Die beschämende Wahrheit (I): was die DFB-Vertreter Zwanziger und Beckenbauer auf dem FIFA-Kongress sagen …

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… das möchte ich doch gern dokumentieren. Der eigentliche Bericht über Sepps Krönungsmesss geht hier weiter.

DFB-Präsident und Neu-FIFA-Exekutivmitglied Theo Zwanziger hat was gesagt auf dem Kongress?

Eigentlich nichts.

Hat er den halbwegs aufrechten FA-Präsidenten David Bernstein öffentlich unterstützt, der eine Verlegung der Wahl gefordert hat?

Nein.

Er hat rund um den Kongress ein paar Interviews gegeben. Mehr nicht. Aber als es darauf ankam, während des Kongresses Stellung zu beziehen, hat er geschwiegen.

Am Ende, als Blatter ihn offiziell zum Exko-Mitglied ernannte, passierte dies:

:

Franz Beckenbauer, scheidendes FIFA-Exekutivmitglied, hat in seiner Eigenschaft als Chef der FIFA Task Force Football 2014 das gesagt:

:

(Die ersten paar Sekunden fehlen. Gegen Ende, bei ca. 11:00 habe ich mal kurz auf die Übersetzungen geschaltet. Es hat eine dreiviertel Stunde gedauert, bis ich das endlich veröffentlichen konnte. #internetfail-fifa)

So weit die Ausführungen deutscher Fußballvertreter auf diesem denkwürdigen FIFA-Kongress. Nur für die Akten. Allein das zählt – manchmal muss man cojones zeigen -, und nicht, was davor und danach in Mikrofone gehaucht wird.

Ich sage gern: Wer in solchen Momenten schweigt und nicht Stellung bezieht, macht sich mit schuldig.

mb #1

Als Einstieg hier noch einmal das Votum des FIFA-Kongresses von heute vormittag über den Antrag der Englischen FA auf Verschiebung der Präsidentenwahl: 17 dafür, 172 Gegenstimmen bei insgesamt 208 (206?) stimmberechtigten Verbänden.

Ralf #2

Dagmar Freitag im Deutschlandfunk-Gespräch mit Dirk Müller: „Die Politik ist machtlos“

Müller: Finden Sie das politisch korrekt, wenn Sepp Blatter heute die Stimme aus Deutschland bekommt?

Freitag: Das ist eine Entscheidung, die der Deutsche Fußballbund zu treffen hat. Ich hätte mir gewünscht, dass eine Verschiebung der Wahl auch von Deutschland unterstützt worden wäre.
[…]
Müller: Was werden Sie [Theo Zwanziger] beim nächsten Mal sagen, wenn Sie ihn treffen?

Freitag: Ich werde ihn sicherlich fragen, wie der Entscheidungsprozess auch innerhalb des Deutschen Fußballbundes verlaufen ist, denn ich denke, Theo Zwanziger kommt ja jetzt in eine verantwortungsvolle Position, und ich erwarte, dass er seinen Einfluss und sein Know-how einsetzt, um Strukturveränderungen innerhalb der Familie FIFA, wie Herr Blatter sie zu nennen beliebt, durchzusetzen.

Müller: Demnach hat der deutsche Kaiser, Franz Beckenbauer, das nicht geschafft, weil er saß ja bis gestern offiziell auch in diesem FIFA-Exekutivkomitee?

Freitag: Das kann man so bewerten, ja.

mb #3

Die Wahl des Präsidenten beginnt. Stimmabgabe in alphabetischer Reihenfolge und Abgabe des Stimmzettels in Boxen. Nix mit Akklamation.

Jens Weinreich #4

@ ralf: Frau Freitag ist nicht informiert. Frau Freitag ist hilflos. Frau Freitag hat den Sportausschuss ziemlich verkommen lassen. Frau Freitag ist Verbandsvertreterin und als solche gewiss nicht unabhängig – wurde hier oft genug thematisiert, einfach mal die Suchfunktion benutzen (Ich weiß, Du weißt das, ich will nur Beschwerden vorbeugen).

