Was vom Tage übrig bleibt (58): Currywurst, Pechstein, München 2018, Zwanziger

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Vielleicht liegt es am Wetter. Ziemlich heiß draußen. Und schwül. Schlecht für den Kreislauf. Vielleicht liegt es aber auch an den handelnden Personen und Institutionen. Ich meine, von Pressemeldungen sollte Mann ohnehin nicht viel erwarten. Aber die drei, die gerade reinkamen, sind doch eine Erwähnung wert.

(1) Zum Beispiel diese, Absender die powerplay medienholding AG, die in diesem Theater gelegentlich erwähnt wurde:

Pressemitteilung / 30. Juli 2010

Claudia Pechstein eröffnet “Zur Currywurst”

Deutschlands erfolgreichste Winterolympionikin Claudia Pechstein wird morgen zusammen mit Matthias Große, Geschäftsführer der Unternehmensgruppe Matthias Große (U.G.M.G.), den bekannten Imbiß “Zur Currywurst” am Airport-Center Waltersdorf eröffnen.

Nach dem erfolgten Umbau des Airport-Centers kann die neue “Zur Currywurst” nunmehr auch dort weiterhin erfolgreich arbeiten und endlich wieder die beste Currywurst der Stadt anbieten. Der Startschuß fällt um 10 Uhr. Matthias Große, der im Januar diesen Jahres seine Zusammenarbeit mit Claudia Pechstein startete, freut sich auf die Rückkehr einer Berliner Legende und hofft, dass dies lediglich der erste von vielen Anlaufpunkten für die echte Currywurst in der Stadt ist.

Eröffnung: Samstag, 31. Juli 2010 / 10 Uhr “Zur Currywurst”, Airport-Center Waltersdorf, Am Rondell 5 Pressevertreter und Fotografen sind herzlich eingeladen.

Kontakt: powerplay management GmbH, Seepromenade 53, 14476 Potsdam

Was wohl der Arbeitgeber der “dienstunfähig erkrankten” Claudia Pechstein dazu sagt? Über das Themengeflecht Große-Pechstein-Krankschreibung-Steuermittel-Propaganda und darüber, ob darüber berichtet werden sollte oder nicht und wenn ja wie, wurde hier schon ausführlich diskutiert.

(2) Oder diese Meldung, kam gerade aus München:

Olympiapark wird Nationaler Ausstatter der Münchner Bewerbung um die Olympischen und Paralympischen Winterspiele 2018

München, 30. Juli 2010 – Mit dem Aufstieg auf das Dach des Münchner Olympiastadions besiegelten Willy Bogner, Chef der Bewerbungsgesellschaft München 2018 GmbH und der Geschäftsführer der Olympiapark München GmbH, Ralph Huber das Engagement des Olympiaparks als Nationaler Ausstatter der Olympia-Bewerbung Münchens für das Jahr 2018.

“Das Olympiastadion bietet von seinem einzigartigen Dach aus nicht nur einen tollen Ausblick auf München und die Alpen, sondern könnte 2018 das zweite Mal Austragungsort einer Olympischen Eröffnungsfeier werden”, so Bogner. “Diese gemeinsame Perspektive macht den Olympiapark zu einem perfekten Partner für unser Projekt, die Spiele nach München zu holen.”

Daumen hoch: Willy Bogner, Ralph Huber

Willy Bogner, Chef der Bewerbungsgesellschaft München 2018 GmbH und der Geschäftsführer der Olympiapark München GmbH, Ralph Huber (c) München 2018

Ralph Huber ergänzt: “Im Herzen und auch mit Rat und Tat haben wir die Bewerbung für München 2018 ja schon von der ersten Minute an unterstützt. Da war es nur eine logische Folge, unser Engagement nun auch offiziell zu verbriefen. Wir freuen uns auf eine erfolgreiche Zusammenarbeit!”

Pünktlich zum Start des ersten OutdoorFestivals im Olympiastadion testeten Willy Bogner und Ralph Huber die Zeltdachtour. Vom 30. Juli bis 1. August finden dort zahlreiche Aktionen zum Thema Klettern und Outdoor statt. Sportlicher Höhepunkt ist zudem der DAV Boulder-Weltcup mit dem Finale am 31. Juli. Mehr Informationen finden Interessierte unter: www.impark.de

Ca. 1.500 Zeichen inkl. Leerzeichen

Mit freundlichen Grüßen

Bewerbungsgesellschaft München 2018 GmbH

Dazu sollte man vielleicht wissen, dass der Olympiapark München gewissermaßen Sponsor der ersten Stunde ist. Hier wurde nicht nur die Bewerberidee geboren, hier wurden die ersten Investitionen für die Bewerbung getätigt, hier fand die GmbH Unterschlupf und Personal etc. pp – aber man kann ja trotzdem so tun, als wäre ein neuer Sponsor gefunden, der Geld aus der Privatwirtschaft zusteuert. Es finden sich bestimmt Dumme, die das glauben.

