Was vom Tage übrig bleibt (67): Euro 2012, Spielverlagerung Ebook, EM- und Olympiaberichterstattung

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Hier etwas Lesestoff für zwischendurch und überhaupt für die kommenden Wochen am Fernseher. Ich lasse die Euro 2012 als Berichterstatter aus und konzentriere mich stattdessen auf die Olympischen Spiele in London, wo drei Wochen lang auch eine Dauerberichterstattung im Blog garantiert ist – dazu werden noch Sponsoren für das Blog gesucht, hat jemand eine Idee?

Reichlich unsortiert, aber hochklassig (oder zumindest unterhaltsam), einige Empfehlungen:

(1) Mein Lieblingsblog, mein Favorit und Blogger-Gott wird gewiss auch während der EM zur Hochform auflaufen. Es ist nicht nur mir unheimlich, wie Kai Pahl das macht. Scharfzüngig, analytisch, belesen, ganz offensichtlich mit zehn TV-Monitoren gleichzeitig versorgt – sämtliche Print- und Onlinemedien aus Deutschland, Frankreich und England (um nur einige Länder zu erwähnen) hat er täglich schon studiert und ausgewertet, wenn normale Menschen noch schlafen.

So ungefähr.

Beim Pensum dieses Arbeitstieres bleibt mitunter keine Zeit mehr, ein passables Rechtschreib-Plugin laufen zu lassen, aber das gehört längst zur Folklore dieses Blogs. Ich freue mich auf die Euro auf …

(2) Der internationale Marktführer in Sachen Fußballtaktik gehört inzwischen zur Pflichtlektüre vieler so genannter Football Writer (die dann gern mal abschreiben, ohne die Quellen zu nennen, aber das ist ein anderes, ein ganz leidiges Thema, von dem alle Blogger ein Lied singen können). Allein die Previews (Deutschland) sind schon wieder eine Sensation. Findet man so nirgends, in keinem der herkömmlichen Medien, die doch etliche Sonderhefte rausgeschleudert haben:

(3) Der Newcomer in Sachen Taktik, aus Deutschland:

Spielverlagerung bietet übrigens für 5,95 Euro eine EM-Vorschau als Ebook an. Klare Kaufempfehlung! Ich habe es mir über Kindle gerade herunter geladen, werde während der EM-Spiele darin schmökern und gewiss einige Kommentare dazu abgeben.

(4) Für alles Hintergründige rund um die EM in Polen und der Ukraine steht die Arbeit von Olaf Sundermeyer, der ein Buch geschrieben („Tor zum Osten“), zusammen mit Kollegen dazu eine TV-Dokumentation („Tor im Osten“) produziert hat, und der auch viele Beiträge für ein erstaunliches Dossier auf einer öffentlich-rechtlichen Internetseite beigesteuert hat:

(5) Zum Reinhören, der EM-Podcast auf Textilvergehen.de.

(6) Zeitlos schön bzw verdienstvoll und eine gute Idee, so ein Blog aufzumachen, das schon wegen seines Titels regen Zulauf finden wird:

Ob Daniel Drepper und Co. während der Euro Antworten geben können, warum etwa die Russen wieder Dutzende Kilometer mehr sprinten in 90 Minuten als jedes andere Team (wie 2008 unter Wundertäter Hiddink) weiß ich zwar nicht, doch derlei Fragen werden hier gewiss gesammelt. Man kann ja später mal drauf zurückkommen. In den Reader gehört das Blog, ein Ableger des WAZ-Recherchepools, auf jeden Fall.

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Andrew Jennings stänkert mal wieder und ärgert so genannte Sportjournalisten. Pflichtlektüre aus der British Journalism Review:

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Für das Mediummagazin habe ich im April, als die Ukraine-Diskussion gerade aufkam, eine kleine Geschichte gedichtet – über die Berichterstattung bei der Euro und bei den Olympischen Sommerspielen in London. Just in case (Verlinkungen bitte dazu denken, müssen aus Zeitgründen ausnahmsweise ausfallen):

Alle zwei Jahre, wenn Olympische Spiele und die großen Fußball-Turniere das Sportbusiness dominieren, geht es nie nur um Sport. Es geht um viel Geld, um Einschaltquoten, Marktanteile – und um Politik. Das war 2010, als in Vancouver die Olympischen Winterspiele und in Südafrika die Fußball-WM stattfanden, nicht anders als in diesem Jahr, wenn im Juni die Fußball-Europameisterschaft in Polen und der Ukraine sowie dann ab Ende Juli die Olympischen Sommerspiele in London ausgetragen werden.

