live aus Rio (20), ARD und ZDF und die Quadratur des Kreises

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Hauptregie

Hauptregie des Olympiateams von ARD und ZDF

BARRA DA TIJUCA. “Sie genießen hier ein Privileg”, sagt Gerd Gottlob. Zugang zu den heiligen Hallen des deutschen öffentlich-rechtlichen Fernsehens wird nicht jedem gewährt. Ein Mann von Sport-Bild war wohl vorher schon da, in der zweiten Etage des International Broadcasting Centers (IBC) am Rande des Olympic Park in Barra. Nun ich. Gerd Gottlob, Sportchef des Norddeutschen Rundfunks (NDR) und Teamchef der ARD in der letztlich gemeinsamen, rund 480 Personen starken und Dutzende Millionen Euro teuren Olympia-Expedition, macht keinen Hehl daraus, dass ihm der Besuch ein gewisses Unwohlsein bereitet. Ging mir nicht viel anders. Zu viele Blicke bei der Führung durch die wichtigsten Arbeitsräume – und dort arbeiten verdammt viele Menschen. Unter Beobachtung.

Gottlob hat sich beraten, in der ARD und mit dem ZDF-Sportchef Dieter Gruschwitz, und nach meiner Anfrage doch schnell zugesagt. Nur Mäuschen spielen für zwei, drei Arbeitsstunden durfte ich nicht. “Ich bitte Sie um Verständnis, dass wir Ihnen nicht ermöglichen können, den laufenden Sendebetrieb in unseren Büros, Schneideräumen und der Regie zu beobachten und zu verfolgen. Dies ist eine grundsätzliche Position, die für alle Medienvertreter gilt”, schrieb mir Dieter Gruschwitz, Teamchef des ZDF, auch im Namen von Gottlob. Das ging in Ordnung.

Gottlob und ich kannten uns bisher nur vom Hören und Lesen. So blieb es gut die Hälfte der Zeit, knapp zwei Stunden, beim Beschnuppern. Ich fand es in Ordnung, dass er sein Unbehagen, vielleicht sogar Misstrauen, artikulierte. Das kenne ich anders in diesen Kreisen. Da gibt es doch viele, die einen nimmermüde umarmen und doch irgendwann, nicht selten nach Jahren, aus sicherer Deckung von hinten zustechen. Dazu keine Namen. So etwas soll es ja nicht nur im öffentlich-rechtlichen Fernsehen geben. Dieter Gruschwitz kenne ich von flüchtigen Treffen und ein paar Emails im Laufe der Jahre, schon etwas länger, noch aus seiner Zeit beim SFB.

Kürzlich hatte ich Gerd Gottlob in einer kleinen, aber aufmerksam gelesenen TV-Kritik der Fußball-EM (“Von Opdi & Scholli und anderen vergebenen Möglichkeiten”) etwas zu große Begeisterung bei deutschen Spielen unterstellt. Die Performance der ARD in Frankreich hielt ich für schlechter als die des ZDF-Teams, und ich habe versucht, das einigermaßen zu begründen. Im ZDF, so wurde mir zugetragen, kam das offiziell gut an, in der ARD weniger gut. Ich möchte damit einleitend sagen: Über ARD und ZDF zu schreiben, zumal wenn man wie ich gelegentlich und früher sogar sehr regelmäßig dort einen Teil seiner Gage verdient, ist immer mehr als ein Balance-Akt. Es ist sogar ein kleines Politikum. Und deshalb fiel es mir schwer, diesen Text zu basteln, weil klar war, dass jedes Wort gewogen wird und jede spitze Bemerkung eine zu viel sein kann.

Blöde Situation, aber ich wollte es so, habe mir das wirklich gern mal angesehen. Mehr als ein Beschnuppern war es nicht. Einige Schnappschüsse durfte ich machen.

