live aus PyeongChang (20): „The IOC is nothing“ und Russen dopen sogar beim Curling

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ALPENSIA. Gold für Russland oder Norwegen das ist hier die Frage. Langlaufstaffel, Noch 1.600 von 40.000 Metern. Dann ziehen entweder die Norweger an den Deutschen in der Nationenwertung vorbei – oder die Russen, sorry: die Olympic Athletes from Russia, feiern die erste Goldmedaille. In Sotschi lief das etwas besser.

Oh, schon entschieden. Am letzten Anstieg. Nicht im Zielsprint. Norwegen feiert.

16.52 Uhr: Sehr lustig: „The IOC is nothing. We are the host nation!“ Sagt Südkoreas NOK-Präsident, während er mit Freiwilligen streitet und getatscht haben soll.

Da Lee Lee heißt und nicht Adam Pengilly, darf er weiter in Südkorea bleiben. Wo sollte er auch hin? In den Norden?

Lee hat natürlich auch seine Korruptions-Vergangenheit, wie viele führende südkoreanische Funktionäre und Olympia-Organisatoren. Die Auseinandersetzung um Sportkamerad Lee beschäftigt einige Kollegen schon zwei Tage. Mehr dazu u.a. bei Nick Butler:

Ich weiß jetzt gar nicht, ob Lee aus der weitverzweigten Samsung-Dynastie stammt. Lee Kun Hee jedenfalls, eine Art Korruptionsweltmeister, mehrfach verurteilt, mehrfach begnadigt, um im nationalen Auftrag Olympische Spiele nach Korea zu holen, bleibt IOC-Ehrenmitglied. Als wäre nichts gewesen. Samsung ist ja auch IOC-Sponsor. Alles oft beschrieben. Wird weiter beschrieben, hier zum Beispiel, kann ich nur wärmstens empfehlen:

* * *
Das sind hier heute nur einige Notizen. Sie möchten regelmäßig hintergründige Texte lesen – und viele bessere? Sie können darüber entscheiden und verlässlichen, analytischen, manchmal sogar exklusiven Recherchejournalismus finanzieren. It’s up to you.
Journalismus gibt es nicht umsonst. Und ich muss davon leben.

Nebenan im Shop finden Sie einige Optionen – ob Olympiapass oder Jahresabo -, wie Sie die Winterspiele gemeinsam mit mir verbringen und Journalismus finanzieren können, der vom IOC und anderen Sportorganisationen unter Druck gesetzt wird..

Dieses Magazinprojekt, in das ich Monate investiert habe, wird in PyeongChang durchgezogen:

Ich wünsche Ihnen und Euch viel Vergnügen in diesem Theater in den nächsten Wochen (und darüber hinaus) und hoffentlich viele erhellende Momente.

Hier können Sie sich für den komplementären Newsletter anmelden.

* * *
17.29 Uhr: Alfons Hörmann gefällt das nicht (mehr so gänzlich):

20.01 Uhr: Immer wieder süß, diese Siegerehrungen. Gerade Shorttrack, glaube ich, so klein, wie die sind. Und eine Südkoreanerin ganz oben.

Ich muss hier mal etwas Luft holen, muss unbedingt am Magazin arbeiten.

Schade, dass Infosystem funktioniert gerade nicht. Ist manchmal eine nette Spielerei, Sport zu schauen und parallel zu prüfen, was so ein Live-Ergebnisdienst leisten kann. Derzeit für mich aber nur: „access denied. You don’t have permission to access „http://myinfo.pyeongchang2018.com/“ on this server.“

Abwarten und den nächsten Kaffee trinken. Und umschalten vom Kanal der Siegerehrungen zum Biathlon, Massenstart.

Im Grunde wird öffentlich fast dasselbe angeboten. Zum Beispiel hier beim IOC. Und das funktioniert sogar bei mir.

20.22 Uhr: Fourcade und Peiffer schon mal beide eine Strafrunde.

Jetzt stürzt Fourcade auch noch. Es führt ein russischer Koreaner.

20.28 Uhr: Zweites Schießen. Jetzt wird es vielleicht übersichtlicher.

Doll vor Lesser. Schempp auf fünf. Peiffer auf vierzehn. Alles eng beisammen.

