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Die obskure Welt des Gewichtheber-Bosses Tamás Aján (III): Im langen Schatten der fünf Ringe
16.31 Uhr: JW stellt mal die traurige, aber leider erwartbare News des Tages nachträglich voran:
Dr. Tamas Ajan (HUN) has been re-elected as President of the IWF today at the IWF Electoral Congress held in Moscow iwf.net/2013/05/20/dr-…
— IWF weightlifting (@iwfnet) May 20, 2013
Und weiter geht es mit Teil 3 der Recherche von Grit Hartmann:
* * *
Es kommt tatsächlich vor, dass der scheidende IOC-Präsident Jacques Rogge auch nach zwölfjähriger Amtszeit noch als „Visionär“ oder „Erneuerer“ gepriesen wird. Hierzulande geschieht das derzeit sogar häufig. Sportpolitische Berichterstatter, denen der Oberolympier einmal im Jahr ein Interview gewährt, integrieren solche Bewertungen in eine Erzähltaktik, die besagen soll: Hier Rogge, der Reformer des Ringezirkels nach Samaranch, dort Thomas Bach, der Kronprinz und Samaranch-Zögling.
Eigentlich dürfte, dass man mit dem deutschen IOC-Vize nicht auf Reformen spekulieren sollte, auch ohne solche Manöver klar sein, die der schrägen Vorstellung frönen, auf dem IOC-Thron wirke derzeit ein Erneuerer. Dafür müsste man schon Rogges Baby, die Olympischen Jugendspiele (2014 veranstaltet das IOC die Sause in Allianz mit den chinesischen Machthabern in Nanjing, das Versagen beim Pekinger Härtetest 2008 lässt grüßen), für einen genialen Coup halten und die Aufnahme von ein paar neuen Sportarten ins bzw. den vorläufigen Rausschmiss der Ringer aus dem olympischen Programm für originär bei der notwendigen Modernisierung der Spiele.
Längst hat Rogge, der einstige Olympia-Segler, sein Schiff in den Wind gedreht, der schon unter Samaranch wehte. Das erschließt sich spätestens, sobald ungelöste Dauerfragen aus der olympischen Unterhaltungsindustrie, etwa zu bezahlbaren Spielen oder zur WADA-Finanzierung, an Rogges Start gemessen werden. Das Programm nach seiner Wahl im Sommer 2001: „Für die Glaubwürdigkeit des Sports. Gegen Doping. Gegen Korruption. Gegen Gewalt.“ Damals meinte Rogge auch, der Sport habe nur dann eine Zukunft, wenn er „seine ethischen Werte wiederentdeckt“.
Wie hält es also die olympische Familie, wenn einer der Ihren in den Ethik-Fokus rückt?
Die detaillierte Beschwerde der Gewichtheber-Offiziellen zu den unter ihrem Präsidenten, dem IOC-Ehrenmitglied Tamás Aján mysteriös verschwundenen olympischen Millionen böte im Wirtschaftsleben reichlich Indizien, um den Staatsanwalt auf den Plan zu rufen.
Im IOC, das sich seinen Rechtsrahmen selber geben darf, dreht sich die Waschanlage drei Monate. Dann antwortet nicht Rogge. Seine Rechtsabteilung teilt mit, warum der Präsident gegen Ermittlungen der Ethik-Kommission entschieden hat:
Für das formale Daumen-runter-Zeichen und die Feststellung, der Fall sei auf „Anwendung der IWF-Statuten“ bezogen, brauchte es wohl kaum die behauptete „seriöse Analyse“ diverser Unterlagen. Die tiefgekühlten sieben Zeilen sind eher ein Paradebeispiel dafür, was man im IOC unter Transparenz versteht: Sie lassen die Beschwerdeführer rätseln, welche Entlastungsbeweise die IWF vorgelegt haben könnte und warum Aján die dem eigenen Verband vorenthielt.
Und hatten die Kläger nicht angeboten, dem IOC-Präsidenten zur Verfügung zu stehen bei weiterem Klärungsbedarf?
Die IOC-Spitze ist gar nicht interessiert an dem, was die Heber vorzutragen haben. Dem erlauchten Kreis geht es nicht um Aufklärung, das ist das eine Problem. Zum anderen Problem sagt einer der Kläger:
Diese Absage war für uns ein echter Schock.
Zuerst deshalb, weil man sich auf einen Passus in der IOC-Anstandsfibel, im Ethik-Code berufen hat. „Die Olympischen Mittel der Olympischen Parteien“, heißt es scheinbar eindeutig in Abschnitt C, „sollen nur für Olympische Zwecke genutzt werden.“ Die Verwendung der Gelder sei außerdem „klar in der Buchführung“ auszuweisen. Auch tun sich gewisse Abgründe auf zwischen dem abschlägigen IOC-Bescheid und jener „Lebensart“ namens Olympismus, die ja, so lautet das erste der „fundamentalen Prinzipien“ der Olympischen Charta, „auf dem erzieherischen Wert des guten Beispiels“ aufbaut.
Antonio Urso, der Präsident des Europäischen Gewichtheber-Verbandes, und Marino Casadei, einer der IWF-Prüfer, wollen sich so einfach nicht abwimmeln lassen. Sie finden, Rogges Absage stehe im Widerspruch zu „den ethischen Werten des Olympismus“. So steht es in der Klage, die sie als Privatleute dem Internationalen Sportgerichtshof CAS vorlegen. Beklagter: das IOC und sein Präsident.
Die obskure Welt des Gewichtheber-Bosses Tamás Aján (II): Das Rätsel um die verschwundenen Millionen
Es folgt die ergänzte, etwas anders gefasste und mit Dokumenten versehene Version eines Artikels, der in Berliner Zeitung und Frankfurter Rundschau unter dem Titel “In der Waschanlage” erschienen ist. Play the Game hat die Überschrift “IWF president under suspicion of financial mismanagement” gewählt.
„Finanzielle Misswirtschaft“ – das ist die juristisch korrekte Bezeichnung für den Vorgang, den einige Gewichtheber-Funktionäre bisher vergeblich versucht haben, vollständig aufzuklären. Er illustriert, welcher Geist noch immer weht in den olympischen Weltverbänden und warum es – angesichts oft jahrzehntelang gewachsener Abhängigkeiten – so schwer ist, dem etwas entgegen zu setzen.
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Die Geschichte beginnt vor vier Jahren, beim letzten IWF-Wahlkongress in Madrid Ende März 2009.
Oberflächlich betrachtet, ist alles wie immer: Aján, der es liebt, sich mit den Mächtigen zu zeigen, gibt den galanten Gastgeber. Er begrüßt als Ehrengäste die spanische Infantin, den Sportminister, den Vize-Bürgermeister von Madrid. Er herzt den IOC-Kollegen Samaranch Junior und einen, gegen den gerade eine Staatsanwaltschaft Ermittlungen eingeleitet hat, den Handball-Pharao Hasan Moustafa.
Es hagelt Grußadressen und Auszeichnungen.
Alles könnte so sein wie immer, wären da nicht die vielen lästigen Fragen zum Geld.
Wie immer hat Aján auf dünnen drei Seiten Einnahmen und Ausgaben der IWF aufgelistet. Wie immer haben die hauseigenen Prüfer keine Auffälligkeiten entdeckt, im Gegenteil: Sie haben sogar „gratuliert“ zum kleinen Überschuss, den die IWF erwirtschaftet hat.
Auch dass Aján ein wenig jammert bei der Vorstellung des Finanzberichts – mit dem er angeblich seiner Pflicht nachkommt, die Nationalverbände über die „tatsächliche Finanzlage“ zu informieren – ist nicht ungewöhnlich.
„Es war nie leicht“, behauptet er diesmal, „einen angemessenen finanziellen Hintergrund für unsere Aktivitäten zu sichern.“
Die Dokumente dazu:
In den Jahren zuvor klangen die Klagen des IWF-Bosses ähnlich: „Geld ist schwierig aufzutreiben“ (2000), „extrem schwierige internationale Umgebung“ (2002), „IWF ist nicht ausgenommen von globalen Krisen“ (2006) …
Inzwischen aber hören ein paar Funktionäre solche Sätze nicht mehr gern: Zwar wissen die wenigsten, dass Aján sich mit 300.000 Dollar im Jahr fürs Ehrenamt entschädigen lässt – aber kaum einem entgeht, dass die Kosten fürs Budapester Präsidenten-Büro, wo auch der Schwiegersohn als Wettkampfdirektor wirkt, ständig steigen.