Polen will sich als modernes Land präsentieren, das angekommen ist in Europa. Wogegen ukrainische Despoten und Oligarchen gewissermaßen das Böse symbolisieren: Sie verdienen Milliarden an dem Fußballturnier, sie liquidieren quasi die politische Opposition, und sie müssen sich in diesen Wochen, gerade wegen der skandalösen Behandlung der inhaftierten ehemaligen Regierungschefin Julia Timoschenko, internationale Kritik und eine Boykottdiskussion ertragen. Dagegen sind die Sommerspiele in London vergleichsweise unbelastet. In London fürchtet man vor allem einen Terroranschlag – wie einst im Juli 2005, am Tag nachdem die Olympischen Spiele an die britische Metropole vergeben wurden.

Zu den insgesamt mehr als 20.000 Medienvertretern, die über diese beiden Großereignisse berichten, zählen auch einige Hundertschaften aus Deutschland. Etwa 570 Reporter, Kameramänner, Fotografen und Techniker sind für die EM akkreditiert, rund 800 deutsche Medienschaffende sind im olympischen Einsatz in London. Nicht alles, was da wieder produziert wird, darf sich Journalismus nennen. Wie immer sind als Journalisten getarnte Jubelperser und Duzmaschinen unterwegs, wahrlich nicht nur für die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten, sondern auch für Presse-Publikationen. Sollte die deutsche Fußballnationalmannschaft tatsächlich das EM-Turnier gewinnen, wird dies natürlich die Berichterstattung prägen und andere Aspekte in den Hintergrund drängen.

Denn gerade die Inhaber der Fernsehrechte an diesen Mega-Events, ARD und ZDF, wollen einen Teil ihrer Akquisekosten (insgesamt rund 170 Millionen Euro) mit höheren Werbeeinnahmen einspielen. Beide Sender kämpfen zugleich um hohe Einschaltquoten, um sich in der Jahresbilanz, die 2011 eher desaströs ausfiel, wieder dem Marktführer RTL zu nähern. „Die Wichtigkeit eines so hochkarätigen Sportjahres ist unstrittig“, sagt ZDF-Sportchef Dieter Gruschwitz: „Es geht um die Quote und das Image des Hauses.“ Gleichzeitig spricht Gruschwitz, die journalistische Verantwortung ernst zu nehmen. „Wir bieten eine umfassende Berichterstattung, die politischen Geschehnisse werden den Sport begleiten.“

Bei der Fußball-EM in Polen und der Ukraine (8. Juni bis 1. Juli 2012) sind etwa 570 deutsche Medienvertreter im Einsatz. ARD und ZDF, die für die TV-Rechte 120 Millionen Euro bezahlt haben, stellen mit circa 300 Mitarbeitern (inklusive Techniker) den Großteil der deutschen Berichterstatter. Hinzu kommen 200 Vertreter der schreibenden Zunft (Print und Online) sowie 70 Fotografen. Während die Rechteinhaber ihre Personalanforderungen stets direkt mit der Europäischen Fußball-Union (UEFA) aushandeln, gelten für alle anderen Medien strikte Kontingente.

Von Print- und Onlinemedien, Fotografen und so genannten Non-Right-Holders (private TV- und Radiostationen) gab es etwa 300 Anfragen. Die UEFA teilte dem DFB 200 Presse- und 70 Foto-Akkreditierungen zu, die in Kooperation mit dem Verband Deutscher Sportjournalisten (VDS) vergeben wurden. Rund 30 Anfragen wurden abgelehnt – damit sind die deutschen Medien gut bedient.

