Südafrika, Tag 24: das Schiedsrichterproblem und das Schweigen der FIFA-Schlemmer

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How can FIFA, which boasts of making $3.2 billion on the current four-year World Cup cycle, deny the right of players to be granted a goal when viewers from Bloemfontein to Timbuktu can see the unfairness?

New York Times

JOHANNESBURG. Mein Arbeitsnachweis für heute. Mann glaubt gar nicht, wie aufwändig das ist, wenn Mann versucht, das bisschen an O-Tönen „exklusiv“ von den Betreffenden einzuholen, ihnen aufzulauern, von ihnen vertröstet zu werden, und am Ende mit leeren Händen dazustehen. (Aber: Wenigstens habe ich einen neuen Freund in der FIFA gefunden, der sich sehr fürs iPad interessiert hat. Vorführung und Beratung von mir gab es kostenlos. Leider hat er mir noch nicht mit irgendwelchen Korruptionsverträgen gedankt :)

Ich bitte weiter darum, diese Übersicht zu ergänzen, komme heute nicht mehr dazu. Es blieb mir nur der Versuch, die Lage zu beschreiben. Ein Text, den ich verschiedenen Tageszeitungen angeboten habe, fürs Web aufgepeppt. Die Kollegen vom Kölner Stadt-Anzeiger haben eine schöne Überschrift gewählt, finde ich: „Das Schweigen der Schlemmer“.

WM-Schiedsrichter beim offiziellen Gruppenbild am 6. Juni im Camp in der Nähe von Pretoria

WM-Schiedsrichter beim offiziellen Gruppenbild am 6. Juni im Camp in der Nähe von Pretoria

Da mag die Welt sich wie ein Brummkreisel drehen, da mögen hunderte Millionen Menschen weltweit die fatalen Fehlentscheidungen der Schiedsrichter bei dieser WM diskutieren, doch im FIFA-Hauptquartier im Hotel Michelangelo geht es weiter geruhsam zu. Mittags um elf sitzt Issa Hayatou aus Kamerun mit Gemahlin Marie-Claire und seiner Entourage noch beim Frühstück. Dann wird im gläsern Anbau ausgiebig geraucht. Alles zu seiner Zeit. Hayatou ist nicht irgendwer, sondern Chef des FIFA-Organisationskomitees dieser WM, Präsident der afrikanischen Fußball-Konföderation (CAF) und eine IOC-Mitgliedschaft hat er selbstverständlich auch. Der FIFA-Vizepräsident Hayatou ist wichtig und trägt immense Verantwortung. Hören wir, was er zu den Schiedsrichtern sagt, die dieser WM eine bizarre Note geben und die sportlichen Resultate verfälschen: Hayatou sagt – gar nichts.

„Ich habe zu tun, verstehen sie. Ein andermal vielleicht!“

So ist das in der Parallelgesellschaft FIFA. Hier gelten andere Regeln.

Ortswechsel, zwei Stunden später: Nach einem entspannten Lunch im „FIFA Club“ zwei Etagen höher schlendert ?ngel María Villar Llona über den Flur in Richtung Fahrstuhl. Vielleicht zur Siesta? Villar Llona, Exekutivmitglied und Chef der FIFA-Schiedsrichterkommission, bleibt freundlich stehen und hört sich die Frage an. Dann werden seine Augen ganz klein, er guckt grimmig und hat es plötzlich sehr eilig.

„Zur Schiedsrichter-Frage“, zischt Villar Llona, „hören sie von mir kein einziges Wort.“

Auch Vizepräsident Chung Mong-Joon, der Hyundai-Milliardär, UEFA-Präsident Michel Platini oder FIFA-Präsident Joseph Blatter – alle sind sie schwer beschäftigt mit Speis und Trank und Ruhepausen. Und schließlich, was regt sich die Welt auf, haben sie doch schon alles zum Thema gesagt. Anfang März etwa, nach der Sitzung des für die Regeln zuständigen International Football Association Boards (IFAB). Damals übrigens stimmten auch zwei der vier britischen Verbände, die sich jetzt kollektiv über das nicht gegebene Lampard-Tor beschweren, im IFAB gegen die Einführung von Torkamera, Chip im Ball und Videobeweis. Auf die Aussagen nach jener IFAB-Sitzung verwies man nun erneut. Damals erklärte die FIFA-Gottheit Blatter:

„Wieso sollte man die Verantwortung des Schiedsrichters jemandem anderen übertragen? Selbst eine Zeitlupeneinstellung bringt keine Klarheit.“

Diese WM bewies das Gegenteil.

