Was von der FIFA übrig bleibt (16. Juni 2015): der Deal mit Chuck Blazer, John Oliver vs Jack Warner und andere Köstlichkeiten, Berichte von WADA und NADA

 •  • 10 Comments

Fundstücke, Kurzkritiken, Lobeshymnen, Verrisse und Lesebefehle – aktuelle Notizen vom Tage aus dem olympischen Paralleluniversum. Freue mich über jede Ergänzung und Mitwirkung.

(1) Natürlich wieder ein netter Zusammenschnitt von extra 3, allerdings mit einem grundsätzlichen Fehler: Der Sepp ist längst noch nicht weg. Er treibt weiter im Home of FIFA sein Unwesen.

(2) John Oliver hat im Gefecht mit Jack Warner, der ihn als comedian fool bezeichnete, ebenfalls nachgelegt:

Und nun wieder eine Menge Stoff zum Selbststudium.

(3) Auf Antrag mehrerer Medien hat U.S. Distriktrichter Raymond Dearie angeordnet, den Deal zu veröffentlichen, den die heutige US-Justizministerin Loretta Lynch im November 2013 mit dem FIFA- und CONCACAF-Kriminellen Chuck Blazer geschlossen hat. Dass Blazer seit 2011 mit FBI und IRS kooperierte, wurde seit 2011 vielfach berichtet. Seit einem halben Jahr, seit jener Enthüllung der New York Daily News, weiß man darüber mehr und zum Beispiel auch, dass Blazer (nicht nur) während der Olympischen Spiele 2012 in London als Undercover-Agent (geiles Wort, angesichts seiner Leibesfülle) mit verstecktem Mikro Gespräche aufzeichnete – und auf einige Dutzend Personen angesetzt war.

Hier zunächst der Entscheid von Judge Dearie in Brooklyn:

(4) Hier der Deal (Cooperation Agreement) zwischen den Strafverfolgungsbehörden (in Person von Frau Lynch) und Blazer. Wobei sich mir beim ersten Überfliegen nicht recht erschließt, warum das Papier erst im November 2015 am Tag seines Geständnisses (das bearbeitete Protokoll findet sich hier) unterzeichnet wurde – quasi nachträglich. Aber das kann mir bestimmt jemand erklären, vielleicht hab ich was übersehen oder nicht begriffen.

(5) Und gleich nochmal geordnet die Geschichten der NYDN vom November 2014 (meine Summary auf SpOn) und danach:

Cover NYDN

Auf die ersten und entscheidenden Enthüllungen von Andrew Jennings (auch hier 2011 im Blog) habe ich mehrfach hingewiesen.

Themenwechsel, aus guter alter Tradition, auch wenn ich die beiden folgenden Berichte derzeit nicht lesen kann:

(6) Der NADA-Jahresbericht 2014, frisch veröffentlicht:

(7) Der WADA-Bericht heißt Anti-Doping Rule Violations Report, gestern veröffentlicht:

* * *

Werbepause: Diese Branche braucht mehr Aufklärung und eine kontinuierliche analytische Berichterstattung, Begleitung vor Ort, diese Branche braucht Recherche, Dechriffierung von Propaganda – und Du und Sie können dazu beitragen, aktiv werden, Leute, nicht nur passiv konsumieren, Journalismus kostet Geld:

2022Das FIFA-Ebook wird Top, das sage ich ziemlich überzeugt. Es wird ein feiner Führer durch den FIFA-Sumpf, wie es ihn so noch nicht gegeben hat. Es hat sich einiges getan, auch bei meinen Recherchen. Stay tuned. Auf ein paar Tage mehr kommt es jetzt nicht mehr an. Vielleicht werde ich es sogar umbenennen oder biete verschiedene Cover und Titel an.

Die erste Version wird es in wenigen Wochen geben, hoffentlich mit Knalleffekt. Danach folgt jeden Monat eine Aktualisierung und Erweiterung bis nach der Wahl des neuen FIFA-Präsidenten im Dezember.

Kaufen, auch im Bundle mit dem IOC-Ebook „Macht, Moneten, Marionetten“, ggf auch das Special für Vorträge und Seminare wahrnehmen.

Nur so lässt sich diese Berichterstattung weiter betreiben – sehr gern auch live wie hunderte Male in den vergangenen Jahren, nicht nur gerade wieder aus Lausanne und Zürich.

