live aus Rio (4): breite Spektren, dichte Unterkünfte und Wir-für-Deutschland-Brötchen

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BARRA DA TIJUCA. Barra Blue Beach Point, Av. Lucio Costa 8060. Deutsches Haus. Ort von Tränen aller Art. Stätte der Prognosen, verpufften Strategien, unerfüllten Wünsche und Überraschungen. Ab heute täglich. Erste Pressekonferenz des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). Live und in Farbe.

Es ist immer interessant, diesen Ausführungen zu lauschen. Wer mag, kann die Suchfunktion benutzen und derlei Berichte aus Peking, Vancouver und London nachlesen.

Rio 2016, DOSB-PK mit Dirk Schimmelpfennig, Michael Vesper und Ulrike Spitz

Michael Vesper, Chef de Mission und Vorstandsvorsitzender des DOSB, der sportliche Leiter Dirk Schimmelpfennig und Pressesprecherin Ulrike Spitz.

Und es spricht Michael Vesper.

Es ist klar, das Olympische Dorf ist kein Fünfsterne-Hotel, sondern es ist eine sehr einfache Unterkunft. Eine, die sehr dicht ist und die die Sportlerinnen und Sportler aus mehr als 200 Nationen sehr eng zusammenführt.

Voilà.

Die Zimmer sind sauber und funktional, sagt Schimmelpfennig. „Seit heute Morgen liefern wir auch deutsches Brot aus dem deutschen Haus in unser Quartier.“

Es gibt „Wir für Deutschland Brote und Brötchen“, sagt Vesper.

Die Stimmung ist sehr gut. Das Spektrum dieser Mannschaft ist ja auch sehr breit.

Statistik der deutschen Olympiateilnehmer: 46 bis 150 Kilo, 15 bis 53 Jahre. Alles dabei.

Das dunkle Brot schmeckt. Ich habe verkostet.

Das dunkle Brot schmeckt. Ich habe verkostet.

Und es spricht Dirk Schimmelpfennig.

Immer wieder herrlich, die Sprache der Sportbürokraten (nicht böse gemeint, Herr Schimmelpfennig):

Gesamtteilleitermannschaftssitzung gestern, vorher einzelne Teilmannschaftsleiter in Einweisungsgesprächen.

Olympischer Standard ist immer ein Stück weit spartanisch, sagt Herr Schimmelpfennig. (Gilt nicht für internationale Verbandsfürsten und das IOC.)

CDM Meeting = Chef de Mission Meeting, findet immer morgens mit OK und IOC statt.

Flexibilität und Improvisationskunst sind gefragt.

Eine verletzte deutsche Sportlerin, war gestern gewiss in den Agenturen, weil beim Training wegen des Windes eine Ersatzbank umgekippt ist. Ich sage mal voraus, dass das nicht das einzige sein wird, was in Rio während der Spiele umkippt oder zusammenbricht. Hoffen wir, dass nichts Schlimmeres passiert als ein angeknackter Fuß.

Was kostet denn dieses ganze Unternehmen?

Die Kosten unserer Teilnahme hier in Rio insgesamt belaufen sich auf etwa 9 Millionen Euro.

An- und Abreise, Transport der Pferde, Einkleidung, Frachtkosten etc. Wie immer (ca die Hälfte/etwas mehr) vom Bund finanziert: diesmal 5,5 Mio Euro. Etwa eine halbe Million vom IOC plus Unterkunft und Verpflegung im Olympischen Dorf. Ca drei Millionen vom DOSB.

Vesper berichtet nun über das Flüchtlingsteam, das gestern auf der IOC-Session vorgestellt wurde. IOC-Fernsehmann Yiannis Exarchos (Olympic Channel) hat gestern klar gesagt, worum es bei der Verbreitung der Geschichten des Flüchtlingsteams auch geht: Teil der olympischen Propaganda. Das ist nicht meine Boshaftigkeit, sondern Realität.

Any Questions?

Christian Keller, laut eigener Vorstellung „früher Sportler, jetzt für das ZDF vor Ort“, sagt: „Ja, Michael, Du warst ja schon vor Ort … Dein Eindruck auch im Vergleich zu anderen Olympischen Spielen?“

Das beginnt ja richtig kernig.

Probleme im Olympischen Dorf weitestgehend gelöst, die Atmosphäre entwickelt sich gerade, sagt Vesper.

Ich frage danach, welche deutschen Sportler als Nachrücker in Frage kommen, sollten Russen gesperrt werden und ihre Quotenplätze loswerden.

Vesper:

Was wäre wenn? Das ist kompliziert zu beantworten. Aber ich plädiere dafür, lieber abzuwarten und nicht zu spekulieren, wie die Entscheidungen sind, die heute, morgen und übermorgen getroffen werden und dann zu sehen, was passiert.

Dirk Schimmelpfennig:

Wir haben das natürlich gecheckt, welche Athleten möglicherweise nachrücken könnten. Volleyballer hatten was organisiert und wieder abgesagt. Die formalen Voraussetzungen haben die Kandidaten erfüllt. Wir gehen aber heute davon aus, dass wir im wesentlichen nicht betroffen sein werden. Man muss sehen, wie sich die Entscheidungen der internationalen Spitzenverbände nach den Entscheidungen von CAS und IOC noch verändern.

ARD-Frage nach der Stimmung im Team #Doping #McLaren.

