“Wem gehört der Sport? Journalismus, TV-Rechte und die Kontrolle der Bilder im Zeitalter von Twitter”

 •  • 21 Comments

VANCOUVER. Ich habe gestern im Beitrag “Vancouver 2010: die ersten Olympischen Social-Media-Spiele” gefragt, ob ich nicht einen Text von René Martens aus der Zeitschrift Funkkorrespondenz veröffentlichen könne, der mir sehr wichtig scheint. Dieter Anschlag, Chefredakteur der Funkkorrespondenz, reagierte schnell und stellt den Beitrag zur Verfügung. Vielen Dank. Martens liefert für meine Begriffe einen ziemlich guten Überblick zum Thema, habe das bisher nirgendwo sonst so ausführlich und vielschichtig gelesen. Manches scheint schon wieder überholt, was im Twitter-Zeitalter nicht verwundert, anderes ließe sich in der Diskussion ausbauen und ergänzen. Ich habe den Beitrag mit Gewinn gelesen. (Verlinkungen muss ich mir aus Zeitgründe…


VANCOUVER. Ich habe gestern im Beitrag …
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Sebastian #1

Ich stimme in vielen Punkten zu und zitiere gerne auch aus den Akkreditierungsvorgaben der Re:publica2010

Wir schreiben das Jahr 2010 und wir sind alle irgendwie “Presse?. Für Vertreter der klassischen Medien steht daher leider nur ein begrenztes Kontingent an Akkreditierungen zur Verfügung. Diese kann über das folgende Formular beantragt werden, nur durch schriftliche Freigabe durch die Veranstalter kann kostenloser Zugang zur re:publica 2010 erfolgen. Die Vorlage eines Presseausweises an den Veranstaltungstagen genügt dafür nicht.

Ich wüßte gerne, wie man das auflösen kann, dass einerseits die Rechte derer die dafür bezahlen geschützt werden und gleichzeitig die Besucher nicht gegängelt werden.
Die DFL muss ich übrigens mal in Schutz nehmen. Es gibt da keine Probleme mit Twitter und anderen Diensten. Aber Bilder vom Spiel selbst sind tabu. Und das kann ich nachvollziehen. Denn ich zahle nicht für die Übertragungsrechte. Und gleichzeitig wird man nicht mit einer Profikamera als Zuschauer in ein Stadion kommen.

enrasen #2

Vielmehr sollte die Tatsache, dass Sportler Twitter nutzen, für die Fernsehsender ein Ansporn sein, eine hintergründige Nachberichterstattung auf die Beine zu stellen, die über banale Interviews weit hinaus geht.

Da liegt m. E. eine Kernaussage, die offensichtlich noch nicht angekommen scheint, bzw. umgesetzt wird. Seit Jahren.

Zu ESPN kann man sich mal sie Tweets von Adam Shefter ansehen. Die scheinen mir nicht so sehr nach der ESPN Devise, mir war aber so, dass diese auch noch geändert wurde. Finde aber keinen Link auf die Schnelle.

Jens W #3

@Sebastian

Warum sollten Bilder von Veranstaltungen tabu sein?

Die DFL muss ich übrigens mal in Schutz nehmen. Es gibt da keine Probleme mit Twitter und anderen Diensten. Aber Bilder vom Spiel selbst sind tabu. Und das kann ich nachvollziehen. Denn ich zahle nicht für die Übertragungsrechte. Und gleichzeitig wird man nicht mit einer Profikamera als Zuschauer in ein Stadion kommen.

Bilder können privater Natur sein oder mit wirtschaftlichen Interessen aufgenommen werden. Ich finde es nicht nachvollziehbar, dass es verboten sein sollte, dass ich mir Fotos zu meinem Privatvergnügen mache. Selbst, wenn ich sie hinterher veröffentlichen will. Entscheidungskriterium ist in meinen Augen vielmehr die wirtschaftliche Nutzung der Bilder. Solange ich sie keinem für Geld anbiete, kann auch keiner etwas dagegen habe. Das Recht auf Erinnerungsfotos sollte im Eintrittsgeld mit enthalten sein.

