Strategiepapier “DOSB 2020”, Olympiabewerbung und das Einheitsprinzip “von Klarheit und Wahrheit”

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Lassen wir einen Augenblick lang Putin Putin sein und reden über den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB). Dessen tollpatschiger Präsident Alfons Hörmann macht in der Russland-Frage erwartungsgemäß auch keine gute Figur, weil er wieder nur auf der von seinem großen IOC-Vorbild Thomas Bach ausgelösten Welle surft. Der DOSB hat neben Hörmann mindestens einen weiteren glühenden Verehrer des IOC-Präsidenten, und dieser heißt Michael Vesper, bekleidet das Amt des Vorstandsvorsitzenden und ist während der Sommerspiele in Rio erneut Chef de Mission des deutschen Olympiateams. An die konsequent suboptimale Performance von Hörmann und Vesper hat sich “Sportdeutschland” (DOSB-Slogan) längst gewöhnt, bei zwei am Bürgerwillen gescheiterten Olympia­bewerbungen (2022, 20…


Lassen wir einen Augenblick lang Putin Putin sein und reden über den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB). Dessen tollpatschiger Präsident Alfons Hörmann macht in der Russland-Frage erwartungsgemäß auch keine gute Figur, weil er wieder nur auf der von seinem großen IOC-Vorbild Thomas Bach ausgelösten Welle surft. Der DOSB hat neben Hörmann mindestens einen weiteren glühenden Verehrer des IOC-Präsidenten, und dieser heißt Michael Vesper, bekleidet das Amt des Vorstandsvorsitzenden und ist während der Sommerspiele in Rio erneut Chef de Mission des deutschen Olympiateams. An die konsequent suboptimale Performance von Hörmann und Vesper hat sich “Sportdeutschland” (DOSB-Slogan) längst gewöhnt, bei zwei am Bürgerwillen gescheiterten Olympia­bewerbungen (2022, 2024) war das wunderbar zu bestaunen – Vesper hat in verschiedenen Funktionen zusätzlich die gescheiterten Bewerbungen 2012 und 2018 mit zu verantworten.

Von Vesper hört man derzeit nicht so viel, das wird sich mit den in Rio de Janeiro anstehenden täglichen DOSB-Pressekonferenzen (jeweils 14 Uhr MESZ) und den üblichen Wasserstandsmeldungen zum Stand der Medaillen ändern. In einem deutschlandweit agierenden Radiosender, in dem Vesper eine Art Stammplatz- und Sendegarantie genießt, durfte er kürzlich eine gute halbe Stunde ungebremst darüber fabulieren, dass Rio de Janeiro bestens auf die Olympischen Spiele vorbereitet sei. Während alle Welt über RICO-Sportverbände (FIFA, IAAF et al) und darüber debattiert, ob diese Olympischen Spiele als Milliarden verschlingendes Mega-Event noch zeitgemäß sei, zumal wenn Figuren wie Wladimir Putin, Xi Jinping, Emir Tamim Bin Hamad Al-Thani, Ílham Alijew oder Gurbanguly Mälikgulyýewiç Berdimuhamedow, der in Turkmenistan auch schon für sechs Milliarden Dollar einen Olympiakomplex aus dem Boden gestampft hat, über die Spiele gebieten oder sich danach verzehren, während also die Sinnfrage gestellt wird und in Deutschland zuletzt zweimal die Bürger (München, Hamburg) Nein gesagt haben zu derlei Projekten, geben Vesper und Hörmann keine Ruhe.

Deutschland solle sich wieder für Olympische Spiele bewerben, steht im Entwurf eines Strategiepapiers, das kürzlich an die Fachverbände verschickt wurde. Fast hatte man es vergessen.


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Ralf #1

Konzept nachhaltiger Sportgroßveranstaltungen insbesondere Olympischer Spiele weiterentwickeln

Ich dachte, die letzten beiden Konzepte waren schon so nachhaltig, daß es nachhaltiger eigentlich gar nicht mehr geht!?

Ob “man” mit einer Bewerbung um Winter- oder Sommerspiele rechnen muß, kann ich leider nicht herauslesen.

