemeinsam sehr sehr tapfer sein, wenn die olympische Fackel der Welt heute das Ende des dunklen Corona-Tunnels erleuchtet (oder so ähnlich, ist jetzt egal, ich werde das heute noch hundertmal durchdeklinieren in allen Varianten) und dabei dem Weltfrieden unschätzbare Dienste leistet.

Danke, Thomas, Du Friedensengel und The Greatest IOC Leader of All Time (TGIOCLOAT).

Vor dem Olympiamuseum gleich gegenüber des Nationalstadions steht übrigens auch eine Coubertin-Plastik. Das wird der Thomas vor der Eröffnungsfeier wohl nochmal mit dem Pierre ein Plausch halten, so wie er es im olympischen Garten am Olympic House in Vidy gern macht und davon erzählt.

Viel Vergnügen!

Es gibt übrigens noch jede Menge Olympia-Tickets, und ich würde mich wirklich freuen, wenn noch einige Gäste im Shop vorbeischauen würden.


Ich berichte bis 10. August 24/7 von den Corona Games aus Tokio. Im Shop oder direkt via PayPal können Sie olympische Hintergrundberichterstattung buchen und meine Arbeit unter erschwerten Bedingungen unterstützen – analog zu Rio und PyeongChang gibt/gab es den Tokio-Pass, aber mit viel mehr Content und einigen Extras wie einen täglichen Newsletter. Für absolute Gourmets und Supporter gibt es sogar ein IOC-konformes Tokio-Superpaket „Es werde Licht am Ende des Tunnels“!


Das Japan National Stadium in Shinjuku habe ich zuletzt 2019 besucht, wenige Tage vor der Eröffnung. Unmittelbar vor der Pandemie. Es war ein wunderbarer ausgedehnter Spaziergang durch die Nachbarschaft, keine Übertreibung: Eine Oase inmitten des gewaltigen Molochs Tokio. Gärten, Galerien, feine Gegend. Das Stadion gefällt mir architektonisch, aber noch viel mehr aus zwei anderen Gründen: Erstens (auch das ein architektonischer Aspekt) ist es ganz fantastisch in die organisch gewachsene Nachbarschaft integriert. Es ist kein olympisches Raumschiff, für das man Fläche betoniert und neue Stadtviertel geschaffen hätte. Zweitens ist es, obwohl schweineteuer, eben doch deutlich günstiger gewesen als der ursprüngliche Entwurf von Zaha Hadid, der nach großer Diskussion wieder aufgegeben wurde. Das Projekt wurde neu ausgeschrieben und müsste, ich gebe das mal frei wieder, eine Milliarde billiger gewesen sein als Projekt 1.

Immerhin mal eine nicht ausgegebene Milliarde.

Derlei Fußmärsche wie 2019 bleiben mir diesmal verwehrt. Ich hatte ursprünglich sogar geplant, ein Fahrrad zu mieten oder mir eins zu kaufen, mit dem ich von meinem kleinen Hotel die kurze Strecke zum IOC-Hotel The Okura Tokyo auf der einen Seite und die etwas längere Strecke zum Nationalstadion auf der anderen Seite geradelt wäre. Zum Stadion wäre es eine halbe Stunde Fußweg gewesen – zum Okura fünfzehn Minuten. Ich wurde im Juni jedoch aufgefordert, dieses Hotel zu canceln und in eines zu ziehen, das vom TOCOG (Tokyo Organising Committee of the Olympic and Paralympic Games) anerkannt wird. Deshalb logiere ich noch am Disneyland in Urayasu. Eine Strecke ins MPC dauert etwa eine Stunde, mit Umsteigen am MTM (ich glaube, das steht für Main Transportation Mall, muss das noch mal checken). Es ist jetzt deutlich teurer als meine erste Wahl, doch für Tokioter Verhältnisse eigentlich spottbillig. Vor allem hat mein Zimmerchen 26qm und ein ordentliches Ofuro, sogar einen Schrank und vernünftige Arbeitsflächen. Wer je in einem normalen japanischen Hotel übernachtet hat, wird das zu schätzen wissen. Im Vergleich zu den Absteigen von Kollegen, die über TOCOG gebucht und viel mehr bezahlt haben, ist mein Booking.com-Fundstück ein Luxusprodukt, weil 2-3 mal so groß, und dennoch ein Schnäppchen.

