Katar und die WM 2022: Fußball im Kühlschrank

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JOHANNESBURG. Gruppenbild mit Junior-Emir: Katars WM-Botschafter Gabriel Batistuta (l.), Ronald de Boer (r.), Sami Al-Jaber (2. v.r.) und Katars Bewerberchef (Mitte), Sohn des Emirs – His Excellency Sheikh Mohammed bin Hamad bin Khalifa Al-Thani. Einer der Al-Thani Sippe. Ein anderer Sohn des Emirs ist IOC-Mitglied, das nur am Rande. Mein alter Freund Mohamed Bin Hammam tritt dagegen derzeit kaum in Erscheinung. Es wird noch viel zu reden sein über eine weitere abstruse Idee des Joseph Blatter: zwei Fußball-Weltmeisterschaften gleichzeitig zu vergeben. In genau einem Jahr ist es so weit: Die Ehrenmänner des FIFA-Exekutivkomitees werden auf einer Sitzung über di…


JOHANNESBURG. Gruppenbild mit Junior-Emir: Katars WM-Botschafter Gabriel Batistuta (l.), Ronald de Boer (r.), Sami Al-Jaber (2. v.r.) und Katars Bewerberchef (Mitte), Sohn des Emirs – His Excellency Sheikh Mohammed bin Hamad bin Khalifa Al-Thani. Einer der Al-Thani Sippe. Ein anderer Sohn des Emirs ist IOC-Mitglied, das nur am Rande. Mein alter Freund Mohamed Bin Hammam tritt dagegen derzeit kaum in Erscheinung.

Es wird noch viel zu reden sein über eine weitere abstruse Idee des Joseph Blatter: zwei Fußball-Weltmeisterschaften gleichzeitig zu vergeben. In genau einem Jahr ist es so weit: Die Ehrenmänner des FIFA-Exekutivkomitees werden auf einer Sitzung über die Weltmeisterschaften 2018 und 2022 entscheiden. Warum ein Mega-Event zwölf Jahre vorher vergeben wird: Es gibt keine vernünftigen Gründe dafür. Was Blatter anführt, man habe damit bessere Vermarktungsmöglichkeiten, ist großer Unsinn. Ein Hirngespinst. Ich werde später sicher mal eine Liste der Fragen und negativen Seiten zusammenstellen, die damit verbunden sind.

Wichtig scheint mir, noch einmal daran zu erinnern, dass diese doppelte WM-Vergabe wieder so ein blattersches Hirngespinst war/ist. Denn auf dem FIFA-Kongress 2008 in Sydney war das nicht wirklich ein Thema. Blatter hat es danach auf der Pressekonferenz erzählt und fast alle Anwesenden überrascht. Der FIFA war das in der Erklärung zum Kongress nich…
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sternburg #1

Gibt es denn von irgend jemanden irgend eine plausible Spekulation über die Motivation?

Ich kann mir allenfalls vorstellen, dass man auf grund gewisser Abhängigkeiten für 2022 Katar wählen muss, und bei der Doppelkür mit einer zeitnäheren schönen WM in Holland, England oder Ausstralien die Turnhallen keinen ganz so großen Aufschrei verursachen würden.

Herr Holle #2

Die Niederlande&Belgien werden ja wohl gegen Samsung&Co. keine Chance haben, wenn sie das WM-Hauptquartier in Eindhoven, dem Unternehmenssitz von Philips errichten wollen.

Und wurde schon einmal darüber spekuliert, dass die WM 2022 vor den nächsten FIFA-Präsidentschaftswahlen in 2011 vergeben werden sollte, es mithin einen Zusammenhang mit individuellen Karriereinteressen geben könnte? Ich glaube, ja.

Andreas #3

Nun ja, eine mögliche Erklärung liefert der Text ja schon selbst. Wie viele Kandidaten geben sich in Johannesburg gerade die Ehre? Wäre ich FIFA-Funktionär, mir würde es sicherlich schwindelig werden, von all den hilfreichen Informationen der Länder. War es mit Sicherheit schon bei den letzten Bewerbungen eine nette Auseinandersetzung, stelle ich mir das mittlerweile wie ein Basar vor. Bei jeder FIFA Tagung wird schweres PR Geschütz aufgefahren.

