#London2012 (XXIII): Warum Olympiawettbewerbe acht oder gar zwölf Jahre dauern

| 07.08.2012 | 49 Comments

LONDON. Ein Kleinod meiner Dichtkunst. Ließe sich ausbauen, verlinken, mit Fakten, Dokumenten und herrlichen Episoden noch viel viel besser beschreiben. Dazu fehlt aber leider die Zeit. Habe in den Katakomben des Olympiastadions die schweren Jungs gesehen, die den Hammer werfen. Da fiel mir dann dies ein:

Es gibt olympische Wettbewerbe, die etwas länger dauern als ein Sprint von 9,63 Sekunden wie der von Usain Bolt. Manche Wettbewerbe dauen Jahre. Erst kürzlich wurden die Medaillen der 4 x 400-m-Staffel der Sommerspiele 2000 in Sydney neu vergeben. Weil ein Amerikaner, Antonio Pettigrew, wegen Dopings nachträglich aus dem Verkehr gezogen wurde, erhielten die Nigerianer die Goldmedaillen.

Blöderweise war einer aus diesem Quartett, Sunday Baba, bereits gestorben.

Einer der derzeit am längsten währenden Olympiawettbewerbe ist das Hammerwerfen der Olympischen Spiele 2004 in Athen. Es dürfte in wenigen Tagen entschieden werden. Nachdem das Internationale Olympische Komitee (IOC) im Frühjahr unter öffentlichem Druck einige der 2004 eingefrorenen Dopingproben geöffnet und neu analysiert hatte, gilt Iwan Tichon aus Weißrussland als einer der fünf Athleten, die nachträglich gesperrt und damit für Athen auch disqualifiziert werden.

Tichon, der für London gemeldet hatte, wurde vom Weltverband IAAF kurz vor der Qualifikation der Hammerwerfer vorsorglich aus dem Verkehr gezogen. In der offiziellen Startliste stand er noch. Seine langjährigen Kontrahenten Kristijan Pars (Ungarn), Primoz Kozmus (Slowenien) und Koji Murofushi (Japan), die am Sonntag in dieser Reihenfolge die Medaillen gewannen, wurden natürlich dazu befragt. Murofushi sagte gar nichts. Kozmus grinste nur. Pars erklärte, er habe keine Ahnung, was mit Tichon sei, den er eigentlich auf der Startliste gesehen habe. Dann überlegte er und ließ seinen Betreuer übersetzen: „Jetzt habe ich endlich bekommen, was man mir vor vier Jahren genommen hat.“

Und jetzt wird es kompliziert:

Denn in Peking gewann Kozmus vor den Weißrussen Wadim Dewjatowski und Tichon – Vierter wurde Pars vor Murofushi.

Bei den Nachuntersuchungen der Pekinger Dopingproben wurden Dewjatowski und Tichon des Testosteron-Dopings überführt. Doch die Schwergewichte klagten erfolgreich beim Welt-Sportgerichtshof CAS, das vor zwei Jahren entschied, das Duo dürfe die Medaillen behalten, weil die Doping-Analysen nicht dem internationalen Standard entsprochen hätten. Pars war erst Vierter, dann Zweiter, dann wieder Vierter – obwohl das IOC versprochen hatte, trotz des CAS-Urteils einen eigenen Weg zu gehen.

Deshalb sagt Pars nun: Die Weißrussen haben ihm die Silbermedaille gestohlen.

Und jetzt wird es noch komplizierter: Denn bei den Spielen 2004 in Athen gewann, so dachte man, der Ungar Adrian Annus vor Murofushi, Tichon, dem Türken Apak, Dewjatowski, Pars und Kozmus.

Annus verweigerte dann eine Dopingprobe und wurde sein Gold wieder los. Das ist die Story in Kurzfassung, die durch einen weiteren Dopingfall, den des vermeintlichen ungarischen Siegers im Diskuswerfen, Robert Fazekas, der einen anderen ins Uringlas pinkeln ließ, und eine spektakuläre Flucht erweitert wurde. Auch Fazekas wurde in Athen seine Goldmedaille los.