- Und nun fragt ein Delegierter, an wen denn die Hanteln gegangen sind, die als Ausgaben unter „IWF-Entwicklungsprogramm“ verbucht sind.
- Ein afrikanischer Delegierter möchte Details zu den Zuschüssen für die fünf Kontinentalverbände, Posten Nr. 15 unter „Ausgaben“, mehr als 300.000 Dollar.
- Und der Italiener Antonio Urso will wissen, warum die aktuelle Bilanz ohne Vermögen eröffnet, wo doch die vorherige mit 1,6 Millionen Dollar im Plus schloss.
Es gibt weitere Fragen.
So viele, dass dem IWF-Boss ein verräterischer Satz entschlüpft:
Den Überblick „über das gesamte Vermögen“ erhalte nur die Exekutive und das IWF-Prüfkomitee.
Das gesamte Vermögen?
Viele Funktionäre hören davon zum ersten Mal.
Die obskure Welt des Gewichtheber-Bosses Tamás Aján (I): Geschäfte mit der Dopingkultur

Tamás Aján (c) IWF
Dies ist der Auftakt zu einem Mehrteiler, der das Innenleben in einem der olympischen Weltverbände nachzeichnet, die weniger im Fokus stehen als FIFA oder UCI: in der International Weightlifting Federation (IWF) unter Tamás Aján, 74. Der Ungar wirkt seit Anfang der 70er Jahre in der IWF-Spitze, zunächst als Vizepräsident, seit 1976 als Generalsekretär, seit 2000 ist er Präsident. Im selben Jahr rückte er ins IOC ein, noch auf Vorschlag des greisen Juan Antonio Samaranch.
Nicht nur biografisch ist Aján ein Sportkarrierist; er gehört auch mental zu dem Typus, den man gern in irgendeinem entfernten Reich der autokratischen Fossile verorten würde – wüsste man nicht, dass die so genannte olympische Familie noch immer dieses Reich ist. Kritikern hält Aján beispielsweise entgegen, es brauche schon „ein Buch“, um all die „revolutionären Verbesserungen“, die er fürs Gewichtheben erreicht habe, auch nur „aufzulisten“.
Das Zitat stammt aus einem internen Rundbrief – Teil eines Stapels von Dokumenten, die ich seit Dezember zur IWF recherchiert habe, ursprünglich, weil ich über ein Dopingthema schreiben wollte. Das führte dann weiter, dazu in den nächsten Tagen mehr.
Aktueller Anlass dieses Mehrteilers: Am Pfingstmontag (20. Mai 2013), beim Wahlkongress der IWF im Radisson Royal in Moskau, dem legendären ehemaligen Ukraina, erlebt die Heberszene ein historisches Ereignis. Erstmals in beinahe vier Jahrzehnten bekommt Aján, der natürlich wieder Präsident werden will, Gegenkandidaten.
Dass der Dauerherrscher die IWF wie ein Familienunternehmen betreibt, inklusive obskurer Geldgeschäfte, hat eine bemerkenswerte Opposition hervorgebracht, mit Ideen, die für die Internationalen Sportföderationen neu sind. Die gute Rolle, die dabei der Bundesverband Deutscher Gewichtheber (BVDG) spielt, wird in diesem ersten Teil thematisiert – und auch, wie die deutschen IOC-Granden Thomas Bach und Walther Tröger auf Querdenker in den eigenen Reihen reagieren.
Aján übrigens hat auf eine Anfrage, auch zum Umgang seines Weltverbandes mit der Dopingfrage, nicht geantwortet.
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Ordensverleihungen dürfen bei Kongressen in der Welt des Sports, wo es oft zugeht wie auf kommunistischen Parteitagen, nicht fehlen. Auch Tamás Aján sieht das ganz sicher so: In der vergangenen Woche jedenfalls hat er auf den Zeremonienpart beim Wahlkonvent in Moskau eingestimmt: Per Mail schlug er sieben Funktionäre („distinguished persons“) als künftige Träger des IWF-Ordens in Gold und Silber vor. Die Reaktionen kennzeichnen die aktuelle Stimmungslage unter den Gewichtheber-Funktionären recht gut: Ein Mitglied des Executive Boards protestierte gegen Ajáns Alleingang und fragte nach, warum über diese Personalien nicht in der letzten Sitzung des Gremiums debattiert worden sei. Einer der Ordensträger in spe lehnte ab, er habe schon genug Auszeichnungen. Ein dritter Offizieller quittierte einen der Aján-Vorschläge mit Spott – seine grafische Fingerübung mailte er an die IWF-Mitglieder, die Nationalverbände:
Die rekordverdächtigen zwei Dutzend Dopingfälle unter dem Verbandspräsidenten Hasan Akkus zeigen systematisches Doping beim türkischen Hebernachwuchs an: Der Großteil wurde im letzten Dezember, bei und nach den U23-Europameisterschaften detektiert, Stanozolol-Fälle allesamt. Zu den Hintergründen ist bis heute nichts bekannt. Der altgediente Funktionär Akkus ließ auch gar keine Aufklärungsabsichten erkennen, er trat lieber eilig mitsamt seinem Präsidium zurück. Kuriose Begründung: „Wo Doping ist, da sind wir nicht.“ Akkus, muss man hinzufügen, steht auch der Medizinischen Kommission der IWF vor. 2011 spielte er in Istanbul den Gastgeber für die so genannte „IWF-Welt-Antidoping-Konferenz“ – eine Veranstaltung, für die Aján 250.000 Dollar verausgabte, nach Auffassung seiner Gegner (die vergeblich protestierten) aber bloß eine Beruhigungspille fürs Publikum, weil der Präsident öffentlich unter Druck geraten war in der Dopingfrage.
Thomas Bach und die vielfältigen Lebenssachverhalte: der neunte IOC-Präsident kommt aus Deutschland …
… wenn nichts erdrutschartiges dazwischen kommt bis zum 10. September 2013, wenn die IOC-Vollversammlung in Buenos Aires den Nachfolger von Jacques Rogge wählt.
Doch wann bebt schon mal die Erde im IOC.
Seit dem Olympischen Kongress 1981 in Baden-Baden, spätestens aber seit seiner IOC-Aufnahme in Birmingham 1991, weiß der denkende Teil der Welt, dass der Industrielobbyist Thomas Bach, UDIOCM, Schüler von Horst Dassler, FDP-Mitglied, Günstling von Juan Antonio Samaranch, Herrscher der Grauzone und Mann der vielfältigsten Lebenssachverhalte, IOC-Präsident werden will. Das wichtigste Amt des Weltsports soll es sein.
Seit Jahren zitiere ich einige IOC-Mitglieder wie René Fasel oder Gian-Franco Kasper, die früh aussprachen, was alle in der Szene wussten/wissen: Bach ist erster Kandidat auf den Thron und wird antreten.
Der Wettlauf um die so genannte News, wann er sich denn nun dazu bekennt, war nur Pseudo-Journalismus. Unerheblich, wichtiger sind die Hintergründe. Und über die wird in den kommenden Monaten ausführlich zu reden sein.
Die Frage des Tages lautet: Warum die Hektik? Warum so plötzlich und überhastet?
Zwei Antworten lauten zunächst:
1) Weil Bach unbedingt als erster in den Ring steigen und eventuell einem anderen Kandidaten zuvorkommen wollte. [So eine Art kleiner olympischer Schwanzvergleich.]
2) Weil Bach die IOC-Mitglieder informiert hat und fürchten musste, dass eins der Brieflein schnell öffentlich wird.
In dieser Minute beginnt in Frankfurt am Main, in der Zentrale des Deutschen Olympischen Einheitssportbundes DOSB eine Pressekonferenz mit Bach, um 13.45 Uhr findet eine internationale Telefonkonferenz statt.
Halt! Schrieb ich Pressekonferenz?
So ein Unsinn.
In der heute morgen, 8.32 Uhr (sic!), eilig verschickten DOSB-Mitteilung heißt es:
Einladung zum Statement des DOSB
DOSB-Präsident Thomas Bach und Generaldirektor Michael Vesper werden am heutigen Donnerstag um 12.30 Uhr im DOSB, Otto-Fleck-Schneise 12, in 60528 Frankfurt/Main ein Statement betreffend des Prozederes der Wahl eines neuen IOC-Präsidenten abgeben. Dazu laden wir Sie in die Räume 10 bis 12 (Erdgeschoss) ein.
Wie putzig:
… ein Statement betreffend des Prozederes der Wahl eines neuen IOC-Präsidenten abgeben …
Ich werde den Tag über an dem Thema arbeiten und live bloggen.
