live aus FFM: DOSB-Mitgliederversammlung

 •  • leave a comment
CSU-Sportkameraden Alfons Hörmann, Horst Seehofer.

FRANKFURT AM MAIN. Wenn ich schon mal hier sitze in der vierten Etage des Kongresshauses Kap Europa, dann kann es auch ein bescheidenes Live-Blog sein.

Also, 16. Mitgliederversammlung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) unter dem Möchtegern-Landrat Alfons Hörmann (CSU). Viel Vergnügen.

Habe gestern, nach der Rückreise aus Lausanne vom IOC-Exekutivkomitee, noch einen Text für die Berliner Zeitung gedichtet, eine Fortschreibung des großen Beitrages vom November: Paradoxon Olympia 2032: Berlin ist draußen, NRW ist ein Kandidat, ohne zum Kandidaten gekürt worden zu sein.

***

Deutschland und die Olympischen Spiele, das ist keine Liebesbeziehung. Sechs deutsche Olympiabewerbungen sind seit 1986 gescheitert, davon zuletzt zweimal (München 2022, Hamburg 2024) bei Volksabstimmungen. Doch immer wieder wird das Thema debattiert, sehr ernsthaft in Nordrhein-Westfalen und den Plänen für 2032. Weniger ernsthaft und ängstlich in Berlin. Manchmal in absurder Weise, wie kürzlich, als zwei ahnungslose Thüringer ein inhaltlich lächerliches Pamphlet für Winterspiele 2030 veröffentlichten, das zwar ein schräges Medienecho auslöste, vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) aber zurecht beerdigt wurde. 

Man sehe darin keine Perspektive, sagte DOSB-Präsident Alfons Hörmann vor der Mitgliederversammlung am Samstag im Kongresszentrum „Kap Europa“ in Frankfurt. Perspektiven und Visionen bietet Hörmann zwar ebenso wenig, außer dass er dem Sport in landsmannschaftlicher CSU-Kooperation mit Innenminister Horst Seehofer zwei Jahre in Folge gewaltige Aufwüchse aus Steuermitteln bescheren konnte. Das Thema Olympiabewerbung steht beim DOSB-Konvent nicht auf der Tagesordnung. Es bleibt aber virulent.

Vor allem fällt auf, das Hörmann & Co. die Zeichen der Zeit nicht erkannt und die neuen Regeln des IOC nicht verinnerlicht haben. Wie übrigens auch nicht die Berliner Sportpolitiker, die sich immer verdruckst zu Wort melden, wenn NRW2032 wieder eine Lobby-Aktion startet, wie im November, als die Olympia-Interessenten aus NRW Sportpolitiker des Bundestages und BMI-Ministeriale beeindrucken wollten. 

Im Bereich der Sportministerkonferenz der Länder hat NRW das Thema ebenfalls besetzt. Das BMI werkelt an einem nationalen Konzept für Sportgroßveranstaltungen. Und Berlin? Schaut zu und baut vielleicht darauf, dass Marcus Hausen, der Büroleiter des IOC-Präsidenten Thomas Bach, vor einigen Jahren vom Berliner Wirtschaftssenators abgeworben wurde. Derlei Kontakte werden nicht reichen.

(Wobei ich, und dies ist ein Nachtrag, gerade von einem Eingeweihten erfahren habe, dass Marcus Hausen aus NRW stammt und dort vom Umweltministerium nur nach Berlin ausgeliehen war – noch besser. Man kann nicht alles wissen. Dafür gibt es ja so ein Blog, damit mich Eingeweihte über zusätzliche Details aufklären.)

Wie schnell es gehen kann in der neuen olympischen Zeitrechnung, bewies das IOC am Donnerstag mit den Olympischen Jugend-Winterspielen. Erst Anfang Oktober hat Bach zwei neue Arbeitsgruppen benannt, die „Future Games Commissions“. Der Rumäne Octavian Morariu führt die Winterspiele-Kommission, die Norwegerin Kristin Kloster Aasen jene für künftige Sommerspiele.

Nur acht Wochen später legte Morariu dem IOC-Exekutivkomitee seinen Vorschlag für die Jugend-Winterspiele 2024 vor: PyeongChang, Olympia-Gastgeber der großen Winterspiele 2018, eventuell in Kombination mit Nordkorea. Bachs Führungstruppe akzeptierte natürlich – und schon auf der 135. IOC-Session in einem Monat wird PyeongChang zum Gastgeber gekürt. Bach lobte sein Projekt als unvergleichlich nachhaltig. Zack, zack, das nächste Problem ist abgehakt.