Fazekas, Annus und Pars trainieren übrigens alle in Szombathely. Fazekas wurde nach seiner Sperre sogar Trainer von Annus Annus wurde nach Fazekas’ Sperre Trainer seines besten Kumpels – und Fazekas flog Anfang 2012 wegen Steroid-Dopings (Stanozolol) auf.

Ein Zufall aber auch.

Und jetzt wird es richtig kompliziert:

Die Reihenfolge des Hammerwerfens von Athen lautet also derzeit: Murofushi vor Tichon (positiv in Peking, was ohne Folgen blieb, positiv auch in Athen, was noch ausgewertet wird), vor Apak, Dewjatowski (positiv in Peking), Pars und Kozmus.

Doch das wird sich in Kürze ändern. Acht Jahre nach dem olympischen Finale.

Der Slowene Primoz Kozmus sagt dennoch:

Wir sind nicht die Schmuddelkinder! Wir gehören auch zur IAAF-Familie.“

Denn die Hammerwerfer haben nicht nur ein Imageproblem, sie haben auch finanzielle Sorgen. Preisgeld gibt es nur bei Weltmeisterschaften, wo etwa der Doper Tichon dreimal Gold und die Prämie kassieren durfte.  In der Diamond League aber will niemand was vom Hammerwerfen wissen. Es ist ja schon schwierig genug, ständig die Medaillen neu zu verteilen. Geld, erst einmal überwiesen, ist kaum mehr zurückzuholen.

[Habe ich etwas wichtiges vergessen? Bitte ergänzen!]

posted on: 07.08.2012 at 11:19 | updated on: 14.09.2012 at 00:12

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ha said on 7. August 2012 at 11:25 #1

Nochnochnoch komplizierter oder einfach: Fazekas – wusste ich gar nicht, dass der als Trainer beschäftigt ist – ist ein selbstdopender Dopertrainer. Auch gerade aufgeflogen, wollte in London antreten, bei vorolympischen Dopingtests. Ihm droht das UNDURCHSETZBARE: lebenslang.

Echt alles Banane hier.

Jens Weinreich said on 7. August 2012 at 11:37 #2

Ach, siehst Du, da haben wir mal wieder einen Fehler in einem meiner Texte entdeckt. Ist schon korrigiert: Denn Annus ist Trainer von Fazekas – so wird ein Schuh draus.

Aber es geht bestimmt noch komplizierter.

ha said on 7. August 2012 at 11:55 #3

Hielt das für gut möglich, dass Fazekas der Trainer ist. Sie wirken alle wie Autoritätspersonal. Und, Option: Er könnte doch jetzt Trainer werden im Gespann mit Annus, die Kraft der vier Bizepse.

Jens Weinreich said on 7. August 2012 at 11:56 #4

Und was macht Pars?

ChrisK said on 7. August 2012 at 12:05 #5

Pars wird medizinischer Berater in Szombathely! ;-)
Da kann er sich dann mit Annus und Fazekas austauschen.

enrasen said on 7. August 2012 at 12:58 #6

Kleine Bitte / Hinweis an den Hausherren,

lass doch die (mittlerweile inflationär benutzen) Hinweise auf

- nicht verlinkt
- ausbaufähig
- könnte man besser beschreiben

einfach weg.

Das wissen wir doch und wer es nicht weiß bemerkt es nicht.
Das von dir als “rudimentär” empfundene ist für die Leserschaft mehr als anderswo……

Danke – Weitermachen!

AndreasE said on 7. August 2012 at 13:01 #7

Wer muss eigentlich eine Dopingprobe abgeben ? Alle Athleten oder nur die weit vorne platzierten ? Was würde passieren wenn z.B. für Athen ein damals nicht getesteter Athlet nachrückt ?

Jens Weinreich said on 7. August 2012 at 13:11 #8

@ enrasen: Zu Befehl! Ist eine meiner Macken, kriegt Mann einfach nicht raus. An dieser Geschichte hätte ich gern einen Tag gesessen. Und machmal ist es mir halt wirklich peinlich, keine Links anzubieten.

@ AndreasE: Ich denke, damals in Athen wurden schon alle Medaillengewinner getestet, Ausnahme Teamsportarten. Dazu wurde immer noch ausgelost im Finalfeld, das gebe ich ungeprüft wieder. Es ruecken also eher Leute nach, die nicht getestet wurden.