Die meisten Reporter konzentrieren sich auf die Berichterstattung über die DFB-Delegation. Die deutsche Nationalmannschaft bezieht nach Trainingslagern auf Sardinien und in Südfrankreich ab 4. Juni im Dwór Oliwski Hotel in Danzig Quartier und ist in der Vorrunde in der Ukraine im Einsatz: in Lwiw (gegen Portugal und Dänemark) sowie Charkiw (gegen die Niederlande). Wie bei der WM 2010 in Südafrika ist das Medienzentrum für die Nationalmannschafts-Berichterstatter im Hotelgelände integriert, was den Akteuren kurze Wege garantiert. Seitens des DFB kümmert sich der ehemalige TV-Reporter Uli Voigt um fernsehspezifische Angelegenheiten. Harald Stenger, ehemals DFB-Kommunikationsdirektor, ist erneut als Pressechef der Nationalmannschaft dabei und genießt im kompliziert strukturierten und von Grabenkämpfen geprägten Verband das Vertrauen von Bundestrainer Joachim Löw sowie Teammanager Oliver Bierhoff.

ARD und ZDF übertragen im täglichen Wechsel sämtliche 31 EM-Spiele live, das Finale ist Sache des ZDF. Die Sender versprechen Synergieeffekte und wollen laut Eigenaussage „wie Geschwister“ kooperieren. Die Übertragungstechnik für die Spiele in Polen stellt die ARD, für die Ukraine ist das ZDF verantwortlich. Trotz enger Zusammenarbeit differieren die journalistischen Ansätze. Das ZDF hat seine Moderatoren und Analysten (Katrin Müller-Hohenstein, Oliver Kahn) auf der Heringsdorfer Seebrücke auf Usedom stationiert und überträgt von dort in einer Open-Air-Arena. Die ARD schickt ihre Moderations-Teams (um Gerhard Delling, Reinhold Beckmann, Matthias Opdenhövel und Ex-Nationalspieler Mehmet Scholl) in die Stadien.

Beide Sender versprechen eine Berichterstattung mit politischen Hintergründen, was insbesondere die kritische Lage in der Ukraine betrifft. Print- und Onlinemedien haben ihre ständigen Korrespondenten ebenfalls in die EM-Berichterstattung eingebunden.

Es ist, wie immer, ein schmaler Grat zwischen geschäftlichem Interesse und journalistischem Auftrag. Zwischen Jubelberichterstattung und Recherche. Zwischen Bequemlichkeit und Aufrichtigkeit. In diesem Umfeld kommt Journalismus oft genug zu kurz, auch weil viele Hierarchen – ob nun Chefredakteure oder Intendanten – derlei Events traditionell vor allem dem Unterhaltungsbusiness zuschreiben. „Scheinheiligkeit und Heuchelei dominieren leider in den Medien“, sagt der freie Journalist Olaf Sundermeyer, ein exzellenter Osteuropa-Kenner. Sundermeyer hat im Werkstatt-Verlag gerade sein Buch „Tor zum Osten“ vorgelegt und betreibt mit Kollegen auf der Internetseite des rbb das Blog „Tor im Osten“, eine hochklassige Sammlung von politischen Hintergrundgeschichten zur Europameisterschaft.

„Das werden zwei völlig unterschiedliche Turniere“, sagt Sundermeyer. „Die Polen treiben mit dem Fußball die Europäisierung voran. Dagegen ist die EM in der Ukraine eigentlich ein Verbrechen.“ Nicht nur die Funktionäre der Europäischen Fußball-Union (UEFA), die der Ukraine stets die Treue hielten, hätten es besser wissen müssen, auch die westeuropäischen Medien und Politiker. „Das läuft in der Ukraine schon immer so. Aber das hat bis jetzt kurz vor dem Turnier kaum jemanden interessiert.“ Nun wundert man sich darüber, dass die Mafia die Hotelpreise diktiert und dass Präsident Viktor Janukowitsch nur eine Marionette des Donezker Oligarchen und Fußball-Patrons Rinat Achmetow ist.

