Olympic Summit: die schmierigen Finten des Putin-Kumpels Thomas Bach #Rio2016

 •  • 14 Comments

Es wird immer wilder. Schon fällt in Russland das B-Wort.

Boykott.

Thomas Bachs handverlesener Olympic Summit ist nach etwas mehr als vier Stunden gerade beendet. In Kürze gibt es eine Pressekonferenz mit Bach in Lausanne. Ich höre am Telefon zu und werde den Tag über einiges bloggen. Eine aktuelle Analyse des Geschehens in Lausanne schreibe ich für Spiegel Online. Dort heute morgen auch mein Zwischenstand kurz vor dem Meeting:

14.10 Uhr: We have to join forces of all olympic stakeholders. Sagt der UDIOCP Thomas Bach.

All the stakeholders have a particular way to play. Er erwähnt WADA, u.a. weil nur sie einen Sport oder ein NOK als non-compliant erklären kann. IF (Internationale Fachverbände) sind für Zulassung der Sportler zuständig. NOC (hier DOSB, in Russland ROC) lassen Sportler endgültig zu und nominieren. Immer noch kleines olympisches Einmaleins.

Einstimmige “Deklaration”, denn Entscheidungen sind ja nicht möglich auf diesem Summit.

Das Papier liegt momentan noch nicht vor, Bach fasst zusammen:

  1. Die IAAF-Entscheidung wird noch einmal bestätigt.
  2. Alle Bemühungen, Doper nicht für Rio zuzulassen, werden unternommen. Disziplinarmaßnahmen, Pre-testing, Re-testing etc (sorry, wenn ich in der Schnelle nur sehr flüchtig übersetze).
  3. Es können nicht nur Sportler sanktioniert werden – es müssen alle sanktiniert werden, die beteiligt sind. Trainer, Ärzte, Betreuer etc. NOK und IF sollen alles unternehmen, um die Doping-Entourage nicht zuzulassen. (Bisher eigentlich nur allgemeines Zeug.)
  4. Erwähnt nun Russland (und Kenia), die non-compliant sind. Kommt nun langsam auf Russland. “Conclusion of the Summit”, er kommt ins Hüsteln: Very serious doubts in Sachen Unschuldsvermutung. Jeder Sportler aus Russland und Kenia muss von den jeweiligen IFs überprüft und zugelassen werden! Dopingtests von belasteten und non-compliant Labors zählen  nicht. Es zählen nur internationale, unabhängige Tests.
  5. Die Entscheidung der Zulassung obliegt demnach den Internationalen Fachverbänden – für Rio also 28 (und viele davon stets konspirativ mit den Russen verbunden).
  6. Schwächen des Antidopingsystems: soll transparenter werden. Full review of the system. Deshalb außerordentliche Doping-Weltkonferenz in 2017. Nächster Summit am 8. Oktober mit Vorschlägen für die dann fünfte Weltkonferenz, wenn ich richtig zähle. Antidopingsystem unabhängig von Sportorganisationen – hat er das wirklich gesagt?

14.25 Uhr: In Sachen Kenia hat Sebastian Coe gesprochen und von einem mittlerweile angeblich effektiven Testsystem gesprochen.

Nochmal auf Nachfrage: In allen 27 anderen Sportarten müssen russische Athleten von den jeweiligen Fachverbänden überprüft werden (wie bei IAAF). An der IAAF-Entscheidung wird nicht gerüttelt.

Keine Diskussion über Whistleblower.

Jetzt kommt ein mitentscheidender Punkt:

Dem russischen NOK (ROC) droht keine Suspendierung.

Kein klares Wort zu Sotschi und der kriminellen Manipulation der Dopingproben. Ein Wort zum McLaren-Bericht habe ich auch noch nicht gehört. (In der Hektik aber kann ich mich täuschen.)

Foto: President of Russia

Foto: President of Russia

14.40 Uhr: Im Grunde hat er das Schlupfloch gefunden, sagt ich das schon? Es überzeugt natürlich nicht, dass Sportfachverbände, von denen ein Drittel massive WADAC-Probleme hat und von denen noch mehr unter russischem Einfluss stehen und von denen viele massive Korruptionsprobleme haben, dass diese Fachverbände nun also in Windeseile bis zu 1.000 Sportler aus Russland und Kenia auf Herz und Nieren prüfen sollen. Absurd.

14.44 Uhr: Über den McLaren-Report will Bach “nicht spekulieren”. Er wird es also nicht mehr in seine Rio-Überlegungen einbeziehen. Er schafft es, den Sotschi-Betrug verbal unter den Teppich zu kehren – diese Formulierung sollte juristisch vertretbar sein, denn einen Aufschrei, den er als Boss des Milliardenkonzerns eigentlich machen müsste, habe ich nicht gehört. Ergebnisse des McLaren-Berichts seien dann Sache der jeweiligen IFs.

14.49 Uhr: Er könne nur lachen über alle Spekulationen über sein Verhältnis zu Putin, behauptet Bach. Es habe nicht einmal ein Telefonat gegeben in den vergangenen Tagen.

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Ralf #1

SpOn-Version auch seit kurzem online…

Ralf #2

Muß man dem IOC für das folgende eigentlich dankbar sein?

This requires IFs in particular to take swift action to suspend all athletes who have infringed anti-doping rules following the re-testing programme of samples from the Olympic Games Beijing 2008 and London 2012.

Vielleicht könnte man ja diese Verfahren auch noch so in die Länge ziehen, daß etwaige Sperren erst nach Ende der Rio-Spiele beginnen!?

JW #3

Da lässt sich einiges einrichten. Was zahlst Du?

Ralf #4

Zu Spanien und Mexiko verlor Bach kein Wort.

