Was vom Tage übrig bleibt (93): Jack Warner, Play the Game 2015, WADA, Bundestag #Antidopinggesetz, David Walsh, TdF, Berlin 2024, #FIFAcrime, Pechstein & more

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Fundstücke, Kurzkritiken, Lobeshymnen, Verrisse und Lesebefehle – aktuelle Notizen vom Tage. Freue mich über jede Ergänzung und Mitwirkung.

(1) Einige Wochen nach Veröffentlichung des Anti-Doping Rule Violations Report stellt die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA ihren Jahresbericht 2014 online und nennt das Papier „A new chapter for clean sport“. Nun ja. Als Übersicht Pflichtlektüre, dahinter verbergen sich viele Geschichten.

Alle WADA-Berichte:

(2) Zum Thema Doping/rechtliche Aufarbeitung drei Leseempfehlungen:

Wenn ich vor Gericht stünde und sagen würde, Froome sei gedopt – dann würde ich meine Beweisführung besser nicht ausschliesslich an Leistungsdaten festmachen. Ich müsste Zeugen präsentieren, von denen ich sagen könnte: Seht her, die haben mir alles erzählt. Das sind die, die wissen, dass Froome dopt. Das ist der Unterschied von damals zu heute. Die Leute sagen mir, Froome wirke auf sie wie Armstrong, also müsse Froome ebenfalls gedopt sein. Ich sage: Er wirkt auf mich nicht wie Armstrong. (…)

Froome fährt seit drei Jahren an der Spitze. Als Armstrong seit drei Jahren an der Spitze fuhr, hatte ich Betsy Andreu, die Frau von Armstrongs früherem Teamkollegen Frankie, die mir sagte, sie wisse, dass Armstrong dope. Ich hatte Armstrongs frühere Masseurin Emma O’Reilly, die mir sagte, das ganze Team dope. Ich wusste, dass Armstrong mit Michele Ferrari arbeitet, dem «Dottore EPO». Und der frühere Tour-Sieger Greg LeMond hatte mir von einem Gespräch mit Armstrong erzählt, in dem Armstrong gesagt hatte: «Es ist simpel. Du warst gedopt, ich dope. Du nahmst EPO, ich nehme EPO.» (…)

Wenn ich heute erfahren würde, dass Froome dopt – ich würde es morgen mit all meinem Enthusiasmus in die Zeitung schreiben. 1987 schrieb ich die Biografie von Stephen Roche, dem irischen Tour-Sieger. 15 Jahre später fand ich Beweise dafür, dass auch er gedopt hatte. Und ich war der Erste, der in Grossbritannien darüber schrieb.

  • Joachim Mölter in der SZ über den 1.500-m-Weltrekord der Äthiopierin Genzebe Dibaba: „Schneller als die Schildkröten-Armee“
  • Michael Reinsch in der FAZ über Claudia Pechstein und ihre 120 Unterstützer (Sportler, Funktionäre) beim Versuch, Paragraph 11 des geplanten Antidopinggesetzes auszuhebeln, der die Sportschiedsgerichtsbarkeit stärken soll. Pechstein & Co. wollen aber vor ordentliche Gerichte ziehen dürfen: „Angriff auf Schiedszwang“

Die Liste der Unterstützer:

(3) Zum Antidopinggesetz fand kürzlich eine Anhörung im Bundestag statt.

Hier das Wortprotokoll (komischerweise gekennzeichnet: „nur zur dienstlichen Verwendung“).

Auf der Bundestags-Homepage werden zusätzlich die Stellungnahmen der Sachverständigen veröffentlicht. Ich finde die Ausführungen der Sportler besonders interessant (im Protokoll z. Bsp. Olympiasieger Robert Harting und Christian Schreiber, Vorsitzender der DOSB-Athletenkommission, der sich anders als sein Vorgänger durchaus mit von der Haltung des Einheitsverbandes abweichenden Meinungen profiliert).

(4) Noch ein offizielles Dokument. Anja Schillhaneck (Bündnis 90/Die Grünen) hat im Berliner Abgeordnetenhaus die Anfrage gestellt, wie viel die gescheiterte Berliner Olympiabewerbung 2024 den Haushalt gekostet hat. Die Antwort lautet (vorerst): 1.621.979 Euro.

(5) In Aarhus findet vom 25. bis 29. Oktober 2015 die nächste Play the Game Konferenz statt. Wie immer empfehle ich jedem: Buchen! Dabei sein! (Offenlegung: Auch diesmal arbeite ich ein wenig im Programmkomitee mit und versuche behilflich zu sein. Werde dort auch Sessions leiten und Vorträge halten.)

Die Booklets der vergangenen Konferenzen:

Søren Bang zu den jüngsten Ergebnissen der Governance-Studie von PTG und anderen Institutionen:

(6) Kein „Was vom Tage übrig bleibt“ ohne den Hashtag #FIFAcrime. Man kann ja gar nicht alles verfolgen, was da passiert – und wichtiger als die Verschleierungstaktiken von Blatter/Platini/Niersbach/Ahmad & Co sind allemal die kriminalistischen Ermittlungen (sowie journalistische Recherchen). Jedenfalls, die USA wollen nun Jack Warner ausgeliefert haben, berichtet u.a. der Trinidad Daily Express:

(7) Ganz frisch: Die FIFA anerkennt nun doch ein Sponsoren-Problem, schreibt AP. Habe ich jüngst kurz skizziert.

* * *

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Duesseldorfer #1

Pechstein
Der Bundesgerichtshof verhandelt am 08.03.2016 die Revision im Fall Pechstein gegen die Eislaufverbände.
Zunächst wird geklärt, ob und wieweit deutsche Gerichte überhaupt zuständig für Klagen gegen Doping-Sperren sind. Infrage steht die Rechtskraft von Schiedsgerichtsklauseln, die einen gang vor nationale Gerichte ausschließen, aber aufgrund der Monopolstellung der Verbände sittenwidrig sein können.

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