Zum Testprogramm in London hatte ich einige Notizen und Links, darunter das IOC factsheet, hier angeboten:

http://www.jensweinreich.de/2012/07/26/london2012-vi-doping-hgh-nachweis-pound-kritik-wada/

Sebastian said on 7. August 2012 at 15:17 #9

Ich hätte gerne kurz dazu eine kleine Overheadfolie, von mir aus mit verschmierten Linien. Ich blick nämlich nicht wirklich durch aber die Quintessenz

tl;dr

(Alle) Hammerwerfer dopen seit 8 Jahren und spielen mit den Medaillien “Reise nach Jerusalem” reicht glaub ich auch :-D

Ralf said on 7. August 2012 at 15:32 #10
teekay said on 7. August 2012 at 15:43 #11

Es draengt sich natuerlich schon etwas der Verdacht auf, dass man am wenig spektakulaeren und finanztraechtigen Hammerwerfen ein Exempel statuieren will, also hier wird mal richtig genau hingeschaut-denn wen juckt schon eine nachtraegliche Medaillenumverteilung? Ich finde es einfach schwer vorstellbar, dass Hammerwerfen so ‘unsauber’ ist, aber sagen wir mal die Fahrradwettbewerbe (bei denen dann auch Team GB ‘Helden’ Gold holen) so ‘sauber’ sein sollen…

ferenc_i said on 7. August 2012 at 16:45 #12

… mit pharmazeutischer Expertise, Wettkampferfahrung, und da teilweise auch schon als Trainer gearbeitet – die Jungs sind doch prädestiniert für den DSV?

Ralf said on 7. August 2012 at 17:00 #13

@ teekay:

Mit den Proben der Winterspiele von Turin lief das folgendermaßen ab:

“Vorerst werden 20 bis 25 Proben von den Spielen in Turin auf Cera nachgetestet. Je nachdem was dabei rauskommt, werden wir überlegen ob wir weitere Proben analysieren lassen. Wir konzentrieren uns auf die Proben, in denen man erwarten könnte, dass dort EPO oder neue Generationen missbräuchlich benutzt wurden. Es geht um Eisschnelllaufen, Skilanglauf und Biathlon.”

Auf bestimmte Sportarten legt man sich mehr oder weniger bereits vorab fest. Außerdem ja nicht zu viele Proben auf einmal öffnen, könnten sich ja unliebsame Überraschungen ergeben. Gibt’s bereits ein paar verdächtige “böse Buben”, umso besser. Den Rest können wir uns sparen!

Ralf said on 7. August 2012 at 17:02 #14

@ teekay:

Von den Athen-Proben wurden immerhin etwa 100 nachgetestet…

gilad said on 8. August 2012 at 12:55 #15

Harting ist alles geklaut worden…Was nun?

https://twitter.com/DerHarting/status/233096935857324033

Jens Weinreich said on 8. August 2012 at 13:23 #16

Seine Medaille hatte er zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Kann also nicht so schlimm sein.

Ralf said on 13. August 2012 at 13:02 #17
Jens Weinreich said on 13. August 2012 at 13:05 #18

@ Ralf: Schön, dass Du mal wieder vorbei schaust. Viele Leute haben Dich vermisst. Ich natürlich auch.

Was meinst Du denn, woran ich gerade schreibe?

Hatte meinen Kunden ohnehin eine Geschichte darüber angeboten, wie lange die Spiele diesmal dauern und wann die ersten, wann die letzten Medaillensätze neu verteilt werden.

Arnesen said on 13. August 2012 at 13:08 #19

Riesenüberraschung! :-)

Jens Weinreich said on 13. August 2012 at 13:18 #20

Nein, Arnesen: vielfältige Hebelverhältnisse.

Ralf said on 13. August 2012 at 13:22 #21

Cutting out on disco is the secret to Ostapchuk’s success

“I change my technique but I also change my lifestyle. There are no discotheques no more and I go to sleep earlier.” When pressed about her frequency in the discotheque she admitted with a giggle: “Maybe I would go two or three times on a weekend.”

gilad said on 13. August 2012 at 13:40 #22

Methenolon, ein Schering-Klassiker aus den 70er Jahren.

http://de.wikipedia.org/wiki/Methenolon

Alex said on 13. August 2012 at 14:34 #23

Da ist er ja, der Alibi-Dopingfall. Nicht zu früh und nicht zu spät. Das System funktioniert, die anderen Olympiasieger müssen sauber sein, alle sind glücklich. Yippie.

