Vor dem Olympic Summit: einigt sich IOC-Bach mit seinem Kumpel Wladimir Putin?

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Zwei Zeugnisse meiner Dichtkunst nach dem IAAF-Entscheid in Sachen Russland, der uns weiter beschäftigen wird. Im ersten Text, einem (leicht erweiterten) Kommentar, den ich am Freitagabend nach diesen ausführlichen Blogbeiträgen auf Spiegel Online veröffentlicht habe, konzentriere ich mich noch auf das IAAF-Papier und die Mitschuld/Verantwortung hoher internationaler Sportfürsten (Coe, Reedie et al). Im zweiten (wie immer ebenfalls erweiterten) Text („Gesamtes russisches Olympiateam soll auf den Prüfstand“), veröffentlicht am Samstag, stelle ich einige Fakten und Überlegungen zur Diskussion, wie es wohl weiter geht – schon am Dienstag beim so genannten Olympic Summit in Lausanne.

Natürlich ist die Wahrscheinlichkeit gigantisch größer, dass UDIOCP Thomas Bach wieder routiniert Doppelpass mit seinem Sportkameraden Wladimir Putin spielt und Russland keine weiteren Olympia-Sanktionen fürchten muss, als dass Russlands NOK eventuell komplett oder weitere große Kontingente für Rio gesperrt werden. Doch ausschließen möchte ich letzteres nicht.

Nachtrag, diese Meldung habe ich jetzt erst gesehen, passt dazu:

Die Story wird fortgeschrieben. (Ich versuche am Ende dieses Blogbeitrags im Laufe des Tages noch einige Lektüre-Empfehlungen zu geben.)

Im Grunde kann man beide Texte wunderbar hintereinander stellen und lesen:

* * *
Beitrag vom 17. Juni 2016, spätabends

Das Council des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF hat den einzig vertretbaren Beschluss gefasst. Der russische Verband RUSAF bleibt wegen systematischen und staatlichen orchestrierten Dopings gesperrt. Unter russischer Flagge werden keine Leichtathleten an den Olympischen Spielen im August in Rio de Janeiro teilnehmen. Wohl aber könnten einzelne russische Leichtathleten unter neutraler Fahne für Rio zugelassen werden. Die dafür nötige Statutenänderung hat das Council gleich mit verabschiedet. Die Tür ist nur einen winzigen Spalt auf, hat der Norweger Rune Andersen in Wien gesagt, der Chef der IAAF-Taskforce, die einen überzeugenden Bericht vorgelegt hat.

Stars wie Jelena Isinbajewa, die Putin-treue Olympiasiegerin im Stabhochspringen, werden kaum durch diesen Spalt schlüpfen können, der als Metapher für eine harte Überprüfung der Zulassung steht. Isinbajewa, die vor drei Jahren nicht nur die unerträglichen Anti-Homosexuellen-Gesetze in Russland verteidigte, sondern die faktenbasierten Berichte der Weltantidopingagentur WADA und zahlreiche investigative Medienberichte als „politisch motiviert“ brandmarkte, wird im Papier der Taskforce auch erwähnt – und als Propagandistin enttarnt. Denn in Gesprächen mit der Taskforce stellte sich heraus, dass Issinbajewa die WADA-Berichte nie gelesen hatte.

Für eine russische Sportlerin allerdings ist die Tür zu den Sommerspielen nicht nur einen Spalt, sondern sperrangelweit auf. Und das ist fantastisch: Julia Stepanowa, die gemeinsam mit ihrem Mann Witali als Whistleblowerin ihr Leben riskierte und sich seit Jahren im Exil befindet, kann unter neutraler Flagge zugelassen werden. Sie trainiert längst dafür. Ihre Olympiateilnahme wäre ein zartes Zeichen für einen etwas saubereren Sport. Sollte Stepanowa in Rio laufen, dürfte sie eine/r der Stars der Spiele sein. Die Zuschauer im Olympiastadion werden sie feiern – und viele Sportler anderer Nationen werden das ebenfalls.