So läuft das im IOC. Alles neu. Nichts gilt mehr. Alles ist denkbar. Sage niemand, so könne das nur bei den billigeren Jugend-Winterspielen gehen. Wer so denkt, hat seine Hausaufgaben nicht gemacht. In der größten Bewerbungskrise der Olympischen Spiele, als in demokratischen Nationen die Bewerber ausgingen und mehr als ein Dutzend Referenden verloren gingen, wurde das Procedere mehrfach umgewälzt. So schnell, dass viele IOC-Mitglieder und Weltverbandspräsidenten bis heute nicht mitbekommen haben, welche Regeln gelten. 

In der Not wurde Thomas Bach erfinderisch und ließ 2017 zwei Sommerspiele gleichzeitig vergeben, an Paris (2024) und Los Angeles (2028). Im Februar 2018 modelte das IOC das Vergabesystem erneut um, führte eine „New Norm“ ein. Gab es davor Bewerbungsphasen mit Vorauswahl durch das Exekutivkomitee für die Kandidatenphase – sollte nun alles mit einer Dialogphase beginnen: mit umfassender Kommunikation zwischen IOC und potenziellen Interessenten. Und selbst damit hätte man bei den Winterspielen 2026 beinahe Schiffbruch erlebt. Nur mit größter Mühe und unter dubiosen Umständen verblieben die Kandidaten Stockholm und Mailand/Cortina, auf der Session im Juni 2019 entschied sich das IOC für die Italiener – und verabschiedete zugleich eine weitere Reform. Ausgearbeitet wurde diese „Evolution der Revolution des Bewerbungsprozesses“, wie Bach stets blumig formuliert, von John Coates, einem der wenigen engen Vertrauten des IOC-Präsidenten, ein Multifunktionär alter Schule.

Statt des mehrstufigen Prozesses gibt es nur noch einen „ständig andauernden Dialog“ des IOC mit Städten und Regionen. Der Zeitraum der Vergabe, sieben Jahre vor den Spielen, wurde aus der Olympischen Charta gelöscht. Die Evaluierungskommission wurde abgeschafft. Seit Juni 2019 sucht sich das IOC selbst die Bewerber aus. Mit wem das IOC nicht beizeiten in Verhandlungen eintritt, der kann Olympia vergessen. Ende der Diskussion.

Im Grunde ist es deshalb unerheblich, darauf zu verweisen, dass es eines Grundsatzbeschlusses des DOSB bedürfe. So war das bisher. Darauf kann sich Berlin im Wettstreit mit dem Projekt Nordrhein-Westfalen 2032 nicht berufen. NRW2032 ist längst zur Marke geworden. Der NRW-Landtag steht dahinter, die OberbürgermeisterInnen von 14 großen Kommunen, Ministerpräsident Armin Laschet (CDU). Strippenzieher ist der Geschäftemacher Michael Mronz, der das FDP-Parteibuch besitzt, wie Thomas Bach, und der einst zu den Organisatoren der Leichtathletik-WM 2009 in Berlin zählte.

Mit NRW2032 befindet sich das IOC bereits im Austausch. Sollte das IOC eines Tages auf die Idee kommen, NRW als Olympiakandidaten vorzuschlagen, wird sich eine DOSB-Mitgliederversammlung diesem Vorschlag nicht widersetzen. Man wird das Projekt abnicken. Wer vom IOC auserwählt wird, hat nach jetzigem Stand keinen internationalen Konkurrenten mehr.

Das eröffnet sogar für Volksabstimmungen ganz neue Perspektiven.

***

Noch läuft ein langes und nicht uninteressantes Video zur Einstimmung. U.a. mit dem Trailer der DFB-Fußballerinnen: „Wir brauchen keine Eier, wir haben Pferdeschwänze.“

Hier gibt es die Tagungsunterlagen.