Blatter behauptete übrigens auch:

„Wird das Spiel für einen Entscheid unterbrochen, könnte es den natürlichen Gang des Spiels beeinflussen und einem beliebigen Team eine Torchance nehmen.“

Diese Aussage wird ebenfalls als Nonsens entlarvt, nicht nur am Sonntag, als sowohl das Lampard-Tor (bei England gegen Deutschland) als auch das Abseits-Tor von Tevez (bei Argentinien gegen Mexiko) in wenigen Sekunden geklärt und die Fehler korrigiert hätten werden können.

Und was sagt die FIFA-Kommunikationsabteilung auf den Daily Media Briefings draußen weitab vom Schuss in Soccer City? Thomas Häberlein und Antje Rehse vom Sportinformationsdienst haben das heute wunderbar aufgeschrieben (Ich hoffe, dass ich nicht Post vom SID-Anwalt bekomme wegen Content-Klau. Herr Cremer, drücken Sie bitte ein Auge zu):

Jeden Tag um elf Uhr lädt die FIFA in Johannesburg zu einem sogenannten Briefing ein. Es ist ein Akt der Gnade, denn im Grunde hasst die FIFA nichts mehr, als dass sie in der Öffentlichkeit eine Frage beantworten soll, noch dazu eine Frage, die, huch!, im Ansatz etwas mit Fußball zu tun hat. Diese Veranstaltung hätte vermutlich einen höheren Unterhaltungswert, würden FIFA-Sprecher Nicolas Maingot und Pekka Odriozola jeden Tag einen Buchstaben aus dem Telefonbuch von Johannesburg vorlesen – am Montag aber war es durchaus unterhaltsam.

Am Montag wollte die versammelte Weltpresse Antworten haben.

Was sagt die FIFA zu den Schiedsrichtern? Warum verweigert sie sich dem Videobeweis? Warum veranstaltet sie jeden Tag ein Briefing und sagt dann nichts? Nicolas Maingot, Spitzname mittlerweile „Dr. No“ (für „no comment), aber im Grunde ein netter junger Mann, gab sogar welche. Auszüge aus dem Theater des Absurden (wohlgemerkt: Maingot ist das Sprachrohr der FIFA – was er sagt, gilt als die offizielle Stellungnahme der FIFA):

Maingot: „Die FIFA wird zu vermeintlichen Fehlern der Schiedsrichter keinen Kommentar abgeben.“

(Auf die Frage, ob die FIFA eine Stellungnahme zu den Fehlentscheidungen der Schiedsrichter abgeben könne).

Maingot: „Wir werden hier beim Media Briefing keine Schiedsrichter-Debatte eröffnen. Dafür ist dies nicht der richtige Ort.“

(ein Journalist hakte nach)

Maingot: „Es gibt eine Schiedsrichter-Kommission und ein International Board. Sollte irgendein Statement zu den Schiedsrichter-Leistungen nötig sein, wird es von diesen Stellen kommen.“

(Auf die Frage, wer dann Antworten geben könne)

Maingot: „Sie werden dazu sicher keine Stellung abgeben.“

(Auf die Frage, ob die Schiedsrichter oder Verantwortliche beim „media day“ der Schiedsrichter am Dienstag Antworten geben)

Maingot: „Die FIFA wird nicht wegen eines speziellen Falls am Schiedsrichter-Wesen arbeiten. Die FIFA tut dies seit Jahren gemeinsam mit den entsprechenden Stellen. Das ist ein globales Thema.“

(Auf die Frage, ob die FIFA nach den Fehlentscheidungen einen Diskussions- und Handlungsbedarf sehe)

Maingot: „Die Kampagne „My Game is Fair Play“ hat nichts mit den Schiedsrichter-Entscheidungen zu tun. Diese Kampagne besteht seit Jahren und bezieht sich auf das faire Verhalten auf dem Platz.“

(Auf den Hinweis, dass die FIFA „Fair Play“ predige, aber England oder Mexiko am Sonntag nicht fair behandelt wurden)

Maingot: „Das Thema Technologien zur Unterstützung von Schiedsrichtern ist ein Thema für das International Board. Ich kann nur immer wieder auf die Pressemitteilung verweisen, die das International Board im März zu diesem Thema veröffentlicht hat.“

(Auf die Frage, warum sich die FIFA technischen Hilfsmitteln für Schiedsrichter verweigere)

Maingot: „Die Position der FIFA hat sich nicht verändert.“

(Auf die Frage, ob FIFA-Präsident Blatter weiter zu seiner Meinung stehe, dass Fußball ein Spiel mit Fehlern bleiben solle)

Maingot beendete anschließend die Diskussion und leitete erfreut zum Thema „Football for Hope“ über.