Ralf said on 24. August 2012 at 10:57 #24

Hier das möglicherweise zu korrigierende Resultat von Sydney:

1 Viacheslav Ekimov (Rus) 57.40 (48.69 km/h)
2 Jan Ullrich (Ger) 0.08
3 Lance Armstrong (USA) 0.34
4 Abraham Olano (Spa) 0.51
5 Laurent Jalabert (Fra) 1.04
6 Andrei Teteriouk (Kaz) 1.12
7 Thor Hushovd (Nor) 1.20
8 Santos Gonzalez (Spa) 1.23
9 Serhiy Honchar (Ukr) 1.40
10 Tyler Hamilton (USA) 1.46

Ralf said on 26. November 2012 at 12:54 #25

WDR: Athen 2004: Fünf positive Fälle betreffen ausschließlich Medaillengewinner aus Osteuropa

[...] Ivan Tikhon, Silbermedaillengewinner im Hammerwurf, dessen Name schon während der Spiele von London als positiver Fall in englischen Medien genannt worden war.

nosch said on 26. November 2012 at 13:31 #26
Ralf said on 5. Dezember 2012 at 20:29 #27

IOC: IOC disqualifies four medallists from Athens 2004 following further analysis of stored samples

The IOC, in close collaboration with the World Anti-Doping Agency, decided to further analyse a number of samples from the Athens Games as a result of targeted testing based on intelligence and new methods.

Was ist mit dem Bronzemedaillengewinner im Gewichtheben in der 77-Kilo-Klasse, Oleg Perepetchenov?

Ralf said on 15. Dezember 2012 at 14:03 #28

SpOn: Hammerwerfen: Olympiasiegerin Kusenkowa unter Dopingverdacht

Die Probe wurde bereits während der Leichtathletik-WM in Helsinki 2005 genommen.

Ralf said on 13. Februar 2013 at 10:37 #29

#27:

Was ist mit dem Bronzemedaillengewinner im Gewichtheben in der 77-Kilo-Klasse, Oleg Perepetchenov?

IOC: IOC disqualifies Russian weightlifter from Athens 2004 following further analysis of stored samples

Ralf said on 4. März 2013 at 13:55 #30

Michael Reinsch in der FAZ: Eine Welle von Doping-Fällen?

Während der Hallen-Europameisterschaften in Göteborg räumte Nick Davies, der stellvertretende Generalsekretär des Welt-Leichtathletikverbandes (IAAF), ein, dass es bei der Analyse von Proben der Weltmeisterschaften von Helsinki 2005 positive Fälle gegeben habe. Er bestätigte lediglich den Fall Kotowa; sie sei von der russischen Anti-Doping-Agentur (Rusada) gesperrt worden. Voraussichtlich in der kommenden Woche seien auch die anderen Fälle abgeschlossen.
[...]
Man habe mit den Untersuchungen der eingefrorenen Proben bis zum letztmöglichen Zeitpunkt gewartet, sagte Davies, um die modernsten Verfahren einsetzen zu können und damit die größten Chancen zu haben, Doper zu überführen.

Ralf said on 7. März 2013 at 17:46 #31
JW said on 8. März 2013 at 11:56 #32

Diese Meldung habe ich auch hier verlinkt:

#London2012 (XXXIV): Wenn das Feuer verlischt, gehts weiter

Die IAAF teilt mit: HELSINKI 2005 RE-TESTS REVEAL SIX ADVERSE FINDINGS

Monaco – The International Association of Athletics Federations (IAAF) has re-tested a selection of doping samples collected at the 2005 IAAF World Championships, Helsinki, Finland, from a wide range of disciplines and nations, and the results have revealed a further* six adverse findings.

The IAAF, as part of its strategic anti-doping policy, instigated last year the re-analysis of samples originally taken during Helsinki 2005 using the most up-to-date analytical techniques. These samples had been transferred to the WADA-accredited laboratory in Lausanne, Switzerland following the World Championships for long–term storage in accordance with the IAAF retesting policy.