Das muss Olympia sein, Olympia verbindet: Die vier Briten, die mir gegenüber sitzen, bleiben ganz cool, obwohl sie Deutsche mit Gewehren sehen.

20.34 Uhr: Deutsche Dreier-Patrouille vor dem Franzosen. Und die Engländer machen irgendwelche Witze über Hermann Göring, die ich nicht verstehe.

Briten eben.

Fourcade vor Schempp und Lesser. Doll auf sieben, Peiffer acht.

Das französisch-deutsche Trio eine halbe Minute vorn. Letztes Schießen entscheidet. Aber auch noch vier Kilometer in der Loipe.

Schempp und Fourcade eine Strafrunde, Lesser zwei. Die Verfolger können aufschließen.

Fourcade nun vor Schempp und Doll. Lesser fünf. Alles möglich. Peiffer weg mit 64 Sekunden Rückstand.

20.46 Uhr: Bei 12,6 km. Fourcade und Schempp um Gold. Lesser und Doll gegen den Norweger Svendsen um Bronze.

Keine Ahnung, wer da besser sprintet. Sieht mir alles nach Fourcade aus.

20.51 Uhr: Ist es auch. Fotofinish. Fourcade, Peiffer, Svendsen, Doll, Lesser, Peiffer auf dreizehn.

Wie viele Zentimeter waren das?

Herrliches Zielbild. Für Fourcade der vierte Olympiasieg – zwei Mal Sotschi, zwei Mal hier.

20.58 Uhr: Und nun: Weiter arbeiten. Die Engländer wählen den anderen Kanal: Freestyle, Aerials.

21.03 Uhr: Mensch, kaum lasse ich mich mal vom Sport treiben, verpasse ich das Beste:

21.18 Uhr: Nichts als Häme. Diese Journalisten. Unmöglich.

Da will ich mich nicht lumpen lassen:

22.39 Uhr: Natürlich dreht der Olympische Geist jetzt groß auf:

00.29 Uhr: Das IOC sagt:


Wie nett bin ich eigentlich, dieses Zeug ständig im Original zu verbreiten?

Irrsinn, oder?

Verbreiten die denn mein Zeug, meine Texte?

Arbeiten die sauber und beantworten Fragen, veröffentlichen Dokumente?

Anyway, my 2cents so far, nachrichtlich runtergeschrieben:

Russland und das Doping: Die unendliche Geschichte hat ihr nächstes Kapitel. Die Führung des russischen Teams, das offiziell Olympiasportler aus Russland (OAR) heißt, wurde vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) über die positive A-Probe des Curlers Alexander Kruschnelnizki informiert, berichteten russische Medien. Kruschnelnizki hatte mit seiner Ehefrau Anastassja Brysgalowa am vergangenen Dienstag im Mixed-Wettbewerb die Bronzemedaille gewonnen. Ihm wurde offenbar der Gebrauch des Herzmittels Meldonium nachgewiesen.

Meldonium bleibt im russischen Sport ein Renner. Eine Hundertschaft Russen, darunter ein weiterer Bronzemedaillengewinner von PyeongChang, der Shorttracker Semjon Jelistratow, hatte das Medikament in der Vergangenheit verwendet. Sie kamen wegen sportrechtlicher und analytischer Unstimmigkeiten dennoch meist ungestraft davon. Seit Januar 2016 steht Meldonium auf der Dopingliste. Meldonium, produziert von einem lettischen Pharmaunternehmen, ist in einigen Staaten Osteuropas zugelassen, nicht in Deutschland. Seine Wirkung ist mit der von Insulin vergleichbar – ebenfalls ein Hit als Dopingmittel. Meldonium verbessert die Blutversorgung und erhöht die Ausdauer.

Es handelt sich nicht um den ersten Dopingfall unter russischen Curlern. Im Untersuchungsbericht des kanadischen Doping-Sonderermittlers Richard McLaren taucht die Curlerin Ekaterina Galkina auf, deren positive Probe vernichtet worden sein soll. Galkina wurde mit dem russischen Team Sechste bei den Winterspielen 2014 in Sotschi, deren Ergebnislisten noch einige Zeit korrigiert werden müssen.

