Programmhinweis: Leichtathletik-WM

| 10.08.2009 | 27 Comments

08.46 Uhr: Irgendwann heute Nachmittag (nein: eigentlich in diesem Moment) beginnt die Berichterstattung zur Leichtathletik-WM in Berlin. Ich werde bis zum Nachklapp am 24. August versuchen, wie vor einem Jahr während der Olympischen Sommerspiele in Peking, möglichst viel mitzubloggen, oft auch live, und einen Mix aus aktuellen Notizen, Hintergründen, journalistischem Alltag mit Irrungen und Wirrungen, Dokumenten, Beobachtungen und natürlich sportpolitischen Geschichten anzubieten. Es wird wie immer ein Spagat, zumal ich in der Pflicht stehe, während der WM mein Geschäftskonto zu pflegen – ich werde also für verschiedene Medien produzieren. Der Aufwand für das Blog, der oft genug volle Arbeitstage überschreitet, wird derzeit nur mit Lob und Tadel und mich bereichernde Diskussionen honoriert. Das ist auch ganz schön, das ist sogar wunderbar, begleicht aber nicht meine Rechnungen.

Wenn ich richtig gezählt habe, ist dies meine siebente Leichtathletik-WM. Verpasst habe ich als Schüler und Student Helsinki 1983 und Rom 1987, als Journalist noch Tokio, Stuttgart und Göteborg. Es wird sich also nicht vermeiden lassen, in den nächsten Tagen olle Kamellen aus Athen, Sevilla, Edmonton, Paris, Helsinki und Osaka einfließen zu lassen – natürlich auch Geschichten von den Olympischen Spielen, bei denen ich seit 1992 immer über Leichtathletik berichtet habe. Ich bin ja so ein altertümlicher Mensch, der ernsthaft daran glaubt, dies sei vielleicht hilfreich, um Vorgänge einordnen und Prozesse besser verstehen zu können. Aber ich kann mich natürlich täuschen.

Kurzum: Manche werden die Berlin-Tagebücher wieder als peinliche Klassenfahrt-Berichte abtun, manch einer wird hoffentlich etwas Interessantes finden, manch einer wird vehement behaupten, hier dominierten Ironie, Sarkasmus und vielleicht sogar – ganz, ganz schlimm: Polemik -, manch einer wird mangelnden Respekt vor der Sportfamilie monieren, und manch einer wird gar auf die Idee kommen, hier werde zu viel über Doping debattiert, anstatt über tollen Sport zu reden. Dagegen werde ich vermutlich wenig einzwenden haben und kann nur sagen: So ist das Leben. Wer die offiziellen Töne und Geschichten hören möchte, darf sich während der WM - total objektiv und unabhängig natürlich – hier informieren:

Das bringt mich zum Punkt: Hilfestellung für überforderte Journalisten und Schwarm-Intelligenz. Wer kann mir die besten Leichtathletik-Webseiten empfehlen. Unabhängkeit und ein Blick fernab jeglicher PR sind gar nicht nötig, so lange – ganz wichtig in der Leichtathletik – die Fakten stimmen :) Also, beispielsweise: Wer/was/wo sind die besten Statistikwebseiten? Ich kann das gern sammeln und dann für alle in einer gesonderten WM-Seite zur Verfügung stellen.

Ich bin übrigens sehr optimistisch, dass mir der eine oder die andere Leserin in der aktuellen Produktion, am Abend während der Wettkämpfe, mit Informationen aushilft, Zitate vom Fernseher mitschreibt und/oder Korrekturen anbringt, falls ich in der Hektik mal wieder etwas falsch verstehe. Nur zu: Ich bin nicht beratungsresistent, Fehler werden gern und gern sofort korrigiert.

Sportpolitische Gourmets und Stammgäste werden in den kommenden zwei Wochen die üblichen Verdächtigen natürlich nicht vermissen. Der Witzbolt vom Jogging-Gate spielt ohnehin die Hauptrolle im WM-Theater, Lamine Diack (IAAF-Präsident) wünscht sich von ihm einen Weltrekord. Aber auch das UDIOCM (ein Synonym, dass wir uns im Blog kollektiv während der Peking-Spiele erarbeitet haben), der Problembär oder Diacks Freund Jean-Marie Weber mischen mit, denn in Berlin treffen sich dieser Tage die Herren Olympias. Ende der Woche entscheidet das IOC-Exekutivkomitee über jene beiden Sportarten, die 2016 ins Olympische Programm rutschen sollen.

Alles klar? Jetzt hole ich mal meine Akkreditierung.

posted on: 10.08.2009 at 09:44 | updated at: 10:52

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Ralf said on 10. August 2009 at 10:02 #1

trackalerts.com: All Cleared – Athletes set to walk free in drugs case

“The panel met and discussed the evidence and could not find anything to charge the four,? said the source.