Jens

Jens W #4

Ich spinne die Gedanken gleich weiter:

1. Beispiel Kino:
Ein Raubkopierer schneidet den Film während der Vorführung mit. Hier hat nimmt der Filmproduzent Schaden, weil die Geschäftsidee des Kinos die wiederholte Vorführungen des Films am Stück ist. Im Gegensatz zu einem Sportereignis, welches einmalig stattfindet und nicht replizierbar ist.

Es gilt der Ausspruch Goethes: Augenblick, verweile doch, Du bist so schön. Goethe sah die Erfindung des Fotoapparates schon vor zweihundert Jahren kommen.

2. Beispiel Nichtkommerzieller Journalismus, z.B.kostenlose Tageszeitungen, Blogs, etc.
Jemand macht sich die Mühe, in seiner Freizeit etwas für andere zu produzieren. Solange es sein Hobby ist, kann es ihm in meinen Augen nicht verboten werden. Genauso sehe ich es auch mit einem semiprofessionellen Hobbyreporter im Stadion. Wenn er sich die Mühe macht, einen (möglicherweise hochqualitativen) Beitrag zu produzieren, darf er ihn auch veröffentlichen.

Die Verbände sollen für die Gesellschaft da sein. Es sollte nicht sein, dass die Verbände die Gesellschaft aus Wirtschaftlichkeitsinteressen bevormunden (können).

Jens

RalfKohler #5

Ergreift René Martens wieder Partei für die Hartplatzhelden. Scheint ein Lieblingsthema von ihm zu sein. Meinetwegen (und wenn sich damit Geld verdienen lässt). Das Projekt Hartplatzhelden hat für mich rein gar nichts mit Journalismus zu tun (evtl. mit Ausbeutung, wobei Journalismus inzwischen dann und wann auch mit Ausbeutung … zu tun hat).

Wie auch immer. Hier ein Leserbrief von mir, der stark gekürzt im “Journalist” veröffentlicht worden ist. Seltsamerweise hatte die DJV-Zeitschrift den Kollegen Martens im Heft 11/2009 auch über Hartplatzhelden schreiben lassen. Warum auch nicht, gibt ja keine wichtigeren Probleme für Journalisten:

“Zugegeben, ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich mich der Meinung des Württembergischen Fußballverbands (WFV) anschließen soll, der gegen das Heraufladen von Clips bei “Hartplatzhelden.de” vorgeht, allerdings sehe ich auch kein Problem, wenn Szenen aus Amateurspielen nicht so einfach hochgeladen werden können. Vor allem sehe ich diesbezüglich kein Problem für den professionellen (!) Journalismus. Der Beitrag “Vom Platz getellt” von René Martens ist ja durchaus interessant, nur ist der Autor doch mehr oder weniger parteiisch (wie in dieser Sache schon einige vor ihm).

Im Rahmen einer Tagung habe ich die Ausführungen von WFV-Justiziar Frank Thumm gehört und die Position des Verbands besser verstehen können. Es geht ja nicht darum, beispielsweise Eltern zu verbieten (für private Zwecke) ihre Kinder beim Fußballspielen zu filmen. Die Frage ist aber, ob ein Anbieter wie “Hartplatzhelden” ohne Rücksprache mit dem Verband mit solchen Produkten arbeiten (und gegenwärtig oder in Zukunft damit Geld verdienen) können sollte. Zur Erinnerung: Auch sonst müssen dann und wann für Bewegtbilder, zuweilen sogar für Hörfunk-Berichte, Lizenzgebühren entrichtet werden, während Printmedien (glücklicherweise) nicht bezahlen müssen.