Am Montag wird die B-Probe Kruschnelnizkis geöffnet. Die ad-hoc-Kammer des Welt-Sportgerichtshofes CAS wird dann binnen 24 Stunden, im Laufe des Dienstags, ein Urteil fällen. Gemäß russischen Medienberichten hatten sich Kruschnelnizki und Brysgalowa in Japan vorbereitet und hatten dort am 22. Januar auch eine Trainingskontrolle. Schon werden Legenden gestrickt: Sie sollen befürchtet haben, ein Rivale aus dem eigenen Team wolle ihnen Meldonium in Getränke schütten. Ihr Trainer Dimitri Melnikow erklärte, Kruschnelnizki habe Meldonium „bis 2016 genommen, bis es verboten wurde“.

Ende dieser Woche wird eine von insgesamt vier umstrittenen IOC-Kommissionen, die mit der Aufarbeitung des russischen Dopingsystems betraut waren, ihre Empfehlung abgeben, ob die Suspendierung des russischen NOK aufgehoben werden soll. Mit der Schlussfeier der Winterspiele sollte nach dem Willen des IOC eigentlich ein Schlussstrich unter einen gigantischen Betrug gezogen werden, der den Weltsport gespalten hat.

Sollte die B-Probe den Meldonium-Dopingfall bestätigen, davon ist auszugehen, kann die von Nicole Hoevertsz (Aruba) geleitete dreiköpfige IOC-Kommission kaum eine positive Empfehlung aussprechen. Doch im IOC ist nichts ausgeschlossen. Hoevertsz gehört wie Lindberg zu den treuesten Gefolgsleuten des IOC-Präsidenten Thomas Bach, wurde mit zahlreichen Aufgaben betraut und sitzt mittlerweile im IOC-Exekutivkomitee.

Am 6. Februar hatte das russische IOC-Mitglied Schamil Tarpischtschew auf der IOC-Vollversammlung behauptet, Russlands Sportler seien die saubersten der Welt, hätten das beste Dopingkontrollsystem, transparent und völlig unabhängig vom Staat. Am Samstag erklärte das schwedische IOC-Exekutivmitglied Gunilla Lindberg in einem Gespräch mit Journalisten: Sportler anderer Nationen, die Russland kritisieren oder russische Athleten mit Nichtachtung strafen, würden gegen olympisches Fairplay verstoßen.

Eigentlich war alles gerichtet für die Wiedereingliederung des russischen NOK nach nicht einmal drei Monaten. Die wenigen mahnenden Stimmen im IOC wurden als Abweichler gebrandmarkt. Nur zwei IOC-Mitglieder, Richard Pound aus Kanada und Adam Pengilly aus Großbritannien, verweigerten Bach die Gefolgschaft. Sie enthielten sich der Stimme, als Bach fragte, ob die Session hinter den Russland-Beschlüssen des Exekutivkomitees vom 5. Dezember 2017 stehe. Pound kündigte an, der Schlussfeier fernzubleiben, sollten die Russen unter ihrer Flagge einmarschieren.

Pengilly hatte schon auf der IOC-Session 2016 in Rio de Janeiro als damals einziges Mitglied gegen Bachs Russland-Politik gestimmt. Pengillys Amtszeit als Athletensprecher läuft mit Ende dieser Winterspiele aus. Weil er in einem Disput mit einem Sicherheitsbeamten in PyeongChang offenbar die Nerven verloren hat, wurde er von der IOC-Ethikkommission vorzeitig nach Hause geschickt. Sein Fall bleibt widersprüchlich und wirft Fragen auf, ob es sich um eine Racheaktion an Pengilly handelt.

cf #1

Gibt es denn gar nichts Positives? Doch — eine A-Probe mit Meldonium!

Ein Curler. Aus Russland.

Ausgerechnet²
;-)

JW #2

Recht so, cf?

Herbert #3

Welchen Grund hatte er zu dopen ?
Entweder
Alexander Kruschelnizki hat „keine Verantwortung für das Ganze“
oder er hat ein Beziehungsproblem
oder er ist einfach nur dä****h
oder die Probe war schlecht verschlossen.
In welchem Land will er denn jetzt (politisches) Asyl beantragen ? Nach Russland kann er jedenfalls nicht.

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