Wer sich mit den angeblichen Argumenten der FIFA auseinander setzt, die von der Realität dieser WM ad absurdum geführt werden, muss unweigerlich fragen, ob die FIFA kein Interesse hat an einem korrekten Wettkampf und Fairplay? Und warum das so ist? Eine These darf lauten:

Die FIFA hat deshalb kein Interesse an einem saubereren Sport, weil sich sonst ihre sportpolitischen Einflussmöglichkeiten arg verringern würden.

In der FIFA-Schiedsrichterkommission tummeln sich neben dem Spanier Villar Llona allerlei dubiose Gestalten, allen voran Brasiliens Verbandschef Ricardo Teixeira, der daheim in etliche Schiedsrichter-Skandale verstrickt war. Teixeira, ist Organisationschef der WM 2014, hat seinen Sitz im FIFA-Exekutivkomitee quasi auf Lebenszeit und ist für seine schwarzen Nebeneinnahmen in Millionenhöhe berüchtigt. So ließ er sich etwa vom einstigen FIFA-Marketingpartner ISL/ISMM bestechen. Zur Referee-Kommission gehört auch der Pole Michal Listkiewicz, daheim als ehemaliger Verbandschef für Korruption, Schiedsrichterbestechung und etliche andere Skandale mitverantwortlich. FIFA-Boss Blatter hat Listkiewicz stets gestützt.

Im Lichte dieser WM darf auch die Frage gestellt werden, ob Lord Triesman, der ehemalige Präsident des englischen Fußballverbandes, nicht ganz Unrecht hatte, als er kürzlich darüber sprach, bei der WM würden die Schiedsrichter auf diversen Wegen instruiert, um etwa Spanien zum Titel zu führen. Schiedsrichter-Obmann der FIFA ist ebenfalls ein Spanier: José María Garcia-Aranda. Und der hat kürzlich festgestellt:

„Wir haben bisher exzellente Schiedsrichter-Leistungen gesehen. Ich bin sehr, sehr zufrieden.“

Die Schiedsrichter sind das schwächste Glied in der Kette. Sie machen die Arbeit, sie machen Fehler, sie können irren. Doch die Technik darf ihnen nicht helfen. Selten wurde das so sonnenklar wie am Sonntagabend, als im Soccer City Stadium das Abseitstor von Tevez über die Großbildschirme flimmerte, die mexikanischen Spieler sich mächtig erregten, der italienische Schiedsrichter Roberto Rosetti aber regelgemäß den Fehler nicht korrigierte. Fußball absurd. Hätte sich Rosetti korrigiert, hätte er womöglich einen Fairplay-Preis gewonnen, aber seine Karriere als FIFA-Schiedsrichter wäre beendet.

Die WM-Schiedsrichter dürfen sich nicht zu derlei fundamentalen Vorgängen äußern. Fragt man sie nach dem Video-Beweis, so sind sie alle dagegen. Das System lässt keine eigene Meinung zu, das System zwingt zur Unwahrheit. Es fällt auf, dass sich immer nur ehemalige Schiedsrichter, wie etwa Markus Merk, zum Technik-Einsatz bekennen. Deutschlands aktueller WM-Schiedsrichter Wolfgang Stark dagegen spricht sich vehement gegen den Video-Beweis aus. Er sagte mir kürzlich:

„Also ich denke, da hat auch die FIFA die richtige Entscheidung getroffen, eben diese technischen Hilfsmittel, die nicht hundertprozentig eben Aufschluss geben, beiseite zu räumen. Man soll es dabei lassen. Fußball ist im Grunde genommen ein einfaches Spiel. Und diese Einfachheit, die soll weiter gewahrt bleiben.“

Das ist formal korrekt. Das gefällt Joseph Blatter. Das ist vielleicht sogar Starks wirkliche Meinung. Aber das hilft bei dieser Weltmeisterschaft niemandem weiter. Schon gar nicht denjenigen, die durch katastrophale Fehler betrogen wurden.

Der Schweizer WM-Schiedsrichter Massimo Busacca, der nach einem Platzverweis für Südafrikas Torhüter schwer kritisiert wurde, sagt:

„Ich denke, Fußball war immer schon ein Sport, in dem Fehler passieren. Ich denke, dass müssen wir akzeptieren.“

Die aktuellen FIFA-Unparteiischen riskieren mit öffentlicher Kritik ihre Karrieren. Sie sind in ein System eingebunden, das Fehler nicht korrigiert und damit den sportlichen Verlauf der WM verfälscht.