Das IAAF-Council hat sich die PR-trächtige Chance natürlich nicht nehmen lassen, Stepanowa den Weg nach Rio zu ebnen. Nur sollte man nicht allen Councilmitgliedern eiskalte Berechnung unterstellen. Gewiss ist die IAAF-Führung, deren teilweise kriminelle Machenschaften von der französischen Justiz aufgearbeitet werden und deren Präsident Sebastian Coe extrem unter Druck steht, um jede positive Schlagzeile bemüht. Allerdings gehören dem Council nicht nur zweifelhafte Figuren an, sondern auch Funktionäre wie die Kanadierin Abby Hoffman, die sich nachweislich seit Jahrzehnten für einen sauberen Sport einsetzt. Hoffman war auch in der Taskforce aktiv.

Der 15 Seiten umfassende Bericht der Taskforce ergänzt die vielen hundert Seiten der beiden WADA-Berichte und die zahlreichen Enthüllungen – wie zuletzt in der BBC, in der New York Times und in der ARD – perfekt Nie zuvor in der Geschichte des olympischen Sports konnte ein staatlich organisiertes Dopingsystem zeitnah so gut beschrieben werden. Wobei die Betonung auf zeitnah liegt: Denn das DDR-Dopingsystem konnte erst nach dem Mauerfall aufgearbeitet werden. Der Unterschied des russischen Systems zu anderen spektakulären Dopingnestern – etwa in den USA im Fall Lance Armstrong oder im BALCO-Skandal – ist gewaltig. Die US-Nester wurden von Ermittlern der Steuer- und Drogenbehörden ausgehoben. Das russische System, dessen Wurzeln in der Sowjetunion liegen, wird vom Sportministerium bis heute geschützt – auch dafür liefert das Papier der IAAF weitere Belege. Wer die Augen vor all diesen Beweisen, Aussagen und Indizien verschließt – wie Isinbajewa, wie russische Staatsmedien und Putin-Trolle im Internet – der kann in der Diskussion nicht ernst genommen werden. Am 15. Juli wird der nächste umfassende Bericht der WADA vorgelegt.

Hat die Beibehaltung der Sanktionen gegen den russischen Verband die Lage an der Dopingfront nachhaltig verbessert? Natürlich nicht. Das kriminelle System in der IAAF muss strafrechtlich aufgearbeitet werden. Die Doppelpässe hoher Funktionäre des IOC und der WADA mit Russland müssen eingestellt und sportjuristisch sanktioniert werden – Ethikregeln geben da einiges her. Das internationale System der Dopingfahndung steht weiterhin vor dem Kollaps. Viele ehrliche Sportler, die jahrelang von den Russen (und anderen) betrogen wurden, werden nie die wohlverdienten Früchte ihrer Arbeit ernten. Sie bleiben bis ans Lebensende betrogen. Nicht alle dürfen sich so glücklich schätzen wie der australische Geher Jared Tallent, der am Freitag, nur wenige Stunden vor der IAAF-Entscheidung, in Melbourne endlich seine Goldmedaille erhielt, die ihm bei den Sommerspielen 2012 in London ein russischer Doper gestohlen hatte.

Aber selbst an diesem großen Tag im Leben des Jared Tallent haben ihm die Doper die Schlagzeilen geklaut. Dennoch und ungeachtet der sportpolitischen Finten, die das vom Deutschen Thomas Bach geführte IOC aus dem IAAF-Beschluss ableiten wird, es ist ein Feiertag für den Sport. Nie zuvor haben sich so viele Sportler aus aller Welt (hier habe ich einige Resolutionen verlinkt), so viele nationale Verbände und so viele Spitzenfunktionäre für grundlegende Reformen des Antidopingsystems und für harte Sanktionen eingesetzt. Das ist nicht wenig, sondern ein winziges Fünkchen Hoffnung.

Beitrag vom 18. Juni 2016

Der Ausschluss weiterer russischer Sportverbände oder gar des gesamten russischen NOK für die Sommerspiele 2016 in Rio de Janeiro scheint keinesfalls vom Tisch. Auf einer Telefonkonferenz hat das Exekutivkomitee des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) am Sonnabend den Beschluss des Councils des Weltverbandes der Leichtathleten (IAAF) vollumfänglich begrüßt, die Sperre des dopingverseuchten russischen Verbandes aufrecht zu erhalten. Für den 21. Juni hat IOC-Präsident Thomas Bach zum so genannten Olympic Summit nach Lausanne geladen. Teilnehmer dieses Meetings erklärten gegenüber SPIEGEL ONLINE, sie erwarten fest, dass die Erörterung der Frage, das russische NOK komplett oder zumindest weitere Sportarten auszuschließen, im Mittelpunkt des Olympiagipfels stehen wird.