Auch “Die Ligen” stehen nicht unbedingt für höchste journalistische Qualität, aber das Vorgehen der Verantwortlichen ist in jedem Fall im filmischen Bereich um Einiges planmäßiger als bei den “Hartplatzhelden”, die einfach ein Portal bereitstellen – nicht zuletzt haben “Die Ligen” das Gespräch mit dem WFV gesucht. Die Filmer und meines Wissens auch der Verband bekommen Geld von “Die Ligen”. Vor diesem Hintergrund sollten gewisse Vorbehalte gegen den Wildwuchs auf dem Portal der “Hartplatzhelden” nachvollziehbar sein – auch für das Organ des Deutschen Journalistenverbands. Ich will nicht ausschließen, dass es zusammengeht, dass Oliver Fritsch einerseits bei einem Qualitätsmedium wie der “Zeit” als Online-Sportredakteur arbeitet und er andererseits mit “Hartplatzhelden.de” den Journalismus in seiner Ausprägung als Spielwiese für Laien und Fans fördert. In jedem Fall bin ich aber der Ansicht, dass es ertragreicher gewesen wäre, auch mal der Frage nachzugehen, wie dass für ihn zusammengeht, anstatt einfach nur die längst bekannte Gerichtsentscheidung noch einmal aufzurollen.

Ralf Kohler”

Sebastian #6

Es kommt immer auf die Verhältnismäßigkeit an. Um mal ein Beispiel zu bringen, was (un)möglich ist: Dieses Video habe ich bei einem Testspiel von der Pressetribüne aus aufgenommen. Und es sofort online gestellt und via Twitter publik gemacht. Qualitativ kann man dieses miserable Video sicher verbessern. Aber es war eben sofort online. Und da verstehe ich, um beim Beispiel zu bleiben, die DFL, wenn sie sagen, dass sie ihre Rechte exklusiv vermarkten und so etwas in einem regulären Bundesligaspiel nicht gestatten. Sie unterscheiden, soweit ich das richtig verstanden habe, zwischen Übertragung und Berichterstattung. Nach dem Spiel kann ich Bilder, die ich während des Spiels gemacht habe (Ablauf einer gewissen Schutzfrist) auch publizieren. Der Fan ist also eher gar nicht betroffen. Eher wenig Vorschriften gibt es um das drumherum. Aber DFL ist auch Tagesgeschäft. Kommen wir zu den Big Players wie FIFA, IAAF oder IOC. Dort sieht es ja anders aus und Du dokumentierst das mit den “Bloggerrichtlinien” sehr gut. Die Stärke von Blogs und anderen Social Media Diensten wäre in dem Fall, dass jeweils ein anderer Blick auf und hinter die Kulissen geworfen werden kann. Und da halte ich diese Vorschriften für weltfremd. Wenn ich dann lese, dass olympischer Geist durch die Texte wehen soll, frage ich mich, wo da die Grenzen bei der freien Meinungsäußerung gezogen werden. Ehrlich gesagt erwarte ich von Journalisten, dass sie bei solchen großen Ereignissen Blogs (oder was auch immer) nutzen, um neben dem Tagesgeschäft einen tieferen Einblick zu gewähren.

Pecas #7

Bravo, Jens Weinreich!

Dieser Artikel wird als wegweisender Klassiker in die zahlreichen hier berührten Debatten eingehen, da er diese in ihrer einen Gemeinsamkeit zugleich berührt: der – meines Erachtens vollkommen illegitimen, da mythisch-gewaltsamen, oder, in einem Wort, archaischen – Total-Verrechtlichung der Welt des Lebens als solcher.