Es ist bei der, im weitesten Sinne, Fernsehkritik immer leichter, sich an Ereignissen entlang zu hangeln, an Filmen und Live-Reportagen, die man einzuschätzen versucht, was in diesem Gewerbe aber selten nur mit Fakten verbunden ist, meist gar nicht sein kann, sondern viel mit Meinung und, im schlechtesten Fall, auch mit geschmäcklerischen Einschätzungen zu tun hat. Eine Kritik am gewaltigen Programmangebot von ARD und ZDF verbot sich diesmal für mich, denn ich kann dieses Programm, 19 Stunden täglich allein im Fernsehen in drei großen Blöcken, zwei live-Blöcke und eine dreistündige Highlight-Sendung vormittags (plus Streams, plus Radio), in Rio nicht verfolgen. Ich bekomme nur mit, was in meiner Timeline artikuliert wird, vor allem auf Twitter, meiner wichtigsten Nachrichtenagentur. Thematisiert wurde gerade die ZDF-Berichterstattung und das gewöhnungsbedürftige Verhalten von Olympiasieger Christoph Harting, der eine ZDF-Kamera stehen ließ und wohl auch einen Handschlag ausschlug. “Ein einmaliger Vorgang” sei das “und besonders bedauerlich für die vielen Fans vor dem Fernseher”, wurde Gruschwitz zitiert. Das geschah alles nach unserem Gespräch im IBC.


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Chris #1

Großartig, ein toller Bericht. Und Respekt an die Öffentlichen, sich auch kritischer Berichterstattung zu stellen. Weiter so.

Christian Klaue #2

Ein wenig Aufklärung zur Frage nach einem ARD/ZDF-Interview mit IOC-Präsident Thomas Bach: Kurz vor und während der Olympischen Spiele gehen beim IOC täglich eine Vielzahl von Interviewanfragen aus aller Welt ein: von Zeitungen, Radiosendern und TV-Stationen. Bei 206 NOKs und Tausenden akkreditierten Journalisten wäre es dem IOC-Präsidenten selbst bei 24-stündiger Verfügbarkeit kaum möglich, alle diese Interviewwünsche zu erfüllen. Dies ist umso schwieriger, weil der IOC-Präsident während der Spiele noch zahlreiche andere, sicher allen nachvollziehbare, Verpflichtungen hat. Der einzige Weg, um den Informationsbedarf der Presse abdecken zu können sind Pressekonferenzen. Deshalb gab es es vor den Spielen zwei davon mit Thomas Bach und am Ende der Spiele wahrscheinlich eine weitere. Darüber hinaus gibt es eine tägliche PK mit IOC-Sprecher Mark Adams.

Natürlich ist ein deutscher IOC-Präsident gerade in Deutschland mit seiner vielfältigen Presselandschaft gefragt. Deshalb hatten deutsche Journalisten eine Reihe von Möglichkeiten, um mit Herrn Bach im Vorfeld der Spiele zu sprechen: Es gab ein rund 45-minütiges gemeinsames Interview von ARD und ZDF, ein rund 30-minütiges Interview mit den ARD-Radios, ein gemeinsames Interview von dpa/SID und eine Poolrunde mit Zeitungs- und Onlinekollegen/innen. So war sichergestellt, dass in Deutschland nicht nur das Fernsehen, sondern alle Mediengattungen im Vorfeld der Spiele berücksichtigt worden sind.

Während der Spiele hat der IOC-Präsident dann bei einem Rundgang durch das MPC die drei Weltagenturen AP, Reuters und AFP (SID) besucht und ihnen jeweils kurze Interviews gegeben. Darüber hinaus gab es bislang u.a. TV-Interviews mit Globo, NBC und OBS. OBS stellte das Interview für alle Rechteinhaber bereit.

Bilanzierend lässt sich feststellen, dass die deutschen Medien im Verhältnis sehr viele Möglichkeiten hatten, um mit Herrn Bach im 1:1 zu sprechen. Durch die Interviews mit ARD/ZDF, den ARD-Radios und dpa/SID war zudem gewährleistet, dass auch andere Medienhäuser O-Töne von Herrn Bach hatten.