142 Mio CHF Schmiergeld: full list of ISL bribery payments to senior sport officials 1989-2001
Der Worte sind genug gewechselt. Ich habe mit den Kollegen von Spiegel Online erstmals die komplette Liste zum von der ISL/ISMM-Gruppe geprägten größten Schmiergeldsystem der olympischen Sportgeschichte veröffentlicht.

Mal sehen, ob sich via Crowdsourcing noch das eine ander andere Detail zu den zahlreichen Tarnfirmen und Stiftungen in Europa, Amerika und Asien finden lässt. Es bleibt noch viel zu tun, denn es ist so:
- Die 142 Millionen CHF Schmiergeld für Sportfunktionäre sind nur ein Teil dessen, was die ISL-Gruppe gezahlt hat. Die tatsächliche Schmiergeldsumme dürfte ungleich höher sein. Unterlagen für die Zeit von 1982 bis 1989 existieren nicht mehr.
- Von diesem 142 Millionen sind die Empfänger von mehr als 110 Millionen unbekannt. Nur der Schmiergeldbote Jean-Marie Weber, Freund von Havelange, Blatter und vielen anderen Top-Funktionären, kennt alle Empfänger. Er nimmt sein Geheimnis mit ins Grab. Er hat übrigens mehrfach in kleinem Kreis erklärt, um sein Leben zu fürchten.
Ich biete die Liste in Gänze an und auf die Jahre 1989 bis 2001 aufgeschlüsselt. Zu allen Tabellen werde ich im Laufe des Tages weitere Anmerkungen/Links liefern und weitere Dokumente veröffentlichen. Work in progress – immer mal wieder vorbei schauen.
Einige Dokumente, die ich heute zur Verfügung stelle, waren bislang ebenfalls unveröffentlicht. Wer tiefer eintauchen will in das ISL-Geflecht und die Geschichte, findet über den Button “related posts” am Ende des Artikels und im Archiv Dutzende originäre Blogbeiträge mit vielen hundert externen Links und Dokumenten.
- Feel free to use the information containing in the list and in the documents. Do your own research in offshore leaks and/or other databases/sources. If you may find additional information consider to share with the public, with me and my friends and colleagues Andrew Jennings, Jean François Tanda and other journalists who have done a magnificent work over many years.
Es gab in den vergangenen Jahren auch viele journalistische Dummköpfe, die plärrten, das ISL-System sei etwas für den History Channel. Wie dämlich. Die ISL-Gruppe wurde vom einstigen Adidas-Zampano Horst Dassler gegründet. Dasslers Erbe beeinflusst den Weltsport bis heute.
So sind einstige ISL-Größen und wichtige Gefährten von Horst Dassler noch in Amt und Würden und in Aktion: Ob nun Schmiergeldbote Jean-Marie Weber & Co. Ob der einstige ISL-Manager Sandro Rossell, Teixeira-Freund und Präsident des FC Barcelona. Ob der FIFA-Präsident, Dasslers Kumpel Sepp Blatter. Oder auch der künftige IOC-Präsident Thomas Bach, Dasslers einstiger Adlatus (1985-87), Adidas-Direktor und damals Mitglied der so genannten sportpolitischen Abteilung von Adidas (wie Jean-Marie Weber).
u.e.a.m.
Zudem haben sich in den Wirren des ISL-Konkurses ab 2001 Figuren auf teilweise obskure Weise in Positionen gebracht, die noch auf Jahre wichtige Positionen einnehmen werden: etwa FIFA-Generalsekretär und Serial Liar Jérôme Valcke, der einst als Vivendi-Manager für einen symbolischen Franken die ISL übernehmen wollte, oder sein heutiger Stellvertreter Markus Kattner und Blatters Neffe Philippe (Infront CEO), die beide über die reichlich undurchsichtigen Rettungsarbeiten von McKinsey im FIFA-Business aufschlugen.
Alles hat irgendwie mit dem ISL-Netzwerk und vielfältigen Lebenssachverhalten zu tun.
Wir reden über ein halbes Jahrhundert olympische Machtgeschichte.
Aufgeklärt ist fast nichts.
Und, ja, Sepp Blatter steht nicht als Schmiergeldempfänger auf der Liste. Er ist gemäß Einstellungsverfügung aber Mitwisser gewesen.
Und viele Geschichten, etwa wie er die ISL/Kirch-Konkurrenz ausgebootet hat, als es um Milliardenverträge ging, erscheinen längst in einem anderen Licht – auch diese Geschichten müssten aufgeklärt werden.
Die ISL-Liste:
FIFA’s Jack the Ripper and the Holy Bible: “with your love, your support and your understanding, I shall be your MP again”
I too am crying but I am crying from the inside where the hurt is most painful.
— Jack Warner (@jackwarnertt) April 26, 2013
My dear constituents, for the past two decades, I have been the target of various kinds of attacks. I have been targeted. My family has been targeted. My friends have been targeted. My detractors have said every dirty thing under the sun about Jack Warner. But in all of that you have kept the faith in me. And for that I thank you. I thank you for trusting me and for the confidence you have shown by your very presence here tonight. Mark my words when I tell you that Jack Warner has never betrayed you and I will never betray your trust.
The Holy Bible says there is a time for everything under the sun; a timeto sow and a time to reap; a time to be silent and a time to speak. The world of international sports politics is not a simple one. It is an arena of extremely high stakes. The remuneration packages and the perks of those jobs can be very attractive. And therefore at times the rivalry can become very intense among those lured by the trappings of officeand the craving for power.
It is against this background that I have found myself a keenly pursued target. And just as in any all-fours game, how smartly you play the few pieces of trump in your hand can determine whether you win or lose.
The Honorable Jack Austin Warner, former T&T minister, former vice president of FIFA, former CONCACAF godfather
Let’s go for Jack Warner’s propaganda. Funny stuff. Must read! (And read comments at Trinidad Express)
- Read and compare to: Der CONCACAF-Bericht zu den Millionengaunern und FIFA-Ehrenmännern Chuck Blazer und Jack Warner
Jack is not out of business yet.
On Friday May 24th 2013, a new weekly newspaper shall be launched – Sunshine Newspaper – designed to bring a new hope into your lives.
And come July 24th 2013 who knows, with your love, your support and your understanding, I shall be your MP again.
Wow.
I am still studying but already found many sensational quotes.
Jack Austin Warner MP for Chaguanas West
Speaking Notes, Straight Talk Pubic Meeting
Thursday, April 25, 2013
No joke, seriously, some interesting remarks:
1) Warner claims he was personally given the money to build the Havelange centre of excellence in Trinidad in return for helping Sepp Blatter’s election as FIFA president in 1998. He provided letters confirming the 6 mio US dollar FIFA loan for the centre, built on land owned by Warner, had been converted into a grant:
Blatter was Havelange’s candidate to succeed him for the FIFA Presidency. Blatter had been at this time the most hated FIFA official by both the European and African Confederations and without my CONCACAF support at the FIFA elections, Blatter would never have seen the light of day as President of FIFA.
I told Havelange that, through him, Blatter will get CONCACAF’s total support and Bin Hammam also said the same day thing though at the time he did not have Asia’s 100% support as I had with the CONCACAF. “Votamos como un bloque”, I told my Central American colleagues.
(…) So the Centre of Excellence was built, first by a loan that was given to Jack Warner that was converted into a grant and by further assistance from Dr Havelange after whom I named the Centre.
2) A strange detail at the 1998 FIFA congress in Paris, we already know, but nice to have it confirmed again:
An interesting development at that Congress was that Haiti was absent and with Blatter’s permission, I got Captain Horace Burrell’s (of Jamaica) girlfriend to vote as the Haitian delegate by saying, “Oui!” when Haiti’s name was called.
3) He loves to play the racism card, we already know:
One must ask the question how did little Jack Warner manage to stay in his corner under the radar and enjoyed so much success for so long?
Or is it just that what we are seeing today is the vindictiveness of an oligarchy against one who attempted to challenge the power of a Eurocentric and White regime and thus balance the playing field so that leaders of every colour, race and ethnicity could have a fair chance to become a President of FIFA?
Nicolás Leoz tritt aus dem FIFA-Exekutivkomitee zurück: 1.075.625 (CHF) “gesundheitliche und persönliche Gründe”
Das Urteil des Münchner Richters Hans-Joachim Eckert zur ISL-Causa rückt näher. Und siehe: Schon verlässt wieder ein Ganove das FIFA-Exekutivkomitee. (Sepp, wann verschwindest Du endlich?)