9.29 Uhr: Veronika Rücker übernimmt, die Vorstandsvorsitzende des DOSB. Innenminister Horst Seehofer (CSU) ist noch unterwegs und spricht gegen 11 Uhr, sagt sein Parteifreund Hörmann. Der dritte CSU-Kamerad im Bunde, der Parlamentarische Staatssekretär des BMI, hat gestern beim Empfang im Marriott Hotel schon ein paar Worte gesagt, ich fasse zusammen:

9.36 Uhr: Volker Bouffier (CDU), Hessens Ministerpräsident.

Der Sport ist die wichtigste Ressource, die eine Gesellschaft hat. Nur der Sport ist in der Lage, alle Bereiche unserer Gesellschaft zu erreichen: die, die begütert sind, und die, die nichts haben. Nur der Sport hat die Chance, Menschen zu erreichen, die aus aller Herren Länder zu uns gekommen sind und eine neue Heimat suchen.

Volker Bouffier (CDU)

Ein guter Redner, der Sportkamerad Bouffier. Keine klassische CDU-Rede, überhaupt nicht.

Zu Olympiabewerbungen: „Auch wünsche, dass auch in unserem Land wieder die Fackel der Begeisterung stärker wird.“

Heute ist vieles wieder äußerbar, wovon wir glaubten, es sei gesellschaftlich geächtet. (…) Walter Lübcke wurde Opfer eines Mordes, weil er sich für genau das eingesetzt hat, was sie hier beschrieben haben. (…) Sie sind der Olympische Sportbund eines Deutschlands, das zum Sehnsuchtsland der Welt geworden ist.

Volker Bouffier (CDU)

Mir wäre es sehr lieb, wenn wir nicht nur Sportdeutschland, sondern auch Sportvereinsdeutschland werden. Wir unterstützen eine politische Unterstützung des DOSB, aber wir wünschen uns auch, dass die Vereine als Träger des Sports nicht aus den Augen verloren werden.

Rolf Müller, Präsident des Landessportbundes Hessen

Roll call:

  • 39 von 39 olympischen Spitzensportverbänden
  • 24 von 27 nichtolympischen Verbänden
  • 16 von 16 Landessportbünden (LSB)
  • 12 von 19 Verbänden mit besonderen Aufgaben
  • 6 von 15 persönlichen Mitgliedern
  • 0 von 2 IOC-Mitgliedern
  • 8 von 8 Präsidiumsmitgliedern
  • 1 Mitglied der Athletenkommission

10.08 Uhr: Keine Wortmeldungen zum Bericht des Präsidiums, der elektronisch vorliegt und nicht mal mehr ansatzweise vorgetragen wird.

10.10 Uhr: Bericht des DOSB-Chefethikers Karl Ernst Thomas de Maizière (CDU), der „in der Endphase eines Heilungsprozesses wegen eines Fußbruchs“ im Sitzen vorträgt.

Die Zusammensetzung der Ethikkommission „ist tipptopp“, sagt der langjährige Bundesminister. „Ich finde die Zusammensetzung gut.“

Scheint ja eine Grundsatzrede zu werden.

Redet über „einen sehr schwierigen Fall“, aber: „Wir können nicht ordentlich arbeiten, wenn wir das alles offen legen.“ Er bittet darum, „dass sie vertrauen, dass wir das ordnungsgemäß machen“.

Sollte das tatsächlich der aktuelle Ethik-Code des DOSB sein (mag sein, dass ich ein neueres Dokument übersehen habe, dann wäre das extrem dünn:

DOSB_Ethik_Code

10.18 Uhr: Der Tausendsassa Thomas de Maizière spricht gleich nochmal, diesmal zum Thema „Integrität des Sports“. Sie nennen es Impulsreferat, Grundsatzrede zu „Good Governance und wie das alles heißt“.

Wenn es ein Problem gibt, dann guck nicht zuerst aus dem Fenster, sondern guck in den Spiegel. (…) Der Begriff Sportfunktionär ist für die Mehrheit der Bevölkerung ein Begriff, der negative Assoziationen hervorruft. Das ist so. (…) Und ganz viele sagen den Satz: Gedopt wird doch sowieso überall.

Thomas de Maizière (CDU)

„Im Sport gibt es nicht nur Heilige.“ Aber …

  • Nicht jeder Funktionär ist korrupt.
  • Nicht jeder Sportler ist gedopt.
  • Nicht jede Berührung ist eine sexuelle Nötigung.
  • Nicht jedes Anbrüllen ist eine Misshandlung.