Linksaussen said on 10. August 2009 at 11:23 #2

Ich würde die LA-WM wohl ansonsten komplett versäumen, da ich der Rekorde und Supermänner/-frauen einfach überdrüssig geworden bin. Aber hier im Blog werde ich wohl doch ein bißchen mitverfolgen.

ha said on 10. August 2009 at 12:35 #3

Empfehle noch diese musikalische Erklärung (nach etwa einer Minute) für Diacks völlig normale Erwartung:

http://www.jaaaltd.com/

Deshalb erübrigt sich auch jede Info zu den Dopingfällen.

Ralf said on 10. August 2009 at 12:38 #4

IAAF-Präsident Lamine Diack im sid-Interview: “WM wird Euphorie entfachen”

“Wir testen auch zwischen unseren Veranstaltungen, wir haben ein Verbandsschiedsgericht und die maximale Strafe von vier Jahren. 1994 hat uns das IOC sogar aufgefordert, unsere Sanktionen zu mildern, damit es eine Harmonisierung der Strafen gibt. Das hat unser Kongress 1995 abgeschmettert und wir mussten viel Lobbyarbeit betreiben, um 1997 Zustimmung zu erhalten. Wir nehmen pro Jahr rund 3000 Tests vor. Unsere Anti-Doping-Abteilung begann mit drei Mitarbeitern, inzwischen sind es elf. Wenn man dann sagt, die Leichtathletik nimmt den Anti-Doping-Kampf nicht ernst, finden wir es unsererseits ziemlich lächerlich.”

WELT: Welche Muskeln zieh ich heute an?

Aus dem Maschinenraum der neuen Körper: Ines Geipel träumt von der Leichtathletik-WM

anonymator said on 10. August 2009 at 12:47 #5

Eine gute Seite die immer viel Hintergrundinformation zu allen Sportthemen aus wissenschaftlichem Winkel bietet ist

http://www.sportsscientists.com

Da ist heute auch ein ganz interessanter Artikel über Leistungsentwicklungen und Doping gepostet worden.

Ralf said on 10. August 2009 at 13:10 #6

Anna Battke im t-online-Interview: “Es gibt ein regelrechtes Doping-System”

rentner said on 10. August 2009 at 13:47 #7

Kann JW nur zustimmen: Wer den Blick zurück nicht drauf hat, erkennt den Hintergrund der Gegenwart nicht. Viele junge Journalistenkollegen sind Spitze im Wissen um das Hier und Heute, dies einzuordnen misslingt aber allzu häufig, weil sie die Vergangenheit nicht interessiert, oft mit der (dummen) Bemerkung: Da hab` ich ja noch nicht gelebt. Als ich 1983 meine erste (von zehn), LA-WM in Helsinki besuchte, war es sehr hilfreich, zu wissen, was 1952 (damals 13) in Helsinki los war. Im Übrigen empfehle ich dem auf Fakten konzentrierten JW die homepage von “trackandfieldnews.com” und wünsche ansonsten allen, die sich zwecks Arbeit ins Berliner Getümmel stürzen, starke Nerven in der Mixedzone der WM.

B.Schuss said on 10. August 2009 at 14:09 #8

nimm doch dieses Mal auch eine Videokamera mit.
Daraus kann dann direkt ein Dokumentarfilm entstehen. Das dürfte allemal interessanter werden als die Ereignisse auf der Bahn…^^

Chris said on 10. August 2009 at 14:14 #9

@JW:Ich freue mich auf die WM und sie mit diesem Blog zu begleiten. Warum hast du damals die WM in Stuttgart verpasst? Und wieso sind die Presseplätze im Olympiastadion eigentlich so schlecht? Das hattest du mal in einem Beitrag aus Peking erwähnt.

MfG

Peter said on 10. August 2009 at 14:35 #10

Begleitend zur Leichtathletik WM und auch sonstigen Sportgrossveranstaltungen kann ich das Blog The Science of Sport von zwei südafrikanischen Sportwissenschaftler empfehlen. Meist kritisch was Rekordfluten angeht und immer gut mit Zahlen uns Statistiken unterlegt.

In ihrem letzten Post Performance analysis and doping blicken sie auch mal ein wenig zurück und zeigen wie sich Jahresbestleistungen über die Zeit entwickelt haben und welchen Einfluss z.B aufkommen professioneller EPO Medikamente oder Trainingskontrollen auf die Leistungen hatten.

Zu den einzelnen Posts entwickeln sich auch immer wieder spannende Diskussionen in den Kommentaren.

Ralf said on 10. August 2009 at 18:09 #11

JW im Gespräch mit Herbert Fischer-Solms:

Sendezeit: 09.08.2009 19:34
Autor: Weinreich, Jens
Programm: Deutschlandfunk
Sendung: Sport
Länge: 05:52 Minuten

TobiasL said on 10. August 2009 at 20:55 #12

Das freut mich! Den kritisch und sachlichen Kommentar von Dir verfolgen zu können.

Für alles was so “läuft” dringend die kanadische Webseite:
http://www.letsrun.com/
und natürlich:
http://www.sportsscientists.com/
etwas besonderes wegen der vielen Videos
http://www.flotrack.org/

Jens Weinreich said on 10. August 2009 at 21:44 #13

@ TobiasL: Stets sachlich! Nie polemisch :)
Danke für die Links. Ich sammle. Bist Du im Stadion? Jeden Tag? Oder nur Fernsehen?