„Man hat alles wissen und beschreiben können“, sagt Sundermeyer und kritisiert auch die vielen deutschen Fußballreporter, die in den vergangenen Jahren Europapokalspiele in Lemberg, Charkiw, Kiew oder Donetsk besucht haben, ohne die Hintergründe der neuen Pracht zu beschreiben. „Das entsetzt mich“, sagt Sundermeyer, der seit langem in der Region recherchiert.

Es ist vielleicht ein hoffnungsvolles Zeichen, dass als Teamchef der ARD für die Fußball-EM 2012 ein Mann mit exzellentem Ruf agiert: WDR-Chefredakteur Jörg Schönenborn. Er sagt, es handele sich um das politischste Fußballturnier aller Zeiten. Beim ZDF gehört mit Theo Koll vom „auslandsjournal“ ein Nicht-Sportler zum Team und soll hintergründigen Journalismus garantieren. Das ist nötig. Eine taufrische Stellungnahme der „Stiftung Wissenschaft und Politik“ für den Sportausschuss des Bundestages besagt: „Vorrangiges Ziel der EM in der Ukraine ist die persönliche Bereicherung der an der Vorbereitung Beteiligten. Andere Ziele sind höchstens zweitrangig.“

Die Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) von Bundestrainer Joachim Löw bezieht während der EM in Danzig Quartier und fliegt zu den drei Vorrundenspielen jeweils einen Tag vorher in die Ukraine – und unmittelbar nach den Partien wieder zurück. Im Tross dann auch die Hundertschaft von Reportern, die aus dem deutschen Lager berichtet. Die Kollegen haben sich nicht nur den Regularien der ausrichtenden Europäischen Fußball-Union (UEFA) zu unterwerfen, sondern zusätzlich den Regeln, die der DFB aufstellt. „Im Grunde läuft es auf eine Art Embedded Journalism hinaus“, sagt Markus Völker, der als Sportredakteur der Tageszeitung bei den Weltmeisterschaften 2006 und 2010 über das DFB-Team schrieb und diesen Job auch im Juni verrichten wird. „Bei derlei Terminen kann man sich als Journalist nie frei bewegen“, sagt Völker. „Beschränkungen sind immer da. Journalisten müssen damit umgehen und das Beste draus machen.“

Eines der größten Probleme ist stets der Zugang zu den Akteuren. Der DFB führt auch diesmal tägliche Pressekonferenzen durch, die im Fernsehen und im Internet übertragen werden. Durch diese Termine erlangte Pressesprecher Harald Stenger mit seinem schnoddrigen hessischen Charme während der WM 2006 in Deutschland einen gewissen Kultstatus. Die meisten Reporter sind um exklusiven Zugang und vermeintliche Exklusivinformationen bemüht, wofür sich Pressekonferenzen naturgemäß nicht eignen. Es ist aber schlichtweg unmöglich, alle Interviewwünsche zu erfüllen, weshalb Stenger & Co für die schreibende Zunft seit langem so genannte Pool-Lösungen anbieten. Da sitzen dann also stets Kollegen mehrerer Medien mit Nationalspielern oder Trainern zusammen. Einzeltermine gibt es kaum, maximal für Spiegel, Bild, FAZ oder Süddeutsche. Wer wie bedient wird, das entscheidet Stenger.

„Im Grunde ist man auf den Goodwill des DFB angewiesen“, sagt Völker, „und weil die Redaktionen Druck machen und Interviews wollen, lassen sich viele Kollegen auf diesen Deal ein.“ Der taz-Sportredakteur hat den Nationalmannschafts-Sprecher jedoch stets als „sehr professionell“ erlebt, als einen PR-Mann, „der kritische Leute nicht ausgrenzt“ und nicht zu Abstrafungsaktionen neigt.

Stengers Motto ist: Reden, reden, reden. Wie andere DFB-Sprecher vor ihm – kicker-Herausgeber Rainer Holzschuh und der heutige DFB-Präsident Wolfgang Niersbach – war Stenger lange Jahre selbst als Fußballreporter unterwegs. Er hatte seit der WM 1974 in Deutschland für die Frankfurter Rundschau von sechs Weltmeisterschaften und drei Europameisterschaften berichtet. Seit 2002 ist er in DFB-Diensten und organisiert nun die Medienarbeit des sechsten großen Turniers.