gun #2

Ein Dokument der Hilflosigkeit, das konsequent an den Problemen vorbeizielt. Im Kern erkennt man nur den dringenden Wunsch des DOSB nach mehr Macht, um im Sport “durchzuregieren”. Die beschriebenen Ziele sind in der aktuellen DOSB-Organisationsstruktur nicht umsetzbar. Kein Spitzenfachverband und kein Landessportbund wird auch nur Teile seiner eigenen Hoheitsbefugnisse an den DOSB übertragen. Die gegenwärtige Situation verursacht im Breitensport weniger Schmerzen als im Leistungs- und Spitzensport. Dieser sucht in schwierigen Anpassungsprozessen nach tragfähigen Lösungen und wird durch fragwürdige Aktivitäten des DOSB (z.B. Meilensteingespräche, Anti-Doping Gesetz, NADA Finanzierung) eher ausgebremst.
Richtig wäre es, die Verantwortung für den Leistungs- und Spitzensport konsequent in die Fachverbände zu delegieren. Dort wird er gemacht und dort muss darüber entschieden werden. Bundes- und Landesfachverbände müssen in einer gesamtheitlichen Leistungssportförderung kooperieren. Die Olympia-Stützpunkte haben sich unterzuordnen. Die fiktive Aufgabenteilung “Spitzensport – Bund” und “Nachwuchsleistungssport – Land” ist durch die Realität längst eingeholt. Wenn der DOSB seine Rolle als Dienstleister und nicht als Steuerer für diesen Prozess begreifen würde, könnten erhebliche Kräfte wirksam gemacht werden.
Leider scheint die Dachorganisation des deutschen Sports auf einem anderen Trip zu sein.

JW #3

Klar, gun, es geht immer darum, den Status Quo zu erhalten und zu regieren. War im Grunde auch Kern der Auseinandersetzung mit den Spitzenverbänden kürzlich, die FAZ hatte das ausführlich beschrieben, ich hab mal einen Link nachgetragen, aber das kennst Du offenbar alles bestens.

sternburg #4

Ich fange mal ganz vorne an: Der DOSB hat einen Präsidenten und einen Vorstandsvorsitzenden? Ein Präsidium und einen Vorstand? Nach welchen Kriterien werden denn die Kompetenzen dieser beiden Organe abgegrenzt?

Entschuldigt bitte, wenn das schon Thema gewesen sein sollte.

sternburg #5

Man soll ja nichts fragen, was man selber googeln kann:

“Der fünfköpfige hauptamtliche Vorstand mit seinem Vorstandsvorsitzenden Michael Vesper ist für das operative Geschäft zuständig, dem ehrenamtlichen Präsidium obliegt die Aufsicht des Vorstands und die künftige strategische Ausrichtung des DOSB.”

Aha, Das ist also bloß eine seltsame Namensgebung, es handelt sich beim Präsidium um einen ganz normalen Aufsichtsrat. Den kann so ein e.V. natürlich benennen, wie er Bock hat. Aber dann muss er auch damit leben, wenn unbedarfte Beobachter wie ich über Ihre Verlautbarungen stolpern.

Hmm… fünf hauptamtliche Stellen allein für die Führung. Ist es wohl sehr ketzerisch, sich zu fragen, was die wohl so den ganzen Tag machen (außer inhaltsleere Strategiepapiere zu formulieren)? Und ob die noch Leute brauchen?

Robert Klemme #6

Das Sprachgeschwurbel ist schon ziemlich seltsam. Man merkt, dass die Protagonisten bereits längere Zeit (Verbands-) Politik betreiben. Insgesamt entsteht bereits sprachlich der Eindruck von Abgehobenheit, der sich dann auch in den “erfolgreichen” Olympia-Bewerbungen bestätigt. Es ist schade, dass nicht einmal bei einem doch verhältnismäßig wenig komplexen Thema wie dem Sport eine klare Sprache gesprochen wird, die die Bürger und Athleten auch anspricht – immerhin geht es ja nicht um Rakentenwissenschaft. Dabei wäre es doch gerade in Zeiten zunehmenden Verharrens vor Bildschirmen wichtig, Sport und Bewegung zu stärken. Stattdessen beschäftigt sich ein kleiner Kreis mit irren Ideen und kreist in seinem Raumschiff in hoher Umlaufbahn um den Planeten…

Ralf #7

DW: Sioux kehrt DOSB den Rücken

Bezogen auf unseren wichtigsten Markt, Deutschland, ist zudem festzustellen, dass die Verwurzelung der Bürger mit dem Sport und dem Thema Olympia etwas abnimmt. Das beste Beispiel hierfür sind die missglückten Abstimmungen zu Olympischen Spielen in Garmisch-Partenkirchen oder Hamburg.

Ralf #8

Anno Hecker in der FAZ: Krise des Spitzensports: Die Deutschen verlieren den Glauben

Der Formulierung „Ich habe Vertrauen, dass deutsche Sportfunktionäre moralisch integer handeln und die Einhaltung von Regeln sowie FairPlay und Unbestechlichkeit beachten“, stimmten nur 26,99 Prozent (von 1871 Befragten) zu.

Stefan #10

Der deutsche Schwimmbundestrainer (Bundesschwimmtrainer?) Lambertz beklagt die mangelnden Muskelberger der deutschen Schwimmer.

„Unter allen Schwimmern der Nationalmannschaft, die bislang überprüft wurden, gab es nicht einen oder eine, die unsere Orientierungswerte in Gänze erreicht hat.“

Niemand von denen war in der Lage, den Elefanten aus dem Raum zu schubsen.
https://taz.de/Krise-der-deutschen-SchwimmerInnen/!5418258/

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