TDM will nicht als Tugendwächter durch die Gegend laufen, aber besser hinschauen, wenn ich ihn richtig verstanden habe.

Mehr als ein „Impuls“ war es wirklich nicht. Da ist die öffentliche Diskussion seit Jahrzehnten weiter. Aber ich darf hier nicht zu viel erwarten.

10.28 Uhr: Neun Ehrennadeln an neun Personen für deren außerordentliches Wirken für „Sportdeutschland“.

  • Für Franz Brümmer, den Präsidenten des Verbandes Deutscher Sporttaucher
  • Für Peter Frese, den langjährigen Präsidenten des Deutschen Judo-Bundes (2000-2019)
  • Für Mona Küppers, seit 2017 die erste Präsidenten des Deutschen Segler-Verbandes (in 129 Jahren)
  • Für Jürgen Kyas, den Sanierer und langjährigen Präsidenten des Deutschen Boxsport-Verbandes, dessen AIBA-Tätigkeit, wie der Laudator Kaweh Niroomand sagt, „zu den Schattenseiten seines Sports gehört“
  • Für Mirko Heid, von 2014-2019 Präsident des Deutschen Baseball- und Softball-Verbandes
  • Für Wolfgang Hillmann, von 2015-2019 Präsident des Deutschen Hockey-Bundes
  • Für Gabriele Wrede, Multifunktionärin, u.a. Vizepräsidentin des LSB Berlin, die gemäß Laudatorin Petra Tzschoppe „mehrfach Bundespräsidenten zum Ablegen des Deutschen Sportabzeichens animiert hat“
  • Für Herbert Dierker, den langjährigen Chef der Führungsakademie des deutschen Sports
  • Für Gerhard Lenhard, den langjährigen Präsidenten des Deutschen Skibob-Verbandes

Und jetzt kommt Horst.

Übrigens, wer es verpasst haben sollte:

Dieser THREAD ist wichtig und liegt mir am Herzen. #doping #russland #sportaccord #ioc …

11.01 Uhr: Nun also der CSU-Innenminister Horst Seehofer. „Sie stehen als Sportminister seit Beginn ihrer Amtszeit ganz eng an unserer Seite“, säuselt Frau Rücker und sinniert über ein „neues Niveau an konstruktiver Zusammenarbeit und Vertrauen“.

Kleine Message an Gerhard Böhm :)

Seehofer bedankt sich für die „ungewöhnlich freundliche Begrüßung, das bin ich eigentlich so nicht gewohnt“.

Horst S. betont zunächst, da habe ich ihn bestimmt richtig verstanden, dass er der Größte Bundesinenminister aller Zeiten ist (GBAZ), der einem „gigantischen Ministerium“ vorsteht.

Habe begonnen mit einem Haushalt von 168 Millionen … nun sind es 279 Millionen (für den Spitzensport). „Das ist eine unglaubliche Steigerung. Ich schaue, was können wir mit diesem Geld und mit diesen Finanzen bewegen.“

„Die Botschaft für Sie ist, dass wir die Spitzensportreform und vor allem die Leistungssportreform solide und sauber finanzieren können. Die Leistungssportreform ist aus meiner Sicht schon ein Erfolgsmodell …“

Well. Was man als GBAZ so sagt.

Weitere Themen: Athletenförderung, Einstieg in Athleten-Altersvorsorge, Sportstättenförderung für Nordische WM in Oberstdorf und Rodel-WM in Oberhof … Dank and Sportausschuss und Haushaltsausschuss (die eigentlich Kontrolleure sein sollten, im Sportumfeld aber stets Kollaborateure sind).

„Herr Präsident Hörmann und Frau Rücker … man kann sich Euren Forderungen nicht entziehen … ihr macht das sehr geschickt hinter den Kulissen … man ist gut beraten im Sinne der eigenen Lebenserwartung, sich Euren Forderungen nicht zu entziehen.“

Viele Sportstätten, entstanden in den 1970er Jahren, entsprechen den modernen Anforderungen nicht mehr …

Deshalb überlegen wir, ob wir als Innenministerium, gemeinsam mit Ihnen, wie sie wollen, nochmals eine Konzeption entwickeln, über viele Jahre, einen neuen Goldenen Plan aufzulegen. (…) Das ist für unsere Sportbewegung, jenseits auch der Spitzensportler, ganz ganz wichtig. Nur so können wir den Sport als tragendes Element entwickeln und erhalten.