Im Übrigen gab es hinführend auf die Spiele das IOC-EB-Meeting mit einer PK von Herrn Bach, den Olympic Summit mit einer PK, mehrere Telefonkonferenzen und kostenfreie Video News Releases (VNRs) für TV- und Online-Anbieter. Ich glaube, das IOC hat sehr umfangreich kommuniziert und sich auch den kritischen Fragen umfassend gestellt.

Christian Klaue, IOC-Sprecher für die deutschsprachigen Länder.

Jan #3

Vielen Dank fürs Berichten und Fragenstellen. Das ist schon ein schöner Einblick in die Arbeit der Öffis.
Die Antwort von Gruschwitz „Wären wir im normalen Alltag draußen, würden wir uns immer für Fußball entscheiden“ zeigt ganz schön die Misere aller anderen Sportarten (passt auch schön zur Diskussion um Dschungelkönig und Olympiasieger) – Am Ende sieht der deutsche Michel sich nämlich doch am liebsten Sportschau mit BuLi und Dschungelcamp an, egal wie viel zu Zeiten von Olympia über Aufmerksamkeit für andere Sportarten gesprochen wird.
Ich finde, dass ARD und ZDF es sich da zu leicht machen, indem das öffentliche Interesse für Fußball als Argument vorgeschoben wird. Ihrem Auftrag einer ausgewogenen Berichterstattung entspricht das meiner Meinung nach nicht.

RalfKohler #4

Tom Bartels hat Hajo Seppelt übrigens während einer Schwimm-Übertragung gelobt (da hab`ich mich auch gefragt, wie deren Verhältnis wohl ist). Bartels ist halt der glattere (wohl auch deshalb flutscht die Karriere, ich finde ihn ohne Zweifel gut und doch irgendwie überschätzt). Eine Prise Eitelkeit zumindest dürfte auf beiden Seiten zu finden sein. Aber vielleicht hat Seppelt ja seinen Frieden gemacht oder zumindest kein Problem mit Bartels. Der hat übrigens auch seinen Kommentatorenpartner Alexander Bleick gelobt, gesagt, dass der ja schon so lange dabei ist. Das war etwas kurios, weil von der Rollenverteilung her der jüngere Bartels wie der “Chef” wirkt, Bleick wie die Nummer zwei. Zum Schmunzeln war, als Bartels mal anerkennend zu Bleick meinte: “Was du alles weißt.” Bleick dann (besonders sympathisch): “Und immer noch nicht genug.”

Walter Sobchak #5

Wie bewerten Sie eigentlich den Ausraster Seppels gegenüber dem russischen “Staats”-Fernsehen beim Interview? Er unterstellt der Reporterin sich mit den Sportlern gemein zu machen. Etwas was gebührenfinanzierte Fernsehleute und Journalisten auch tagtäglich machen.

sportinsider #7

Sehr angenehm unaufgeregter Artikel über ARD und ZDF.

Generell sind die durch Gebühren finanzierte TV-Sender natürlich in der Situation, ihr Produkt nicht beschädigen lassen zu wollen.

Bei intensiverer Unterstützung von investigativen Journalismus mit den Schwerpunkten Doping in der hochgezüchteten Industriebranche Profisport, der Korruption von Sportverbänden, den Vermarktungsdeals rund um Sportevents, den geschalteten Werbeblöcken der Wirtschaft bei der Übertragung von Sportveranstaltungen im Fernsehen mit gewünschten wohlfeilen Bildern des Sports, dem Einfluss der Politik auf die Hochglanzbilder (wir erinnern uns alle noch an den Besuch von Frau Merkel und Herrn Gauck in der Kabine der WM-Fußballer), dem Match-Fixing mit zahlreichen manipulierten Spielen (Tennis, Fußball etc.), dem laxen Umgang mit Sportverletzungen ohne Rücksicht auf Spätfolgen, die ideologischen Blicke von Sportfunktionären und Politikern sowie Moderatoren der ARD/ZDF auf einen Anachronismus Medaillenspiegel bei den olympischen Spielen, die Rolle des IOC und seines Präsidenten Herrn Bach im Fall der Whistleblowerin Julia Stepanowa, wäre das Hochglanzprodukt Sport ständigen kritischen Fragen ausgesetzt.

