olympic journalists association

Was vom Tage übrig bleibt (67): Euro 2012, Spielverlagerung Ebook, EM- und Olympiaberichterstattung

Hier etwas Lesestoff für zwischendurch und überhaupt für die kommenden Wochen am Fernseher. Ich lasse die Euro 2012 als Berichterstatter aus und konzentriere mich stattdessen auf die Olympischen Spiele in London, wo drei Wochen lang auch eine Dauerberichterstattung im Blog garantiert ist – dazu werden noch Sponsoren für das Blog gesucht, hat jemand eine Idee?

Reichlich unsortiert, aber hochklassig (oder zumindest unterhaltsam), einige Empfehlungen:

(1) Mein Lieblingsblog, mein Favorit und Blogger-Gott wird gewiss auch während der EM zur Hochform auflaufen. Es ist nicht nur mir unheimlich, wie Kai Pahl das macht. Scharfzüngig, analytisch, belesen, ganz offensichtlich mit zehn TV-Monitoren gleichzeitig versorgt – sämtliche Print- und Onlinemedien aus Deutschland, Frankreich und England (um nur einige Länder zu erwähnen) hat er täglich schon studiert und ausgewertet, wenn normale Menschen noch schlafen.

So ungefähr.

Beim Pensum dieses Arbeitstieres bleibt mitunter keine Zeit mehr, ein passables Rechtschreib-Plugin laufen zu lassen, aber das gehört längst zur Folklore dieses Blogs. Ich freue mich auf die Euro auf …

Vancouver: die Ruhe vor dem Sturm und die IOC Blogger-Richtlinien

[caption id="attachment_6518" align="aligncenter" width="500"] Die Ruhe vor dem Sturm (Symbolbild) – oder: das „Main Press Centre“ zu Vancouver[/caption]

VANCOUVER. 16.32 Uhr: (Angaben immer Ortszeit): Geradezu jungfräulich präsentiert sich der Arbeitssaal im Main Press Centre (MPC) des frühlingshaften Vancouver. Das wird sich bald ändern. Lärm machen bisher nur die Wasserflugzeuge, die direkt neben dem Vancouver Convention Centre starten und landen. Die neue Westseite des VCC beherbergt während der Spiele das IBC (International Broadcasting Centre), die alte Ostseite mit dem Pan Pacific Hotel beherbergt das MPC.

Olympia-Milliarden: “We are less dependent on economical downturn”

Moin. Heute mal kein Einbruch in mein Auto – hoffe ich jedenfalls, es steht noch in der Werkstatt Ebbe Elmer Biler A/S. Ich habe schon gestern Abend beschlossen, mich nicht länger aufzuregen und hatte ja einen unterhaltsamen Abend an der Marriott-Bar. Heute morgen zunächst ein Kaffee bei Dmitri Tschernyschenko, Organisationschef der Winterspiele 2014 in Sotschi, der in diesem Moment vor der IOC-Session einen Vortrag hält. In Kurzfassung: Alles paletti in Sotschi, alles bestens!

We are less dependent on economical downturn! Our Prime Minister Wladimir Putin told us: Enjoy the green light in running the project!

Live aus der Session, die offiziellen Zahlen:

The day after, Olympic Congress: IOC sperrt Journalisten aus*

Rios Olympiagastgeber, Bewerber sind sie ja nicht mehr, haben eine hübsche Weltkarte der neuen olympischen Ordnung erstellt:

rio 2016 on the olympic world map

10.05 Uhr: Moin. Das Bella Center hat sich geleert. Mehr als 1000 Reporter, die gestern nur wegen Obama und der Vergabe der Olympischen Sommerspiele 2016 gekommen waren, sind längst wieder verschwunden. Für das olympische Tagesgeschäft interessieren sich weltweit nur wenige Dutzend Journalisten. Immerhin einige mehr, als gewöhnlich die Sitzungen des IOC-Exekutivkomitees, der FIFA-Führung und anderer wichtiger Weltverbände verfolgen. Aber doch eine erschreckend kleine Zahl.

We are family: Jean-Marie Weber, das IOC und die IAAF

[caption id="attachment_4668" align="aligncenter" width="542"] „Who is who?“, Berliner IOC/ISL-Ausgabe, 14. August 2009[/caption]

Ich weiß, das ist kein schönes Foto. Aber auf die Qualität kommt es gar nicht an. Nur auf die Dokumentation. Berlin, 14. August, 12.45 Uhr, Hotel Interconti, gemeinsame Pressekonferenz von IOC-Präsident Jacques Rogge und IAAF-Präsident Lamine Diack – unmittelbar nach der gemeinsamen Sitzung des IOC-Exekutivkomitees und des IAAF-Councils. Soviel zur Vorrede.

Wen sehen wir also auf dem Foto? Zumindest ein Mann vom Fach, sollte Stammkunden hier bekannt vorkommen. Schon erkannt oder: erraten?

Jean-Marie Weber sagt: „Ich habe nichts Illegales getan“

Die Idylle über dem Genfer See wird nur geringfügig gestört. Tom Tresser, einer der Aktivisten von No Games Chicago, hat vor dem Olympischen Museum, wo derzeit 92 IOC-Mitglieder den Präsentationen der Olympiabewerber 2016 lauschen, kiloweise Dokumente angehäuft.