“The IAAF’s message to cheaters is increasingly clear that, with constant advancements being made in doping detection, there is no place to hide,” confirmed IAAF President Lamine Diack. “This re-testing is just the latest example of the IAAF’s firm resolve to expose cheating in our sport. The IAAF will continue to do everything in its power to ensure the credibility of competition, and where the rules have been broken, will systematically uncover the cheats.”

The six adverse findings involving Andrei MIKHNEVICH (BLR), Ivan TSIKHAN (BLR), Vadim DEVYATOVSKIY (BLR), Tatyana KOTOVA (RUS), Nazdeya OSTAPCHUK (BLR), and Olga KUZENKOVA (RUS) have resulted in the initiation of disciplinary procedures which are currently ongoing in accordance with IAAF Rules. The IAAF will not make any further comment until the completion of those proceedings.

* NOTE – previous to today’s announcements two athletes, Vladislav Piskunov (UKR) who had finished 12thin the men’s Hammer Throw, and Neelam Jaswant Singh (IND) who was 9thin Group A of the women’s Discus Throw qualification, had already been sanctioned and disqualified for doping violations at the 2005 IAAF World Championships, Helsinki, Finland.

Ad hoc würde ich mal sagen, diese Vögel (sorry) sind durchweg Mehrfachtäter. Bzw halt: Doper. Die dopen immer. Die dopten immer. Insofern müsste man denen eigentlich sämtliche Platzierungen, Medaillen und Preisgelder ihrer Karrieren entziehen:

Andrei MIKHNEVICH (BLR)
Ivan TSIKHAN (BLR)
Vadim DEVYATOVSKIY (BLR)
Tatyana KOTOVA (RUS)
Nazdeya OSTAPCHUK (BLR)
Olga KUZENKOVA (RUS)

Alexander Bäumer said on 8. März 2013 at 12:29 #33

Wollte ich es gerade hier rein schreiben, da ich gestern beim Durchstöbern auf diesen Artikel gestoßen bin und schwupps, steht es schon seit einer halben Stunde drin…

Ralf said on 9. März 2013 at 00:20 #34

Hammerwerfer Markus Esser im FAZ-Interview: „Doppelter Ritterschlag“

Ralf said on 14. März 2013 at 10:08 #35

dts: Experte stellt Fortschritte im Antidopingkampf in Frage

“Es sieht eher so aus, als würden hier nur Athleten nachträglich positiv getestet, die keine Lobby haben.

aus der Print-Version:

Simon fordert, dass das IOC und die IAAF offen legen, wie viele Proben aus welchen Ländern auf was getestet worden sind.

Ralf said on 14. März 2013 at 10:17 #36
gun said on 14. März 2013 at 11:30 #37

Experte Simon Perikles spekuliert. Eine Erklärung, wie seine Einschätzung zustande kommt wäre sachdienlich.

Ralf said on 14. März 2013 at 14:39 #38

@ gun:

Wenn das IOC, wie im Fall von Athen 2004, nur 110 von 3700 möglichen Nachtests durchführt, würde mich auch brennend interessieren, welche Sportler denn hier a priori als verdächtig galten und welche nicht!? Eine Nachtest-Quote von 3% ist doch wohl mehr als selektiv.

Ralf said on 15. März 2013 at 09:53 #39

Hier der vollständige Artikel mit den Äußerungen von Perikles Simon:

ksta: Neues Erfolgserlebnis für die Fahnder

ha said on 15. März 2013 at 10:57 #40

@gun
Simon ist natürlich in der Forderung nach Offenlegung der Zahl der Proben und der Länder, deren Athleten nachgetestet worden sind, zuzustimmen. “A selection of doping samples … from a wide range of disciplines and nations”, wie die IAAF behauptet, tut es ja nicht wirklich – insofern ist es zuerst die IAAF, die zu Spekulationen einlädt ;)