Die Agenda legt allerdings der IOC-Präsident fest, der sich, davon gehen die hohen Sportfunktionäre aus, zuvor mit Russlands Präsident Wladimir Putin beraten wird. Bach und Putin sind sich geradezu freundschaftlich verbunden. Putin hat 2013 die Inthronisierung Bachs im IOC unterstützt und am Freitag den IAAF-Bann Russlands scharf kritisiert.

Der Olympic Summit in Lausanne hat keinerlei Beschlussrecht und wird im IOC-Grundgesetz, der Olympischen Charta, nicht einmal erwähnt. Bach hat diese Treffen im Herbst 2013 nach seiner Amtsübernahme eingeführt und legt die bislang wechselnde Teilnehmerschaft selbst fest. Die Summits wurden fester Bestandteil seiner PR-Arbeit und der olympischen Binnenpolitik. Ein klassisches Bach-Manöver.

Insider nahe der IOC-Führung erwarten die üblichen juristischen Finten des IOC-Präsidenten. Eine erwartbare Finte hat möglicherweise Grit Hartmann mit ihrem Beitrag über den Gewichtheber-Weltverband IWF und den Olympia-Ausschluss der Bulgaren verhindert. Der Text ist in erweiterter Form hier zu lesen und hat einige in der IOC-Zentrale alarmiert – denn im IOC hatte man das CAS-Urteil offenbar verpasst. Im Kern ging es darum:

IOC-Präsident Thomas Bach bittet nächste Woche zu einem Treffen, um das Vorgehen der Weltverbände, wie es heißt, „zu harmonisieren“. Dabei gehe es „um die schwierige Entscheidung zwischen kollektiver Verantwortung und individueller Gerechtigkeit“. Im Klartext: um die Frage, ob man überhaupt einen Bann gegen Russland, gegen eine Nation, verhängen darf.

Interessant daran ist vor allem, wie Jurist Bach, der öffentlich gern den entsetzten Mahner für „Null-Toleranz“ gibt, ein Urteil ignoriert, das diese Frage längst beantwortet hat. Denn die Gewichtheber haben den bulgarischen Verband nach elf positiven Dopingfällen bereits für Rio gesperrt – und der Internationale Sportgerichtshof hat das bestätigt. In dem bisher unveröffentlichten Urteil (CAS 2015/A4319) stecken viele Sätze, die auch Bach interessieren müssten:

Eine Olympiasperre gegen einen Verband ist demnach nämlich nicht als „Sanktion gegen einzelne Athleten“ zu verstehen. Vielmehr würden diese an der Olympiateilnahme gehindert, weil sie zu einem Nationalverband gehören, „der unfähig ist, Doping effektiv zu bekämpfen“.

Wenngleich, auch das steht im Urteil, die Weltverbände ihre nationalen Mitglieder lediglich daran hindern können, den eigenen Nationalen Olympischen Komitees Athleten für Rio zu empfehlen: „Zu erwarten ist jedoch, dass die NOKs keine Athleten gesperrter Verbände nominieren und, sollte das dennoch geschehen, das IOC die Teilnahme solcher Athleten untersagt.“

„Übergeordnete Anliegen“ würden ein solches Vorgehen rechtfertigen – wie das, „die Werte des Sports zu schützen“. Heißt nichts anderes als: Der faire Sport geht vor. Schwere Kost für Bach, sollte der tatsächlich intervenieren wollen, falls der Leichtathletik-Verband IAAF morgen die Russen ausschließt.

Das hat er nun nicht getan:

THE INTERNATIONAL OLYMPIC COMMITTEE (IOC) WELCOMES AND SUPPORTS THE IAAF’S STRONG STANCE AGAINST DOPING. THIS IS IN LINE WITH THE IOC’S LONG-HELD ZERO-TOLERANCE POLICY.

The IOC has taken note of the decision of the IAAF Council and of the report and recommendations of the IAAF Taskforce.

The IOC Executive Board, in a telephone conference today, emphasized that it fully respects the IAAF position. The eligibility of athletes in any international competition including the Olympic Games is a matter for the respective International Federation.

The IOC will initiate further far-reaching measures in order to ensure a level playing field for all the athletes taking part in the Olympic Games Rio 2016. The upcoming Olympic Summit on Tuesday will address the situation of the countries in which the National Anti-Doping Organisation has been declared non-compliant by WADA for reasons of the non-efficient functioning of the national anti-doping system.