Vesper sagt, das IOC habe den Russen keinesfalls einen Freibrief erteilt. Hatte das jemand behauptet?

Ein Bann hätte ein hohes rechtliches Risiko bedeutet in so einer kurzen Zeit. Das IOC hat eben gesagt, man muss auch die Rechte und Interessen der nicht überführten Athleten im Auge haben.

Schimmelpfennig sieht eine „Dreiteilung“.

  1. wünschen sich Athleten ein klares Zeichen und eine Reaktion auf den Betrug.
  2. soll dieses Zeichen nicht auf Kosten von Sportlern gesetzt werden, die ehrlichen Sport betreiben.
  3. man soll sich jetzt auf den Sport konzentrieren.

Ich erlaube mir danach zu fragen, ob es schon ein Gespräch mit Robert Harting gab, von dem bundesweit berichtet wurde, und was passiert, wenn sich deutsche Sportler in Rio de Janeiro mit Meinungen äußern, die von Vespers Postulaten abweichen?

Also Herr Weinreich, es herrscht bei uns Meinungsfreiheit. Und jeder darf seine Meinung sagen, jeder muss dann aber hinnehmen, dass man auch mal eine andere Meinung hat und die auch äußert. Das ist Teil der Meinungsfreiheit.

Ich habe nie gesagt, ich würde Herrn Harting einbestellen. Erstens funktioniert das sowieso nicht bei Herrn Harting.

Jeder Sportler hat seine Meinung. Es gibt keinen Maulkorberlass.

Das Gespräch gab es noch nicht, weil Herr Harting noch nicht hier ist.

„Russland ist ein extremes Beispiel einer geradezu horriblen Situation“, sagt Vesper.

„Horrible Situation.“ I like that.

„Kriminalität des sogenannten Antidoping-Systems in Russland.“

Der Kollege von der FAZ fragt weniger, als dass er drei-, viermal seine Meinung äußert.

Jürgen Ahäuser fragt, ob es vorstellbar sei, dass Thomas Bach Robert Harting eine Medaille umhängt.

Vesper:

So wie ich Herrn Bach kenne, hat er überhaupt keine Probleme damit, eine sportliche Leistung anzuerkennen.

Einige Harting-Sprüche „hatten keine sehr große Halbwertszeit“.

Schwimmer im Olympischen Dorf in abgedunkelten Unterkünften, mit Tageslichtlampen etc pp, damit sie sich besser auf die ungewohnten Wettkampfzeiten gewöhnen bzw darauf vorbereiten können.

349 Personen derzeit im deutschen Team im Dorf (es gibt weitere Unterkünfte), „551 beim Peak am 14. August“. Also, souverän von Schimmelpfennig, heute 63,3 Prozent der Mannschaft im Dorf.

Wie viel nun insgesamt inklusive nicht-akkreditierter Teil?

  • 423 Sportler plus 23 P-Akkreditierungen – hat offenbar mit Pferden zu tun. Ungefähr 15 Pferde akkreditiert, sagt Schimmelpfennig.
  • „Daraus ergibt sich die Akkreditierungsgröße 252 Trainern und Betreuern.“
  • Insgesamt 750 bis 800 Menschen, sagt Vesper.

„Beim Essen“ wollen die Deutschen „in den nächsten Tagen auch noch einen Fortschritt machen“.

Nun zu den Medaillen.

Es geht ein bisschen darum, dass wir im Zuge der Entwicklung den Leistungsstand des deutschen Leistungssports darstellen.“

Sagt Schimmelpfennig.

London 44 Medaillen.

Wir würden gern ein Ergebnis haben, aus dem man eben nicht schließt, dass wir schlechter geworden sind. Wir wollen die Spiele gestalten mit Ausdauer und Geduld.

Schimmelpfennig teilt Olympia in Quartale auf.

  1. Quartal: 55 Entscheidungen.
  2. Quartal: 84 Entscheidungen.
  3. Quartal: 80 Entscheidungen.
  4. Quartal: 87 Entscheidungen.

Wir orientieren uns an dem Ergebnis von London und bauen darauf für 2020/2024 auf.

Geduldig, konzentriert, demütig. Nicht überpacen.

Jeder Sportler, der sich ehrlich vorbereitet hat, soll auch hier bei der Zielveranstaltung versuchen, das Maximale zu erreichen.

Und damit verabschiede ich mich aus dem Deutschen Haus und setzte meinen so-gut-es-geht-live-Blog von der IOC-Session fort.

Chris #1

Alte Herren in Trainingsanzügen finde ich ja immer etwas befremdlich. Aber gut.

Ulrich #2

Nähe zum Sport zeigen – das gehört so mit den Trainingsanzügen. Grandios war hier doch z.B. Eike Emrich bei den Leichtathleten, dessen ausufernder Sozologieslang gar nicht so recht dazu passen wollte ;-)
BTW: Lag die so prominent ins Bild gerückte Schokolade mit dem Extra Milch auch für die Journalisten aus? :-)

JW #3

@ Ulrich

Schokolade? Nichts gesehen.

Aber fünf kleine Ecken Wir-für-Deutschland-Brot habe ich verspeist. Ich gestehe.

Andreas #4

Wenn es hier um Brot und Schokolade geht … stimmt das eigentlich mit dem Apfelschorle für die Pferde? (scnr)

JW #5

Keine Ahnung von Pferden, Andreas.

Bitte vergiss nicht, dass ich hier nur ein Milliardstel von den Spielen mitbekomme.

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