„No Games in Chicago“

Der Stapel mit mit den „Books of evidence – why Chicago should not be awarded the 2016 Olympic Games“ ist nicht ganz so hoch, wie die Latte, die der Hochspringer Javier Sotomayor vor Jahren bei seinem Weltrekord übersprungen hat (2,45 m) – und die man im Hintergrund sieht. Rechts von Tresser verschwindet übrigens das italienische IOC-Mitglied Mario Pescante zur Raucherpause aus dem Bild.

Immerhin, Chicagos Olympiagegner durften ihre Bücher, mehrere hundert Seiten dicke Sammelsurien von Zeitungsartikeln über Korruption in Chicago und Illinois, an die IOC-Mitglieder verteilen. Mit einem Wägelchen waren sie ins Museum gefahren, viele Sicherheitskräfte sind ohnehin nicht anwesend, man nimmt es lässig, und schon waren sie im Auditorium, wo gerade Chicagos Bewerber präsentierten. Okay, mag mich jemand ins Museum begleiten, damit ich endlich zum Thema komme?

Das nächste Bild, kein schönes, aber das ist egal, es dient nur der Dokumentation, ist im Museum aufgenommen. Hoppala, wer kehrt uns denn da den Rücken zu?

The ISL bribery system: 138 million CHF for senior officials in the Olympic world

As promised the other day: The extended and overworked version of my presentation at Play the Game conference last week in Coventry – with important backgrounds about the new „associate member“ of the Olympic Journalists Association:

The ISL bribery system: 138 million CHF for high-ranking officials in the Olympic world

A few weeks ago I had several discussions with IHF-President Hassan Moustafa. He told me:

We are a Handball-family. If anybody has a problem, we have to find a solution within our family – not outside the family.

I have heard quotes like this before. My old friend Joseph Blatter once said:

We don’t go to strangers. If we do have problems in our family, we use to solve the problems in the family. What happens in our family is not a topic for a jurisdiction outside our family. Regular courts are not a part of our family.

In this picture we can see Joseph Blatter with his longtime friend Jean-Marie Weber. They are members of the family, both the FIFA-President, also a member of the IOC, and the man who has paid an unbelievable amount on bribes to other family members. They are longtime friends.

Open letter to the Olympic Journalists Association

Ich habe seit Ewigkeiten vor, dieses Blog auch auf Englisch zu führen, weil ich denke, dass es vergleichbare Angebote, die nicht von Sponsoren der so genannten Olympischen Bewegung oder gar von Sportfunktionären finanziert werden, kaum gibt. Nun beginne ich damit. Die Geschichte, die ich gestern erlebt habe, ist Anlass genug: Denn ich habe ja mit Jean-Marie Weber einen neuen Journalisten-Kollegen in der Olympic Journalists Association (OJA). Ab heute wird es regelmäßig englische und deutsche Beiträge in diesem Blog geben. Ich denke, das ist auf Dauer spannender und erweitert unseren Horizont.

In der Causa Weber habe ich soeben diesen offenen Brief an alle Mitglieder der OJA und einige andere interessierte Kollegen, Funktionäre und das IOC Press Office gesendet. Let’s talk about it. Have your say!

Von: Jens Weinreich
Gesendet: Sonntag, 14. Juni 2009 13:30
Betreff: open letter to members of the Olympic Journalists Association

Dear colleagues,

I have had a shock. My head is spinning. My legs are weak, my brain spins. I grip the edge of my desk and croak for a glass of water.

Coming back from Coventry, England, where I attended the stimulating Play the Game conference I was greeted by the new directory of the Olympic Journalists Association (OJA). I do thank Alain Lunzenfichter, Steve Wilson and Adrian Warner, Wakako Yuki, Karolos Grohmann and Pirate Irwin for their honorary work in the OJA Executive Committee.

But something in it leaves me trembling.

In the new directory I found my name alongside a new „associate member“ of the OJA. His name? Jean-Marie Weber. In a moment, I’ll tell you more about Mr Weber.

But first, I am curious to know, who has elected Jean-Marie Weber? He has never been a journalist. But he does have one special role in the Olympic movement.

He paid the bribes. Huge bribes. Bribes for maybe 30 years to high ranking sports officials. Is this now a qualification for membership of the Olympic Journalists Association?

I can’t afford this membership fee. My children must be fed first.

Apparently he was elected in 2009. The Constitution of OJA says an „associate member“ can be nominated by the Executive Committee. The definition of an „associate member“ like Jean-Marie Weber is the following:

„This will be offered to any individual, newspaper, federation, television network, sponsor, association, promoter etc. … whom the Committee considers has made a contribution to the Association or whose professional duties impact on Olympics.“

Oh yes! Mr Weber’s activities have impacted on Olympic sport big time. Massively. He’s the man who bought sport with big bags of banknotes.

How about 138 million CHF in bribes? Or financing dreary publications like „sport intern“ since the rest of us were babies?