Dabei wäre investigativer Journalismus eine Option für ARD und ZDF. Doping zum Beispiel ist ja wie ein Krebsgeschwür. Das Thema ist unappetitlich. Es ist ein Dauerthema. Weit über russische Grenzen hinaus

Um dort in eine seriöse, ernsthafte Berichterstattung einzusteigen müsste ARD und ZDF die Axt an der eigenen Produktlinie ansetzen. Wer mag das schon?

Wenn man es zum Beispiel ernst meint mit der Doping-Berichterstattung ist ein Hajo Seppelt als Feigenblatt zu wenig (Von dem übrigens auch noch die 2. Geschichte mit Dr. Mark Bonar fehlt inklusive konkreter britischer Namen.) Um eine offensive Doping-Berichterstattung zu initiieren müssten mindestens tägliche Blöcke in die Programmwelt von ARD und ZDF gesetzt werden. Zum Beispiel Dopingwissen vor Acht. Täglich ein Blick auf Historie des Dopings. Aufarbeitung der Dopingskandale in Ländern wie Deutschland, USA. Ein fortwährender Blick auf die dopingaffinen und aufgeflogenen Staffelkumpels von Bolt. Oder die medizinischen Praktiken. Das Geschäft für moralisch skrupellose Blutpanscher. Netzwerke von Dopinglieferanten etc.

Wenn ARD und ZDF es mit der Doping-Berichterstattung wirklich journalistisch sauber aufdröseln wollten müssten Sie in Personal investieren. Eine tägliche Kontinuität über 365 Tage des Jahrs hinlegen.

Das werde ich wohl nicht so schnell erleben.

Ralf #8

Daniel Germann in der NZZ: Sportfernsehen bricht ein

RalfKohler #9

Was mir mittlerweile wirklich auf die Nerven geht, ist die Medaillenfixierung. Holt ein Deutscher `was heucheln ihm Interviewer/Kommentator/Moderator (stellvertretend für den Zuschauer) vor, wie sehr man sich für ihn interessiert. Klappt `s nicht, haben die Leute ganz schnell versagt (spätestens ab Platz sechs). Ebenso nervig: Suggestivfragen à la: … und welche Kneipe nehmen Sie heute noch auseinander? Markus Othmer, Michael Antwerpes und andere, nun ja … Die Öffentlich-Rechtlichen bemühen sich wirklich nach Kräften, wettzumachen, dass sie so etwa 50 Jahre zu dröge waren … “Nett” war auch im WDR 5 Tagesgespräch, dass Philipp Mai vom Deutschlandfunk, einem Hörer, der wissen wollte, wer eigentlich die Partys finanziere, beschied, es sei doch okay, wenn man mal eine Nacht über die Stenge schlage (und so es auf Staatskosten sei, sei`s quasi auch egal). Ach ja: Jens Weinreich: Wie kaputt war eigentlich die MS Deutschland 2012 – und WER hat die Beschädigungen gezahlt??? (Ist ja fast egal, denn “wir waren ja alle mal jung” usw. blabla … was man do so zu hören kommt … aber richtig egal ist es trotzdem nicht, mir nicht).

Ralf #10

Michael Ashelm und Henning Peitsmeier in der FAZ: Fußball in ARD und ZDF: Öffentlich rechtliche „Geldverschwendung“

Ralf #11

Kommentar von Fred Kowasch (interpool.tv): Warum Horst Seehofer Recht hat …

Ralf #12

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