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Goodbye England oder: Ärger mit der Ex

veröffentlicht: 16. Mai 2010, 22:22 - zuletzt bearbeitet: 17. Mai 2010, 12:30 - 11 kommentare 

Dumm gelaufen für England.


Am Freitag wurden mit großem Brimborium in Zürich die Bewerber-Dokumente der WM-Interessenten 2018/2022 an FIFA-Boss Sepp Blatter und seinen Generalsekretär Valcke übergeben. England, mit David Beckham im Home of FIFA, galt im Wettbewerb um die Fußball-Weltmeisterschaft 2018 zwar zuletzt nur als Außenseiter – hinter der Totaldemokratie Russland, wo Wladimir Putin und seine Diebe im Gesetz mächtig werkeln. Seit einer hübschen Enthüllung der Mail on Sunday (Daily Mail) dürfte es nun ganz vorbei sein.

Denn dummerweise hat Lord David Triesman, bis eben noch Chef der Football Association und des Bewerberkomitees, in einem Gespräch mit seiner Ex (Melissa Jacobs) das erzählt, was eh alle in der Szene tuscheln:

Zum Nachlesen:

‘My assumption is that the Latin Americans, although they’ve not said so, will vote for Spain. And if Spain drop out, because Spain are looking for help from the Russians to help bribe the referees in the World Cup, their votes may then switch to Russia.’

At this point, Miss Jacobs asks: ‘Would Russia help them with that?’

Lord Triesman: ‘Oh, I think Russia will cut deals.’

Miss Jacobs: ‘Why will Russia help? Are Russia in the World Cup?’

Lord Triesman: ‘No, they’re not.’

Miss Jacobs: ‘Oh no they’re not, they’ve got nothing to lose?’

Lord Triesman: ‘Absolutely nothing at all to lose. Exactly.’

Zum Nachhören:

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

Was lernen wir daraus? Mann sollte die Ex schon mal fragen, ob sie nicht zufällig ihr iPhone auf Aufnahme gestellt hat, wenn Mann mit heißen Insider-Geschichten angibt.

Es ging beeindruckend schnell (anders als gewöhnlich beim DFB): Lord Triesman ist die längste Zeit FA- und Bewerbungschef gewesen. Warum eigentlich? Gegen welchen Paragrafen des abenteuerlichen FIFA-Ethikcodes hat er verstoßen?Die FA teilt mit:

The FA Board today met at Wembley Stadium to discuss allegations published in a national newspaper which have been attributed to The FA and England’s 2018 FIFA World Cup Bid Chairman Lord Triesman.

After fully discussing and considering the alleged comments with Lord Triesman, The FA Board accepted his resignation as FA Chairman and Chairman of the World Cup Bid Board with immediate effect.

Lord Triesman said: “I have decided to resign as chairman of The FA and the 2018 Bid board.

“A private conversation with someone whom I thought to be a friend was taped without my knowledge and passed to a national newspaper. That same friend has also chosen to greatly exaggerate the extent of our friendship.

“In that conversation I commentated on speculation circulating about conspiracies around the World. Those comments were never intended to be taken seriously as indeed is the case with many private conversations.

“The views expressed were not the views of the 2018 Bid board or the FA. Nobody should be under any misapprehension that The FA or 2018 Bid board are disrespectful of other nations or FIFA and I regret any such inference that may have been drawn from what has been reported.

“Entrapment especially by a friend is an unpleasant experience both for my family and me but it leaves me with no alternative but to resign. I have immediately informed The FA Board of my decision.

“I have enjoyed hugely my time at The FA and the Bid and feel I accomplished a great deal in areas I love – qualification for the World Cup in South Africa, healthy growth in grass roots, women’s and disability football, and changes in the representation of fans who are the lifeblood of English football and the involvement of our diverse communities. The 2018 FIFA World Cup Bid has made enormous progress both around the world and in the technical bid in England. I wish everyone associated with FA all the very best for what is a very exciting future for the game we all love.”

The FA Board have today appointed Board members David Sheepshanks (Chairman of the Professional Game Board) and Roger Burden (Chairman of the National Game Board) as joint acting Chairmen of The FA.

Vice-Chairman Barry Bright will take on the role of acting Chairman of The FA Council and will chair this week’s AGM.

Speaking on behalf of all the Board Barry Bright said: “The Football Association would like to thank Lord Triesman for his efforts over the past two and a half years as the first independent Chairman of The FA. The Board expressed its considerable regret at the circumstances of his departure and wish him and his family well for the future”.

The FA Board also gave its unanimous support to the World Cup Bid and is working with the Bid Board to plan the most effective way forward.

Der erste Nachtrag, 22.53 Uhr: Ich habe es geahnt, dass diese Geschichte noch viele lustige Pointen generieren wird. Die nächste lautet: Lord Coe, der beurlaubte Ethik-Chef, kehrt in FIFA-Gefilde zurück! Gerade meldet insidethegames:

Coe , now the chairman of London 2012, is due to speak to FIFA President Sepp Blatter tomorrow to try to begin to repair the damage caused by Triesman’s comments, he told insidethegames.

Geoff Thompson, the former chairman of the Football Association and England’s representative on the FIFA Executive Committee, is set to take over as the new chairman of the World Cup with David Dein, the former Arsenal vice-chairman, as his deputy.

Englischer Humor.