„Die Poolbildung führt anspruchsvollen Journalismus, wie ihn die Leser von uns erwarten, ad absurdum“, sagt Markus Völker. Die Tageszeitung gehört zu den ganz wenigen Medien, die ihren Kunden die Umstände von derlei Interviews erläutert. „Wir verkaufen unseren Lesern nichts Falsches, sie sollen erfahren, wie diese Termine ablaufen.“ Die meisten Medienvertreter aber halten nichts von dieser Art Transparenz. Interviews, die aus Einzelgesprächen resultieren, segnet Stenger jedoch ab. „Das ist für mich Autorisierung, nicht Zensur“, sagt er. „Was dagegen bei offiziellen Terminen in den Pressekonferenzen und in der so genannten Mixed Zone gesagt wird, ist gesagt. Fertig. Ab.“

Ernsthafte Probleme sind vergleichsweise selten, weil sich alle dem DFB-Reglement beugen. Nur Zeit-Online machte bei der WM 2010 eine Ausnahme, als Redakteur Steffen Dobbert über sein Interview mit Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff berichtete, das Bierhoff und Stenger nicht mehr veröffentlicht haben wollten. Dobbert schrieb unter der treffenden Überschrift „Sympathisch, aber selbstzensierend“ eine Geschichte über Bierhoff, Stenger und die Medienmacht des DFB und fügte in seinen Text jene die Fragen ein, auf die es offiziell keine Antworten mehr gab.

Eine andere spannende Frage dieses Sommers lautet, wie die Verbände mit den rasant anwachsenden Social-Media-Aktivitäten der Sportler umgehen. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hatte 2008 in Peking, als die Tibet-Krise und Menschenrechtsfragen weltweit debattiert wurden, in seinen „Social Media Guidelines“ vielkritisierte Verbote formuliert. Politische Äußerungen sind unerwünscht, so steht es schon in der Olympischen Charta. Sebastian Coe, Chef des Londoner Organisationskomitees, spricht nun von den „ersten olympischen Social-Media-Spielen“.

Bei den Olympischen Sommerspielen in London (27. Juli bis 12. August 2012) sind etwa 800 deutsche Medienvertreter zugelassen. Die Rechteinhaber von ARD und ZDF stellen auch in London mit etwa 500 Mitarbeitern das größte Team und handeln ihre Akkreditierungen direkt mit dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) aus. Bei den vorherigen Sommerspielen 2008 in Peking waren noch 650 Personen (inklusive Techniker) im Einsatz. Da in London, anders als in Peking, vor allem live berichtet wird, waren Einsparungen möglich. Zugleich verzichten die Sender auf Übertragungen in Digitalkanälen, was in anderen Nationen und TV-Stationen, etwa bei der britischen BBC, in HD zum Standard gehört. ARD und ZDF wollen aber alle Events im Internet anbieten. „Es wird einfach sein, die Spiele im Büro am Laptop zu verfolgen“, verspricht ZDF-Sportchef Dieter Gruschwitz.

Die Olympiaakkreditierungen sind für Non-Right-Holders strikt kontingentiert und deshalb unter Journalisten stets heiß debattiert. Hauptproblem diesmal: Zu Beginn des Akkreditierungsverfahrens im Jahr 2010 war noch nicht abzusehen, dass die Nachrichtenagentur dapd ein so umfangreiches Sportangebot fährt. Im Vergleich zu 2008 in Peking wurde dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) aber nur eine Akkreditierung mehr zugeteilt: 196 Vollakkreditierungen für Presse und Internet, 46 Fotografen, 22 Spezialakkreditierungen für einzelne der 26 Sportarten, 8 Einzelzugänge für Fotografen, 6 so genannte Sekretärinnen-Akkreditierungen und 22 Zugänge für Techniker.

