Notizen vom Sportausschuss (3): „I want to break free“

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Hier also die Notizen von der 64. Sitzung des Bundestag-Sportausschusses am 17. Dezember 2008. (Hatte mir eigentlich vorgenommen, jede Sitzung so ausführlich zu würdigen.) Zur Vorgeschichte dieser Sitzung wurde hier im Blog das eine oder andere gesagt.

Pflichtdokument zum Verständnis dieser Sitzungsnotizen ist das von der Nada verfasste Papier zu den Antidopingberichten 2007 der Spitzen­sportverbände, das hier exklusiv dokumentiert wird.

Zu Beginn gab es am Mittwoch um 14 Uhr im angestammten Sitzungssaal 4.800 des Paul-Löbe-Hauses ein Mannschaftsfoto: Parlamentarier und BMI-Mitarbeiter wurden von Vertretern des Landessportbundes Berlin mit Sportabzeichen geehrt.

gruppenfoto sportausschuss 17.12.2008

Für Eberhard Gienger (CDU/3. v.l.), Vizepräsident Leistungssport des DOSB, war das gewissermaßen der Höhepunkt der Veranstaltung. Jedenfalls, ich habe ihn später nicht mehr gehört. Mag sein, dass ich einen gewichtigen Wortbeitrag verpasst habe, aber eigentlich bin ich mir ziemlich sicher, dass Gienger nichts Substanzielles beizutragen wusste zur Diskussion. Sein Magdeburger Kollege Bernd Heynemann (CDU) natürlich auch nicht, vom Schiedsrichter bin ich es ebenfalls nicht anders gewöhnt, er meldet sich nur gelegentlich mit störenden Zwischenrufen.

Ans Werk: Den ersten Teil der Sitzung, knapp zwei Stunden zur Auswertung der Paralympics, lasse ich mal aus. Das kann man später im Wortprotokoll nachlesen. Ich steige ein um 15.50 Uhr mit Beginn der Dopingdebatte.

Sportausschuss-Chef Peter Danckert (SPD) zitiert zu Beginn aus dem ein Jahr alten Bericht der Projektgruppe Sonderprüfung Doping des BMI (hier jetzt Task Force genannt). Denn auf Seite 49 dieses Berichts wurde, glaubt Danckert, das desaströse Ergebnis des Falls Florian Busch/Deutscher Eishockey-Bund (DEB) schon vorweggenommen. Am 19. Dezember 2007 wurde notiert:

Da formale Mängel der Rechtsgrundlagen oft zu inhaltlichen Abweichungen vom NADA-Code führen, kann im Extremfall die Folge sein, dass ein gedopter Athlet oder ein Trainer, der Dopingsubstanzen an Sportlerinnen und Sportler verabreicht oder Dopingmaßnahmen in sonstiger Weise unterstützt hat, nicht entsprechend dem NADA-Code sanktioniert werden kann.

Formale Mängel in der Umsetzung sind damit grundsätzlich geeignet, einen relevanten Verstoß gegen Auflagen des Zuwendungsbescheides zu begründen, der auch mit entsprechenden Mitteln (insbesondere Rückforderung von Fördermitteln) sanktioniert werden kann.

Danckert erteilt Christoph Bergner (CDU) das Wort, Parlamentarischer Staats­sekretär im Bundesinnenministerium BMI.

Christoph Bergner (BMI, CDU)

Er spricht Danckert erstmal mit „Herr Präsident“ an und nimmt sich dann zurück: „Äh, Herr Vorsitzender.“ Danckert ist (noch) gnädig gestimmt: „Sie brauchen sich nicht zu entschuldigen.“

Bergner will ausführen, „wie komplex der Antidopingkampf gerade auch für eine zuwendende Behörde sich darstellen kann“ und wünscht sich, dass die „öffentliche Berichterstattung“ und „parlamentarische Bericht­erstattung“ vom Bewusstsein dieser Komplexität getragen wäre. Er geißelt „Klamaukberichterstattung“, was er später auf Nachfrage ausführt.

(Es geht ihm u.a. um meinen Text in der SZ: „EinTransparenzproblem“)

Bergner will das aber gesagt haben, „ohne Kritik an irgendjemandem zu üben“. Er wisse wovon er rede, sagt er, und frage sich nach so einer Zeitungslektüre: „Was hilft es uns jetzt?“

Nach langer Vorrede beginnt er an den Mai 2007 und den Einsatz der Projekt­gruppe Doping zu erinnern. Im Dezember 2007 hat diese Projektgruppe ihren Bericht vorgelegt (der im Vergleich zum Zwischenbericht vom August doch ein wenig entschlackt und um heißen Themen entkernt wurde). Der Abschlussbericht sei seither Leitlinie des Handelns für BMI, Nada und DOSB, sagt Bergner.