Neben einigen Top-Vertretern des IOC, etwa die vier Vizepräsidenten sowie die Athletensprecherin Claudia Bokel (Deutschland), sind stets auch die Präsidenten der Vereinigungen aller Nationalen Olympischen Komitees (NOK) und der Dachorganisationen der olympischen Sportverbände dabei, also beispielsweise Bachs Wahlhelfer Scheich Ahmad Al-Fahad Al-Sabah aus Kuwait. Stammgäste sind zudem die NOK-Präsidenten aus den USA (Larry Probst) und aus Russland (Alexander Schukow). Beide sind IOC-Mitglieder. Da die Mitwirkung des russischen NOK am staatlich orchestrierten Doping hinreichend belegt ist, steht Schukow, NOK-Präsident von Wladimir Putins Gnaden, besonders unter Druck. Auch das von Schukow geführte NOK brandmarkt russische Whistleblower wie das Ehepaar Stepanow, dem das wohl größte Verdienst bei der Aufklärung des Staatsdopingsystems zukommt, als Vaterlandsverräter.

Schukow ist Präsidiumsmitglied in Putins Partei Vereinigtes Russland und stellvertretender Vorsitzender der Duma. Er wurde 2010 nach dem desaströsen Abschneiden Russlands bei den Winterspielen in Vancouver installiert – vier Jahre später belegte Russland Rang eins der Nationenwertung bei den Heimspielen in Sotschi. Gemäß Aussagen des langjährigen Dopinglaborchefs Grigori Rodschenkow wurden dabei unter Mitwirkung des Sportministeriums und des Geheimdienstes FSB zahlreiche Dopingproben ausgetauscht und manipuliert, darunter sollen sich fünfzehn gedopte russische Medaillengewinner befinden. Rodschenkow will auf Anordnung des Sportministeriums einst 1.400 Dopingproben vernichtet haben. In einem jüngsten WADA-Zwischenbericht werden zudem 736 verweigerte und anderweitig verhinderte Dopingtests bei russischen Sportlern allein zwischen Februar und Mai 2016 aufgeführt.

WADA update on the status of Russia testing, Mai 2016

WADA update on the status of Russia testing, Juni 2016

Die Enthüllungen über all diese Vorgänge haben zu einem bislang unbekannten Sturm der Entrüstung geführt, dem sich auch das IOC nicht entziehen kann, das etliche Mitglieder wie Schukow in seinen Reihen hat, die in unterschiedlicher Weise belastet werden. Nie zuvor haben sich dermaßen viele Nationalverbände, NOK und Sportler zahlreicher Nationen für eine rigorose Aufklärung und harte Bestrafung der Verantwortlichen eingesetzt.

Diese spektakulären Manipulationen, die weit über das Dopingsystem in der Leichtathletik hinausreichen und dem Kerngeschäft des IOC, den Olympischen Spielen, schweren Schaden zufügen, stehen im Mittelpunkt der Arbeit des kanadischen Jura-Professors und Anwaltes Richard McLaren aus London/Ontario. McLaren ermittelt im Auftrag der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA), die selbst schwer unter Druck geraten ist, und will seinen Bericht am 15. Juli vorlegen. Unterstützt wird er maßgeblich vom französischen Interpol-Agenten Mathieu Holz. Auf Antrag der IAAF-Taskforce hat er vorab einige Informationen zur Verfügung gestellt und bestätigt, dass auf Anordnung des russischen Sportministeriums während der Leichtathletik-WM 2013 in Moskau Dopingproben manipuliert und positive Tests vernichtet wurden. Warum sollte das bei den vielen anderen Weltmeisterschaften der vergangenen Jahre in Russland anders gewesen sein?