Nach der Buchung bitte schnell in die Wahlkabine und über den neuen FIFA-Präsidenten entscheiden!

Ralf #1

FAZ-Kommentar von Anno Hecker: Kopf schütteln statt dreckiger Hände

Duesseldorfer #2

Re Cooperating Agreement
Soweit mich meine US-Rechtskenntnisse nicht täuschen, beinhaltet das cooperating agreement ein plea-agreement, also eine Schuld-anerkenntnis.

Die Schuldanerkenntnis selber kann nur vor Gericht erfolgen und erfolgt als quasi erste Prozesshandlung, die alternative dazu wäre die Unschulds-erklärung und Prozesseröffnung.

Die Vereinbarung darüber wird von Staatsanwälten und der Verteidigung ohne Mitarbeit des Gerichts ausgearbeitet und muss immer vom Gericht genehmigt werden, da der Angeklagte damit endgültig auf seine, ihm verfassungsmäßig zustehenden, Rechte verzichtet (u.a. das eigentliche Verfahren). Auch muss der Angeklagte mit eigenen Worten seine Taten zugeben.

Der Gerichtstermin mit dem Schuldanerkenntnis und der Aussage von Blazer am 25.11.2013 war somit notwendig, damit das cooperating agreement in Kraft treten kann. Man hat damit vermutlich solange gewartet, bis die Bundesanwaltschaft zufriedenstellende Informationen von Blazer erhalten hat, da nach Zustimmung des Gerichts nur noch der Angeklagte seine Zustimmung in engen Grenzen zurückziehen kann. Mit der Festlegung der Strafe ist es un-widerrufbar.

Auch wenn die Zusammenarbeit schon lange vorher lief, alles was Blazer während der Zusammenarbeit bis dahin gegenüber den Bundesanwälten (nicht aber Ermittlungsbehörden) erklärt hat, darf vor Gericht nicht gegen ihn verwendet werden, daher ist das so für ihn akzeptabel.

JW #3

Danke, Duesseldorfer. Hilft schon ein bisschen.

sternburg #4

Der Link zum John-Oliver-Video behauptet, das damit verknüpfte Konto sei gekündigt worden. Völlig überraschend existiert der Youtube-User Last Week Tonight aber sehr wohl noch.

Ordentlich geschnitten kriegt der seine Videos allerdings nicht.

sternburg #5

Beim Musikbeitrag von extra 3 ging mir persönlich übrigens die ganze Zeit die Liedzeile „Who ya gonna call? – Jens Weinreich!“ nicht aus dem Kopf. Aber das mag an mir liegen.

cf #6

@sternburg
Und was schlussfolgern wir daraus? Womöglich war das Video gar nicht dem offiziellen Kanal entnommen? Potzblitz! Dieses Internet wimmelt ja nur so von solchen Raubkopierrittern, die ihren Pelz (sprich: YT-Kanal) mit fremden Federn bestücken. Immerhin muss man zugestehen, dass der offizielle Kanal den gewünschten Clip offenbar nicht (mehr) anbietet. Der Jurist erkennt hier unschwer eine Notwehrsituation — insofern: wäre ja gelacht, wenn sich da nicht eine neue Quelle auftun lassen würde. Für wie lange, ist dann schon wieder eine andere Frage…

Ralf #7

SZ-Kommentar von Johannes Aumüller: Nada: Die Quote ist zu schlecht

Ralf #8

fussballdoping.de: Im Training wird niemand erwischt

Nur im Eishockey, Eisschnelllauf und Volleyball flog im Jahr 2014 jeweils ein Sportler auf. Eine Erfolgsquote von 0,035 Prozent, wie sich aus dem Jahresbericht mit 8.652 Trainingskontrollen ausrechnen lässt. Die Null-Prozent Quote im Fußball ist dabei besonders beeindruckend. Noch nie ist ein deutscher Fußballer im Training positiv getestet worden.

sternburg #9

Woher auch. Das bringt doch im Fußball gar nichts.

Herbert #10

Dafür im Radsport, im Schwimmen und in der Leichtathletik um so mehr. Das gleicht sich dann halt aus. Jeder kann doch selbst entscheiden, welchen Sport er treiben will.

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