Sportförderung des Bundes im Olympiajahr 2012 und die Demokratie-Profis im Bundestags-Sportausschuss

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Einige Anmerkungen und Dokumente zur insgesamt unterirdischen Arbeit des Bundestags-Sportausschusses am Beispiel der aktuellen Haushaltszahlen zur Sportförderung 2012 durch den Bund. Zunächst die Fakten: Im Etatansatz für 2012 finanzieren 9 Bundesressorts mit 239,4 Millionen Euro Maßnahmen auf dem Gebiet des Sports. Das sind knapp 2 Millionen weniger als im laufenden Jahr, aber 3,5 Millionen mehr als im Winter-Olympiajahr 2010. Als bessere Vergleichsgröße mag das Jahr 2008 herhalten, das Jahr der Sommerspiele in Peking: Demnach stellt der Bund im Olympiajahr 2012 mit den Sommerspielen in London 26 Millionen Euro mehr zur Verfügung als 2008. Der größte Anteil entfällt wie imme…


Einige Anmerkungen und Dokumente zur insgesamt unterirdischen Arbeit des Bundestags-Sportausschusses am Beispiel der aktuellen Haushaltszahlen zur Sportförderung 2012 durch den Bund.


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dré #1

Auf iley.de findet ihr einen aktuellen Artikel von Daniel Drepper zum Thema Sportförderung.

Sportwissenschaft #2

Geht das schon wieder los. Das Thema Doping wird wieder vernachlässigt, die Kontrollen qualitativ herunter geschraubt wg. fehlender, finanzieller Mittel und der Sportler kann sich wieder volldröhnen, so dass die Rekorde nur so purzeln. Ich fasse es nicht!!

Gibt es eigentlich eine wissenschaftliche Arbeit, wieviele Sportler betrogen worden sind, da ihre Konkurrenten (nachträglich) verbotene Substanzen eingenommen haben?

Soweit wie in den 1980´ern wird es nicht mehr kommen aber das ist doch der völlig falsche Ansatz, hier zu sparen!

mb #3

Die Personalausstattung in der parlamentarischen Sportpolitik auf Bundesebene ist eigentlich gut:
– 18 Sportausschussmitglieder
– mindestens 3 stellvertretende Ausschussmitglieder, die sportpolitisch in Erscheinung treten (Zypries, Seifert, Roth) sowie mindestens 2 Abgeordnetete des Haushaltsausschusses, die sich mit Sportpolitik beschäftigen (Barthle, Danckert)
– idealtypischer Weise ca. 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den dazugehörigen Abgeordnetenbüros
– mindestens 3 Referentinnen oder Referenten für Sportpolitik, die in den Bundestagsfraktionen angestellt sind
– 5 engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Sportausschusssekretariats sowie 1 Angestellter in der Bundestagsverwaltung im Bereich des Wissenschaftlichen Dienstes.

Ich habe nicht aufgeteilt zwischen Vollzeit und Teilzeit. Nicht eingerechnet habe ich die ca. 40 bis 50 Angestellten in den Bundesministerien.

mb #4

Eine kleine Korrektur zu diesem sehr guten Text sei mir noch gestattet: Nicht etwa die gesamte BMI-Sportförderung von ca. 132 Mio. Euro kann man als die „zentralen Maßnahmen auf dem Gebiet des Sports“ bezeichnen, sondern nur die Maßnahmen, die sich im Haushaltstitel 684 11 finden. Das Ausgabevolumen beträgt 2010 und 2011 jeweils plusminus 94 Mio. Euro. Für die Förderung des Hochleistungssports in Deutschland ist das die entscheidende Zahl.

Jens Weinreich #5

Ist mir schon klar, dennoch Danke für den Hinweis. Im Blog hätte ich das besser aufbereiten müssen – für den DLF-Beitrag gab es schon Zahlen genug.

Ralf #7

BMI:

Sportlicher Erfolg in der Spitze motiviert zugleich viele junge Menschen zu eigener sportlicher Aktivität.