Chris #1

Die Technologien, die z.B. in anderen Sportarten eingesetzt werden, sind natürlich nicht vorhanden wenn Kreisliga-Spiele stattfinden. Das ist aber beim Tennis genauso, Hawk Eye kriegst du auch nicht überall. Trotzdem kannst du mit 2 Schlägern und nem Filzball losziehen und spielen. Das Argument mit dem „es soll ein einfaches Spiel bleiben“ ist so lächerlich. Die Schiris laufen mit Headsets rum, früher gabs das brummen am Handgelenk des Schiris, wenn der Linienrichter die Fahne hob(gibts das noch?). Fußball ist so schnell geworden in den letzten Jahren, dass 3 Mann bei der Größe des Feldes, des Umfelds und der Anzahl der Spieler auf dem Platz den Job nicht mehr ohne Unterstützung bewältigen können. Zumindest nicht bei höherklassigem Fußball. Und schon gar nicht bei einer Weltmeisterschaft. Was der 4. von außen darf und nicht, ist ja auch hochumstritten. Die FIFA wird sich nicht ewig einmauern können.

Mark #2

Zwar etwas Off Topic aber Hinweis auf eine aktuelle Diskussion in Österreich. Da schreibt ein freier Journalist in der Qualitätszeitung „Standard“, andererseits kassiert er vom ÖOC einen Scheck über 18.000,- Euro. Interessenskonflikt: Nö! Das betrifft doch nur fix angestellte Journalisten so die Meinung dieses Dieners vieler Herren.

Hier ein Link auf einen Online-Artikel:

http://www.oe24.at/money/Topbusiness/OeOC-bezahlte-Standard-Journalist-0733166.ece

Der österreichische Journalist hat die komplette Story ausgegraben, detaillierter als der obige Link.

Martin Sommerfeld #3

Nun ist die FIFA aber auch nicht „Fussball“, ja nichtmal „Profifussball“.
Ein enormer Druck auf sie könnte z.B. entstehen, wenn die großen, reichen europäischen Clubs die Position pro Videobeweis z.B. in den eigenen Ligen und in der Champions League, offensiv vertreten. Also noch deutlich offensiver als mal Magath beim Stammtisch und Wenger im Guardian, z.B. durch Besitzer/Manager/Entscheider wie Rummenigge, Moratti, … Ja schon allein die Einführung in der Premier League, wo es wohl landesbegrenz um das meiste Geld geht, wäre doch ein sehr starkes Signal. Sollte dass dann irgendwann in der CL eingeführt werden, könnte sich die FIFA wohl nicht mehr auf ewig verschliessen, das entwickelt dann wahrscheinlich eine Eigendynamik, gegen die auch Herr Blatter und Co. nicht mehr ankommen.

Berlinerin #4

danke, JW. richtig guter journalismus.

empfehlenswert heute: Braucht diese Pfeife Hilfe? und Die Pfeifen bleiben an der Macht, wobei andreas rüttenauer zwei verschiedene positionen vertritt. bei seinem con verweist er am bsp. manuel neuer – sehr idealistisch – auf eine moralische verpflichtung der spieler, von sich aus die schiris auf fehlentscheidungen aufmerksam zu machen.

Jens Weinreich #5

@ Martin: Ja, da ist was dran. Nur kann ich hier nur das beschreiben, was ich beschrieben habe. Und, lass Dir gesagt sein, so weit ist es gar nicht von der FIFA zu Moratti: Walter Gagg, Sepps wichtigster Berater und seit Jahrzehnten bei der FIFA, hatte bis vor kurzem einen Nebenjob – er war auch Berater von Moratti :)

Berlinerin #6

sorry, weil in eile: nachrtag zu # 4: taz von heute.

Jens Weinreich #7

Finde ich auch interessant den Hinweis von A. Rüttenauer. Wird viel zu oft vergessen: Ja, auch Spieler könnten sagen: Sorry, aber das war ein Tor, das war ein Foul, das war Abseits etc.

Martin Sommerfeld #8

@Jens: War auch keine Kritik an Dir oder dem Artikel, sondern nur eine Variante wie es auch gegen Widerstände vielleicht doch kommen könnte

Zu Rüttenauer: Naja, sicher, Henry hätte 100% was sagen sollen. Bei Neuer wäre ich nur 75% sicher, war ja immerhin im Bruchteil einer Sekunde, bis der Ball wieder in der Luft war, er redet sich mit „nur auf den Ball geguckt “ raus. Wahrscheinlich ist es nicht, ausgeschlossen auch nicht. Beim argentinischen Tor sehe ich null Bringschuld des Stürmers, in so einem Moment muss dem nicht zweifelsfrei klar sein, ob er im Abseits stand oder nicht.
Und für die diversen falschen Platzverweise bringt die Argumentation eh nichts. Auf „hey, so schlimm war das nicht, musste nicht gelb-rot geben!“ dürften die Schiris eher selten eingehen.

Rob #9

In der heutigen Situation werden nicht viele Spieler auf die Idee kommen, Fehlentscheidungen von sich aus korrigieren.

