World-Anti-Corruption-Agency?

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Kleiner Nachtrag von der Konferenz Play the Game in Coventry:

The idea of an international anti-corruption body in sports has been considerably strengthened, and we see some hope that concrete action will be taken before we meet next time in 2011.

Jens Sejer Andersen, Director Play the Game

Zur Überlegung der Gründung einer Welt-Anti-Korruptions-Agentur und/oder zumindest zum Zusammenwirken verschiedener Institutionen, Journalisten, Sportfunktionäre, Wissenschaftler und NGO’s – mein Beitrag im Deutschlandfunk mit O-Tönen von Jens Sejer Andersen, Christer Ahl und Sylvia Schenk (Transparency International):

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Play the Game, zum sechsten Mal ausgetragen, hat schon immer Initiativen in der Korruptionsbekämpfung gestartet. Im Jahr 2000 versprach beispielsweise das norwegische IOC-Mitglied Gerhard Heiberg, den korrupten Machenschaften im Box-Weltverband AIBA ein Ende zu bereiten. Die Lage in der AIBA hat sich deutlich verbessert, der neue Präsident Ching-Kuo Wu – ein IOC-Mitglied aus Taiwan – sagte seine Teilnahme in Coventry allerdings kurzfristig ab. Eigentlich hatte er über den Reformprozess berichten wollen.

2005 haben im Rahmen von Play the Game Journalisten, Funktionäre und Wissenschaftler gemeinsam mit Transparency International ein Thesenpapier zur Korruptionsbekämpfung im Sport verabschiedet. Vier Jahre später sind die Kontakte zu zahlreichen Institutionen intensiviert. Play the Game-Direktor Jens Sejer Andersen:

Verschiedene NGO wie Transparency International, One World Trust und viele andere, und auch öffentliche Institutionen, die ein Interesse daran haben, dass öffentliches Geld, Steuergeld, nicht in privaten Taschen der Sportfunktionäre versackt.

Der dänische Journalist Andersen hat es geschafft, einen der profiliertesten Köpfe im IOC, den Kanadier Richard Pound, der einst die interne IOC-Kommission zum Bestechungsskandal Salt Lake City geleitet hat, als Berater zu gewinnen.

Wir können nicht Ewigkeiten auf die Sportorganisationen warten, weil die Probleme doch schon zu lange existieren. Jetzt brauchen wir Lösungen. Also, ich glaube, dass diese Konferenz wird zu einem intensiveren Dialog mit den Sportorganisationen führen.

In der Diskussion in Coventry agierte Pound vorsichtig. Denn im IOC werden die Initiativen von Play the Game argwöhnisch verfolgt. So sagte Pound auf die Frage, warum das IOC nichts gegen die Korruption im Handball-Weltverband IHF unternimmt politisch korrekt:

Das Problem ist doch: Ein internationaler Sportverband ist eine separate, autonome Institution, die vom IOC an erkannt wird, weil sie eine olympische Sportart weltweit organisiert.

Da brauchen sie schon sehr überzeugende Beweise zu sagen: Dieser Verband ist total korrupt, dass er, auch wenn er beispielsweise Handball organisiert, nicht mehr zum olympischen Programm gehören soll. Ich sehe das im Moment noch nicht.

Hinter den Kulissen aber ließ Pound kaum Zweifel daran, dass er noch in diesem Jahr, spätestens beim Olympischen Kongress im Oktober in Kopenhagen, branchenübergreifende Vorschläge zur Korruptionsbekämpfung machen wird. Das Problem ist akut, wie in Coventry auch Christer Ahl berichtete hat – der Schwede leitete Jahrzehnte lang die Schiedsrichter-Kommission des Handball-Weltverbandes, saß auch im IHF-Council, und trat kürzlich aus Protest gegen die Machenschaften des Präsidenten Hassan Moustafa zurück.

Wie ich hier mit vielen Kollegen diskutiert habe, ist es ja leider nicht untypisch, was im Handball passiert. Es gibt in vielen anderen Sportverbände Probleme. Aber das heißt bedeutet doch nicht, dass man die Lage im Handball gelassen zur Kenntnis nehmen und akzeptieren sollte.

Am Beispiel Christer Ahl oder auch am Beispiel des Argentiniers Mario Goijman, der einen spektakulären Korruptionsfall im Volleyball-Weltverband öffentlich gemacht hat, zeigt sich aber vor allem auch, dass der Sport alle Abweichler und Aufklärer hart bestraft – sie haben keine Zukunft mehr im System. Das weiß die Vorsitzende der deutschen Sektion von Transparency International, Sylvia Schenk aus eigener Erfahrung aus ihrer Arbeit im Radsport.

Es ist ein Stück weit System, dass man diejenigen ausschließt, die stören. Und wer whistleblowt, also sagt: hier stimmt was nicht, der stört zunächst einmal. Das haben sie im Arbeitsleben in anderen Bereichen aber auch so. Der Sport hat eben ein bisschen auch noch diese Wagenburgmentalität, so dass das entsprechend da ganz gezielt gehandhabt wird und auch sehr deutlich wird, weil es eben sehr oft in der Öffentlichkeit stattfindet.

Sylvia Schenk gehört mittlerweile zu jenen, die die von Play the Game aufgeworfene Idee einer Antikorruptions-Allianz im Sport vorantreiben. Dazu brauche es nicht unbedingt eine feste Institution analog zur Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada). Wichtiger als die Bildung eines neuen Gremiums seien wirksame Mechanismen, sagt sie.

Wenn ich mir die Wada anschaue, wo Politik und Sport doch noch sehr viel Einfluss oder den Haupteinfluss in den Gremien haben, dann bin ich ein bisschen skeptisch, ob das das richtige Modell wäre für so eine solche Anti-Korruptions-Agentur.

Also es muss eine Unabhängigkeit gewährt sein. Wenn da wieder die Sponsoren drin sitzen, die Interesse daran haben, dass der Sport möglichst geräuschlos erfolgreich ist, oder wenn die Politik mit drin ist, die natürlich auch von Erfolgen im eigenen Land oder im jeweiligen Klub profitiert, dann ist das eigentlich schon die falsche Konstruktion.

Es wäre eigentlich schon gut, wenn man einiges aus der Wirtschaft übernehmen könnte, was große Unternehmen inzwischen machen. Von einem Ethik-Code, der nicht nur in der Schublade liegt, sondern wirklich umgesetzt und gelebt wird, über Whistleblower-Hotlines oder unabhängige Ombudsleute, wo Hinweise hingegeben können, zunächst auch anonym, um die dann auch professionell verfolgt werden, um festzustellen: Was steckt dahinter? Und haben wir da ein Problem, mit dem wir umgehen müssen?

Oliver Fritsch #1

Hab vorige Woche mit Bob Hanning, dem Geschäftsführer der Reinickendorfer Füchse, telefoniert und ihn gefragt, wie er die Wiederwahl Moustafas wertet und was das für den Handball und die Liga bedeutet. Antwort: Das sei nicht Sache der Liga, außerdem könne er die Faktenlage aus der Ferne nicht bewerten.

Ralf #2

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