Dem Sport wird – rechtlich gesehen, soweit ich weiß, allüberall – eine Ausnahme (“die Autonomie des Sports”, auch bekannt unter der Parole don’t mix politics with games) gewährt; wird über diese Schiene – von wem auch immer – propagandistisch-autoritär die Fiktion besetzt, die letztlich das arcanum imperii regiert (und die in der Fiktion einer zwingenden, a priori vorauszusetzenden Verbindung von – “selbstverständlich” staatlich vorgegebener – Norm und Leben, von Gesetz und Gesetzlosigkeit, von Autorität und Gesetzeskraft besteht), welche juridisch-politisch wiederum “die Regel oder Norm (des Staates) – d. h. dessen souveräne Bannkraft – bestätigt”, so kann der Zweck der in sämtlichen Bemühungen jener alten (in Anführungszeichen oder nicht geschriebenen) “Rechteinhaber” eines Informationsmonopols eingelegten Rechtsmittel nichts anderes als das Diktat einer (nicht das erstemal) über dieses Hintertürchen wiederauferstehenden – äusserst fragwürdigen, sich autokratisch dann als “tatsächlich souverän”, d. h. sich als die über den “‘Ausnahmezustand’, der zur Regel geworden ist” (W. Benjamin) als solchen allein entscheidende Souveränität bezeichnenden – totalitären Autorität sein.

Oder einfacher gesagt: Es sollte doch nicht unbedingt ausschließlich ein jeweiliger Polizeistaat über den Sport organisiert werden, wenn er sich (zumindest im Westen) schon Demokratie nennt?

Marco #8

@jw und andere.
Habe heute einen Beitrag über Journalismus auf Arte angeschaut, welcher nicht uninteressant ist. Hier der Link

http://www.arte.tv/de/programm/242,dayPeriod=evening.html#anchor_3027936

Robert Klemme #9

@JW, danke für den Artikel! Ich stimme enrasen zu, dass die Sportberichterstattung der professionellen Medien zu großen Teilen einfach nur schlecht ist. Gerade noch nach dem DFB-Pokal-Spiel: “Wie enttäuscht sind Sie jetzt?” Was für eine bescheuerte Frage an einen Spieler der unterlegenen Mannschaft in einem KO-Spiel. Oder wartet man immer noch auf das überraschende “Ach wissen Sie, eigentlich sind wir froh. Wir wollten uns sowieso mehr auf die Liga konzentrieren.”? Die Professionalität erschöpft sich leider viel zu oft in der Übertragungstechnik und dem Sendeplatz.

Den Punkt im Kommentar von Jens fand ich auch wichtig: was ist denn die Rolle der Verbände im Breitensport? Sie sollen ermöglichen, dass möglichst viele ihren sportlichen Hobbys nachgehen können. Da man für alles Geld braucht, verschiebt sich der Fokus leider viel zu oft auf die Sicherung von Geldquellen. Überhaupt scheint Großzügigkeit (eine Eigenschaft, die ich an den Amerikanern schätze – aber ich schweife ab) in Deutschland sehr auf dem Rückmarsch zu sein. Schade eigentlich.

Jens Weinreich #10

Entschuldigt bitte, dass ich nicht ausführlich diskutieren kann. Muss jetzt mal kurz ins Bett. Habe aber ja versprochen, dass ich die Thematik einige Male streife in den kommenden Tagen.

Kurz nur:

@ Ralf Kohler: Bitte mal einen Augenblick zurücklehnen und den Groll abstreifen, wenn das geht. Das Problem hinter dem Fall Hartplatzhelden ist schon auch vielschichtiger, als sie es darstellen. Nur ein Aspekt: Es ist freier Wille derjenigen, die den Sport betreiben, die Videos hochzuladen. Sie tun/taten es, hatten ihre Freude dran. Es wurde trotzdem verboten.

Und die Grundfrage ist doch: Die komplette Berichterstattung verändert/revolutioniert sich. Wer will das aufhalten? Selbst 20er vom DFB kann das nicht. Das IOC hat während der Peking-Spiele eine Armada von Juristen Youtube kontrollieren lassen – und 19.000 Urheberrechtsverletzungen festgestellt und ist sofort eingeschritten. Hallo. Damals hatte Facebook rund 100 Millionen Nutzer, demnächst (oder schon) 400 Millionen. Twitterer gab es damals keine 2 Millionen, jetzt etwa 65 Millionen.

Die digitale Revolution in ihrem Lauf halten weder Ochs noch Esel noch die Journalistenverbände auf. Das tut mir ja auch leid.