Diesmal ist es der 84 Jahre alte Ewig-Präsident der Confederación Sudamericana de Fútbol (CONMEBOL) Nicolás Leoz.

von links: ISL-Schmiergeldempfänger Nicolás Leoz (Paraguay), Familienoberhaupt Joseph Blatter (Schweiz), Goldpokal, Schmiergeldempfänger Ricardo Teixeira (Brasilien), Schmiergeldempfänger-Verteidiger Angel María Villar Llona (Spanien)
Die putzige Propagandameldung der FIFA:
FIFA has taken note of the formal resignation of Nicolás Leoz as a member of the FIFA Executive Committee and as President of CONMEBOL (Confederación Sudamericana de Fútbol) for health and personal reasons. Nicolás Leoz informed FIFA of his decision to resign today by letter.
In accordance with the FIFA Statutes (art. 30 par. 9), CONMEBOL will now have to decide immediately on the replacement of Nicolás Leoz as one of its representatives on the FIFA Executive Committee for the remaining period of office.
Der wahre Grund bzw die 1.075.625 Gründe:
Leoz hat von der ISL-Gruppe insgesamt 1.075.625 Schweizer Franken Schmiergeld erhalten.
- am 12.11.1997: 282.000 CHF
- am 13.05.1998: 300.000 CHF
- am 04.12.1998: 282.000 CHF
- am 20.01.2000: 159.950 CHF
- am 04.05.2000: 51.675 CHF
Habe ich korrekt addiert?
Das ist die Summe, die wir kennen.
Ich rechne in derlei Fällen ja gern mal hoch, wohl wissend, dass nur maximal fünf Prozent aller Korruptionsfälle je öffentlich werden. Weshalb ich sicher bin, dass die ISL-Gruppe ein Mehrfaches jener 142 Millionen Franken an Sportfunktionäre gezahlt hat, die für die Jahre 1989 bis 2001 gerichtsfest dokumentiert werden können.
Die anderen Schmiergeld-Empfänger aus dem FIFA-Exekutivkomitee (ehemals und aktuell):
Grünes Licht für Winterspiele 2022 in München: DOSB-Bosse beziehen Ruhpolding ein und entlasten Garmisch-Partenkirchen
Es gibt Entwicklungen, die nichts mit Uli Hoeneß und Mario Götze zu tun haben.
Die Spitzen des Deutschen Olympischen Sport-Bundes (DOSB), Präsident Thomas Bach (FDP) und Generaldirektor Michael Vesper (Bündnis 90/Die Grünen), antichambrieren derzeit in Lima bei der IOC-Konferenz Sport for all. Für Bach hat der Wahlkampf um die IOC-Präsidentschaft längst begonnen – im September entscheidet die IOC-Vollversammlung in Buenos Aires. Vesper will dann kurze Zeit später Bachs Nachfolger als DOSB-Präsident werden – als bezahlter Präsident, versteht sich. Vergangene Woche hat das allmächtige Duo die Weichen für eine vernünftigere – und extrem aussichtsreiche – Olympiabewerbung Münchens für die Winterspiele 2022 gestellt.
- Übersicht zur Lage: Winterspiele 2022: die Entscheidung in Graubünden. Münchens Chancen. Demokratie/Transparenz vs Heimlichtuerei. Olympiafinanzen. Journalismus vs Propaganda
Der DOSB rückt von seinem Zwei-Cluster-Prinzip ab, würde bei einer neuerlichen Bewerbung (über die angeblich im Herbst die Bürger abstimmen sollen) die Widerstands-Region Garmisch-Partenkirchen extrem entlasten und Wettbewerbe von GaPa nach München und vor allem nach Ruhpolding in die Biathlon-Hochburg verlegen.
Das ist vernünftig. Der Brief des DOSB wurde in der aktuellen Rathaus-Umschau der Landeshauptstadt München veröffentlicht:
Wobei Ralf in den Kommentaren natürlich längst darauf hingewiesen hat, dass der DOSB und die Olympiabewerbungsgesellschaft 2018 das vor zwei Jahren noch kolossal anders gesehen haben:
Im Folgenden setzen wir uns mit den 18 gebräuchlichsten Thesen gegen Olympische und Paralympische Winterspiele in München und Garmisch-Partenkirchen auseinander und geben Antworten darauf. Alle Belege, die wir vortragen, sind nachprüfbar.
“München plus 4 (Ruhpolding, Inzell, Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen) wäre das ökologisch bessere Modell gewesen, das man hätte unterstützen können.”
Das ist falsch. Im Gegenteil, dieses Modell würde
- mehr Verkehr auf längeren Wegen auslösen,
- mehr Flächenverbrauch durch zusätzliche Infrastruktureinrichtungen bedeuten und
- mehr Eingriffe in Natur und Landschaft notwendig machen.
So müssten bei der Nutzung weiterer Austragungsorte zwangsläufig auch weitere Olympische Dörfer, Medienzentren und Funktionsbauten (Telekommunikation, Organisation etc.) errichtet werden. Darüber hinaus entstünde ein stark erhöhtes Verkehrsaufkommen von München bzw. Garmisch-Partenkirchen zu und innerhalb aller Austragungsorte durch Zuschauer, Verantwortliche und Medienvertreter, das mit dem bestehenden Verkehrsnetz nicht zu bewältigen wäre. Es wäre daher ein erheblicher Aufwand für den Ausbau von Straßen erforderlich, zumal entsprechende Bahnlinien nicht zur Verfügung stehen. Dieser Ausbau würde abgesehen von den enormen finanziellen Belastungen zu erheblichen Umwelteingriffen führen und wäre für das nach-olympische Verkehrsaufkommen nicht nachhaltig.
Zudem würde eine solche Ausweitung Münchens Chancen im internationalen Wettbewerb massiv beeinträchtigen, denn der Grundgedanke Olympischer Spiele ist es, Sportler/innen aus allen Kontinenten und aus den unterschiedlichsten Sportarten zusammenzubringen, um die internationale Verständigung zu fördern. Olympische Spiele sind eben nicht eine Addition von Weltmeisterschaften, sondern haben einen ausgesprochen integrativen Charakter. Sie ziehen ihre Faszination gerade aus der einzigartigen Verbindung ganz unterschiedlicher Nationalitäten und Sportarten an möglichst einem Ort. (…)
Bewerbungsfolklore.
Belege? Nachprüfbar?
Geschenkt.
Im Münchhausen-Test sind Bach & Co wieder einmal durchgefallen.
Hatte der DOSB-Boss doch 2010 im sid-Interview gesagt:
sid: Gerade hat Ruhpolding wieder seinen ausgezeichneten Ruf als Biathlon-Hochburg unter Beweis gestellt. Warum passen die Chiemgauer dennoch nicht in das Konzept für München 2018?
Bach: “Weil es dann keine Olympischen Spiele in Deutschland geben würde. Mit einer Flickenteppich-Bewerbung hätten wir keine Chance. In Ruhpolding müsste unter anderem ein zusätzliches olympisches Dorf errichtet werden, ein solches Subzentrum mit kostenintensiven Verkehrswegen ist nicht zu rechtfertigen.”
Nachtrag, 14.12 Uhr: Das Fragezeichen habe ich flink mal aus der Überschrift getilgt.
Denn das ist wohl der Auftakt der deutschen Olympiabewerbung 2022.
Twitter-Wahrheitsdroge für @SeppBlatter, doch Rücktritte nur von Jack the Ripper und Alexandra Wrage
It was decided that the president Sepp Blatter is to step down due to corruption charges …
… meldete die FIFA?
Kurze Aufregung am Montagabend. Gegen 18.30 Uhr MESZ (habe die genaue Zeit leider nicht notiert) wurde über einen FIFA-Account auf Twitter der Rücktritt des ewigen Präsidenten Joseph Blatter mitgeteilt. @SeppBlatter hat seinen Rücktritt gleich mal retweetet und weitere lustige Tweets abgesetzt, die den Eindruck erwecken konnten, er sei auf Wahrheitsdroge gesetzt worden.