18.05 Uhr: Meanwhile am MTM in Ariake:

Es hat sich ein Bus gefunden. Und mir kommen die Tränen, wenn sich das verehrte Publikum um einen kümmert:

19.38 Uhr: Natürlich hat keiner im Stadion so etwas je erlebt. Natürlich wird niemand im Stadion, diese paar tausend Auserwählten, das wieder erleben. Mein Blick:

Bewege mich im Hoheitsgebiet der Süddeutschen Zeitung. Saskia Aleythe und Holger Gertz haben mich in die Mitte genommen. Da habe ich also wieder meinen Lieblingseröffnungszeremoniepartner. Seit 2008, mit wenigen Ausnahmen.

Was zuvor passierte:

20.02 Uhr: Spot on. Habe keine Ahnung, was uns erwartet (außer dem Friedensnobelpreislichtamendedestunnelsrefugeepandemiebekämpfunghoffnungverbreitengewäsch des IOC). Sonst gab es stets fette Welcome Packs mit viel Papierkram. Jetzt habe ich nicht mal ein pdf davon, aber das ist meine Schuld, denn dafür muss man ein paar weitere Konten mit Passwörtern beim TOCOG einrichten. Bin gestern an zwei weiteren dieser Konten gescheitert und habe das F-Wort geflucht.

20.23 Uhr: Der Kaiser. Der Thomas.

Schweigemoment für Millionen Corona-Tote weltweit.

Olympic Laurel, oder wie der vom TGIOCLOAT erfundene Preis heißt. Wird auf dem Weg zum Friedensnobelpreis nun an einen echten Friedensnobelpreisträger vergeben, Muhammad Yunus.

Ihr wisst ja, dass die Sportler seit einer Weile einlaufen. Währenddessen die üblichen Verbindungsprobleme. Twittern geht leichter. Was also sonst noch passierte rund um mein Plätzchen:

Mensch, habe fast den Service vergessen, der seit 2008 hier immer geliefert wird. Fahnenträger*Innen:

Tokyo-2020-Opening-Ceremony-Flag-bearers-Marching-order

Sie sind fast durch. Immer wieder interessant, wie genau die Regie die Anweisungen befolgt und zu vielen Nationen das passende winkende IOC-Mitglied einblendet. Wurde schon und wird nochmal thematisiert: Das TV-Signal von den Olympischen Spielen wird von IOC-Firmen unter dem Dach von OBS (Olympic Broadcasting Services) produziert. Wichtigster Mann dort ist ein Grieche, Yiannis Exarchos. Mein zweitliebster Grieche im IOC-Umfeld. Ein Mann, der mit sich reden lässt.

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21.49 Uhr: Überraschung!

Meanwhile in Tokyo:

Was eine Prinzessin sagt, IOC-Mitglied übrigens, HRH Princess Reema Bandar Al-Saud:

Yiannis hat sich auch gemeldet, aus dem Kontrollraum:

Nihon! Nippon! Und Bach macht sich auf den Weg. Jetzt kommen wieder diese Momente, auf die er ein Leben hingearbeitet hat.

22.39 Uhr: True spirit of olympic solidarityKirsty Coventry, Her Master’s Voice. Für treue Dienste, für den Kampf gegen unabhängige Athletenvertreter mit einer persönlichen IOC-Mitgliedschaft belohnt wurde. So kann sie bis 2053 IOC-Mitglied bleiben.

Bis 2053.

Ist er nun der meistgehasste Mann in Japan derzeit, der kleine Mann im taubenblauen Anzug (die Farbe seines Idols und Vorvorgängers Juan Antonio Samaranch)?

Without solidarity there is no peace.

Hört das denn niemand im Friedensnobelpreiskomitee?

Jetzt kommt sein Flüchtlingsteam.

Meine Apple Watch klingelte, als der Tenno die Spiele eröffnete. Erst dann sah ich diese Whatsapp-Nachricht:

Und nun wieder zurück zum Sport:

Wir haben eine neue Cathy Freeman (lest mal meinen alten Text aus dem Jahr 2000), und die heißt Naomi Ōsaka. Dass sie es entzünden durfte, bedeutet in einem zutiefst konservativen Land wie Japan eine Menge.

Der Kollege rechts liest nochmal Korrektur. Freut Euch auf das Meisterwerk.

Ich hole mal Luft, suche einen Bus – und schreibe nachts einen Newsletter. Tragt Euch ein und überlegt das doch bitte nochmal mit einem Olympia-Pass.

Sayōnara!

5 Gedanken zu „live-Blog von der Friedensnobelpreisgala der Corona Games“

  1. Pingback: Tokio, was vom Tage übrig bleibt: Naomi Ōsaka – SPORT & POLITICS

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