Vielleicht würde aber bereits die Existenz eines Videobeweises Verhaltensänderungen bewirken. Beispiel der Elfmeter für die Slowakei von gestern. Sah nach einem klaren Foul aus, in der ersten Zeitlupe immer noch, aus anderer Position: sauber eingefädelt, böse geschundener Elfmeter.

Macht der Stürmer das auch, wenn er befürchten muss, dass er sofort auffliegt? Oder versucht er nicht doch, auf den Beinen zu bleiben und ein „normales“ Tor zu schiessen?

Bale #10

Man stelle sich vor bei Fussball gewinnt immer der Bessere und es gebe keine Fehlentscheidungen. Langweilig. Und bei jeder strittigen Situation wird nach dem Videobeweis gerufen … Furchtbar. Lasst den Fussball wie er ist.

vib #11

Als wenn bei Fußball ohne Fehlentscheidungen immer der Bessere gewinnen würde. Dann wäre Deutschland bei Weltmeisterschaften wohl kaum so erfolgreich ;) Kräftig gezuckt hats bei mir, als ich las, dass der Schiedsrichter von Deutschland – Ghana in Brasilien in einen Korruptionsskandal verwickelt war. Offensichtlich darf fast alles bei der WM pfeifen – warum nicht auch (indirekt) Kameras und Computer?

Berlinerin #12

@Rob:

Oder versucht er nicht doch, auf den Beinen zu bleiben und ein “normales? Tor zu schiessen?

das wäre doch eines der wichtigsten ziele der debatte um schiedsrichter und technische hilfsmittel bei großen turnieren.

Julia #13

@Rob: Genau das ist ein ganz wesentlicher Punkt, finde ich. In der jetzigen Situation von einem Spieler ernsthaft zu erwarten, dass er sagt „Och nö, so schlimm war das jetzt gar nicht“ halte ich für utopisch. Die meisten versuchen mit allerlei Ausschmückungen den eigenen Vorteil zu erreichen, winden sich mit verzerrtem Gesicht auf dem Boden, simulieren Schnappatmung und wollen so dem Schiedsrichter signalisieren, wie schlimm es war – auch wenn sie nicht mal berührt wurden. Gibt es einen Statistik darüber, wie viele Schwalben entdeckt werden?

Gäbe es technische Möglichkeiten, das zu entlarven, würde eine Trendwende folgen, irgendwann.

enrasen #14

Was sagt eigentlich Mr. Colina? Hat der nicht die Schiri Doku „gemacht“? Der müsste doch eine starke Meinung haben und diese auch vertreten? Oder ist der auch ein FIFA Funktionär?

Thomas H #15

@jw: der KStA titelt hier (inzwischen?) nur noch „die Fifa schweigt eisern“.
„(aktualisiert 29.06.10, 09:50h)“

Berlinerin #16

nit mööööööööglich: Schiedsrichter-Fehler: Fifa-Boss Blatter will über Videobeweis diskutieren!

Aber ohne öffentlichen und wirtschaftlichen Druck wird das ausgehen wie das hornberger schießen.

andreas #17

„Das Schweigen der Schlemmer“ scheint geändert worden zu sein in „Die Fifa schweigt eisern“. Da fand ich erstere Überschrift auch wesentlich charmanter.

Laie #18

Seine Majestät bewegt sich!

Jens Weinreich #19

Ja, Laie, und ich versuche noch rauszukriegen, wo er das gesagt haben könnte. Zunächst dachte ich, er sei heute in Pretoria beim dritten Termin mit den WM-Schiedsrichtern aufgetaucht. Gerade lese ich in einer Nachrichtenagentur, es habe ein „Pressegespräch“ gegeben. Wenn ja, dann war ich nicht eingeladen. Oops.

cf #20

Aber das ist ja einfach nur noch lächerlich. Wenn Sepp das ernst meint mit der Diskussion und dem Sich-Gedanken-Machen. Hat er denn ernsthaft geglaubt, dass von solchen Fehlern irgendwelche menschliche Wärme ausströmt? Dass die Leute, allen voran natürlich die Engländer und Mexikaner, sagen: „Ja, das ist Fußball, genau so und genau deswegen lieben wir ihn!“? Es war doch von Anfang an für jeden vernunftbegabten Menschen klar, dass das nur hohles Geschwurbel sein konnte. Dass ausgerechnet England so ein Wembley-Tor™ schießt, war natürlich nicht vorauszusehen, aber grundsätzlich war es doch nur eine Frage der Zeit, bis so etwas passieren würde. Und doch wird jetzt, nach ein paar entsprechenden Situationen, alles wieder zur Disposition gestellt? — Entweder ist die signalisierte Diskussionsbereitschaft nichts als ein geheucheltes Lippenbekenntnis, eine Spielverzögerung, oder aber Sepp hatte wirklich an sein weltfremdes Geschwurbel geglaubt nud ist jetzt plötzlich aus seinem schönen Traum erwacht. Beides würde kein gutes Licht werfen auf die FIFA und ihren Joseph „Sonnenkönig“ Blatter. Mit einem immerhin hat er Recht gehabt: die Leute diskutieren — nur eben nicht über die vermeintlich strittigen Szenen, sondern über die Leistung der Schiris und die Sturköpfigkeit der FIFA. (Tja, Herr Blatter, das ist nämlich so: anders als ’66 kann es heute aufgrund der 100.000 Kameras an allen Ecken des Stadions zu den entscheidenden Szenen schlicht keine zwei Meinungen geben.)