Andererseits: Falls diese Behauptung der IAAF der Wahrheit entsprechen sollte (also nicht der Verband durch Vorauswahl bestimmt, wem Medaillen aberkannt werden …), halte ich “primitiveres” Doping in manchen osteuropäischen Ländern bzw. Trainingsgruppen für eine gute Erklärung. Viele Fälle von dort legen, falls überhaupt etwas bekannt wird, nahe, dass Trainer übers Doping-Regime entscheiden. Nicht, wie anderswo und mit Ursprung in der deutschen Dopingkultur, Ärzte – mit anderem Know How zur Vermeidung positiver Tests.
Aber immerhin waren RussenWeißrussenUkrainer intelligent genug, um nicht schon 2005 aufzufliegen. Das zeigt, was möglich war, und erst recht in Ländern, die Doping “wissenschaftlich” betreiben … ;)

Ralf said on 18. März 2013 at 10:32 #41

Michael Reinsch in der FAZ: Kenia-Premiere: Vierzig Blutproben

Ralf said on 20. März 2013 at 17:00 #42

SpOn: Turin 2006: IOC ordnet Nachtests der Dopingproben an

Bereits 2010 waren die eingefrorenen Proben gezielt auf das Blutdopingmittel Cera und Insulin untersucht worden.
[...]
In Abstimmung mit der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) hat das IOC festgelegt, wie viele Proben aus welchen Wintersportarten nachgetestet werden sollen. Ausdauerwettbewerbe wie Skilanglauf dürften dabei besonders in den Fokus geraten.

Ralf said on 3. April 2013 at 08:11 #43

sid: Russisches Trio für zwei Jahre gesperrt

Der früheren Kugelstoßerin Kriweljowa und der Ex-Hammerwerferin Kusenkowa wurden bei Nachuntersuchungen von Dopingproben verbotene Substanzen nachgewiesen. Kusenkowa, die Europameisterin von München 2002, wurde eine Dopingprobe bei der WM 2005 in Helsinki zum Verhängnis.
[...]
Kriweljowa, die Olympiasiegerin von Barcelona 1992 und Weltmeisterin von Paris 2003, fiel bei einem Dopingtest bei den Sommerspielen 2004 in Athen durch. Ihre in Griechenland gewonnene Bronzemedaille hatte der Weltverband IAAF ihr bereits aberkannt, nachdem die 43-Jährige bei einem Nachtest positiv aufgefallen war.

Ralf said on 4. April 2013 at 08:01 #44

leichtathletik.de: Nachträglich WM-Bronze für Nadine Kleinert?

Es wäre nicht das erste Mal, dass sie aufgrund von Doping-Disqualifikationen ihrer Konkurrentinnen zu unverhofften Medaillenehren käme. 200[4] wurde ihr nachträglich Olympia-Silber zugesprochen, weil die Olympiasiegerin der Spiele in Athen (Griechenland) Irina Korzhanenko nachträglich des Dopings überführt wurde. Bei der Hallen-WM 2004 wurde die Weltmeisterin Vita Pavlitsch (Ukraine) erwischt, Nadine Kleinert erhielt nachträglich die Bronzemedaille.

Mich würde mal interessieren, warum deutsche Athleten während der vergangenen beiden Jahrzehnte gerade im Hammerwerfen und Kugelstoßen immer so nahe an der Weltspitze waren…

JW said on 4. April 2013 at 10:31 #45

Ralf, freue Dich doch einfach mal, dass es Bronze für Deutschland gibt. Alter Mäkel-Heini!

cf said on 4. April 2013 at 11:52 #46

das sind natürlich die alten germanischen werfergene. weiß man doch. spätestens seit tacitus.
außerdem sind das ja vor allem auch technik-disziplinen. und bei technik deutschland auch immer mit der weltspitzen-dna.

und überhaupt: gerade im germanischen werferlager gibt es ja mit hansjörg kofink einen leibhaftigen dopinggegner.

ha said on 4. April 2013 at 13:44 #47

Ihr vergesst Diskus und Speer – da würden germanische Naturtalente noch immer alle Weltrekorde halten, wenn man UNS zwei davon nicht irgendwann durch die Einführung neuer Speere gestohlen hätte.

Ralf said on 10. April 2013 at 09:36 #48

nolympia.de: Die gedopten Europameister von München

Das ergibt 17 von 46 Europameistern und Europameisterinnen, die vor, während oder nach den Europameisterschaften von München 2002 des Dopings überführt wurden.

JW said on 10. April 2013 at 09:43 #49

Eine sensationelle Aufstellung!

Die Einzelfälle sind einem meist noch in Erinnerung. Aber so geballt – herrlich.

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