@ Sebastian: Zu Deinen letzten Bemerkungen: Absolut richtig. Mea culpa: Das habe ich die Tage aus vielerlei Gründen auch ein bisschen vernachlässigt. Aber der Bach-Text von heute entspricht Deiner Forderung wohl. Hoffe ich.

@ Robert: Mir ging es weder mit der Nachverwertung dieses Beitrages von René Martens noch mit meinen vorherigen beiden Beiträgen zu den IOC-Blogging-Guidelines um Grundsatzkritik an Fragestellern im Fernsehbusiness und auch nicht um Grundsatzkritik am Journalismus. Nee, ich wollte mich mehr an das Thema heranpirschen, wie alle Grenzen verschwimmen (was man schon lange weiß, ich weiß) und jeder zum Berichterstatter wird, und welche Auswirkungen auf Rechte und Rechteinhaber das haben könnte. Dazu hat Martens einen guten ersten großen text vorgelegt, dabei bleibe ich.

Stefan W. #11

Ich befürchte, daß der Zuschauer über AGB-Hinweise auf dem Ticket “bla, bla, bla, – nachzulesen unter http://www.bla.bla.bla/agb.html” doch gegängelt werden kann. Ob das juristisch tragfähig ist weiß ich nicht – in Dtld. könnte man mit ‘überraschender Klausel’ argumentieren.

Allerdings, wenn es Usus wird, dann ist wohl nix mehr mit Überraschung.

Ein zweiter Aspekt: Ich denke nicht, daß die Abgrenzung nach kommerzieller und nicht-kommerzieller Verwendung viel weiterhilft. Auf den ersten Blick scheint das nicht nur möglich, sondern auch eine wünschenswerte Unterscheidung.
Aber der Journalist, der nebenbei bloggt, macht so ja auch Werbung für sich, und der Privatmann Otto Müller, der Bilder aus dem Stadion sendet, veröffentlicht sie vielleicht auf einer Seite, auf der Werbebanner geschaltet sind, die ihm 2,95€ pro Monat einbringen, wenn es gut läuft.

Außer er filmt zufällig so einen Roberto-Carlos-Freistoß den dann 500 Millionen ansehen wollen.

500 000 Fußballamateuere, die Schnipsel irgendwo hochladen – da verdient auch keiner was dabei – außer vielleicht die Plattform, die 500 000 Mitglieder hat.

Und die absolute Kontrolle der Verwertungskette liegt ja den Verbänden sehr am Herzen. Wenn erstmal 5000 Leute vom Hartplatz berichten ist das nicht lukrativ, aber womöglich bildet sich das schon ein Gewohnheitsrecht und ein Widerstansnest, gegen die man später nur noch schwer angehen kann.

Einen Einzelkämpfer kann man auch leichter in die Knie klagen, aber wenn da schon 5000 Leute sind, dann unterstützen die sich vielleicht gegenseitig, und fechten einen Präzedenzfall durch.

Ich finde die totale Vermarktung auch abstoßend, und denke der Sport schadet sich damit, wenn er die Zuschauer zum idiotischen Konsumvolk zu degradieren versucht, das an jeder Ecke nochmal gesondert abdrücken soll, aber nicht sich selbst kreativ einbringen, und der ganzen Sache erst Leben verleihen.

Arbeiten die Rosenmontagszüge auch schon an Handschellen für die Besucher? Bei derartigen Veranstaltungen im Freien – auch Tour de France oder Stadtmarathons – dürfte es schwieriger sein, etwas durchzusetzen.

Letztlich kann der Sport das wohl machen, aber je mehr er sich zu einer kommerziellen Veranstaltung entwickelt, umso weniger legitim sind öffentliche Hilfen und Ausgaben dafür. Wenn jeder Bericht über die Olympiade eine Markenrechtsverletzung ist, sofern das Wort ‘Olympia’ darin vorkommt, dann muß man die Berichte halt lassen, oder in der Zeitung als Werbung kennzeichnen, und Gebührengelder dürfen dann dafür auch nicht verwendet werden. Dann ist das sowas wie “Schlag den Raab”, wenn ich das vom Hörensagen richtig verstanden habe – selbst geschaut hab’ ich es nicht.