Dafür besagt die “Declaration” folgendes:

The non-compliance declaration of the Spanish NADO is for administrative reasons only and does not affect the doping-control system.

Ralf #5

“Hope no more damage will be done. Craig.”

Mark Daly für die BBC: Wada president Craig Reedie faces more pressure

sternburg #6

Ich höre ja kaum noch hin. Der Ablauf der Ereignisse durch den Filter meines Desinteresses:

1. Die IAAF schließt alle russischen Sportler aus. Eine starke und eindeutige Entscheidung. Endlich mal gute Nachrichten für Weltöffentlichkeit und Sponsoren von den Spielen in Rio.

2. Das IOC lässt durchblicken, die Entscheidung der IAAF bedingungslos zu unterstützen. Allenfalls könnten einige Härtefälle unter IOC-Flagge teilnehmen. Eine starke und eindeutige Entscheidung, mit Augenmaß für Unverhältnismäßigkeiten. Kommt immer noch gut an.

3. Das IOC entscheidet: Russland bliebt ausgeschlossen. Die Entscheidung des IAAF behält Bestand. Aber (ab hier hört kaum noch einer hin, die Nachricht kennt man ja schon):

Saubere Athleten dürfen unter russischer Flagge teilnehmen, müssen dafür jedoch vorher durch ein “unabhängiges Prüfverfahren”.

Mein Zynismus macht daraus: Man hat jede Menge gute Nachrichten produziert. Am Ende bleibt trotzdem alles weitgehend unverändert. Man hat über die unabhängige Prüfungskommission nur einen weiteren, wunderschönen Kanal für Korruption und Einflussnahme aufgemacht, der ganz sicher in den Tiefen des IOC endet (und die IAAF praktischerweise umgeht). Liegt mein Zynismus völlig daneben?

Ich warte ja noch auf die Meldung irgendwo auf den hinteren Seiten am Rande, diese Einzelfallentscheidungen nach unabhängigen Prüfverfahren stünden selbstverständlich auch russischen Funktionären offen. Wobei natürlich die Unschuldsvermutung Anwendung findet.

JW #7

Dein Zynismus und damit mindestens die letzten vier Absätze lassen sich in einen Namen übersetzen:

UDIOCP.

Bzw: Thomas Bach.

sternburg #8

Kannst Du mir nicht einmal sagen, ich habe unrecht und die Welt viel schöner?

JW #9

Nein.

Da musst Du durch. (Mit mir.)

Stefan #10

Diese Entscheidungen werden die Akzeptanz von olympischen Spielen in demokratisch geprägten Ländern (also in solchen, in denen es Referenden gibt/gab) sicher enorm erhöhen.

duesseldorfer #11

Da hat das IOC Thomas Bach und ausgewählte Freunde in einer Zusammensetzung, die nirgends dokumentiert und nirgends[*] autorisiert ist, einen Entschluss gefasst der vor allem denen zu gute kommt, die Thomas Bach Bach gewählt haben.

Respekt, das ist entweder extrem clever oder extrem dreist.

Extrem clever für den Fall dass WADA und IAAF -die selber unter Druck stehen und daher motiviert sein können eine harte Linie zu fahren- ihre Linie durchziehen. Vor dem CAS oder per langsamer Bürokratie, wie auch immer. Es werden nur wenige staatliche-Doper zugelassen. Dann kann Bach zu seinen Förderern gehen und sagen “habe alles versucht, bin aber machtlos – das System ist schuld”

Extrem dreist für den Fall das am Ende ein nahezu gleiches Kontingent an staatlichen Dopern startet und die so erfolgreich sind wie in London. Über die nächsten acht Jahre natürlich auch genauso konsequent nachträglich disqualifiziert werden. “Keiner ist es gewesen – das System ist Schuld”

[*] Naja, es ist ein privatrechtlicher Verein, nicht auszuschließen, dass irgendwo eine per Umlauf/Telefon zustande gekommene Autorisierung vorliegt. Dubiose Corporate Governance – aber direkt verboten?

mb #12

Nachträglicher Dank an die Hamburger Bürgerinnen und Bürger, dass diese sportwidrige Funktionärsgesellschaft nicht Olympische Spiele 2024 in Deutschland veranstalten darf.

Mir hat eine Präambel in der Entscheidung des Olympic Summit gefehlt: Der Olympic summit fasst “…unter temporärer Außerkraftsetzung der Empfehlungen 15 bis 18 der Agenda 2020 den nachfolgenden Beschluss…”

nocheinjurist #13

Die Unschuldsvermutung ist ja individuell, vielleicht hätten ja einige Athleten wirklich bessere Chancen als C.P. vor dem Internationalen Sportgerichtshof gehabt – insbesondere jene, die tatsächlich nie positiv getestet worden sind. Aber die Ereignisse sind ja irgendwie überholt – saubere Olympische Spiele durch Suspendierung des Dopinglabors vor Ort, darauf muss man erstmaal kommen. Denn wer soll jetzt die Unschuldsvermutung der Rio-Sieger und -latzierten widerlegen ;-)
Putin hat erstaunlich demütig reagiert. Bin ja immer noch gespannt, wie maan ihm die WM 2018 wegnehmen wird. Aber die IAAF-Entscheidung war für ihn wohl ein Vorgeschmack, wie komisch das gehen könnte. Verschwörungstheorie off.

körnerskatja #14

es ist faszinierend wie sich einige hier artikulieren können. Doping ist sicherlich immernoch einer der größten Aspekte im kompletten Olympic Bereich. Außerdem merkt man auch, dass vorallem im Radsport Doping eine ganz große Rolle spielt. Und wenn man sich ansieht, was für Berge beispielsweise bei der Tour de France dabei sind, wundert es mich nicht, da würde ich auch dopen!

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