Katar offeriert Hallen mit Klimaanlagen zu bauen. Was kommt noch? Australien mit der Zusicherung, der Fußball wird auf Surfboards auf dem Barrier Reef stattfinden? Wenn Herr de Boer meint, man wäre in 30 Minuten wieder im Hotel, ist das nett für ihn, die Spieler und VIPs. Aber was machen die Fans, die kein Luxushotel haben? Sollen die im Stau oder zusammengedrängt in noch nicht existierenden Straßenbahnen oder Bussen stehen?

Axel #4

@Herr Holle: Ich denke auch, dass hier ein wesentlicher Grund liegt. Der 73-jährige Herr Blatter hat nicht mehr allzu viel Zeit, sich noch Stücke vom (Gefälligkeits- und Geschenke-)Kuchen abzuschneiden. Also schaufelt er sich auch gleich die Torte seines Nachfolgers auf den Teller. Es sei denn, er möchte selbst bis zum Tod weiter regieren, dann kann er bei der WM-Vergabe eben gleich noch die nötigen Stimmen einsammeln.

Jens Weinreich #5

Wollt Ihr etwa meinen Job übernehmen? Vieles ist richtig und absolut gründlich zu hinterfragen. Auch was Andreas andeutet. In seinem Wahn ist es Sepp nicht mehr mal genug, die vergangegen dreieinhalb Jahrzehnte in der FIFA gedprägt zu haben und die FIFA bis mindestens 2015 zu prägen – nein, er will auch seinem Nachfolger (sollten wir den je erleben) in den Schatten stellen und diesem kaum Gestaltungsmöglichkeiten lassen. Das ist, finde ich, ganz klar ein Aspekt dieser irrwitzigen WM-Vergabe.

Gerade Blatter (und Havelange) müsste/n es besser wissen. Den beide haben einst ohne Not die TV-Rechte dreier Weltmeisterschaften 90/94/98 im Paket vergeben – für einen lächerlichen Betrag (340 Mio CHF). Und das zu einer Zeit, wo das IOC und Richard Pound sich der Milliardengrenze näherten (für ein Jahr, nicht für drei Sommerspiele).

Das war eine der schwächsten Vorstellungen Blatters überhaupt. Die FIFA hätte ein Vielfaches jener 340 Mio einnehmen müssen!

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Ich kann dazu ein Buch empfehlen: „Das Milliardenspiel“, 1998, Fischer Taschenbuch Verlag.

ha #6

Andreas,
für die Fans sorgen die Deutsche Bahn und Siemens, oder?
Bahn unterzeichnet Rekordauftrag in Katar

Andreas #7

@jens Nein, nein, deinen Job wollen wir dir nicht nehmen. Aber interessant, für welchen Spottpreis die Übertragungsrechte über den Tisch gingen. Wie kann man eigentlich logisch erklären, dass für die Rechte 2006 1,5 Milliarden Franken einzeln gezahlt wurden? Und wie geht es eigentlich Günter Netzer und seiner Infront heute?

@ha Hmm … das Bahnprojekt könnte aber auch eine Art Freunschaftsdienst von Siemens und der DB sein. Wenn schon der Hausherr Empfehlungen ausschreibt, kann ich dazu Thomas Kistners Artikel Wie eine ominöse Deutschland AG die Fußball-WM akquirierte aus Korruption im Sport (Hrsg. J. Weinreich) empfehlen. Schlußendlich blieb noch immer offen, was Bin Hamamm von einer Wahl Deutschlands zur WM 2006 hatte, außer, dass es nicht Südafrika wurde. Nun ja, nun haben beide was davon. Exportland Deutschland in der Krise tolle Aufträge und die Kataris eine moderne Bahnstrecke … in einem Land, in dem wahrscheinlich auch in Zukunft lieber mit dem Auto gefahren wird.