Jens Weinreich said on 10. August 2009 at 21:52 #14

@ Chris: Ich muss mich natürlich zum Stadion äußern. Und zu den Arbeitsbedingungen. Diese Aufgabe schiebe ich noch ein bisschen vor mir her, ich bin ganz groß im Vormirherschieben. Übrigens habe ich jüngst in einem Kommentar behauptet, die Entfernung von den Presseplätzen zur Ziellinie in diesem Stadion betrage 1936 Meter. Stimmt auch.

@ Linksaussen: Weise Entscheidung! Es wird nicht ganz so schlimm wie die Schwimm-WM. Vesprochen!

@ rentner: Ich dachte, Du treibst Dich auch in Berlin rum, um heimlich Deine elfte von zwölf Weltmeisterschaften zu verfolgen. Gewiss doch, oder?

Jens Weinreich said on 10. August 2009 at 22:06 #15

@ Chris: Ich vergaß, Stuttgart 1993. Ich habe die WM verpasst, weil ich die Akkreditierungsfrist verpasst hatte. Dumm gelaufen für den Anfänger.

TobiasL said on 11. August 2009 at 08:26 #16

Siehst Du Jens, da habe ich mal EINEN Vorteil! Ich muss nicht arbeiten im Stadion, aber noch mehr bin ich auf die Strasse gespannt.
Im “Jesse-Owens-Stadion” ist nicht viel mehr als im TV zu sehen, ausser die Mehrkämpfer, die würde ich gerne mal begleiten.
Ich befürchte viele Absagen im Umfeld der WM, warum auch immer.

Ralf said on 11. August 2009 at 08:37 #17

SZ-Kommentar von Thomas Hahn: Als wäre nichts gewesen

Ralf said on 11. August 2009 at 08:42 #18

Friedhard Teuffel im Tagesspiegel: Doping ist international außer Kontrolle

In Afrika etwa hat es in diesem Jahr noch keine einzige unangemeldete Blutkontrolle gegeben.
[...]
Getestet wird das Blut nämlich vor allem von Athleten, die gerade in der Nähe eines akkreditierten Kontrolllabors sind.

Ralf said on 11. August 2009 at 14:59 #19

Thomas Purschke und Thomas Reichart heute bei Frontal21: WM-Trainer wegen illegaler Präparate verurteilt

Nach Recherchen des ZDF-Magazins Frontal21 erhielt Bernd Dießner im Mai vom Amtsgericht Chemnitz einen Strafbefehl über 4500 Euro, weil er in Deutschland nicht zugelassene Arzneimittel und Nahrungsergänzungsmittel an zum Teil minderjährige Athletinnen verteilt haben soll. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, Dießner hat Einspruch eingelegt.

Ralf said on 11. August 2009 at 18:21 #20
Ralf said on 11. August 2009 at 18:56 #21
Chris said on 11. August 2009 at 20:38 #22

@JW:Danke! Das mit Stuttgart ist ärgerlich…bin gespannt auf die Atmosphäre, wobei ja das ISTAF immer einen guten Vorgeschmack liefert, was das angeht.

Ralf said on 12. August 2009 at 16:06 #23

Radio-Tip: Fair Play als Illusion? – Vor der Leichtathletik-Weltmeisterschaft in Berlin: Der Doping-Faktor im Hochleistungssport

Deutschlandfunk
Mittwoch, 12. August 2009
19:15 Uhr
Zur Diskussion

Diskussionsteilnehmer:
- Gunter Gebauer, Sport-Philosoph, FU-Berlin
- Ines Geipel, Ex-DDR-Leistungssportlerin, Berlin
- Winfried Hermann, MdB, Sportpolitischer Sprecher der Fraktion Bündnis90/Die Grünen
- Jens Weinreich, Journalist und Buchautor, Berlin
Diskussionsleitung: Herbert Fischer-Solms

Ralf Kohler said on 12. August 2009 at 18:58 #24

Hoffentlich wird die WM-Berichterstattung aus Berlin nicht so eintönig/KLISCHEEHAFT wie die zum Bundesliga-Auftakt: Wie oft habe ich da das gleiche Gesabbel gelesen, wonach Millionen von Freitag bis Sonntagabend nur vor dem Fernsehapparat gesessen seien (und das in der Urlaubszeit). Das war durchweg so plump gemacht, dass das kein Mensch ernst nehmen kann.

Ralf Kohler said on 12. August 2009 at 19:03 #25

Ach ja, und die Art und Weise wie das Hü und Hott um Michael Schuhmacher thematisiert wurde – in den Medien – war auch nicht mehr feierlich. Gefälliger Fan-Journalismus.

Die Vielseitigkeit für die die Leichtathletik steht, lässt mich hoffen, dass es bei der WM besser qausschaut.

indykiste said on 13. August 2009 at 01:01 #26

“Die Hoffnung stirbt zuletzt.”
(ja,ja 3€ ins Phrasenschwein!)

Ralf said on 14. August 2009 at 10:27 #27

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