Ob Sie willens ist, etwas zu ändern? Das bezweifle ich. Nein. Ich glaube es nicht. Ich glaube sogar, dass ich es weiß. Traurig, diese „Volksvertreterin“ und Ihre „Kollegen“ im Sportausschuss. Ein Jammer. It’s a shame.

Ich möchte derlei hilfloses Gestammel eigentlich nicht mehr hören und nicht mehr lesen.

Ralf #5

@ JW:

Mich interessieren v.a. jeweils Deine Kommentare zu derlei Gestammel. Da es keine Live-Berichterstattung aus dem Sportausschuß mehr gibt, bleibt mir nur, hier ab und zu einen Text zu verlinken und auf einen bissigen Kommentar zu hoffen! ;-)

Jens Weinreich #6

Du wolltest mich also nur provozieren. Shame on you!

Ralf #7

@ JW:

Nicht nur, aber Deine Einschätzung von Texten ist natürlich immer interessant.

Bemerkenswert fand ich aber die deutliche Kritik an Grüßonkel Franz, der nochmal wie viele Stimmen für die WM 2006 organisiert hat? Keine?

mb #8

Bei der Präsidentenwahl kommen jetzt die final two: Zambia and Zimbabwe. Dann wird noch kurz gezählt. Schampus, Blumen und undurchsichtige Briefumschläge für die kommenden Aufgaben werden sicher schon bereitgestellt.

mb #9

Es ist ein…Sepp! 203 abgegebene Stimmen, 186 für Blatter.

Gua #10

Jucheeee!
Ich meine deutsche Fußballfunktionäre finde ich einfach nur d…, aber Sepp und die anderen internationalen Superhalunken sind schon klasse. ;)
Hoyzer for DFB-Präsident!

Dirk #11

bei der tagesschau fordert Zwanziger

So forderte auch DFB-Präsident Theo Zwanziger eine Überprüfung der skandalumwitterten Vergabe der WM 2022 an Katar. „Ich muss nach dem, was ich höre und lese, davon ausgehen, dass es einen beachtlichen Grad an Verdächtigungen gibt, den man nicht einfach wegschieben kann“, sagte Zwanziger. Er müsse davon ausgehen, „dass man unter diesem Gesichtspunkt die Vergabe der WM noch einmal überprüfen muss. Wie das zu geschehen hat, dazu will ich mich erst äußern, wenn ich mehr über den Sachverhalt weiß. Ich komme von außerhalb und war nicht Mitglied der Exekutive.“ Allerdings darf sich Zwanziger offenbar keine großen Hoffnungen machen, dass mögliche interne Ermittlungen tatsächlich zu einem Ergebnis führen werden.

Damit kann er später immer noch sagen, ich war ja für eine Aufklärung, aber ich konnte ja nichts machen, Und wenn nix passiert, ist diese Aussage bald wieder vergessen.

Dirk #12

Ups, da hab ich wohl das schließende blockquote vergessen. Der letzte Satz steht nicht bei der tagesschau, sondern ist meine Meinung.

Jens Weinreich #13

Was ist da eine „Forderung“? Inn falscher englischer Übersetzung tickert es um die Welt, er fordere eine „investigation“.

Das ist ein Problem von Journalismus, PR und Propaganda. Nichts sonst.

Jens Weinreich #14

Jetzt habe ich die Audiodatei von und mit 20er nachgetragen. Musste den Beitrag etwas umschreiben und in Form bringen. Wenn ich es bei all den Streichungen und Hinweisen auf Aktualisierungen belassen hätte, wäre das zu verwirrend.

trebor #15

Eben auf der Mattscheibe im heute journal während des Interviews mit Zwanziger: Strahlemann JW…du Glücklicher! Dickes Dankeschön für die Fleißarbeit.