Horst Seehofer (CSU)

„Eine unzureichende Governance kann zur Konsequenz haben, dass die öffentliche Förderung in Frage gestellt wird.“ Als Beispiel erwähnt er die Volksentscheidungen über Olympische Spiele. „Deshalb ist die gute Verbandsführung, die Integrität derer, die den Sport repräsentieren, eine ganz wichtige Sache.“

Was man so sagt. Ausgerechnet er.

Er sagt, er habe den Bericht des DOSB-Präsidiums in der „Vorbereitung auf heute“ sogar gelesen und sei „nicht einmal eingeschlafen“. Ja da schau her.

Obligatorische Doping-Passage: „Doping zerstört den Grundansatz des Sports.“ Die NADA habe „internationale Vorbildfunktion“.

Well.

Ich bin offen für eine Verschärfung des Anti-Doping-Gesetzes. Insbesondere die Einführung einer bereichsspezifischen Kronzeugenregelung scheint mir persönlich sinnvoll.

Horst Seehofer (CSU)

Siehe auch: Kronzeugenregelung und Schutz von Whistleblowern im deutschen Anti-Doping-Gesetz 

Mit einer verbalen Spitze fordert er Beifall heraus und sagt, man könne nicht so zurückhaltend sein mit Reaktionen (auf seine Doping-Ausführungen und überhaupt in dieser Frage), aber gleichzeitig immer mehr fordern.

Fordert Transparenz.

Well.

Nun zur Nationalen Strategie Sportgroßveranstaltungen (Hintergründe hier: Paradoxon Olympia 2032: Berlin ist draußen, NRW ist ein Kandidat, ohne zum Kandidaten gekürt worden zu sein.). „Wenn allerdings der Wille zur Kooperation fehlt und jeder Kompromiss vereitelt wird, werden wir uns im internationalen Wettbewerb nicht behaupten können.“

Was meint er?

European Championships 2022 in München: Drittelung der Kosten zwischen Bund, Land und Kommune.

Der Hessische Ministerpräsident hat sich heute ausdrücklich zu einer Olympiabewerbung bekannt. Ich möchte das auch tun. (…) bescheiden von der Infrastruktur und den Rahmenbedingungen. Wir wollen es und wir können es, deshalb sollten wir nicht nachlassen, weitere sportliche Großereignisse bis hin zu einer Olympiabewerbung nach Deutschland holen.

Horst Seehofer (CSU)

Delegierte spielen das Seehofer-Bingo:

11.49 Uhr: Doch noch eine Rede vom künftigen Landrat.

„Man hätte es sich nicht vorstellen können, dass die Nachwehen der Spiele von Sotschi nicht nur die Spiele von Rio und die Spiele von PyeongChang, sondern auch noch die Spiele von Tokio mit prägen.“

Wir werden wohl erneut eine Situation erleben, dass wir bis zu den Spielen von Tokio eine Diskussion erleben werden, welche Athleten können wohl unter welcher Flagge teilnehmen.

Die Ära Craig Reedie in der WADA „stufen wir als nicht sonderlich erfolgreich ein“. Sagt Hörmann.

Wir können nur auffordern: Schützt unsere sauberen, schützt unsere redlich und wertorientierten Athleten.

Alfons Hörmann (CSU, DOSB)

25. Mai und 24. August olympische Silbermedaillen für Betty Heidler und Christina Obergföll – sieben und elf Jahre später!

Allerdings sage ich immer wieder: Glückliche Medaillengewinner, den Moment doch noch zu erleben – anders als der nigerianischen Staffelläufer Sunday Bada, der 2012 bereits verstorben war, als Nigeria zum Olympiasieger 2000 erklärt wurde.

Hörmann zur BMI-Sportabteilungsleiterin Beate Lohmann (und zu Seehofer):

„Es macht Freude und Spaß, mit Ihnen gemeinsam an den Themen dran zu bleiben.“

Erinnert an Diskussionen mit Innenminister Hans-Peter Friedrich zum Amtsantritt 2013 und die damalige DOSB-Forderung nach 38 Millionen. Friedrich sah das anders – erst unter Friedrichs Nachfolger TDM änderte es sich.