(3) Oder diese Meldung, soeben aus Frankfurt am Main angemailt:

DFB-Pressemitteilung Nummer: 74/ 2010, Datum: 30.07.2010

Dr. Theo Zwanziger kandidiert für weitere Amtszeit

DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger hat auf der turnusmäßigen Sitzung das Präsidium des DFB darüber informiert, dass er auf dem ordentlichen Bundestag am 21./22. Oktober 2010 in Essen für eine weitere Amtszeit bis 2013 kandidieren wird. “Es muss legitim sein, sich am Ende einer Legislaturperiode intensive Gedanken über die zukünftige Lebensplanung zu machen. Die Gespräche mit meiner Familie, der große Rückhalt aus den unterschiedlichsten Bereichen des Fußballs, der Politik und Gesellschaft sowie die anstehenden Herausforderungen des Verbandes haben mich zu der festen Überzeugung kommen lassen, noch einmal für dieses Ehrenamt kandidieren zu wollen. Ich freue mich auf die künftigen Aufgaben”, sagt Zwanziger.

Zur Entscheidung des DFB-Präsidenten hat auch die Vertragsverlängerung mit der sportlichen Leitung der Nationalmannschaft beigetragen. “Das Verhalten des Bundestrainers hat mir gezeigt, dass mein Vertrauen in Joachim Löw gerechtfertigt war. Auf dieser Basis können wir weiterhin erfolgreich zusammenarbeiten”, sagt Zwanziger. Das sieht auch Bundestrainer Löw so. “Ich freue mich auf die weitere vertrauensvolle Zusammenarbeit. Sein gesellschaftspolitisches Engagement kommt auch unserer Nationalmannschaft zugute. Der Präsident hat uns immer den Rücken gestärkt. Gemeinsam wollen wir unseren Erfolgsweg fortsetzen.” Und Teammanager Oliver Bierhoff ergänzt: “Es ist eine gute Nachricht, dass sich Dr. Zwanziger wieder als DFB-Präsident zur Wahl stellt. In den vergangenen sechs Jahren hatte er für alle Wünsche der Nationalmannschaft stets ein offenes Ohr und damit maßgeblichen Anteil an der positiven Entwicklung des Teams. Viele neue Ideen hat er unterstützt und dabei wichtige Weichen gestellt.”

Neben den Kernaufgaben des DFB im sportlichen Bereich sieht der DFB-Präsident künftig eine zentrale Aufgabe darin, dass von ihm in den vergangenen Jahren forcierte gesellschaftliche Engagement des Verbandes nachhaltig zu etablieren. “Die hohe Identifikation der Menschen mit dem Fußball muss für uns Verpflichtung und Auftrag sein, soziale Verantwortung wahrzunehmen. Integration, Prävention, Gleichberechtigung, Umweltschutz, all diese Themenfelder werden auch für den Verband immer wichtiger. Auf dem kommenden Bundestag werden wir ein erstes Nachhaltigkeitskonzept vorstellen, dessen konsequente Umsetzung ein zentrales Anliegen von mir sein wird”, sagt Zwanziger.

Liga-Präsident Reinhard Rauball äußerte sich als Vertreter des Profifußballs erfreut über die erneute Kandidatur. “Ich habe mich schon vorher klar für Theo Zwanziger ausgesprochen. Der Ligaverband begrüßt seinen Wunsch nach einer weiteren Amtszeit ausdrücklich und wird ihn für die Wahl zum Präsidenten vorschlagen.” Auch die Regional- und Landesverbände unterstützen die Kandidatur. Hermann Korfmacher, 1. Vizepräsident des DFB und verantwortlich für den Amateurbereich, sagt dazu: “Ich bin froh, dass uns Theo Zwanziger mit seiner Kompetenz und Erfahrung erhalten bleiben will. Die Basis steht hinter ihrem Präsidenten.”

Neben Zwanziger werden sich auch alle anderen Mitglieder des DFB-Präsidiums auf dem Bundestag in Essen zur Wiederwahl stellen, sofern sie von ihren Verbänden vorgeschlagen werden.

Direktion Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit

Just in case, jemand hätte die Vorgeschichte verpasst:

Selbstreferenzieller Hinweis, der sein muss. Lange nicht verlinkt, und seit Ewigkeiten nicht aktualisiert, was etliche Male nötig gewesen wäre:

Ich frage mich natürlich, ob diese Menschen/Institutionen die Öffentlichkeit, sorry, verarschen wollen. Und: Was diese Menschen/Institutionen, die derartige “Meldungen” absondern, von Journalisten halten. Ganz offensichtlich nicht viel, sonst würden Redaktionen kaum mit derlei Texten belästigt werden. Aber ganz im Ernst: Bestimmt werden etliche Medien das Zeug unkommentiert unters Volk bringen.

Unkommentiert aber, das ist nichts als die Wahrheit, kann man davon nichts stehen lassen.

* * *

Übrigens, es ist Monatsende:

Thomas Seeholzer #1

Haben Kommunikationsherrscher auch die Macht des Gesetzes?

Zwanziger: “Es muss legitim sein, sich am Ende einer Legislaturperiode intensive Gedanken über die zukünftige Lebensplanung zu machen.”