AP: Britain’s drive to increase sports participation is slowing down

21 of 30 selected sports had a decrease in the number of participants since 2007
[…]
„The reason the BOA looked to bid to host these games originally was in part because it would lead to a step change in sport throughout the whole country […] We are a long way from delivering that step change.“
[…]
„We are in danger of failing completely on the long-term sporting legacy of the games.“

indykiste #9

Ich finde, das ist vorbildliche Sportförderung:

München (SID) – Der Stadtrat von München hat einstimmig einen Zuschuss von einer Million Euro für die Austragung des Endspiel der Champions League am 19. Mai 2012 in der bayerischen Landeshauptstadt gebilligt. Nach dem Willen der Europäischen Fußball-Union (UEFA) wird die Stadt damit den Großteil der auf insgesamt 1,3 Millionen Euro veranschlagten Kosten für die Organisation und das Rahmenprogramm tragen. Oberbürgermeister Christian Ude räumte vor der Abstimmung offen ein, es sei ein Fehler gewesen, den Vertrag mit der UEFA ohne die vorherige Einwilligung des Stadtrates zu schließen.

München: Eine Million Euro für CL-Endspiel

Danke für diesen großartigen Einsatz für den unterentwickelten Fußballsport in dieser von Erfolgslosigkeit gebeutelten Stadt!

Ralf #10
Ralf #11
Ralf #12

Karl-Heinrich Bette im DLF-Gespräch mit Herbert Fischer-Solms: „Auftrags-Bestellung nach Art von Parteien“ – Zweifel an der Seriosität der Sporthilfe-Umfrage zum Image des Spitzensports

Die Vorbildfunktion und Außendarstellung seien beispielhaft – so lauten zwei Ergebnisse einer sogenannten Studie, die die Stiftung Sporthilfe im Auftrag der Deutschen Sporthochschule jetzt zum Spitzensport vorgelegt hat.

Herbert #13

Gut, dass es der Soziologe Prof. Bette mal hierher geschafft hat. Ich kann mich noch gut an die Diskussionen zu Doping erinnern, wo man sich hier deutlich distanziert zu seinen Auffassungen positionierte.

In der Buchrezension
von Bettes „Sportsoziologische Aufklärung“ von Ralf Meutgens findet man das Komprimat seines nachwievor verdrängten Diskussionsansatzes.

Zum Doping – ein Thema, das Bette seit vielen Jahren umtreibt -wird dargestellt, wie Doping im öffentlichen Diskurs behandelt wird. Als problemverschärfend identifiziert er den personalisierenden Umgang mit Doping in Sport, Recht, Pädagogik und Massenmedien. In diesen Bereichen werde Doping, entsprechend der Theorie des schwarzen Schafes, nahezu ausschließlich dem Fehlverhalten einzelner Menschen zugerechnet. Diese kollektive Personalisierung diene, so Bette, vorrangig dazu, die zahlreichen Verstrickungen zwischen Sport, Wirtschaft, Politik, Massenmedien und Publikum auszublenden und das Problem trotz flächendeckender Normverstöße als noch beherrschbar darzustellen. Das habe dazu geführt, dass die Behandlung des Dopingproblems durch den organisierten Sport bereits bei der Definition in eine Sackgasse geraten und dort bis heute nicht herausgekommen sei.

http://www.dradio.de/aodflash/player.php?station=1&broadcast=942284&datum=20111023&playtime=1319389800&fileid=ae8a8e67&sendung=942284&beitrag=1586450&/

Ralf #14

zu # 7:

Owen Gibson im Guardian: Sport participation numbers fall despite Olympic legacy promises

The only four sports to show a statistically significant increase in once-a-week participation since 2007-08 are boxing, table tennis, mountaineering and athletics. Over that period, a total of 19 sports have seen their numbers shrink. Swimming has declined from 3.24m to 2.81m, while tennis has gone down from 487,500 to 375,800.
[…]
„This government has been a disaster for sport from day one – cutting over 60% of funding from school sports is not the way to increase future participation in sport and deliver a lasting legacy from the Olympic Games.“

Ralf #15

Claudio Catuogno in der SZ (28.12.): Wahrheiten neben dem Treppchen

Für die Zeit nach London kündigt [DOSB-Präsident Thomas Bach] ‚eine General-Revision des Leistungssports‘ an, alles werde dann ‚auf den Kopf gestellt‘. Aber schon heute hat Bach so eine Vermutung, was am Ende herauskommen wird: dass der Sport mehr Geld braucht für die Medaillenproduktion. Aber muss man jedes Wettrüsten mitmachen?