Für diese 300 Akkreditierungen gab es 450 Anfragen. „Man kann unmöglich alle Wünsche befriedigen“, sagt DOSB-Pressesprecher Christian Klaue, „da wird man automatisch zum Buhmann.“ Die Agenturfrage wurde so gelöst: dpa erhielt mehr als 40 Akkreditierungen, der Sportinformationsdienst 25, dapd bekam 10 Vollakkreditierungen zugeteilt. Im Pressebereich erhielten die FAZ, die Süddeutsche, die Welt-Gruppe je sechs Vollakkreditierungen, die Bild-Gruppe sieben. Wie immer erfolgte die Zuteilung in enger Kooperation mit dem Verband Deutscher Sportjournalisten (VDS). „Ohne Härtefälle geht das leider nie“, sagt VDS-Geschäftsführerin Ute Maag. Über eine Warteliste werden bis kurz vor den Spielen weitere Journalisten bedient, sollten Kollegen abspringen oder der DOSB vom IOC doch noch einige Zugänge mehr erhalten.

Der DOSB bietet im Deutschen Haus in London, organisiert von der hauseigenen Agentur Deutsche Sport-Marketing (DSM), tägliche Pressekonferenzen mit Medaillengewinnern und Offiziellen an. Man arbeitet an einer Übertragung dieser Termine im Internet und der Einbindung eines Twitter-Streams für akkreditierte Journalisten. Für den Gästebereich des Deutschen Hauses, der traditionell eine wichtige olympische Kontaktbörse darstellt, werden jeden Abend 80 Reporter zugelassen.

Auch die DFB-Verantwortlichen stellen sich diesem Thema, selbst wenn Stenger bekennt, „das wohl nicht mehr zu lernen“. Die Spieler aber tweeten munter drauflos und sorgen zunehmend für Irritationen, ob nun Mats Hummels eine Schwalbe eines Kollegen aus Mönchengladbach kritisiert oder Per Mertesacker ein Foto seines lädierten Knöchels veröffentlicht. Oliver Bierhoff hat die Nationalspieler bereits über den Verhaltenskodex informiert. Stenger fasst die Social-Media-Regeln so zusammen: „Spieler dürfen sich über alles äußern, aber keine Bilder von Verletzungen einstellen, keine Bilder aus offiziellen UEFA-Räumlichkeiten veröffentlichen und keine Informationen über Mannschaftsinterna weitergeben. Äußerungen über Gegner und Schiedsrichter sind tabu, wie Verlinkungen zu kommerziellen Partnern der Spieler.“

Politische Stellungnahmen, etwa zur Situation in der Ukraine, sind ebenso unerwünscht. Natürlich. Denn offiziell gilt in der Branche ja das heuchlerische Motto, Politik und Sport hätten nichts miteinander zu tun. Viktor Janukowitsch und Rinat Achmetow, die Absahner aus der Ukraine, sehen das gewiss ebenso.

Nachtrag, 23.22 Uhr: Gegen Ende des Beitrags wird es ein bisschen unsauber und sehr verkürzt, fällt mir gerade auf. Dass politische Botschaften nicht erwünscht sind, gilt nach wie vor für das IOC, wo es extrem strikt gehandhabt wird, und auch für die UEFA. Der DFB hat unter der Nationalmannschaftsführung doch einige erstaunliche Zeichen gesetzt. Harald Stenger hatte mir bei unserem Gespräch für diesen Beitrag im April etwas angedeutet, inzwischen weiß man mehr – und das Ende des Beitrages hätte eine Überarbeitung verdient. Aber es ist eh alles verkürzt dargestellt, und die Social-Media-Nummer wird wie die Frage der „politischen Botschaften“ von mir in diesem Sportsommer, vor allem in London, umfassend nachbereitet.

ha #1

Welcome back zuerst mal :-)))

Schließe mich vor allem dem Hinweis auf Sundermeyer an, der dorthin geht, wo es weh tut. Wer den verpasst und sich für alles über Fußball hinaus interessiert, verpasst wirklich etwas.

Als ich Deinen Nachtrag las, dachte ich kurz: Mit wie wenig man doch schon zufrieden ist. (Was mir spontan aber genau so ging.) Riesen-Echo auf Lahm. Beifall für den DFB, dafür, dass ein paar Fußballer abseits des Spielfelds ihre Meinung äußern DÜRFEN, so sie das möchten, so sie eine haben …
Etwas mehr aus der Distanz: Beifall für das, was Selbstverständlichkeit in jeder demokratischen Gesellschaft ist. Der Fußball / der Sport schafft es doch immer wieder auf ziemlich erstaunliche Weise, die Maßstäbe zu reduzieren.

jsachse #2

Danke für die vielen Lesetipps.