Wikipedia Wikipedia:
Die Legislaturperiode (vom lateinischen lex, legis f.: Gesetz), Wahlperiode oder Gesetzgebungsperiode ist die Amtsperiode einer gesetzgebenden Volksvertretung (Parlament).

tz, tz,tz.

Thomas Seeholzer #2

nicht nur der Hausherr findet die gegenseitige Lobhudelei fraglich:

Harald Schmidt (FOCUS online)

Entwickelt sich doch derzeit bei Präsident Zwanziger eine Bewunderung für Trainer Löw, wie man sie sonst eher unter Schiedsrichtern vermutet.

Stefan #3

*Hier könnte Ihr billiger Witz mit Currywürsten und der Wettkampfkleidung von EisschnellläuferInnen stehen.*
Bissig, würzig, voll im Saft: Ihre PR-Agentur.

Howie Munson #4

Ca. 1.500 Zeichen inkl. Leerzeichen

Mit freundlichen Grüßen
Bewerbungsgesellschaft München 2018 GmbH

ist das allgemein so üblich bei Pressemitteilungen oder machen die Münchner das übertrieben konsequent mit der Zeichenzählung vor der Grußformel?

Gua #5

Da war ja auch nichts, weshalb Theo auf eine weitere Amtszeit hätte verzichten sollen…
Außer vielleicht das mit diesem Schiedrichter, der (wiedereinmal) doch nicht pfeifen darf, aber da habe ich ja schon vor Ewigkeiten gesagt, dass das nicht für das Ende seiner Herrschaft reicht.

nocheinjurist #7

schon krass, wer das von Claudia und der Currywurst alles oline meldet, bloß, weil es eine dpa-Meldung ist.

Jens Weinreich #8

Bin auch immer wieder erschrocken. Wobei einmal mehr zu fragen wäre, WARUM dpa so etwas meldet. Und warum anderes nicht vermeldet wird – um nur eins meiner Steckenpferde zu nennen: Wie sich korrupte FIFA-Funktionäre mit Millionen freikaufen …. Ich lasse mich ungern korrigieren, aber auch das wurde nicht vermeldet.

nocheinjurist #9

Mir fallen bei CP auch nur unjournalistische Gründe ein. Oder kam es über ots? Mich interessiert wirklich, warum Currywurstverkauf ein Zukunftsmodell sein könnte und nicht Bankengründung. Wenn der Text mir das verraten hätte, wär ich vielleicht sogar zufrieden gewesen.

Jens Weinreich #10

Ich sehe nur etliche Online-Veröffentlichungen mit dem Kürzel dpa, nicht ots. Die dpa-Meldung kenne ich nicht im Original. Fand nur auf die Schnelle eine SID-Meldung vom 30. Juli in der Rubrik Leute:

CLAUDIA PECHSTEIN (38), noch bis Februar 2011 gesperrte Eisschnellläuferin, scheint die juristische Dauerfehde um die Fortsetzung ihrer Laufbahn nicht auf den Magen geschlagen zu sein. Am Samstag eröffnet die fünfmalige Olympiasiegerin in Berlin einen Imbiss. Ab 10.00 Uhr sind Reporter und Fotografen am Airport-Center Waltersdorf eingeladen, um über den Startschuss für den Imbiss “Zur Currywurst” zu berichten. Ob diese Kost den Ernährungsgrundsätzen eines Leistungssportlers entspricht, ließ Pechstein im Vorfeld des Termins unbeantwortet. (SID).

tommm #11

gibt es eigentlich viele Sportler, die ohne positiven Dopingtest verurteilt oder gesperrt wurden?
Mir fallen da nur noch Jan Ulrich und Katrin Krabbe ein.

Jens Weinreich #12

Es werden immer mehr. Jones. Montgomery. etc

cf #13

zur feier des tages:
peter ahrens für SPON über “Die Theo-Zwanziger-Festspiele”

wer lieber hören möchte als lesen, dem sei das korrespondentengespräch mit moritz küpper zum dfb-bundestag empfohlen. insgesamt gab es wohl bei der wahl für das gesamte 15-köpfige präsidium nur eine einzige stimmenthaltung — von gegenstimmen natürlich ganz zu schweigen. tja, da hätte sich seinerzeit sogar die alte sed noch eine scheibe von abschneiden können.

cf #14

p.s. der entwicklung zum thema videorechte an amateur-fußballspielen hat sich zeit-online angenommen: Wenn die Lokalzeitung für Kreisliga-Videos zahlt

indykiste #15

Oliver Scheiner in The European: Zwanziger wiedergewählt
Eine Mimose blüht noch einmal auf

Was hat er nicht alles durchgemacht, der arme Theo Zwanziger: die Vertragsaffäre mit Bierhoff und Löw, der Skandal um Schiedsrichterbetreuer Amerell und vor rund zwei Jahren der Prozess gegen den Journalisten Jens Weinreich, weil dieser Zwanziger einen “unglaublichen Demagogen? genannt hatte. All diese Geschichten gingen dem wirklich bedauernswerten Zwanziger so nahe, dass er jedes Mal mit Rücktritt drohte, wenn es nicht nach seinem Willen ging. Die Krönung: Nach der WM offenbarte der liebe Theo ein Gefühl der Amtsmüdigkeit.

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