So what if I took money from Qatari prince? I am the family’s bread earner …
Die Nachfolger-Frage wurde geklärt …
I have recommended his excellency prince Ali Bin Al Hussein of Jordan as my successor …
… und die WM 2030 nach Jordanien vergeben …
The royal family has done much for FIFA, I am sure Jordan will make an excellent host for 2030
So sah das aus:

Screenshot Twitter @SeppBlatter, 22. April 2013, 20.09 Uhr MESZ
Etwas detaillierter:

Screenshot Twitter @SeppBlatter, 22. April 2013, 20.11 Uhr MESZ
Die Tweets wurden binnen weniger Minuten tausende Male verbreitet. Die MedienPropagandaabteilung der FIFA teilte dazu mit:
Dear media representatives,
We can confirm that some of FIFA’s twitter accounts, including the account of the FIFA President and @fifaworldcup, have been hacked today. We are looking at this issue at the moment. In the meantime, to avoid any doubt, we kindly ask you to verify and check any statements that you see on a FIFA twitter account with the FIFA Media department (media@fifa.org).
Many thanks and best regards,
FIFA Media department
22 April 2013
Die Hacker-Attacke kam von der so genannten Syrian Electronic Army (@Official_SEA6), gemäß SPON eine Gruppe von Assad-Anhängern, die schon etliche andere Accounts geknackt hat, u.a. CBS, Al Jazeera, Qatar Foundation.
Der CONCACAF-Bericht zu den Millionengaunern und FIFA-Ehrenmännern Chuck Blazer und Jack Warner
Congrats to @lasanaliburd and other journalists in T&T who forced Jack the Ripper @jackwarnertt to resign as minister #FIFAcorruption
— Jens Weinreich (@jensweinreich) April 22, 2013
Das Integrity Committee der nordamerikanischen und karibischen Fußballkonföderation CONCACAF hat seinen Bericht zu einigen Verfehlungen der Ganoven Jack Warner (Präsident von 1990-2011) und Chuck Blazer (Generalsekretär von 1990-2011) vorgelegt.
Lesebefehl!
Wenn ich richtig informiert bin, dann gelten die Millionenbetrüger noch als FIFA-Ehrenmänner und erhalten eine fürstliche Pension aus Zürich.
Wer sich nur die Zusammenfassung antun möchte. Auch die ist lesenswert, natürlich:
The Confederation of North, Central American and Caribbean Association Football (“CONCACAF”)
INTEGRITY COMMITTEE
REPORT OF INVESTIGATION
EXECTUIVE SUMMARYPresented to the Executive Committee of CONCACAF, April 18, 2013
EXECUTIVE SUMMARY
This investigation was conducted by the Integrity Committee (the “Committee”) of the Confederation of North, Central American and Caribbean Association Football (“CONCACAF”) at the request of the Executive Committee of CONCACAF. The Executive Committee requested the investigation because public allegations and other information raised serious questions about the integrity of the former leadership of CONCACAF and threatened to undermine public confidence in CONCACAF.
The CONCACAF Executive Committee established the Integrity Committee by resolution, dated June 26, 2012, to investigate and report to the Executive Committee “on the facts surrounding several allegations in relation to specific issues involving CONCACAF.”
The allegations concerned the following issues:
- (i) ownership of the Centre of Excellence (the “COE”);
- (ii) an apartment at Trump Tower and the application of CONCACAF’s funds in relation to the apartment;
- (iii) the whereabouts of funds generated by a contract between CONCACAF and Umbro International;
- (vi) the circumstances surrounding the purchase of two apartments in Miami and a Hummer vehicle;
- (v) the employment contract of the former General Secretary of CONCACAF, and in particular, the provisions of the contract relating to the payment of commissions and its expiration;
- (vi) CONCACAF’s failure to pay taxes and to file tax returns;
- (vii) the application or otherwise of CONCACAF’s funds over the past five years; and
- (viii) the completeness and accuracy of CONCACAF’s financial statements and audits for the past five years.
“Dortmund macht das 3:2! Keine Ahnung, wer’s geschossen hat. Ist mir auch scheißegal …”
Bei Fußballreportagen im Radio wird zu oft gebrüllt. Das nervt.
Gestern Abend aber war das schon okay, das Gebrülle, fand ich und amüsierte mich prächtig über die Reportage von Andreas Mann auf 90elf, meinem Lieblings-Fußballradiosender.
Witzig, dass jetzt ausgerechnet einer aus der katarischen Herrscherfamilie der Al-Thani der UEFA Korruption unterstellt.
Und sogar Rassismus (hä?).
Seine Exzellenz Sheikh Abdullah Bin Nasir Bin Abdullah Al-Thani, Chairman der NAS Group (die Milliardäre betreiben ihre Webseite lustigerweise mit der Open-Source-Software Joomla).
This is not football, but racism and clear of all
— Abdullah N Al Thani (@ANAALThani) April 9, 2013
Yes, we were targeted from the beginning of the season by corrupt UEFA and based on racism
— Abdullah N Al Thani (@ANAALThani) April 10, 2013
This is what is called and the RefereeCommission respected twitter.com/ANAALThani/sta…
— Abdullah N Al Thani (@ANAALThani) April 10, 2013
Klar hat Borussia Dortmund beim 3:2 einen Abseits-Weltrekord (einmal vier, einmal ein Spieler) für gegebene Treffer erzielt. Und ich hasse Floskeln, wonach sich im Fußball alles ausgleiche (alle Fehler?), weil ja das 2:1 für Málaga ebenso irregulär war.
Dieselben Leute, die jetzt sagen, es gleiche sich alles aus, würden heute ähnlich wie der Al-Thani-Sprössling argumentieren, hätte Málaga und nicht Dortmund das entscheidende Tor so erzielt.
Für mich ist dieser Irrsinn erneut Beleg dafür, dass es im Fußball bei Spielen auf dieser Ebene nicht ohne mehr technische Hilfsmittel geht.
Wie absurd ist das denn alles.
Da stehen ja sogar Torwächter bei der Champions League und erkennen einfache Abseitsstellungen nicht. [s. u. Nachtrag via Twitter]
Aber die Diskussion über die greisen Regelhüter des Fußballs und die Manager (ob nun in den Klubs, Verbänden oder Nationalmannschaften), die sich weiter diesen unfassbaren Fehlern beugen, führt zu kaum etwas. Und der Entscheid der FIFA, demnächst die Torlinientechnik einzusetzen, ist viel zu wenig.
Das Regelwerk und das Schiedsrichterwesen müssen grundlegend überarbeitet und Technik auf breiter Front eingeführt werden. Wie das geht, zeigen die nordamerikanischen Profiligen seit Ewigkeiten.
Alle Argumente sind ausgetauscht. Alle drei strittigen Entscheidungen gestern (die drei wichtigsten Fehler) hätten in wenigen Sekunden am Bildschirm von Unparteiischen analysiert und gewiss richtig entschieden werden können:
- Rot für Schmelzer.
- Kein 2:1 für Málaga.
- Kein 3:2 für Dortmund.
Von mir aus kann die Abseitsregel abgeschafft werden, kein Problem. Wäre gewiss die einfachste und nachhaltigste Entscheidung. Kapiert eh kaum jemand in allen Verästelungen. Das würde zu weniger Katastrophenfehlern führen – aber gewiss mehr solcher Zuspitzungen ermöglichen wie zwischen Dortmund und Málaga.
Rundfunkreporter wie Andreas Mann sollte das freuen. Die Zuhörer ebenso.
Der nächste Skandal ist übrigens schon in der Pipeline, denn heute Abend wird die Partie von Juventus gegen den FC Bayern von einem spanischen Schiedsrichterteam geleitet.
Andrew Jennings: What I told the FBI about the FIFA crooks
THE REVELATION that the FBI is investigating FIFA should bring an end to three decades of institutional corruption, personified in recent times by President Sepp Blatter. I have been talking with Special Agents from the Organised Crime and Racketeering Section of the Department of Justice in Washington and with an FBI Organised Crime squad from New York since they contacted me seeking evidence nearly three years ago.

CONCACAF Kongress, Miami, Mai 2011
Law enforcement sources in New York and Washington confirmed today that they are investigating “a major case” involving allegations of corruption at FIFA. The probe is into allegations of fraud and bribery. It began in the North, Central American and Caribbean regional football confederation but the money trail leads back to FIFA’s HQ in Zurich, Switzerland. Unofficial sources have confirmed that Daryan Warner, eldest son of disgraced former FIFA vice-president Jack Warner of Trinidad, has become a co-operating witness with the FBI probe. Warner jnr has been resident in Florida for the last two months and clearly is not free to leave America. It has yet to be divulged what evidence the FBI have on him but it is likely to be substantial and enough to make him break family confidences in return for serving less jail time.