P.S.: Die Regelen bei der WM hatten auch schon totalitäre Züge.
Man durfte keine mit Marken bedruckte Kleidung im Stadion anhaben, wenn diese nicht offizielle Sponsoren der WM waren, hieß es. In die AGBs reinschreiben kann man zur Abschreckung viel, und ob der Veranstalter damit durchkäme ist fraglich, solange es niemand drauf ankommen läßt. als Zuschauer war man aber froh überhaupt ein Ticket bekommen zu haben.

RalfKohler #12

Jens Weinreich, so wie Gesine Tettenborn nicht, jedenfalls nicht automatisch, bereut hat, habe ich nicht “dargestellt”.

Mein Rede-Beitrag bezog sich hauptsächlich auf einen hier nicht vorliegenden aber dem hier vorliegenden doch ähnlichen Beitrag von René Martens.

In jedem Fall, wenn ich dafür bezahlt würde, würde ich mich der Thematik noch intensiver widmen. Hoffentlich intensiver als es der Kollege im Hinblick auf den “Journalist”-Beitrag gemacht hatte.

Aber etwas anderes: Leute, redet nicht nur über die DFL, sondern (auch) über die DFBL. Ist im Prinzip ehe dasselbe, mit dem Unterschied, dass denen mit dem B das Geld fehlt.

Die Endrunde um die Deutsche Faustball-Meisterschaft scheint jedenfalls allein der DFBL (Deutsche Faustball Liga) zu gehören. Und die scheint es sich leisten zu können, Journalisten, Fotografen, einfach so ausschließen zu können. Ohne Angabe von Gründen übrigens.

Betroffener: Andreas Einbock (mein Kollege, Freund und früherer Faustball-PR-Partner), der an der Uni Leipzig vor ein paar Jahren auch den Dozenten Jens Weinreich genossen hat. (Ein Genuß wird es hoffentlich gewesen sein).

Presseausweise wären kein Problem, Auftrage kein Problem (trotz der “Abseitigkeit der Materie). Ein Platzproblem sollte es auch nicht geben. Zumindest bei den großen Faustball-Meisterschaften, die ich erlebt habe, sind sich weder Journalisten noch Fotografen auf den Füßen gestanden.

Falls jemand die Posse aufgreifen möchte … gerne Bescheid geben.

ring2 #13

So richtig interessant wird es ja dann, wenn eben *keine* journalistischen Genres, wie Sport-Berichterstattung, live oder expost vorgenommen werden, sondern Standortmeldungen einzelner Bürger. Parteisch, individuell und eben durch das GG geschützt. Anders, als bei der kommerziellen Auswertung (vgl. den Streit Radio HH vs. FCSP), die ja auf eine Spielart zielt, die Pressefreiheit, ist dieses Grundrecht imho noch stärker. Eine Diskussion hierüber scheint die DFL auf jeden Fall vermeiden zu wollen – wie Beispiele aus Berlin, oder auch St. Pauli zeigen. ;(

RalfKohler #14

Warum überträgt eigentlich die ARD am Samstag zur Sportschau-Zeit Olympia?

Läuft das wieder auf solch einen Murks wie am ersten Tag der Leichtathletik-WM hinaus, als dem Gebührenzahler die Live-Berichterstattung vorenthalten wurde, es praktisch nur Leichtathletik-Konserven gab.

Da es zwei Öffentlich-Rechtliche gibt, ließe sich das ja besser verteilen. Hoffentlich bzw. sicherlich ist aber auf Eurosport Verlaß.

Nochmal zu Jens Weinreich und Hartplatzhelden: Die, die den Sport betreiben, haben Videos hochgeladen? Die Spieler haben sich ja nicht selbst gefilmt …

Sie hätten möglicherweise das Recht … am eigenen Bild.