enrasen #21

#19 @jw: Ist da der Hofberichterstatter der FIFA etwa beleidigt? :-)

sportinsider #22

@martin sommerfeld: Zum Thema 75% Ehrlichkeit von Manuel Neuer. In der ARD hat er unmittelbar nach dem Spiel sinngemäß von schnellem weiterspielen gesprochen, damit der Schiedsrichter nicht zum Nachdenken kommt. Er hat 100% gewusst das das Ding drin war. Moral-Diskussionen sind ja immer etwas ermüdend. Auch ist das schummeln kein „Exklusivrecht“ im Sport. Jedoch wäre Neuer ein ganz großer gewesen wenn er zum Referee hingegangen wäre und Flagge(gemeint ist Rückgrat) gezeigt hätte: Sorry, der Ball war drin.

Neuer fällte bewußt eine andere Entscheidung. Er reiht sich damit ein in die Reihe der Schweiger oder von der Hand Gottes referierenden Spieler wie Maradona, Henry oder Fabiano ein.

Jens Weinreich #23

@ enrasen #21: Nöö.

a) nur persönlich enttäuscht vom Sepp und der Feigheit und Verschlagenheit seiner PR-Gesellen, die stets freundlich tun, aber bestimmte Typen (Jennings, Kistner, Weinreich) gern draußen haben.

b) entgehen mir Einnahmen. Ich hätte gern drüber geschrieben und die Umstände seiner lächerlichen Ausführungen erläutert. Da ich nach Möglichkeit nicht abschreibe, kann ich heute also niemandem einen Text anbieten.

Gua #24

Das heißt also auch, dass du (natürlich) noch keinen Termin mit Sepp hast?
Würde mich nämlich nicht so überraschen.

Jens Weinreich #25

Gua: Weder bei Zakumi noch bei Sepp. Willst Du stänkern? Ich schaue mal, ob der Sepp feige ist. Versprochen ist versprochen. Natürlich kam einiges dazwischen, etwa die ISL-Nummer.

trebor #26

Einbruch bei der FIFA

JW, du hast ein großes Herz! Denkst immer an deine treuen Leser! ;)

Gua #27

Nö nö, wollte ich einfach nur so wissen.

Jens Weinreich #28

@ trebor: Pssst!!!! Darf niemand wissen. Btw: Wie viel kostet das Kilo Übergepäck von hier nach Deutschland?

@ Gua: Gut so. Kleinlaut gefällst Du mir besser.

Laie #29

@ JW: Es muss ein sehr, sehr kleines Pressegespräch gewesen sein, das Herr Blatter da hinter Deinem Rücken gehabt hat, denn der knappe Wortlaut ist ja überall dasselbe. Vermutlich hat er diese drei Sätze genau einem ausgewählten Agentur-Journalisten gesagt, damit in den Medien etwas Ruhe einkehrt. Auch macht es ja durchaus den Eindruck, als sei er damit seinen Mitarbeitern und Kollegen in den Rücken gefallen – ein wahrhaft majestätisches Verhalten (es fehlt nur noch ein lässig dahingesagtes „Was stört mich mein Geschwätz von gestern“..). Vermutlich lohnt es sich aber doch, vor Ort am Ball (hihi) zu bleiben, denn in einem etwas längeren Gespräch könnte man nun wohl über konkrete Pläne und Vorstellungen mit dem Herrn reden. Und vielleicht trauen sich ja jetzt, nachdem das Denkverbot von höchster Stelle gebrochen worden ist, auch ein paar andere aus ihrer Deckung. Toi toi toi…

Wolfgang #30

Ich habe heute noch kein Bierchen getrunken, sehe aber in Deinem Beitrag diese Formulierung doppelt:

„Es fällt auf, dass sich immer nur ehemalige Schiedsrichter zum Technik-Einsatz bekennen“

Absicht?

