Symposium an der Uni Göttingen: Übersetzungshilfe gesucht!

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Ich weiß ja, dass sich hier im Blog viele kluge Menschen verlustieren. Darf ich mal um Hilfe bitten? Kann mir bitte jemand einen, nun ja, offenbar wissenschaftlichen Text übersetzen? Es geht um ein Thema, das im weitesten Sinne hier verhandelt wird, um einmal mehr den sehr verehrten Sportfreund Hu Jintao zu zitieren: „Don’t mix politics with games!“

Jedenfalls, ein Team des Instituts für Sportwissenschaften der Universität Göttingen um den umstrittenen – ich mache es kurz, sagen wir also – Dopingfreigabe-Sympathisanten Arnd Krüger lädt für den 18./19. Juni 2009 zu einem öffentlichen Symposium ein:

„Sportpolitik als wissenschaftliche Entwicklungsregion“

Auf der Homepage des IfS findet sich demnächst vielleicht sogar die Tagesordnung. Einige Themen klingen nicht uninteressant, etwa „geselliger Abend“, nein, auch: „Instrumentalisierung des Sports durch totalitäre Ideologien“, „Die Global Players unter den internationalen Sportorganisationen und ihre politische Macht“, „Das Verhältnis von Sportorganisationen und demokratischem Staat“ (Eike Emrich), „Sportpolitische Macht der Medien“, „Sportpolitischer Einfluss ökonomischer Mächte?“, „Der Dachverband DOSB als sportpolitische Brücke zwischen Sportverbänden und Staat“.

Wobei ich nicht verhehle, dass mir manche Referenten wegen gewisser Studien und Auftragsstudien und Elaborate in der Vergangenheit nicht sonderlich kompetent und glaubwürdig erscheinen.

Zum weiten Feld des Versagens der Sportwissenschaft müsste man sich auch mal wieder äußern.

Doch vorerst bitte ich darum, mir jene Sätze zu erklären, mit denen die Organisatoren der Göttinger Konferenz ihre Tagesordnung einleiten. Vielleicht kann mir jemand helfen. Denn das scheint Wissenschaft zu sein. Ich bin nur Journalist. Ich höre zwar gern zu, kann aber leider, weil ich just am 18. Juni in Lausanne Sportpolitik live verfolge (und bestimmt auch blogge), nicht als Zuhörer in Göttingen sein. Sollte dieser Beitrag dennoch einige Interessenten in den Hörsaal locken, ist’s auch in Ordnung. Wer will schon im stillen Kämmerlein über Probleme der Sportpolitik kommunizieren.

Hier also, ganz ohne Häme, die Äußerungen (oder gar Thesen?), mit dem Google Translator kam ich leider nicht weiter:

  1. Mit der Formulierung „Sportpolitik als wissenschaftliche Entwicklungsregion“ drücken die Veranstalter gleichermaßen Skepsis aus angesichts des bisher sehr unbefriedigenden Diskussionsstandes sowie Zuversicht angesichts der unausweichlichen Herausforderungen zur Änderung dieser Lage.
  2. Die Olympischen Spiele von Peking 2008 waren abermals ein Realitätstest darauf, was mit guten Gründen von einer verantwortlichen Sportpolitik erwartet werden muss.
  3. Und sie waren abermals ein Lernort, an dem die Folgen der Versäumnisse bei der Klärung von Voraussetzungen begründeten politischen Handelns im kulturellen Feld des Sports studiert werden konnten.
  4. Politische und sportpolitische Verantwortungsträger verweigern sich ebenso wie journalistische und wissenschaftliche Beobachter weithin den Klärungen zu Grundsatzfragen, die sich hier stellen.
  5. Folgerichtig kranken Rechtfertigung wie Kritik des politischen Geschehens im Sport gleichermaßen an diesen Desideraten – zum Schaden sowohl der öffentlichen Glaubwürdigkeit des aktuellen Sportgeschehens als auch einer überzeugenden Deutung der Botschaften, welche aus politischen Zusammenhängen der Sportgeschichte zu gewinnen wären.

Nachtrag, 30. April: Apropos „Deutung der Botschaften“, „Lernort“, „politische Zusammenhänge“, „Realitätstest“ – ich glaube, man versteht die fünf Thesen erst richtig, wenn man einige meiner Notizen vom Sportausschuss gelesen hat.

Patrick Pricken #1

gerne!

1) Es kann nur besser werden

2) Olympische Spiele sind hardcore

3) außerdem in der Praxis rechtsfreier Raum, weil keiner weiß, was er darf, und wie er soll

4) Alle gucken zu, keiner tut was

5) Entweder glaubt man heute, alle sind gedopt, oder nur die Sportler der Schurkenstaaten. Beides ist falsch.

Jens Weinreich #2

Danke! Das war ein guter Anfang und öffnet mir die Augen. So langsam glaube ich zu erahnen, um was es geht.

hendrik maaßen #3

Lustig, als Göttinger Sportstudent werd’ich da sein. Wird bestimmt was zu berichten geben.
Ich kann ja mal ganz besonders aufmerksam mitschreiben :-)

Karlo #4

1) Die Hütte brennt (bald) und wir wollen Kapital in Form von Aufmerksamkeit draus schlagen und unsere Agenda pushen

2) Da war doch was. Ach ja, die Olympischen Spiele von Peking 2008

3) Wir haben uns das angesehen und sind auf neue dumme Ideen gekommen.

