Putin-Freund Thomas Bach und das IOC in Not: Kampf um die Kommunikationsherrschaft

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We are at a tipping point for international sport, whose future may well be in doubt.”
Richard Pound, IOC-Doyen

Finale Fußball-WM 2014

Foto: President of Russia

Es ist eine Flucht nach vorne. Der Vorstand des von spektakulären Doping- und Korruptionsfällen schwer erschütterten Internationalen Olympischen Komitees (IOC) geht nach einer Krisensitzung in die Offensive. Der Olympiakonzern unternehme alles, um “saubere Athleten zu schützen”, heißt es in einer länglichen Erklärung vom Dienstag. So teilte die IOC-Führung mit, bei Nachkontrollen eingefrorener Dopingproben von den Olympischen Sommerspielen 2008 in Peking seien 31 Athleten aus zwölf Ländern und sechs Sportarten des Dopings überführt worden. IOC-Medizindirektor Richard Budgett hatte die Analysen vor zwei Monaten angekündigt. Namen wurden nicht genannt, zunächst würden die betreffenden Nationalen Olympischen Komitees (NOK) zeitnah informiert, hieß es. Das IOC versprach weitere Nachtests der Proben von Medaillengewinnern 2008 und 2012 (London). 

Wenig später wurde ein Meinungsbeitrag des IOC-Präsidenten Thomas Bach auf der IOC-Webseite und mancher Tageszeitung veröffentlicht (in Deutschland übernimmt diese Posaunenfunktion traditionell die Frankfurter Allgemeine Zeitung: “Die Unschuldsvermutung könnte in Frage stehen”), in dem Bach von einer “schockierenden neuen Dimension” und “beispielloser krimineller Energie” sprach, sollten sich die Enthüllungen des russischen Whistleblowers Grigori Rodschenkow über das staatlich sanktionierte russische Dopingsystem bewahrheiten.

Woran kaum Zweifel bestehen.

Am Mittwoch versprach der UDIOCP Thomas Bach schließlich auf einer Telefonkonferenz mit ausgewählten Journalisten, es würden alle beteiligten Personen und Verbände zur Verantwortung gezogen – sogar lebenslange Sperren zog er in Erwägung, dabei hat er als Funktionär stets gegen lebenslange Sperren und sogar gegen Vierjahressperren gekämpft, die seiner Meinung nach gegen Menschenrechte verstoßen würden. Doch in Krisenzeiten wie diesen stellt sich Bach als Hardliner dar. Ausgerechnet er, der Wladimir Putins Propaganda-Winterspiele 2014 bisher stets in höchsten Tönen als “die Spiele der Athleten” gepriesen hatte.

Bach ist weltweit unter Druck geraten, seine PR-Maßnahmen folgen in diesen Tagen einem altbekannten Muster, er nennt es gern “proaktive Kommunikation” und bedient sich wie so oft Verbündeten in den Medien. (Von den üblichen Drohgebärden seiner Anwälte gegenüber Journalisten ist mir derzeit allerdings nichts bekannt.)

Der Reihe nach. Zunächst das Thema Peking: Es handelt sich nicht um die ersten Nachtests der Peking-Proben. Schon 2009 waren einem halben Dutzend Sportlern die Verwendung des Blutdopingmittels Cera nachgewiesen worden. Daraufhin wurde dem für Bahrain startenden Marokkaner Rashid Ramzi die Goldmedaille über 1.500 Meter aberkannt. Auch der italienische Radprofi Davide Rebellin musste seine Silbermedaille zurückgeben. Allerdings war bei der Auswahl der Proben, die in Paris, Lausanne und Köln auf Cera und Insulin untersucht wurden, offenbar selektiert worden. Auch bei den nun vom IOC bekannt gegebenen Fällen wurde selektiert: Man hat sich auf die Proben von Sportlern konzentriert, die für einen Start bei den Sommerspielen 2016 im August in Rio de Janeiro in Frage kommen. Von einer transparenten, unabhängigen Nachkontrolle aller Proben kann also keine Rede sein.

We are at a tipping point for international sport, whose future may well be in doubt.…

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Johannes #1

Na, das ist auch mal ein schönes Timing, unmittelbar vor dem Pokalfinale, 3 Wochen vor der EM: drohende Niersbach-Sperre, StA-Ermittlungen wegen des Rennbahngrundstücksdeals zugunsten des DFB gegen Frankfurter Lokalpolitiker – läuft. Schon mal Popcorn-Nachschub holen …

Was macht eigentlich das eBook so, verehrter Hausherr …?

Ralf #2

SZ-Kommentar von René Hofmann: Sport ist ein Illusionstheater

Herbert #3

Der Sport wird immer mehr wie eine Schindmähre geritten. Die Interessenverflechtungen zwischen Wirtschaft, Politik, Öffentlichkeit und Sport sind so eng und fest gezurrt, dass sich der Sport daraus alleine nie befreien kann. Kaum gibt es eine scheinbar schockierende Enthüllung, ist der nächste, noch schlimmere Betrug auf dem Weg gebracht. Der Hochleistungssport benimmt sich wie ein Dauerkranker, der sich freut , wenn der Arzt an sein Bett kommt.

Markus #4

Du sprichst mir aus der Seele. Ich spiele seit meiner Kindheit Fußball und inzwischen würde ich sagen, dass ich diesen Sport sogar liebe!
Umso abstoßender ist das Riesen-Geschäft, das die Big-Player daraus gemacht haben. Man kann da wohl nur auf den vierbeinigen Kollaps hoffen und für die Zwischenzeit eine sinnvolle Beschäftigung suchen.
(Dank an Jens, für einen tollen Job dabei, mir die Augen zu öffnen.)

Markus #5

Hoppla, den “vierbeinigen” Kollaps hat mein komisches Eingabegerät aus dem “gierbedingten” Kollaps gemacht. Ich hab nix gegen Haustiere.

Ralf #7

dpa: 10 russische Olympia-Medaillengewinner von Peking positiv

Der Sender Match-TV berichtete von zehn Peking-Medaillengewinnern unter den 14 Athleten, acht Leichtathleten und zwei Gewichtheber.

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