23.17 Uhr: Geoff Thompson confirmed as Chairman, meldet die Bewerber-Webseite.

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11 kommentare zu “Goodbye England oder: Ärger mit der Ex”

    1. Sebastian am 16. Mai 2010 - 22:31 -

      Klassisches Eigentor…

    2. Tweets die Goodbye England oder: Ärger mit der Ex : jens weinreich erwähnt -- Topsy.com am 16. Mai 2010 - 23:13 -

      [...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von Jens Weinreich erwähnt. Jens Weinreich sagte: Goodbye England oder: Ärger mit der Ex http://bit.ly/9ZZlTu #wm2018 #lordtriesman #korruption #fifa [...]

    3. nocheinjurist am 17. Mai 2010 - 05:36 -

      Quasi eine unvollendete Vorstellung der Verschwörung. Mir fehlt der Wettaspekt. Mit dem gewonnenen Geld könnte man unter anderem seine Bewerbung finanzieren oder es für schönere Sachen ausgeben. Und natürlich: Mal sehen, wem es am Ende nützt.

      Bin gestolpert über die Bezeichnung “first independent chairman” – kann mir jemand helfen, was es damit auf sich hat?

      Ein Brite hat mir mal den Unterschied zwischen “News of the world” und “Daily Mail” erklärt. Ungefähr so: Bei “News” wüssten die Briten, dass es keine Zeitung sei, und dass man die sich zur Unterhaltung kaufe. Die “Mail” dagegen verbreite den Eindruck, eine Zeitung zu sein, sei aber letztlich nicht das, was man sich unter Zeitung vorstellt.

    4. Gua am 17. Mai 2010 - 07:24 -

      Danke Jens, dieser Beitrag kommt jetzt, wo es gefühlte ARD-Brennpunkte wegen einer Verletzung unbekannter Schwere gibt (wie mich die WM jetzt schon nervt ;)), genau richtig!

    5. Jens Weinreich am 17. Mai 2010 - 10:21 -

      @ nocheinjurist: Alles Schlechte, was sich über die Mail erzählen lässt, stimmt garantiert. Ich habe davon keine/kaum Ahnung, lese auch nur regelmäßig Horror-Stories. Was ich aber weiß: Die Mail hatte vor einigen Jahren eine vorzügliche sportpolitische Berichterstattung über die FIFA, den ISL-Skandal, unseren Freund Sepp und seine Kumpane – von Andrew Jennings. Er schreibt zwar nun auch schon etliche Jahre nicht mehr für die Mail, damals aber war das sehr erstaunlich, die haben sogar Recherchereisen finanziert.

      Undenkbar, dass sich deutsche Boulevardblätter ähnlich kritisch und enthüllend mit Vorgängen im DFB und in der FIFA beschäftigen.

      Wenigstens das wollte ich zur Verteidigung der Mail, deren verantwortlicher Editor längst nicht mehr da ist (ich meine, er arbeitet jetzt für die FA :), flink mal los werden. Mehr nicht.

      Und diese Geschichte ist doch einfach hübsch. Ich kann derlei Methoden – Journalistenverbände und Ethiker bitte weghören -, also verdeckten Mitschnitten, sogar etwas abgewinnen. Das Ergebnis gefällt mir.

    6. nocheinjurist am 17. Mai 2010 - 10:57 -

      @ jw: klar, die Geschichte wollte ich nicht anzweifeln. sondern nur davor warnen, aus der Qualität der einen auf die Qualität der nächsten Mail-Geschichte schließen zu wollen. Und, wie man sieht, hat die Mail ja manchmal den richtigen Zugang…

    7. FA-Boss Triesman tritt von allen Ämtern zurück | Lattenpendler am 19. Mai 2010 - 19:13 -

      [...] Jens Weinreich findet sich ebenfalls ein Beitrag “Goodbye England oder: Ärger mit der Ex” und im Blog “Medien Sport Politik” gibt es ebenfalls einen lesenwerten Text zu diesem [...]

    8. Aussiedler am 20. Mai 2010 - 17:23 -

      Ich habe ja keine Ahnung von dem ganzen Business, aber mich interessiert doch brennend, wieso der Herr Triesmann einfach so dein Rückzieher macht, ohne sich zu verteidigen.

      Wenn zudem noch – wie hier behauptet – diese Gerüchte sowieso schon die Runde machen, müsste dann nicht irgendjemand mal dieser Sache nachgehen? Zumindest für die Boulevardmedien wäre das doch ein gefundenes Fressen, so eine Bestechungsgeschichte. Aber nicht mal die berichten darüber. die berichten lieber über das Aussehen von Frau Jacobs…

    9. Wenlock und Mandeville : jens weinreich am 21. Mai 2010 - 20:32 -

      [...] Olympia und seine Maskottchen. Der nächste Teil aus dem Horror-Kabinett. Die nächste Glanztat des Ethik-Urlaubers Lord Coe, bevor er sich Englands WM-Bewerbung vornimmt. Wenlock und Mandeville heißen die beiden [...]

    10. Grüße aus Usbekistan und Südamerika: die Schiedsrichter der ersten sechzehn WM-Spiele : jens weinreich am 5. Juni 2010 - 22:29 -

      [...] fühle mich da sehr an die Aussagen von Lord Triesman erinnert, die der kürzlich (unwissentlich) zu Protokoll gegeben hat, von denen er aber später nichts mehr wissen wollte: ‘My assumption is that the Latin Americans, [...]

    11. Südafrika, Tag 24: das Schiedsrichterproblem und das Schweigen der FIFA-Schlemmer : jens weinreich am 29. Juni 2010 - 00:08 -

      [...] Fußballverbandes, nicht ganz Unrecht hatte, als er kürzlich darüber sprach, bei der WM würden die Schiedsrichter auf diversen Wegen instruiert, um etwa Spanien zum Titel zu führen. Schiedsrichter-Obmann der FIFA ist ebenfalls ein Spanier: [...]

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