Trainer Baade #31

Auf die Fairness oder Einsicht der Spieler zu hoffen, ist utopisch. Das funktioniert nicht mal _unterhalb_ der Kreisliga. Da wird genauso der Vorteil, und wenn er Beschiss ist, gesucht wie im Profifußball. Das hat auch mE nichts mit dem Geld zu tun oder mit dem Ruhm, um den es da geht, sondern mit der Persönlichkeitsstruktur von Menschen, die halt den Ehrgeiz haben, ein Spiel zu gewinnen. Lautere Typen, die ein Foul oder ein Handspiel zugeben, oder anzeigen, wenn der Ball im Aus war, wenn er es war, muss man mit der Lupe suchen. Im Profifußball, wo sich in aller Regel nur besonders ehrgeizige Charaktere hinverirren, auf so etwas zu hoffen, grenzt an … irgendwas, aber nicht an Realitätssinn.

Olli #32

Nur kurz zur Moral: Der Ball ist doch hinter Neuer aufgesprungen, sodass er ihn gar nicht gesehen habe kann und vielleicht nur ein dumpfes Gefühl hatte, aber so lang niemand 100%ig sicher ist, dass der Ball wirklich im Tor war, kann man auch nicht verlangen, dass sie dem Schiedsrichter etwas sagen müssen.

So ein Jeder-im-Stadion-hat’s-gesehen-Gequatsche ist hinterher immer leicht, die Schiedsrichter und die Spieler stehen ja viel tiefer als die meisten Kameras und haben dadurch gar nicht den Blickwinkel. Wie oft sitzt man gut postiert im Stadion und hat von einer Situation eine ganz andere Einschätzung als später im TV. Natürlich wäre es ein riesiger Moment für das Fair-Play, wenn z. B. Klose nach dem schnellen Abschlag von Neuer die Abwehr umkurvt und dann vor dem leeren Tor abbricht und dem Schiedsrichter sagt, dass der Ball der Engländer drinnen war. Schöner als der Sieg jetzt, aber in der Situation zu viel verlangt.

Jens Weinreich #33

@ Wolfgang #30: Nein, nur Schlampigkeit. Sorry.

Olli #34

Zu Fabiano: Ich hätte da auch mit Videobeweis nicht die Tatsachenentscheidung überstimmt, weil es meiner Meinung nach keine Absicht war.

Zwei Spieler springen zum Kopfball hoch, wenn man das richtig macht, muss man die Arme mit hoch nehmen, der Gegenspieler drück vielleicht noch etwas den Arm hoch, vielleicht bekommt der Ball noch eine kleine Windböe ab und schwups landet der Ball am Oberarm. Solche Flipperbälle gehören zum Fußball. Ärgerlich, wenn aus so einer Situation ein Tor entsteht und die Sympathien eher beim Gegner sind, aber da gleich von Vorsatz sprechen… nee.

sportinsider #35

@Trainer Baade: Einspruch Euer Ehren. Über diesen Pfad der Trainingslehre mag ich nicht vgehen. Klose hat 2005 die Courage gehabt und einen unberechtigten Elfmeterpfiff für Werder Bremen gegen Arminia Bielefeld aufgeklärt. Er signalisierte dem Referee das es kein Foul seines Gegenspielers war. Wir reden hier vom Torschützenkönig der WM 2006 und 99-fachen Nationalspieler.

Stefan #36

Vielleicht ist SM nur mit halbem Herzen bei der Schiri-Sache, weil er in Frankreich eine Einmischung der Politik gewittert hat. Man kann ja nicht überall zugleich sein. ;-)

Trainer Baade #37

@36 Ich sagte ja: Mit der Lupe suchen. Wie viele Fehlentscheidungen gibt es pro Spieltag, bei denen den Begünstigten ihr illegaler Vorteil klar ist, und wie viele Meldungen gibt es? Dass Sie irgendein Beispiel von vor x Jahren heranziehen müssen, zeigt doch nur umso deutlicher, dass man auf die Spieler nicht zu hoffen braucht.

Adorno #38

@ Olli #32:

Das Foto hier sollte die Diskussion ob er den Ball im Tor gesehen hat oder nicht ziemlich schnell beenden. Er hat ihn definitiv gesehen.

sportinsider #39

@Trainer Baade: Klose war nur ein prominentes Beispiel eines deutschen Nationalspielers. Der rumänische Nationalspieler Costin Lazar hat das selbe im vergangenen Jahr bei einer Partie von Rapid Bukarest gegen Otelul Galati gemacht.

Fairplay. Diese Chance hatte Neuer auch.

Der alte Brecht hat natürlich nichts an Aktualität eingebüßt: Erst kommt das Fressen und dann die Moral.

Mir erzähle dann aber bitte keiner etwas von Vorbildwirkung der Fußballer auf die Jugendlichen etc. Wird ja gerne auch von den Funktionären erzählt und in PR Aktionen versucht zu verkaufen.