Die EM-Vorschau von den Spielverlagerung-Jungs habe ich mir auch geholt und gestern mit der Studie begonnen. Man muss sich zeitnehmen, spricht für die Qualität. Aus meiner Sicht die ideale Lektüre für richtig fiese EM-Matches (Gruppe A, Russland vs. Tschechien…). Spiele, die man sich aus irgendeinem Grund anschaut und verzweifelt nach Mehrwert sucht.

Und wo ich hier schon den Putin-Staat untergebracht habe:

Mit kostenlosen Zügen und Flugzeugen sind hunderte russische Fußballfans zu den Gruppenspielen ihrer Mannschaft bei der Europameisterschaft in Polen aufgebrochen. Präsident Wladimir Putin hatte die Transporte vor seiner Rückkehr in den Kreml als Wahlgeschenk versprochen.

Agentur-Quelle.

Stefan #3

Beifall für den DFB, dafür, dass ein paar Fußballer abseits des Spielfelds ihre Meinung äußern DÜRFEN, so sie das möchten, so sie eine haben …

Ich glaube, die meisten Nationalspieler finden Blondinen, die auf Betten liegen und sagen, dass sie Rücken haben, ziemlich bescheuert.

Herbert #4

Für den Gästebereich des Deutschen Hauses, der traditionell eine wichtige olympische Kontaktbörse darstellt, werden jeden Abend 80 Reporter zugelassen.

Dann auf eine Rencontre in London.

Frank Tentler #5

Ich würde mich freuen, Ihre Blog-Aktivitäten während der Olympischen Spiele als Spnsor zu unterstützen. Schicken Sie mir bitte Informationen zu.

Aber auf jeden Fall freue ich mich auf Ihre Beiträge, die ich nicht nur als Ergänzung, sondern oft als das Highlight der Berichterstattung empfinde. Vielen Dank dafür.

jsachse #6

…ganz offensichtlich mit zehn TV-Monitoren gleichzeitig versorgt…

fast ;) Vor einem Jahr hat Kai Pahl seinen Workflow ein wenig beschrieben.

ha #7

DLF-Sport auch mit einem Tipp. Aus der Wiederholung dessen, was in den letzten Wochen ausführlich debattiert worden ist, ist ein originell appellativer Schluss abgeleitet (Originalorthografie):

Hinfahren und sich selbst ein Bild machen! Jetzt erst Recht! muss es heißen! In der Ukraine gibt es sogar noch Karten.

Sehr lobenswerte Initiative zur Tourismusförderung unter besonderer Beachtung politisch korrekten Fanverhaltens bei sportlichen Großevents und deren Gewinnmaximierung ;-D Garantiert lernt man ein Land am besten kennen, wenn es sich für ein Weltereignis herausputzt bzw. … gesäubert hat. muss es heißen!

Axel_K #8

Das IOC stellt wieder sicher, dass die „Medienpartner“ in London keine knallharte Konkurrenz durch twitternde Sprunggrubenharker, Erdnussverkäufer und Synchronschwimmerinnen fürchten müssen: The Olympics 2012: The Social Media Rules.

Das offizielle Dokument gibt es hier: IOC Guidelines.

ha #9

DLF-Sport mit „Olympia im Blick“ „Olympia im Blick“. Sechs Wochen nach der FAZ auch hier ein Interview mit Denis Oswald, der sich Chancen auf die Nachfolge eines gewissen „Jaques“ Rogge ausrechnet.
Schöner Überblick über alles, was zuletzt so über London zu lesen war, die Spiele mehr oder weniger touchiert. Alles mal kurz angetippt. Und ein feines Beispiel für ungebremste Selbstdarstellung eines IOC-Exekutivlers und dafür, welche Bären die gern aufbinden – wenn ahnungslose Fragesteller es zulassen.

@jw : Womit ich frage, wann denn bei Dir London anbricht?

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