Ansonsten wäre noch die Frage, ob es ein Unterschied (zu hartplatzhelden) ist, wenn ich von mir gedrehte Videos auf meiner privaten Homepage zugänglich mache … Ich tendiere zu ja.

Also mich interessiert das wirklich: Oliver Fritsch arbeitet für ein Qualitätsmedium und fördert nebenbei den “Journalismus” in der Form als Spielwiese für Hobbyfilmer. Nicht selbstverständlich diese Konstellation. Evtl. können Sie (?) aufzeigen, WIE das zusammengeht …

Naja, vielleicht liebt er einfach nur das Spiel (so wie wir alle?).

Leuten, die Tischtennis-Videos drehen oder Kanu-Rennen filmen kann er (noch) nicht helfen, wenn die das Gefilmte aus freien Stücken öffentlich zugänglich machen wollen?

Ist vielleicht dem Zufall geschuldet oder persönlichen Vorlieben, hat vielleicht aber auch – was ja legitim ist – mit Gewinnstreben zu tun.

Ralf #15
Jens Weinreich #16

Die Sponsorenleistungen, die der Kollege erwähnt, sind in Wirklichkeit doppelt so hoch.

Ein Beispiel aus der Praxis, ich hatte es, glaube ich, schon mal erwähnt: Allein während der Peking-Spiele wurden von den IOC-Fahndern 19.000 Urheberrechtsverletzungen auf Youtube festgestellt und geahndet.

Herbert #17

Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen:
Zeitungen machen die Gesellschaft klüger

Blogger und Medienjournalisten und auch Medienwissenschaftler überbieten sich mit ihren oft euphorisch-brüllenden Prognosen, wann die letzte Zeitung gedruckt wird – und sie übersehen dabei: Noch gibt es kein publizistisches Forum, das in ähnlicher Weise Themen von allgemeiner Relevanz auf die Agenda zu setzen vermag, sie überhaupt professionell auszuwählen und publikumsgerecht zu arrangieren verstünde.

Zeitungen und Zeitschriften sind – gewiss nicht immer, aber doch idealerweise – Medien des zweiten Gedankens, die eine Aktualität hinter der Aktualität sichtbar werden lassen. Sie versorgen, wenn es gut läuft, diese Gesellschaft Tag für Tag und Woche für Woche mit neuen Deutungsvorschlägen und Wahrnehmungen.Sie verwandeln Ahnungen in Behauptungen und individuelle Befindlichkeiten in Begriffe und kollektive Bilder, sie verknüpfen Besonderes und Allgemeines, Konkretes und Abstraktes
.

http://www.abendblatt.de/kultur-live/article1412278/Zeitungen-machen-die-Gesellschaft-klueger.html

Einerseits bestärkt mich das Gedruckte in meinem eher distanzierten Verhältnis zu täglichen Printmedien, andererseits verdeutlicht es die Ahnung, dass es ohne sie nicht und nimmer gehen wird.

Axel_K #18

@Herbert: Da verwechselt mal wieder jemand Form und Inhalt. Ein Text wird nicht dadurch klug, dass er auf Papier gedruckt wird, sondern dadurch, dass jemand gründlich recherchiert hat. Wo ist das in der Praxis noch der Fall?

Leider glauben auch die meisten Journalisten noch, es wäre ein Beleg für die Qualität ihrer Arbeit, wenn ihre Artikel auf Papier gedruckt werden. Eine fatale Einstellung, die zur jetzigen Krise geführt hat.

Lustig finde ich übrigens die Worte, sie “verwandeln Ahnungen in Behauptungen”. Genau das ist viel zu häufig der Fall… ;-)

Herbert #19

@Axel_K

Ich find es auch lustig. Oft wird´s aber eher tragisch für die davon Betroffenen.
Beweise dafür bedarf es nicht. Wir sind ja schon wieder zwischendrin.

Ralf #20
Ralf #21

Johannes Knuth in der SZ: Wer “Medaille” tweetet, wird bestraft

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