4) Rabääääh, keiner will unsere Ideen hören.

5) Da uns niemand zuhört, glauben wir, dass (bald) die Hütte brennt. Dann muss man uns zuhören. Für Weiteres siehe 1) ff.

Jens Weinreich #5

Karlo, Danke! Wunderbar, jetzt sehe ich noch klarer.

Alberto Green #6

Die Sprache dieser Thesen ist nicht nur verschwurbelt, sondern größtenteils auch noch falsch. Kein Wunder, dass sich Verantwortungsträger und Journalisten verweigern. *geplatztehutschnursuch*

Jens Weinreich #7

@ hendrik maaßen, fast hätte ich’s vergessen: Mitschreiben? Gern. Ich komme darauf zurück.

Linksaussen #8

Viel zu lange eingeschliffenes Problem der deutschen Wissenschaft: Schreibe ich nicht kompliziert und möglichst verschwurbelt, nimmt mich niemand ernst. Am Ende wirft mir noch jemand vor, ich betreibe (oh schreck!) Populärwissenschaft.

Besonders extrem immer wieder vertreten in Richtungen, die häufig um ihre wissenschaftliche Existenzberechtigung kämpfen müssen, bspw. Germanistik (Nirgendwo werden mehr Fremdwörter verwendet als bei der Untersuchtung des Deutschen) und Soziologie.

Ach, hätten wir doch mehr dieser Professoren, die einige Jahre in angelsächsischen Gefilden weilten und dort mit Staunen lernten, daß man auch als Wissenschaftler verständlich und (Potzblitz!) unterhaltsam formulieren darf.

gez., ein ehemaliger Germanistik- (12 Wochen durchgehalten, obwohl ich dank Latein- und Griechischkenntnissen keine Probleme mit Fremdwörtern habe) und aktueller Soziologie-(nagut, Nebenfach) student.

andreas #9

liest sich für mich wie folgt:

1) Don’t mix politics with games ist komplett verkehrt. Die Politik muss endlich erkennen, dass sie dem Sport eine Grundlage geben muss. Ihn also nicht nur ins Grundgesetz erheben soll, sondern auch Unterstützung zusagen muss. Darüber wollen wir in geselliger Runde diskutieren.

2) In Peking hätte man sehr gut erkennen können, wie hilfreich die Einmischung der Politik in den Sport sein kann…

3) …wenn es nicht laufend kritische Stimmen gegeben hätte. Das muss aufhören! Es muss ein für allemal ge/er-klärt werden, dass es durchaus Berechtigung dafür gibt, dass sich die Politik in den Sport einmischt. Schließlich gilt es, gemeinnützige Vereine (NOKs, IOC, FIFA, IBF, FIS, etc.) zu unterstützen. Die haben es ja schon schwer genug.

4) Die pöhsen Purchen! Es gibt immer noch Politiker Verbandsmitglieder und ganz besonders Journalisten, die sich dagegen wehren. Die keine Aufklärungsarbeit in unserem Sinne leisten.

5) Dadurch stehen unsere Meinungen in einem schlechten Bild da. Das ist gemein. Denn deren Meinungsäußerungen wird auch noch Aufmerksamkeit geschenkt. Das ist noch gemeiner! Unserer Meinung nach gäbe es keine Probleme mit Doping, Korruption und Betrug mehr, wenn die Meinungsmacher endlich richtig (also, in unserem Sinne) handeln würden. Alles wäre toll! Niemand müsste mehr leiden, keine Schreckensmeldungen in den Nachrichten mehr und jeden Tag gäbe es Pudding zum Mittag.
Darüber wollen wir in unserer Gruppentherapie reden, vielleicht das eine oder andere Mantra beten und Bilder von Denunzianten verbrennen.

Jens Weinreich #10

Wunderbar. So habe ich das noch gar nicht betrachtet.

Gua #11

…und jeden Tag gäbe es Pudding zum Mittag.

Hilfe, ich kann nicht mehr!

Jens Weinreich #12

Linksaussen: Ich fürchte, hier geht es um mehr als um sprachliche Probleme.

cf #13

wirklich sehr schöne Übersetzungen hier — da soll noch jemand zu behaupten wagen, man könne seine wissenschaftlichen Thesen nicht allgemeinverständlich formulieren! ;-)

jc #14

Ach nein, ich les das etwas akademisch-beleidigter (vielleicht bin ich ja naiv):

1) Die Leut haben bisher nicht kapiert, warum man unserer Meinung sein muss, aber das bringen wir ihnen schon noch bei.

2) In Peking ist ja eine Menge schiefgelaufen.

3) (wir wollten fuenf Punkte, deshalb haben wir einen Punkt mit Gealt zu zweien zerrissen) Schuld daran war nur, dass die Politiker nicht wissen, warum man fuer und/oder gegen Doping sein soll. Sowas kommt davon, wenn man nicht auf uns hoert.

4) Leider nimmt uns bisher kein einziger Verantwortlicher ernst.

5) Und genau deshalb und nur deshalb hat der Sport diesen ganzen Dopingschlamassel an der Backe. Wenn man uns mal fuenf Minuten zuhoeren wuerde..

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