Daryan Warner was always the ‘back office’ money-man organising the laundering and concealment of bribes and profits from every kind of illicit football activity by his father – siphoning off grants, dealing in World Cup tickets and pocketing substantial bribes from countries hoping to host the World Cup. Warner frequently worked in concert with fellow FIFA executive committee member Chuck Blazer from New York:

CONCACAF dealings between Jack’n Chuck
The FIFA career of Jack Warner began to unravel in May 2011 when he was caught with $1 million in bribes, in envelopes each containing $40,000 in cash, for distributing to Caribbean football associations. The aim was to persuade them to vote for Qatar’s Mohamed Bin Hammam who was contesting the FIFA presidency against incumbent Sepp Blatter. Blazer ‘ratted’ on Warner to FIFA but was himself soon engulfed in documented corruption allegations
- Here is today’s Reuters story “EXCLUSIVE: FBI has cooperating witness for soccer fraud probe“
Where will the FBI investigation go next? For a start, they are not alone. For 18 months there have been parallel investigations by America’s tax authorities, the Internal Revenue Service. The secret probes range from Port of Spain to Trump Tower to Cayman, Paradise Island to Miami, Zurich to Zug and much further to the Gulf. They have co-operated with police in London and Switzerland.
The industrial-scale thieving of Warner and Blazer is woven into the fabric of FIFA. Repeatedly, the gruesome duo were encouraged to plunder grants and World Cup tickets. In return they delivered votes to keep Blatter in power. Football lovers must dream that the G-Men will find reasons to extend their investigations into Issa Hayatou’s African empire and the rest of FIFA.
As the FBI spreads its net, FIFA officials in Zurich should be seeking advice from their personal lawyers about what to say if the Feds come knocking. If they have handled corrupt payments authorised by Blatter or General Secretary Jerome Valcke, they may find it wise to follow Daryan Warner’s example and become collaborating witnesses rather than risk extradition and jail.
Die FIFA unter @SeppBlatter: Personenkult, Korruptionsmaschinen, Ethiksimulation und Propaganda
Gerade tagt das Exekutivkomitee des Fußball-Weltverbandes FIFA in Zürich (die Tagesordnung). Bin heute nicht vor Ort, werde die anschließende Pressekonferenz aber online verfolgen und live ein bisschen bloggen. Also bitte immer wieder ans Ende des Beitrags scrollen. Auch die beiden folgenden Texte werden ergänzt und verlinkt.
Es ist noch ein bisschen Zeit. Um was es heute ging/geht, habe ich in den vergangenen Tagen u.a. für die Berliner Zeitung und Spiegel Online aufgeschrieben:
* * *
19. März. Die Propagandaabteilung der FIFA arbeitet hochtourig. Am Tag vor dem Treffen des Exekutivkomitees in Zürich veröffentlichte der Fußball-Weltverband Details aus einem „persönlichen Schreiben“ des Katholiken Joseph Blatter an Pontifex Franziskus. „Ohne den Glauben an Gott mit dem Glauben an den Fußball auf eine Stufe stellen zu wollen, möchte ich anmerken, dass beide gemeinsame Werte haben“, schrieb Blatter. Warum so bescheiden? Blatter betrachtet sich und sein Fußballgeschäft doch allen Ernstes als einzig globale Religion:
Fußball ist mehr als eine einzelne Religion“, hat er einmal gedichtet: „Also nur zu sagen, mehr als die katholische Kirche, das wäre für mich zu wenig.“
Der Fußballpapst konferiert mit seinen Kardinälen aus dem Exekutivkomitee ab Mittwoch im Home of FIFA auf dem Zürichberg, um so genannte Reformmaßnahmen abzusegnen. Ein kastriertes Programm, das seit dem FIFA-Kongress 2011, als Blatter zum vierten Mal gekrönt wurde, exakt jenem Fahrplan folgt, den er und seine fürstlich entlohnten Paladine, PR-Leute und Lobbyisten, ausgeheckt haben. In deren Diktion heißt es, die „Reformen“ werden beim FIFA-Kongress im Mai auf Mauritius abgeschlossen. Von Blatter Angeheuerte wie der Compliance-Experte Mark Pieth aus Basel, die als Teil der Inszenierung lange Zeit still hielten, geben neuerdings Interviews und drohen mit Abbruch der fragwürdigen Geschäftsbeziehungen zur FIFA.
Pieth legte mit dem Unabhängigen Governance-Komitee (IGC) im Februar den zweiten Bericht und sieben als „unverzichtbar“ bezeichnete Forderungen vor. Dazu zählen die Amtszeitbeschränkung für den FIFA-Präsidenten und die Exekutive sowie ein unabhängiger Integritätscheck von Top-Funktionären. Beides wird so nicht kommen. Pieth müsste dann sein Versprechen wahr machen und als Kommissionschef zurücktreten. Letztlich dürfte er für Blatter, der ihn persönlich ausgesucht hat, den Clown gespielt und der Propagandanummer „Reform“ eine Art Autorität verliehen haben. In der „Süddeutschen Zeitung“ erklärte die Kanadierin Alexandra Wrage aus dem Pieth-Komitee nun, es gäbe nur „kosmetische Verbesserungen ohne echte Veränderungen “. Es würden „nur die Liegestühle auf der Titanic umgruppiert“.
Die sieben “unverzichtbaren” Forderungen des IGC:
The IGC however, reminds the Members of the ExCo that the revision of the Statutes foreseen for Congress 2013 is fundamental: as highlighted in its First Report of March 2012, the IGC stresses the need to introduce transparency and accountability throughout FIFA.
Therefore it is indispensable:
- That the President and all Members of the ExCo as well as the standing Committees of FIFA undergo an integrity check performed by an independent body within FIFA centrally prior to their (re-) election.
- In order to underline their role and responsibility as Members of the FIFA’s Executive Body the Members of the ExCo should be confirmed by Congress upon their appointment or reappointment by the Confederations.
- In order to guarantee transparency and accountability two independent Members should attend the meetings of the ExCo.
- Both, the President and the Members of ExCo should be subjected to limited terms of office.
- The IGC supports the redesign of the bidding and decision process for hosting decisions, as well as for the governance of development projects, marketing and procurement activities. The corresponding policies need to be reviewed by the IGC.
- The IGC welcomes any steps to make the IFAB more democratic and transparent.
- The IGC would like to stress the importance of transparency in the area of compensation and benefits. The establishment of an expert subcommittee to the Audit and Compliance Committee is an important step. However, the decisions of the sub-committee need to be made public, to the same degree as in not-for-profit organizations and other international organizations.
Das war von Blatter nie anders geplant. Der Große Vorsitzende hat gerade in mehreren Interviews deutlich gemacht, was er von derlei Interviews hält: Nichts. Pieth habe sich nur intern zu äußern, dürfe Vorschläge machen, über die das Exekutivkomitee entscheide. „Ich habe mit ihm gesprochen“, sagte Blatter, „er hat akzeptiert, dass er sich nicht mehr öffentlich äußert, wenn ich es ihm nicht erlaubt habe.“
The Times: Exklusive Qatar-Dream-Football-League-Geschichte war exklusiv erfunden
The Times hat am Sonntagabend eingeräumt, dass die dreiseitige vermeintliche “Exklusivgeschichte” über die Dream Football League in Katar exklusiver Nonsens gewesen ist.
When we are wrong, we will hold our hands up. It’s the right thing to do. (…)
The Dream Football League (DFL) would turn into a journalistic nightmare.
Tony Evans, Fußballchef The Times
Wie es dazu kommen konnte?
So ziemlich alle Fragen bleiben in der Kolumne von Tony Evans unbeantwortet.
[Der Text war zunächst hinter der Paywall, sollte aber am Montag frei zur Verfügung stehen.]
Evans fabuliert stattdessen munter weiter über Katars Pläne, die vermeintliche Klasse seines Geschichtenerzählers Oliver Kay, benutzt die Vokabel “Entschuldigung” nur einmal auf Twitter, nicht aber in der Zeitung …
In The Game tomorrow my column is this: an apology to readers. How we gotthe Qatar Dream League story so badly wrong
— Tony Evans (@TonyEvansTimes) March 17, 2013
… und bezeichnet diejenigen, die in modernen Medien Aufklärung herbei geschrieben haben, später als Trolle:
@dmmccall1 @oliverkaytimes Not readers. Twitter trolls. Very different — Tony Evans (@TonyEvansTimes) March 18, 2013
Ein eher typischer Vorgang im real existierenden (Fußball)journalismus also.
Die Arroganz bleibt ungebrochen.
Vier Tage hat es gedauert. Es brauchte einen kleinen Shitstorm auf Twitter und wenige hartnäckige Blogger, um die vermeintliche Exklusivgeschichte der Londoner Times als das zu entlarven, was sie ist: Bullshit. Eklatantes Versagen von Journalismus.