Jens Weinreich #16

Ehrlich gesagt, trebor, ich glaube nicht, dass es von heute einen O-Ton von 20er gibt, bei dem ich nicht im Bild bin. Ist natürlich absoluter Zufall gewesen.

indykiste #17

Was war das denn von dem Hr. Simon in den Tagesthemen? :eek:

Sepperl #18

sehenswert:

ARD: „Foulspiel – Die Hintergründe der FIFA“

http://programm.ard.de/TV/daserste/foulspiel—die-hintergruende-der-fifa/eid_281066543407308#top

„Foulspiel“ erzählt die Vorgeschichte der besonderen Wahl des FIFA-Präsidenten in Zürich, bei der aller Voraussicht nach Amtsinhaber Sepp Blatter per Akklamation wiedergewählt wird.

no spring chicken #19

Boah, bei den Worten dieses falschen Zwanzigers überkommt mich das kalte Grausen. Eine Frechheit, was er da von sich gibt. „Wir Deutschen fühlen uns sehr geehrt… Not in my name, Zwanni, not in my name!

Nico #20

Ja, dann fangt doch mal an zu handeln.
Ich hatte unserem Bundes-Theo bzw. dem DFB schon eine Mail geschrieben, in der ich damit gedroht habe, den DFB-Fanclub zu verlassen und z.B. die FIFA-Frauen-WM im eigenen Lande zu boykottieren (obwohl die Damen nun wirklich nichts dafür können). Es kann doch nicht angehen, dass der Großteil der „Fussballdeutschen“ sich über dieses Gehabe aufregt, Dr. Theo 20er aber immer wieder aufs Neue dem Fifa-Paten hofiert.
Meiner Meinung nach steht – trotz der guten Arbeit, die er in den letzten Jahren gemacht hat – hier auch die Position von 20er auf dem Spiel. Wer jetzt schweigt, muss nachher auch seinen Hut nehmen, wenn die ganze Baggage hochgenommen wird.

Ralf #21

@ 15/16:

Das Video des heute journals gibt es hier. Interessant wird es ab 01:11 min. Eigentlich keine schlechte Idee vom ZDF, neben den Interviewten einen Sachverständigen zu stellen, der das Gesagte durch Mimik simultan kommentieren kann. Theo wird bei der nächsten gerichtlichen Auseinandersetzung allerdings vermutlich versuchen, einen „Sicherheitsabstand“ von dieser Nervensäge einzuklagen.

Zapp-Video (incl. Bonustrack: vollständiges Kistner-Interview): Blatter: Journalistenfeindlicher FIFA-Boss

Ralf #22

Deutschlandfunk-Kommentar von Astrid Rawohl: „Ozean der Solidarität“

Wäre es nicht ein eindrucksvolles und konsequentes Signal nach aller Kritik und allen Unmutsbekundungen am Korruptionssystem Fifa, wenn sich die Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Sport beim Frauen-WM-Eröffnungsspiel in drei Wochen von den FIFA-Funktionären distanzierten?

Jens Weinreich #23

@ Ralf #21: Mal abgesehen von Deinen unendlich selbstlosen und gigantisch hilfreichen Diensten, das war Dein bester Kommentar bisher :))

John winters #24

we have to focus on getting total transparency on the financial side of FIFA…

we need this transparency to come from the Swiss government official…

we need to realize why Blatter is so secretive in the dealings of FIFA.. Fifa have a dark side to there organization.. i am totally convinced that the whole situation is due to Swiss banking System and its secretive banking code. Which has made them into what they are !

I think when get all the figures out open and on the table from every single dollar and cent what has come in and what has gone to whom and where not only now but in the past 15 years we will see and realize that FIFA are using Football to line there pockets. and this is the whole crux of the matter.. you can not run such a body with the major motivation being making money behind such a total opaque Financial and banking system as found in Switzerland.

Have you watched the Film CASINO with Robert De´Niro where the counters in the counting room skim money from the take ( from the casino floor ) then it is put in suitcases and it is then couriered to the Men who really run the Casino.. the gangsters in an other city… well this is exactly how FIFA is run .. they show the World that they care and love Football and care for those less fortunate……. but really there main motivation is this skimming off the top of the money brought in which goes unnoticed due to the Financial system in the country where this all happens Switzerland.

This is why Blatters own personal office has a finger ( thumb ) print reading scanner to gain entry to this / these rooms because of the secrets he and his Body have. there ….. or he is worried about / no he is paranoid about being phone tapped or bugged because of the discussion he has in this room…..

sternburg #25

Sie können sagen, was sie wollen. Aber sagen Sie die Wahrheit. Und verärgern Sie uns und unsere Familie nicht immer.