Ralf #8
Sibylle #9

In Katar kann man im Juni/Juli aufgrund der dort herrschenden Temperaturen von über 40 Grad (und nachts nicht unter 30 Grad) nicht Fußball spielen, es sei denn, man würde klimatisierte, überdachte Stadien bauen, in denen mit viel Energieaufwand die Temperaturen auf ein erträgliches Maß heruntergekühlt werden.
Das ist aus meiner Sicht Blödsinn, deshalb sollte die Fußball-WM nicht an Katar vergeben werden.

hofa #10

eine Vergabe an Katar würde an kompletten Schwachsinn grenzen, da klimatisch eine Katastrophe und auch historisch nicht unbedingt der Nabel der Fußball-Welt!

Linksaussen #11

mit radmann hattest du ja recht, jens.

Jens Weinreich #12

Psst, er sitzt sechs Meter rechts neben mir.

Herbert #14

The Gulf state says it will build solar-powered, air-conditioned stadiums to overcome the sweltering heat, although the technology remains unproven in a full-size stadium.

Das ist ja auch der Schnee von gestern.

Zwischenzeitlich ist man schon viel „weiter“:

„Klimaanlagen für die Stadien wären viel zu teuer und in so großem Maßstab höchst unzuverlässig“, sagte John Barrow vom zuständigen Architekturbüro Populous. Im vergangenen Jahr waren gekühlte Stadien eine Grundvoraussetzung für die erfolgreiche Bewerbung Katars als WM-Austragungsort.

http://www.derwesten.de/sport/fussball/wm-2022-in-katar-ohne-klimaanlagen-id6055973.html

Welch ein schönes Wirrwarr. Die Immunsysteme der Spieler und und Zuschauer sollten rechtzeitig informiert werden. ;-)

Jens Weinreich #15

Herbert, es gab gerade in Doha auf der Aspire-Konferenz eine Art Richtigstellung des Chefs der Stadionbaufirma Populous. Demnach soll Top-Manager Barrow keine Ahnung haben, nicht am Projekt beteiligt sein und nur eine private Meinung geäußert haben.

„It was embarrassing“ admits Populous chief after cooling technology row

Qatar’s planned revolutionary cooling techniques underpinned their landslide 2022 World Cup victory last December but Barrow said air conditioning was too expensive and „notoriously unsustainable“ when used on a large scale.

His remarks were flashed across the world but Dan Meis, Populous senior principal, says Barrow was completely out of order and did not have the authority to speak out.

„It was an unfortunate comment from someone who hasn’t been involved in detail in the planning and not one I share,“ Meis told the Aspire4Sport conference here.

„The technology is far more proven than people understand.

„It’s not actually that difficult and the technology which is out there is very proven.

„The trouble is that one opinion comes out into the press and goes around the world.“

Angeblich, ich habe das auch ein wenig so gewertet/vermutet/beurteilt, hat die Nummer in der vergangenen Woche den Kataris Stimmen gekostet, als es um die Leichtathletik-WM 2017 ging.

Herbert #16

Also bleibt´s beim Sommer ? Ja.
Ich sag´s dann Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt und seiner Firma Müller-Wohlfahrt Health & Fitness AG.

Ansonsten ist es wie so oft allerorten. Keiner weiß, worum es geht. Doch alle reden mit. ;-)

Dass gefällt mir aber auch, weil nicht gerade untypisch.

“The trouble is that one opinion comes out into the press and goes around the world.”

Ralf #17
Ralf #18
leipo #19

eine andere „supplementary question“ an katar wäre, ob gnädigerweise auch frauen an den olympischen spielen teilnehmen dürfen.

ariane friedrich wurde bekanntlich nicht mal im trainingslager geduldet.

Ralf #21

Fifa-Vizepräsident Prinz Ali bin al Hussein im Tagesspiegel-Interview: „Katar im Winter wäre kein Problem“

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