Stefan W. #40

Da, wo es wirklich ums Fressen geht mag es anders sein, aber ich glaube das Verhalten wird langfristig geprägt, und in der konkreten Situation spielt es keine große Rolle mehr, was auf dem Spiel steht, sondern der Spieler tut, was er antrainiert und verinnerlicht hat.

Und ich finde es etwas viel verlangt, wenn der Spieler sein Fehlverhalten gestehen soll, und evtl. wegen einer Falschaussage zu seinen eigenen und seiner Mannschafts Gunsten bestraft wird. Als rechtsstaatliches Prinzip gilt, daß ein Angeklagter sich nicht selbst belasten muss – wieso? Gelten diese Gründe vielleicht auch im Sport?

Schön finde ich es immer, wenn ein Spieler soviel Fairness zeigt. Aber in der Hitze des Gefechtes stellt sich die Lage auch oft anders dar, als am nächsten Tag, wenn man ausgeruht und frisch geduscht ist, und weiß, was die anderen am Bildschirm gesehen haben.

Stefan W. #41

Dem Hausherrn muss ich noch hier widersprechen:

„Diese Aussage wird ebenfalls als Nonsens entlarvt, nicht nur am Sonntag, als sowohl das Lampard-Tor (bei England gegen Deutschland) als auch das Abseits-Tor von Tevez (bei Argentinien gegen Mexiko) in wenigen Sekunden geklärt und die Fehler korrigiert hätten werden können.“

Eine Konterchance kann in 1-2 Sekunden verflogen sein, d.h. die Beobachtung stimmt – in wenigen Sekunden könnte per Video etwas geklärt werden – aber die Schlußfolgerung ist falsch. Dispute würden als Mittel benutzt Konter zu unterbinden, der Konter würde aussterben, Fußball würde zu einer Art Handball mit Formationsbildung am Strafraum.

Martin Sommerfeld #42

@Stefan W.
Dagegen (Konter verhindern)) gibt es doch aber Möglichkeiten. Entweder man wartet auf eine Spielunterbrechung (was bei Toren und roten Karten NIE ein Problem ist) oder die Anzahl wird begrenzt oder oder… müsste man vielleicht ausprobieren.
Das ist doch überhaupt das Ding: Niemand, auch nicht der Hausherr, behauptet jetzt schon in allen Einzelheiten das ideale System in der Tasche zu haben. Worum es geht ist, dass es nichtmal diskutiert, geschweige denn mal ausgetestet wird. Keine Ahnung, eine Saison DFB-Pokal ab Viertelfinale oder so.

Laie #43

Die scheidenden Nationaltrainer Raymond Domenech und Verbandspräsident Jean-Pierre Escalettes mussten sich im Kultur- und Bildungsausschuss den Fragen französischer Abgeordneter stellen. Die Sitzung war allerdings nicht öffentlich. Vertreter der Regierungsfraktion UMP verlangten, dass ein Untersuchungsausschuss eingesetzt wird. Der Weltfußball-Verband FIFA hatte gestern davor gewarnt, dass die Politik sich einmischt. FIFA-Chef Blatter drohte sogar mit dem Ausschluss Frankreichs von allen internationalen Wettbewerben.

Quelle: wdr.de

Stefan W. #44

@43: Martin S.: Ich denke ob Tor oder nicht, ob rote Karte oder nicht soll durch das Video erst geklärt werden?

Der Ball prallt also von der Latte ab, und der Schiri läßt weiterlaufen, und auf der Gegenseite macht Klose ein Tor, und in der Unterbrechung entscheidet der Schiri dann auf Tor für England?

Selbst wenn das Spiel sowieso unterbrochen ist, ist es nicht angehalten. Wenn es Torabschlag, Aus, Ecke oder Freistoß gibt wird nicht notwendigerweise 10s auf irgendwen gewartet, sondern es kann schnell weitergehen – solange der Schiri nicht Fernsehen kuckt.

Laie #45

Nigerias Präsident hat den Fußball-Verband aufgelöst
Der nigerianische Präsident Jonathan hat den Fußball-Verband seines Landes überraschend aufgelöst. Zudem zog er die nigerianische Nationalmannschaft für die kommenden zwei Jahre von allen internationalen Wettbewerben zurück. Grund dafür sei die schlechte Leistung der Mannschaft bei der Weltmeisterschaft, sagte sein Sprecher. Die Mannschaft war über die Vorrunde nicht hinausgekommen. Die FIFA lehnt eine Einmischung von politischer Seite strikt ab. Dem nigerianischen Fußball-Verband droht nun die Suspendierung durch die Fußball-Weltverband.

Quelle: wdr.de

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