…finde ich fast noch schöner. So ein FIFA-Kongress ist für uns Zitategroupies wirklich ein Feuerwerk der guten Laune.

Apropos gute Laune: „Die beschämende Wahrheit“. Jens, deshalb (u.a.) bist Du für uns alle so wichtig. Weil Du die Dinge so aussprichst, wie sie sind, und unserer aller Verlogenheiten und Ängstlichkeiten nicht teilst.

Wenn mir aber doch noch ein klitzekleines Stückchen Stilkritik erlaubt sein darf: Bei „Volksvertreter“ in Anführungsstrichen reagiere ich allergisch. Das sind unsere Volksvertreter. Punkt. Wer damit unzufrieden ist, darf sich um andere Vertreter bemühen (was Du ja letztlich machst, aber wenig bringt, weil:) oder um ein anderes Volk. Oder um ein anderes System, was auch legitim wäre.

sternburg #26

Sie können sagen, was sie wollen. Aber (…) verärgern Sie uns (…) nicht immer.

Tschuljung, das muss ich einfach nochmal zitieren. Wunderschön. Wenn man das der FIFA auf den Grabstein schreiben könnte, ich würde den Marmor bezahlen.

Jens Weinreich #27

Es war einfach köstlich. Hast Du zufällig im Fernsehen die Szene gesehen, als Grondona Blatters Sieg verkündet? Der schläft dabei ein! Sensationell.

Herbert #28

G. schlief ja schon, für alle sichtbar, im Auditorium. Vielleicht gab´s am Abend vorher eine „Protokollveranstaltung“. Diese Verpflichtungen machen schon müde.
By the way, auffallend war im „ARD-backstage movie“ die zahlreiche Anwesenheit von sehr ansehnlichen „Fussballerinnen“ bei jedem FIFA-event. Was mich da wundert, ist nur, dass bei der Gratulation für Blatter, nach dem lebendigen G.-Vortrag, lediglich eine jüngere und eine reifere Dame ihn pr-mäßig umarmten. Oder waren sie aus seiner Familie ?

klauszwingenberger #29

Was ist ein Zwanziger?

Ein auf Euro umgerecneter falscher Fuffziger.

Ralf #30

JW in der FR: Zürcher Gemetzeltes

Vor und nach dem Kongress bemühte sich Zwanziger in Interviews, den Eindruck des Reformers zu hinterlassen. Als es darauf ankam, schwieg er.

dpa: DFB-Chef Zwanziger verteidigt Stimme für Blatter

«Hätte sich Deutschland in die Isolation begeben sollen?»

nurmalso #31

jetzt fehlt nur noch das merkel und eine aussage ala „ich habe den sepp nicht als korruptionsbekämpfer sondern als fifa-präses eingestellt …“

sternburg #32

Ne, schon gut, dass sich Deutschland nicht in die Isolation begibt. Klar, ein so mächtiger, stinkreicher und mitgliederstarker Verband wie die FA, die kann sich solche Spielchen vielleicht erlauben. Aber wir, wir können das einfach nicht. Das würden wir nicht durchhalten, wir sind als Verband einfach angewiesen auf das Wohlwollen der FIFA.

Zumal man eines nicht vergessen darf: Wir haben zwar gerade erst Männer- und Frauen-WM bekommen, aber in schlanken 30, 35 Jahren könnten wir uns vielleicht schon wieder Hoffnung auf eine erneute Ausrichtung einer FIFA-Weltmarke an Event machen. Wäre doch zu schade, wenn diese Hoffnungen der friedlichen Fussballfans in diesem unseren Lande wegen so ein bissel kleinlich-fruchtlosem Querulantentums sterben müssten, oder?

Und überhaupt: Jedes Mal, wenn in Zürich jemand den Begriff „Korruption“ laut ausspricht, stirb ein kleines Kätzchen. Wollen Sie das? Wollen Sie das wirklich?