Aus den 38 Millionen wurden in den letzten Jahren plus 138 Millionen, sagt Hörmann. Und er fragt auch danach, warum Seehofer im Haushalt von 279 Millionen gesprochen hat, der DOSB nur von 270 Millionen. „Wir werden uns sofort auf die Suche nach den verschwundenen neun Millionen machen.“

Zu den vielen unterschiedlichen Zahlen und dem Umstand, dass die Spitzenförderung insgesamt viel größer ist als nur diese genannten Summen (270/279) kann ich nur dieses feine Magazin empfehlen. Da steht es ziemlich genau.

„Stichwort Olympiabwerbung“, sagt Hörmann und lobt die Initiative NRW2032 als „beeindruckend“. Man sei seit zwei Jahren in Kontakt und habe sich „ganz bewusst zurückgehalten“. Seit Mitte November „liebt insofern ein neuer Fakt vor“, dass sich ein Landtag committed hat. Erwähnt auch die 14 OberbürgermeisterInnen des NRW2032-Konzepts, die sich parteiübergreifend zusammengeschlossen haben.

Es sei eine Selbstverständlichkeit, dass man auch mit den Städten, die zuletzt Partner waren (Berlin und Hamburg) im Gespräch bleibe – auch mit den „betroffenen Landessportbünden“.

Zum richtigen Tag und zum richtigen Zeitpunkt wolle man in der DOSB-Mitgliederversammlung eine Entscheidung treffen.

Er formuliert einige Kernfragen:

  • Was ist das Erbe Olympischer Spiele (München, Kiel etc)?
  • Was ist in jenen Regionen zurückgeblieben, die sich beworben hatten?
  • Wie entwickelt sich das gesamte Szenario auf internationaler Ebene weiter?

12.17 Uhr: Ich bin auch nur ein Mensch mit gewissen Bedürfnissen. Sollte ich also in den vergangenen Minuten auf dem Klo bahnbrechende Enthüllungen oder gar Hörmanns Rücktritt verpasst haben, bitte ich das zu entschuldigen.

Nochmal ein wenig DOSB-Bildung:

DOSB_Bericht_Praesidium-Vorstand_2019_barrierefrei

Alfons Hörmann will „nicht nur im Sport, sondern im gesamten Land Lust auf Zukunft sichern“.

13.15 Uhr: Ooops, da habe ich bei Stehtermin draußen mit den CSU-Buddies Alfons & Horst und am Buffet doch glatt den Beginn der Diskussion „Integrität im Sport“ verpasst. Der Saal hat sich inzwischen zur Hälfte geleert. „Good Governance“ bleibt ein bisschen Folklore.

„Integrität ist eine Haltung. Sie drückt eine bestimmte Kultur aus“, sagt Christina Gassner. Als Geschäftsführerin der Deutschen Sportjugend (DSJ) gehört sie auch dem DOSB-Vorstand an.

Eine Diskussion findet nicht statt. Veronika Rücker fragt, ob zum Punkt „Integrität des Sports“ jemand etwas zu sagen habe. Hat niemand.

„Ja, ihr Eindruck ist richtig, es ist alles super!“ … sagt der Kassenprüfer Michael Elger. „Die Kasse ist super in Ordnung und ist auch Benchmarking für alle anderen, die hier im Saal sitzen. Ich empfehle ihnen die Entlastung des Präsidiums und des Vorstands.“

Bericht einstimmig angenommen. Ebenso die Jahresrechnung.

Präsidium und Vorstand einstimmig verabschiedet.

Usw. usf.

13.39 Uhr: Nun drei „wegweisende Anträge für den deutschen Leistungssport“, wie Frau Rücker formuliert.

  • Konzept zur Verbesserung der arbeitsvertraglichen Rahmenbedingungen für Trainer*innen
  • Konzept zur Förderung Nichtolympischer Spitzensport 2020 ff.
  • Fördersystematik für Verbände mit vorübergehend olympischen Sportarten

Alles einstimmig. Teilweise wurden die Kärtchen schon gehoben, bevor Rücker um Abstimmung gebeten hat.

13.49 Uhr: Feierabend. Diskussionslos.

Man sieht sich wieder am 5. Dezember 2020 in München.

Veronika Rücker bedankt sich komischer Weise für „produktive Diskussionen“.

Leave a Reply

required

required, will NOT be published

By clicking the following examples the respective HTML code will be appended to your comment. Use the comment preview to make sure everything looks and works as intended.

  • , ,