Wolfgang Zängl für nolympia.de: Bach und das Geld

Also, Deutschland, Merkel, wer auch immer: Überweise dem DOSB sofort noch mehr Millionen Euro – sonst keine olympischen Medaillen.
Sehr wahrscheinlich erzählt der jeweilige olympische Chef von China, Russland, Großbritannien, Japan, Südkorea dasselbe über seine jeweiligen Konkurrenten.

sid (27.12.): Thomas Bach im Interview: „London wird härter als Peking“

Ralf #16

Gunter Gebauer im Tagesspiegel-Interview mit Friedhard Teuffel: „Der Sport hat jede Vorbildwirkung verloren“

Der organisierte Sport spricht von einer Pyramide: Wir brauchen oben Idole, damit unten Jugendliche mit Sport anfangen, anstatt sich vor den Computer zu setzen.

Das hatte sich Pierre de Coubertin in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts ausgedacht. Aber dadurch wird sie nicht zutreffender. Man kann natürlich sagen, wenn ein Land sehr erfolgreiche Sportler hat, zieht das die Jugendlichen in diese Sportarten. Da entsteht ein großer Sog. Aber es gibt auf der anderen Seite auch ganz viele Sportarten, die ohne jedes Idol auskommen: Straßensportarten, Abenteuersportarten wie Mountainbike, Skateboard, Inline-Hockey. Es gibt zwar keine Zahlen, aber Schätzungen, nach denen die Hälfte der Jugendlichen von solchen Sportarten angezogen wird. Die denken gar nicht daran, in einen Sportverein zu gehen. Sie wollen auch mit den Idolautoritäten des Sports nichts zu tun haben.

Also ist diese Pyramide eine weitere Lebenslüge des Sports?

Würde ich sagen. Denn sie hilft, den Spitzensport zu rechtfertigen. Indem man sagt, der Spitzensport muss gefördert werden, weil dann der Nachwuchs kommt. Aber so einfach ist es nicht.

gun #17

Die Pyramide existiert neben dem freien unorganisierten Sportbetrieb.Beides ist Ausdruck von Werten und Einstellungen unserer Gesellschaft, die sich im Sporttreiben ausdrücken. Gebauer würde sicher nicht bestreiten, dass die Fußball Nationalmannschaft eine gewisse Vorbildwirkung für Jugendliche hat…oder? Wenn wir von Sport sprechen, ist damit häufig der organisierte Sport in Vereinen und Verbänden gemeint. Das ist nur ein Teil des Ganzen. Daneben gibt es eine Reihe von Sportangeboten, die völlig ohne Verein existieren. Aber auch dort gibt es Vorbilder und Nachahmer. Was die Begründung zur Finanzierung des Spitzensports aus Steuermitteln angeht, liegt Gebauer richtig. Die Pyramiden- bzw. Repräsentationsbegründung ist von Vorgestern.

Ralf #18

zu # 10/11:

SZ: Teures Finale der Champions-League

Nach Auskunft von Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) steht aktuell ein Nachschlag von rund 30 Prozent zur Debatte – was in etwa 300000 Euro ausmacht. Verantwortlich seien vor allem verschärfte Sicherheitsvorkehrungen

30% Kostensteigerung in gut 3 Monaten!? Da wäre bis 2018 ein hübsches Sümmchen zusammengekommen…

Ralf #19
Ralf #20

Silke Lode in der SZ: München muss Uefa-VIP-Fest zahlen – Geheimsache Fußball-Party

200 000 Euro gibt dieser Geldgeber für das VIP-Fest aus und bleibt doch völlig im Hintergrund. Er mischt sich nicht ins Programm ein und hat auch bei der Gästeliste nicht viel mitzureden. Allerdings ist er der Öffentlichkeit Rechenschaft schuldig und legt sein Engagement ganz korrekt in öffentlichen Akten dar. Denn dieser großzügige Sponsor ist die Stadt München.

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