Die Kurzfassung geht so (mit einigen wenigen Tweets und Links, viele weitere Links finden sich in meiner ersten Zusammenfassung):
“Sheikhs shake world game”: Katar traut man auch eine Dream Football League zu – nur stimmt die Geschichte überhaupt?
Hat die Londoner Times einen Gag des französischen Magazins “Les cahiers du football” zu einer “Exklusivstory” aufgebauscht?
Das ist hier die Frage, die gewiss im Laufe des Tages beantwortet wird.
Denn die dreiseitige Geschichte von Times-Fußballschreiber Oliver Kay macht weltweit Schlagzeilen. (Ich kenne bisher nur diesen Anreißer, habe kein Times Abo. #paywall)
Demnach plant die Familie des katarischen Emirs Hamad ab 2015 im Sommer (!) alle zwei Jahre ein Großturnier der 24 besten Klubs der Welt. Preisgeld: 2 Milliarden Euro. In sechs Golfstaaten.
So stand es vor drei Tagen in “Les cahiers du football”:

(c) Les cahiers du football – doch lustigerweise erschien die kleine Grafik auch in der Times (exklusiv?)
So steht es heute in der Times (längst auch anderswo) und wurde gestern Nacht via Twitter angekündigt:
Often, when you write a big story, you’re desperate for it to come off so you “look good”. Not so sure this time thetim.es/10Kes27 (£)
— Oliver Kay (@OliverKayTimes) March 13, 2013
Do I think it will come true? A million hoops to jump through. Heard much opposition today. But Qatar are serious thetim.es/10Kes27 (£) — Oliver Kay (@OliverKayTimes) March 13, 2013
Da man den Kataris, dem Emir und den Seinen, die sich schon die WM 2022 und etliche andere Spielzeuge aus der Welt des großen Fußballs gekauft haben, alles zutraut, machte diese Times-Story geschwind die Runde.
Medien meldeten. Wissenschaftler kommentierten (manche verdienen schon jetzt gut an und in Katar). Die Branche hyperventilierte.
Desert storm. Dream football League. Konkurrenz zur Champions League. Sheikhs shake world game …
Undsoweiterundsofort.
Vor drei Stunden meldeten sich die Franzosen:
On s’excuse par avance si Doha trouve l’idée suffisamment intéressante pour la mettre en œuvre. #DreamFootballLeague
— Cahiers du football (@cahiersdufoot) March 13, 2013
Seither gab es einige Wortwechsel zwischen ihnen und Oliver Kay …
@oliverkaytimes What do you “suspect”?! We made it all up, including the picture… We know nothing about your source, if it exists.
— Cahiers du football (@cahiersdufoot) March 13, 2013
… und die ersten – vorsichtig formuliert – Nachfragen, etwa auf Eurosport:
Qualitätsblättern wie dem Independent ist das relativ egal. Dort wird getitelt:
So kann man das natürlich auch sehen. Weil man, noch einmal, den Kataris halt alles zutraut.
Crowdsourcing, Übersetzungshilfe gesucht! Was will uns die FIFA-Ethikkommission sagen?
Es sind ja nun neue Zeiten angebrochen im Milliardenkonzern FIFA, den etliche Funktionäre als Selbstbedienungsladen betrachten. Reformen! Ethik! Und! All! Solche! Wunderbaren! Sachen!
Ein weiteres beeindruckendes Zeugnis für die neue Transparenz im Reich des Joseph Blatter, der gestern übrigens seinen 77. Geburtstag feierte, liefert jene Pressemeldung, die vor wenigen Minuten von der Propagandaabteilung der FIFA verschickt wurde.
Um die zu entschlüsseln erbitte ich die Mithilfe der Weisheit der Massen und stelle die Email der FIFA in vier Sprachen zur Verfügung.
Jeder Buchstabe kann eine Bedeutung haben!
Nur: welche?
Deutsch:
Verlautbarung der Vorsitzenden der beiden Kammern der FIFA-Ethikkommission:
Auf Antrag von Michael J. Garcia (Vorsitzender der Untersuchungskammer der Ethikkommission) hat Hans-Joachim Eckert (Vorsitzender der rechtsprechenden Kammer der Ethikkommission) heute FIFA-Exekutivkomiteemitglied Vernon Manilal Fernando provisorisch für eine maximale Dauer von 90 Tagen für jegliche Fussballtätigkeit auf nationaler und internationaler Ebene gesperrt. Der Entscheid basiert auf Art. 83 Abs. 1 in fine des FIFA-Ethikreglements und soll eine Beeinflussung der Wahrheitsfindung in Bezug auf ein Verfahren, das gegenwärtig von der rechtsprechenden Kammer durchgeführt wird, verhindern.
Das Verfahren betrifft eine formelle Ethikklage aufgrund eines Schlussberichts, den der Vorsitzende der Untersuchungskammer beim Vorsitzenden der rechtsprechenden Kammer eingereicht hat. Dieser Bericht ist das Ergebnis eines Untersuchungsverfahrens, das im Oktober 2012 eingeleitet wurde.
Der Fall befindet sich nun in der Zuständigkeit der rechtsprechenden Kammer für alle weiteren verfahrenstechnischen Massnahmen, die diese Kammer für angemessen hält.
FIFA-Ethikkommission
Jérôme Champagne: “Which FIFA for the twenty-first century?” (III)
Manch eine/r wird mir PR vorwerfen. Ist mir wurscht. Auch diesmal stelle ich den kompletten Text jenes Briefes zur Diskussion, den der langjährige FIFA-Manager und Blatter-Getreue Jérôme Champagne soeben an alle 209 nationalen Fußballverbände im FIFA-Reich geschickt hat. Es geht um die sachgerechte Verwendung von hunderten Millionen Euro so genannter Entwicklungshilfe, um orangene Karten und Zeitstrafen im Profifußball (ähnlich dem Eishockey), um technische Hilfsmittel, die weit über die Torlinientechnologie hinaus gehen, um die Struktur der FIFA, die Mitbestimmung der Nationalverbände, Klubs und Spieler … und letztlich auch um die FIFA-Präsidentschaft.
Dem südafrikanischen Magazin “Inside Sport Africa” hat Champagne kürzlich ein Interview gegeben, in dem es u.a. heißt:
If an overwhelming majority of people requested you to stand for President of FIFA, will you?
Oh la la, what a question? More seriously, the elections are scheduled in 2015 only and this is not the topic of the day. however, I have not decided that I would run, nor have I decided that I will not run. I only decided to present and defend my ideas but I do not exclude anything.

Once upon a time, in FIFA uniform: Robben Island, December 2009
Die vorherigen offenen Briefe von Champagne:
- Jérôme Champagne: “Which FIFA for the twenty-first century?”
- Jérôme Champagne: “Which FIFA for the twenty-first century?” (II)
Any thoughts?
Und noch eine Volksbefragung: Olympische Spiele 2028 in Wien?

Wiens Bürgermeister Michael Häupl bei der Verabschiedung von Olympiateilnehmern im Juli 2012 im Rathaus – Foto: Alex Halada / Pressebilder Stadt Wien
“Wien will’s wissen!” Von heute bis Samstag (9. März) findet in Wien eine Volksbefragung statt. Die Einwohner der Bundeshauptstadt dürfen ihre Meinung kund tun zum alltäglichen Kleinkram und einem Luxusprojekt: Zu Wasserversorgung, Parkraumregelungen, erneuerbaren Energieprojekten, Müllabfuhr – und zu den Olympischen Sommerspielen 2028.
Olympia in Wien?
Tatsächlich.
Und das ist nun schon die zweite Olympia-Abstimmung binnen einer Woche. Erst Graubünden (allerdings mit einem Konzept), nun Wien.
Ein Gastbeitrag von Wilhelm Lilge
Crosspost von Team2012.at
Die meisten dachten wohl zuerst an einen Scherz, der nach ein paar Gspritzten im Wiener Rathaus geboren wurde, als die Idee einer Bewerbung Wiens für die Olympischen Spiele durch die Medien geisterte. Aber aus Spaß wurde bald Ernst. Also mal der Reihe nach:
Für alle sportbegeisterten Wiener wäre es eine Riesensache, wenn Wien tatsächlich in naher Zukunft Austragungsort der wichtigsten Sportveranstaltung der Welt wäre. Für die meisten Spitzensportler mit ambitionierten Zielen gilt: einmal zu Olympischen Spielen kommen – und wenn diese dann noch im eigenen Land stattfinden – das wäre wohl das Größte! Warum dann eigentlich nicht und welche Chancen hätte Wien auf einen Zuschlag im Falle einer Bewerbung?