Russland hat seit 2010, seit dem Amtsantritt des NOK-Präsidenten Schukow nicht nur die Winterspiele und die Paralympics sowie die Weltstudentenspiele (Sommer-Universiade in Kasan) ausgetragen, sondern Weltmeisterschaften in vierzehn olympischen Sportarten:

  1. Tischtennis
  2. Turnen
  3. Ringen
  4. Eislaufen (Eiskunstlauf und Eisschnelllauf)
  5. Eishockey
  6. Moderner Fünfkampf
  7. Rugby
  8. Leichtathletik
  9. Kanu
  10. Judo
  11. Schwimmen
  12. Fechten
  13. Taekwondo
  14. Eishockey

In Russland, Spitzenreiter des Olympic Power Index im Ebook „Macht, Moneten, Marionetten“, kommt 2017 die Bob-WM hinzu – 2018 soll mit der Fußball-WM das nächste Mega-Event ausgetragen werden, 2019 die Winter-Universiade in Krasnojarsk. Neben den Winterspielen stehen all diese Weltmeisterschaften – insgesamt 18 bisher, da mehrere Weltverbände mehrfach in Russland ihre Titelkämpfe austrugen – und der Fed Cup im Tennis (2011 in Moskau mit dem Finalisten Russland) unter akutem Manipulationsverdacht.

WADA-Sonderermittler McLaren wird auf diese Sportarten und die Rolle der nationalen und internationalen Verbände eingehen müssen. (Mag sein, dass ich in der Aufzählung Weltmeisterschaften vergessen habe, auf Europameisterschaften in olympischen Sportarten habe ich verzichtet. Im SpOn-Artikel habe ich von 13 olympischen Sportarten geschrieben – und dabei dummer Weise die Leichtathletik vergessen. Das wird ist korrigiert.)

IOC-Präsident Bach weiß um die Gefahren des McLaren-Berichts. Der Kanadier legt sein Papier zunächst dem schwer in Erklärungsnot geratenen WADA-Präsidenten und IOC-Vize Craig Reedie vor. Ob der Brite, der gemäß eines enthüllten Email-Austausches mit dem russischen Sportministerium kollaborierte, es wagt, in dieser einzigartigen Situation den McLaren-Report zu schönen? Ob McLaren eine Manipulation hinnehmen würde?

Mit Rodschenkow hat McLaren bereits im vergangenen Jahr viele Stunden gesprochen und von dem Russen vorgebrachte Belege studiert. McLaren gehörte damals neben seinem Landsmann und IOC-Doyen Richard Pound und dem deutschen Kriminalisten Gunter Younger der WADA-Taskforce an (Younger wurde gerade zum festangestellten WADA-Chefermittler berufen), deren erschütternder Bericht das Staatsdoping belegte und im November 2015 zur Sperre des russischen Leichtathletikverbandes führte. „Dieser Bericht“, sagte McLaren damals, „wird den Sport grundlegend verändern.“ Er sagte aber auch: Die Leichtathletik ist nicht die einzige Sportart, „die das Problem des orchestrierten Dopings hat“ – und Russland nicht das einzige Land. Derzeit äußert sich McLaren über seine Presseerklärung vom Freitag hinaus nicht.

So wird es auf dem Olympic Summit in Lausanne schwerpunktmäßig (aber nicht nur) um Russland gehen. Neben Russland hat die WADA derzeit Spanien, Mexiko und Kenia für „non-compliant“ erklärt, also nicht konform mit dem Welt-Anti-Doping-Regelwerk. Polen steht auf der Watch-List unter besonderer Beobachtung, weitere neun Nationen waren in letzter Zeit non-compliant, wurden aber von der WADA inzwischen wieder akzeptiert: Belgien, Griechenland, Olympiagastgeber Brasilien, Frankreich, Israel, Argentinien, die Ukraine, Andorra und Bolivien.

Gemäß Olympischer Charta wäre das IOC in der Lage, all jene NOK nicht zu Olympischen Spielen zuzulassen, die gegen den WADA-Code verstoßen. Auch den olympischen Sportverbänden, in Rio stehen 28 im Programm, kann das IOC die Zulassung entziehen. Mit einem Dutzend dieser 28 Föderationen, die teilweise keine Dopingkontrollsysteme etabliert hatten und denen andere schwere Mängel bescheinigt wurden, hat die WADA in den vergangenen Monaten bilateral verhandelt. Bislang wurde nur eines dieser Verhandlungsprotokolle öffentlich, das mit dem Boxverband AIBA. Betroffen sollen aber auch Taekwondo, Ringen, Judo und die neben der Leichtathletik zweite große olympische Kernsportart Schwimmen sein. Neue Enthüllungen darüber sind garantiert.

* * *
TBC

Ralf #2

Michael Reinsch in der FAZ: Warum nur die russischen Leichtathleten?

Ralf #3

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