Kleiner Rückblick: Sepp Blatter, die milliardenschweren TV-Rechte, Leo Kirch und die ISL

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KAPSTADT. Möchte mal jemand einen Original-Milliardenvertrag sehen, in dem die TV-Rechte der Fußball-Weltmeisterschaften geregelt werden?

Kein Problem, zeige ich gern, habe ich noch nie gezeigt. Hier also das so genannte Shortform-Agreement, einst abgeschlossen zwischen der FIFA, der ISL (Sporis Holding) und Leo Kirch (Taurus Film) mitsamt aller Zahlungverpflichtungen. Was fehlt, sind eigentlich nur etwaige Bestechungssummen, sollte es die gegeben haben, rein theoretisch.

Ich übertreibe es mal wieder mit dieser Nachtlektüre.

Andreas fragt in den Kommentaren zum Beitrag “Katar und die WM 2022: Fußball im Kühlschrank”, wie “man eigentlich logisch erklären” könne, dass für die TV-Rechte an der Fußball-WM 2006 plötzlich 1,5 Milliarden CHF gezahlt wurden, wo doch für die drei Weltmeisterschaften zuvor (1990, 1994, 1998) nur 340 Millionen CHF gezahlt worden sind. Nun, die Antwort lautet:

  1. Die Verträge zuvor waren vom damaligen FIFA-Generalsekretär Joseph Blatter dilettantisch ausgehandelt.
  2. Die Verträge 2002 und 2006 mussten offenbar an die ISL-Gruppe (die damalige Holding war die Sporis, aus der später die ISMM wurde) vergeben werden.

    Denn die ISL hatte im Dezember 1995 im japanischen Karuizawa überraschend vom IOC den Laufpass bekommen und wurde aus dem TOP-Programm katapultiert. Und ohne die IOC-Sponsorenrechte bzw. das Makeln derselben, was mit 20 Prozent Provision plus Erstattung sämtlicher Kosten vergütet wurde (kein Wunder, dass Richard Pound und Michael Payne damals den Vertrag auflösten), hätte die ISL-Gruppe nicht mehr existieren können.

    Binnen eines halbes Jahres wurde aus der ISL, die bis dahin nur Sponsorenrechte im olympischen Bereich gemakelt hatte, eine TV-Vermarktungsfirma. Jean-Marie Weber (ISL/Sporis) verbündete sich mit der Taurus des Leo Kirch. Der wiederum hatte damals in der Schweiz in aller Stille die Vermarktungsfirme Prisma gegründet und zahlreiche Experten aus anderen Firmen abgeworben – in weiser Voraussicht, dass er mit der ISL die WM-TV-Rechte erwerben würde.

Nachfolgend das entsprechende Kapitel aus dem Buch Das Milliardenspiel, das ich 1998 gemeinsam mit Thomas Kistner veröffentlicht habe. Das Kapitel ist unredigiert, wurde im Februar 1998 geschrieben. (Der SPIEGEL schrieb damals zum Erscheinen des Buches: “Revolution am Hofe Havelange”)

Insofern ist es wichtig, sich die Erkenntnisse aus dem ISL-Strafprozess hinzuzudenken, wonach die ISL-Gruppe offenbar sämtliche Verträge mit Schmiergeld akquiriert hat – das ist gerichtsfest. Es empfiehlt sich außerdem, mal danach zu googeln, wie Kirch in der Fußballwelt seine Verträge finanziert hat. Da ist einiges publiziert worden, als sein Imperium um die Jahrtausendwende zusammenbrach.

Selbstverständlich sind alle Zitate der nachfolgenden Buch-Passage, etwa aus den Briefen von Eric Drossart und denen von Blatter, mit den entsprechenden Dokumenten zu belegen. Ich habe die alten Fax-Kopien auch noch irgendwo eingescannt im Archiv.

Ich erinnere mich an ein Abendessen mit dem damaligen Kirch-Adlatus und Geschäftsführer Dieter Hahn, der in München einige Journalisten eingeladen hatte. Er sagte damals, er hätte “Das Milliardenspiel” mit größtem Interesse gelesen. Sehr interessant sei die Lektüre gewesen, aber “das Beste”, so Hahn, “haben sie nicht geschrieben”. Tut mir auch leid, ich hätte “das Beste” gern gewusst und juristisch wasserdicht gehabt.

Hier also das Kapitel, für Feinschmecker wie Andreas:


KAPSTADT. Möchte mal jemand einen Original-Milliardenvertrag sehen, in dem die TV-Rechte der Fußball-Weltmeisterschaften geregelt werden?

Kein Problem, zeige ich gern, habe ich noch nie gezeigt. Hier also das so genannte Shortform-Agreement, einst abgeschlossen zwischen der FIFA, der ISL (Sporis Holding) und Leo Kirch (Taurus Film) mitsamt aller Zahlungverpflichtungen. Was fehlt, sind eigentlich nur etwaige Bestechungssummen, sollte es die gegeben haben, rein theoretisch.

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Andreas #1

Hehe, dankeschön für den Text. Ein erneuter Grund, warum es mich ärgert, dass Amazon das Buch nicht mehr vorrätig hat. Aber irgendwann kriege ich das noch :)

Die Geschichte hat leichte Parallelen zu den Verhandlungen mit Visa/MasterCard, zu den Verhandlungen nach der ISL Pleite mit den Gericht von Zug … und immer wieder liest man von Jean-Marie. Der, der dem Ex-Vorsitzenden des Kirch-Nachfolge-Unternehmens infront ein rauschendes Fest zum 50. organisiert hat.

Die Fifa müsse sich zudem „täuschendes Verhalten, welches die Untersuchungen teilweise erschwerte, vorhalten lassen?. Die Zusammenarbeit mit dem Untersuchungsrichter sei „nicht immer nach besten Wissen und getragen vom Grundsatz von Treu und Glauben erfolgt?. Die Fifa habe, internes Wissen „verschwiegen? und eine gezielte „verwirrliche? Argumentation betrieben.

(von Gericht rügt Fifa: “täuschendes Verhalten?)
Man könnte Untersuchungsrichter durch Geschäftspartner und Untersuchungen durch Verhandlungen ersetzen und trifft teilweise die Argumentation von Drossart.

Womit man sicherlich eine ganze Zeit beschäftigt wäre: Eine Grafik, mit den wichtigsten Geschäftsleuten/Funktionären und deren Verbindungen untereinander.

Hach, wenn ich mall groß bin, will ich auch Funktionär werden. Man trifft auf so viele interessante Leute.

Herr Holle #2

@Andreas: Hier gibt es die freie Auswahl.

sternburg #3

Menno: Diesen Eintrag und das Verlinkte muss ich unbedingt lesen, wenn ich für so was wieder Zeit habe.
Könnte mich da so in zwei bis drei Wochen mal jemand dran erinnern? :)

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