Da gibt’s gleich mehrere Teilaspekte, die man beleuchten kann:
1) Finanzierung
Olympische Sommerspiele sind teuer, sogar sehr teuer! Selbst wenn Stronach, Mateschitz & Wlaschek alle ihre Ersparnisse zusammenlegen würden und Sportstätten als bleibende Denkmäler für sich selbst finanzieren würden, es fehlt einfach zu viel Geld, das die Steuerzahler (nicht die Politiker!) noch beisteuern müssten.
Winterspiele 2022: die Entscheidung in Graubünden. Münchens Chancen. Demokratie/Transparenz vs Heimlichtuerei. Olympiafinanzen. Journalismus vs Propaganda
[Hier entsteht ein sehr langer Beitrag, der ständig ergänzt wird - bitte immer mal an das Ende durchkämpfen und die Aktualisierungen beachten!]
Das Volk hat das Wort! In der Schweiz gehören plebiszitäre Elemente, wie auch eine erstaunliche Transparenz in der Verwaltung, gewissermaßen zur DNA der Demokratie. Anders als in Deutschland, diesem Entwicklungsland in Sachen Transparenz und Bürgerbeteiligung. Im Kanton Graubünden entscheidet sich in diesen Momenten die Zukunft der Olympiabewerbung 2022 – und ich werde den Nachmittag aus der Ferne etwas begleiten.
Ich war auch in den vergangenen Wochen oft vor Ort, habe über die Bewerbung berichtet, habe einige Interviews gegeben (über eines wird gleich noch zu reden sein) und durfte in Chur einen Vortrag zu Olympiabewerbungen, deren Finanzierung und zum IOC halten. Ich habe wieder einiges gelernt über die Schweiz, und bei einigem Kopfschütteln (etwa über die Propaganda von Politikern und deren Helfershelfern) bleibt doch ein Erstaunen, wie selbstbewusst sie dort mit ihrem Grundrecht auf Mitbestimmung umgehen. Chapeau! Das wünschte ich mir in Deutschland, oft genug habe ich beschrieben und argumentiert, dass vor einem Mega-Projekt wie einer Olympiabewerbung doch diejenigen befragt werden sollten, die die Zeche in jedem Fall zahlen müssen: die Bürger.
Ungleich transparenter als im Heimlichtuerland Deutschland war schon die Vorbereitung dieser Bewerbung “Graubünden 2022″ im Schweizer Sport, über das Verteidigungsministerium, im Kanton etc pp – bei allen Problemen, die ich kurz noch anreiße – bzw die im Blog schon angerissen worden sind.
Doch zunächst zur Lage, die David Sieber, Chefredakteur der Südostschweiz gerade so beschreibt:
Und jetzt auch noch ein NEIN zu #SOlympia aus Domat/Ems. Damit ist das Rennen gelaufen
— David Sieber (@CR_Sieber) March 3, 2013
Das ist die Frage, die die Bürger Graubündens zumeist längst schriftlich beantwortet haben – derzeit werden die letzten Stimmen ausgezählt:
(Ich habe die Erläuterungen zu den anderen beiden Abstimmungen mal aus diesem pdf gelöscht. Es geht hier im Blog nur um die Olympiafrage.)
Und das ist der Stand, 12.45 Uhr:
- Nach Auszählung von 149 von 158 Gemeinden gibt es 25.362 Ja-Stimmen und 27.987 Nein-Stimmen. Wobei die olympischen Kernorte St. Moritz und Davos noch offen sind. Es kann also alles passieren. Mir hat gerade ein führender Olympiapromotor gesagt, er rechne mit einer Niederlage – aber das muss nicht sein.
Zum Einlesen das Rohmanuskript meines Beitrags vom vergangenen Wochenende in der SonntagsZeitung, Zürich (auch dieser Text wird in den kommenden Stunden ergänzt und verlinkt):
Für Schweizer Verhältnisse wurde die Diskussion über das Olympiaprojekt Graubünden 2022 durchaus erbittert geführt. Im internationalen Vergleich jedoch blieb die nationale Debatte gesittet und harmlos. Es hat keine gewalttätigen Proteste gegen das Internationale Olympische Komitee (IOC) gegeben wie etwa vor Jahren in Amsterdam oder Berlin. Und selbst die wie üblich geschönten Hochrechnungen der Olympiapromotoren hielten sich im Rahmen. Anders als etwa beim im Nachhinein so gelobten London, Olympiagastgeber 2012: Als London im Juli 2005 vom IOC zur Olympiastadt gekürt wurde, hatte die britische Regierung ein Dossier unter Verschluss gehalten, wonach die tatsächlichen Olympiakosten ein Mehrfaches dessen betragen würden, als in den Bewerbungsdokumenten angegeben worden war.
Mit derlei kolossalen Lügen beginnen die meisten Bewerbungen. Dagegen ist, trotz aller Wahrheitsbeugungen und kühner Finanztricks der Promotoren, als etwa kürzlich 376 Millionen Franken aus dem Budget verschwanden, die Botschaft des Bundesrates vom November 2012 geradezu ein Dokument der Transparenz. Und nicht zu vergessen: In dieser Botschaft wird eigentlich unmissverständlich formuliert, was selbst nach einem Ja für Olympia bei der Volksabstimmung am 3. März in Graubünden noch passieren könnte: „Sollte sich im Rahmen der Ausarbeitung des Bewerbungsbuches zeigen, dass der Bundesbeitrag nicht ausreicht, sind die Kandidaturbemühungen abzubrechen.“
Der Bund hat über verschiedene Kanäle die Olympiaofferte bereits mit Millionensummen alimentiert und unterstützte auch tatkräftig die unvergleichliche Roadshow der vergangenen Wochen im Engadin, um am 3. März ein positives Votum zu organisieren. Sollten die Bürger sich dafür entscheiden, würde quasi ein erster Verpflichtungskredit von 30 Millionen Franken für die offizielle Bewerbungsphase ausgelöst, bis zur Entscheidung der IOC-Vollversammlung im Juli 2015 in Kuala Lumpur. Einen weit größeren Verpflichtungskredit von einer Milliarde Franken für den olympischen Organisationsetat hat der Bundesrat versprochen, wenngleich das Parlament das letzte Wort hat. Eine weitere Milliarde soll für Infrastrukturmaßnahmen freigesetzt werden.
Doch dabei wird es kaum bleiben. Denn die olympische Geschichte beweist, dass beide Etats zusammen – der Organisationsetat (OCOG-Budget) und der Infrastrukturetat (Non-OCOG-Budget) – immer überzogen werden. Niemand sollte sich davon täuschen lassen, dass OCOG-Etats zuletzt immer positiv abgeschlossen wurden. Die olympische Arithmetik ist trickreich und pure Propaganda: Wenn alles, was kostet, ausgelagert wird, lässt sich ein „Gewinn“, der meistens in eine Sportstiftung gesteckt wird, problemlos organisieren. Das bedeutet gar nichts.
Dopingsystem am Universitätsklinikum Freiburg: Stellungnahmen zum Arbeitsauftrag der Gutachterkommission
Freiburg, Freiburg, Doping, Doping und kein Ende. Während ein Medium im süddeutschen Raum stets beflissen an der Seite der Uniklinik-Verantwortlichen werkelt und den Eindruck erweckt, als hätten die Gutachterkommission und ihre Chefin schlecht gearbeitet, stellt sich die Lage doch etwas anders dar. Ich kann es niemandem ersparen, der sich dafür interessiert und nicht eine Zweitverwertung, sondern Originale bevorzugt, sich durch die nächsten 62 Seiten zu kämpfen.
Die Vorgeschichte und die dazugehörigen Dokumente finden sich hier:
Hier das Dokument von heute Nachmittag, so überschrieben:
Unabhängige Gutachterkommission zur Evaluierung der Abteilung Rehabilitative und Präventive Sportmedizin des Universitätsklinikums Freiburg
Prof. Dr. Letizia Paoli Kommissionsvorsitzende
Stellungnahmen von Gründungsmitgliedern. Rektor Prof. Dr. Wolfgang Jägers Vorstellung des Arbeitsauftrages und dessen durch Kommissionsmitglieder geforderte Erweiterung zu Beginn der konstituierenden Sitzung am 14. August 2007
Leuven, 1. März 2013