Chris #33

Zum DFB fällt mir nur noch eins ein: Peinlich, peinlich, peinlich. WM06? Wenns nach dem Willen der FIFA gegangen wär, wär die doch locker an SA gegangen…und selbst mit danach 8 Jahren Vorbereitungszeit haben sies grad noch so hinbekommen. Aber im nachhinein war der Sepp natürlich immer fürs Schland…ja sichi. Da müssen wir ewig zu Kreuze kriechen vor ihm. Wie man es als weltgrößter nationaler Fußballverband nicht schafft, sein Gewicht in die Waagschale zu legen, nur um ja nicht anzuecken(bei wem??Uns mag doch eh keiner so wirklich-siehe WM-Vergabe), da fehlen mir die Worte. Isolation??Nur weil Zimbabwe und Benin und wie sie alle heißen streng dem großen Vorsitzenden nachreden, muss der DFB das auch? Unterwürfig, buckelnd, dienend? Da kann der DFB sich mit noch sovielen Sozialprojekten brüsten: der Fisch stinkt immer vom Kopf an. Und in diesem Fall ist der Kopf des gemeinnützigen Vereins FIFA schon lange verrottet, verwest und verpestend. Wer das nicht klipp und klar sagt, als Offizieller des DFB vor den Vertretern und eben nicht nur vor der Presse, der verrät damit alles wofür er stehen und alle die er vertreten sollte.

Ralf #34

JW für den Deutschlandfunk: mp3-Datei:

Das Schweigen des deutschen Sports angesichts des FIFA-Skandals
Sendezeit: 05.06.2011 19:24
Autor: Weinreich, Jens
Programm: Deutschlandfunk
Sendung: Sport
Länge: 05:00 Minuten

Herbert #35

Sehr guter Beitrag.
Stellt sich die Frage, wo mit dem Auskehren anfangen ?

Ralf #36

Hier noch die Textversion. Für alle, die nicht „hören“ wollen… ;-)

Herbert #37

Der von Warner angekündigte „Tsunami“ sollte unverzüglich als „leichte Welle im Kinderplanschbecken“ zurückgestuft werden. FIFA meldet Zurücknahme von Warners Email-Ankündigung aus privatrechtlichen Gründen.

Ralf #38

@ # 18:

für einige Tage online:

ARD-Video (32:20 min): Foulspiel – Die Hintergründe der FIFA

Ralf #39
pecas #40

@ralf 20111011/13:32 # 45 bzw. betreffend den verlinkten Artikel:
Der „Kaiser“ verwechselt (deliberately, würde ich sagen, oder „amts“-missbräuchlich) das archaische Akklamationssystem der FIFA mit Demokratie.
Als ob er tatsächlich das Zipfelgesicht wäre, für das ihn viele (schon lange) halten.

Herbert #41

Just nutty, the Kaiser.

Stefan #42

Der Kaiser ist Blatters Schwarzenbeck.

pecas #43

@Stefan#48

Als echter Fußball-Banause musste ich bei „Schwarzenbeck“ nachforschen; aber dann stellte sich heraus: das hast Du schön gesagt!

Über oder für den „Putzer des Kaisers“, wie man den einstigen Mannschaftskollegen Beckenbauers u. a. genannt hat, schrieb Wolf Wondratschek (geb. 1941) das

Gedicht für Georg Schwarzenbeck

Zwei Beine, ohne Interesse an Genialität,
vereinfachter Mechanismus, nichts Brasilianisches,
kein Sternenlauf, kein Jubel in den Fußgelenken,
Standbein, Schussbein, nichts für Genießer,
und trotzdem einer, dessen die Menschen,
die ihn spielen sahen, gedenken.

Ein großer Dorn, der stach und dicht hielt,
der die Anstürmenden ersaufen ließ, das Feuer zertrat,
das sie bereit waren zu entfachen.
Nichts da, ich arbeite, ich komme aus der Vorstadt,
ich bin geboren für das Einfache.
Nicht einmal Siege sind es am Ende, die zählen.

Unzuständig für alles Künstlerische!
Kein Dribbling, kein nie gesehener Trick,
stattdessen Luft für neunzig Minuten,
und notfalls für die Verlängerung, wenn die Kollegen Krämpfe quälen.
Merkwürdig, daß so einer, eckig wie eine leer gegessene
Pralinenschachtel, etwas trifft, das rund ist.

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