Er macht Ausführungen zum unabhängigen Schiedsgericht, zur Meldepflicht und den Missed Tests (seit 25. Juni 2008 klärt das die Nada zunächst mit den Athleten und informiert erst dann die betreffenden Verbände) sowie zur verbesserten personellen und finanziellen Ausstattung der Nada. Er mahnt Sport, Länder und Wirtschaft, sich stärker an der Nada-Finanzierung zu beteiligen.

Zum Thema Trainer mit Dopingvergangenheit erwähnt er die am 21. April 2008 konstituierte Steiner-Kommission des DOSB. Zum Thema Prävention erinnert er an die Studie der TU München vom September 2008 und den Versuch, einen nationalen Dopingpräventionsplan zu entwickeln.

So langsam nähert er sich dem Kern. Erinnert kurz noch an eine Unstimmigkeit mit dem DOSB: Der Dachverband will weiterhin Medikamente aus Steuermitteln finanzieren, wogegen das BMI argumentiert, Medikamente seien – außer der Olympiaapotheke – grundsätzlich nicht zuwendungsfähig. Eine Klärung dieses Disputs sei für Februar 2009 mit DOSB-Generaldirektor Michael Vesper (Bündnis 90/Die Grünen) vorgesehen. Bergner: „Ich gehe davon aus, dass wir zu einer Einigung finden, Herr Vesper, die vor den kritischen Augen des Sportausschusses stand halten wird.“

Nun kommt er zu den Fachverbänden und erinnert an die im Herbst 2007 (u. a. im Task-Force-Bericht) verabredete jährliche Berichtspflicht: Bis jeweils zum 31. März des Folgejahres – beginnend am 31. März 2008 – sollen die Sportverbände auf einem genormten Fragebogen Auskunft über ihren Antidopingkampf erteilen.

Die Nada bewertet diese Papiere in einem Bericht, den sie dem BMI, dem Bundes­verwaltungsamt (BVA) und dem DOSB übermittelt. Termin für die Erhebung zum Jahr 2007 war folglich der 31. März 2008. Die letzten Verbände meldeten aber erst Ende Juni, weshalb die Nada ihren Bericht erst am 30. Juli 2008 fertigstellen konnte. Das BVA, das die Rechtmäßigkeit der Zuwendungen aus der Bundeskasse prüft, sah in Schreiben an das BMI „erheblichen Bedarf der Nachermittlung“ und habe auch eine Frageliste an die Nada geschickt.

Bergner betont, dass es in diesem Bericht nur um 2007 geht. Für 2008 werden die Daten erst zum 31. März 2009 erhoben. Es handelt sich nur um eine „freiwillige Selbstauskunft“ der Verbände zur Umsetzung beispielsweise der jeweiligen Nada-Codes (der neue NADC gilt ab 1. Januar 2009). Bergner süffisant, bezogen auf Medienberichte und offenbar die Pressemitteilung der SPD-Sportsprecherin Dagmar Freitag (SPD) vom 12. Dezember („Ahnungslosigkeit auf allen Ebenen?“):

Man wird vielleicht den Betroffenen in BMI, BVA, DOSB und Nada den einen oder anderen Vorwurf machen können, bestimmte Dinge nicht antizipiert zu haben, aber man darf nicht behaupten, dass wir die Dopingbekämpfung nicht ernst nehmen. Kritik darf sich nicht auf vordergründige Pauschalvorwürfe konzentrieren.

Peter Danckert (SPD) dazu: „Vielen Dank, Herr Vorsitzender. Ihren Berichtsteil und ihren Verteidigungsteil haben sie geschickt zusammengefasst.“

Giso Schütz (Vizepräsident des Bundesverwaltungsamtes/BVA), stellt fest:

Das Bundesverwaltungsamt ist keine Ausführungsbehörde.

Die Nada sei für den fachlichen Teil, des BMI für den sportpolitischen Teil und das BVA für den zuwendungsrechtlichen Teil der Verbandsförderung zuständig. Im Jahr 2007, so habe es auch der Task-Force-Bericht dargelegt, habe es „absoluten Wildwuchs“ in den Verbänden gegeben. Das BVA prüft jetzt noch das Jahr 2007, ab März 2009 wird es sich mit dem Jahr 2008 befassen – und erst im Frühjahr 2010 mit dem Jahr 2009. „Das heißt nicht, dass man nicht auch Ad-hoc-Maßnah­men machen kann“, wie etwa in einem Fall Busch. „Aber unser Ziel ist es nicht, den Sport zu töten, abzutöten, unser Ziel ist es, einen dopingfreien Sport zu fördern.

Peter Danckert (SPD) ruft dazwischen: „Komische Haltung!“ (Er wird später darauf eingehen.)

Giso Schütz sagt, dass er etwas aus dem Konzept gebracht sei.

Michael Vesper (DOSB-Generaldirektor, Bündnis 90/Die Grünen): „Das war seine Absicht.“

Nun ist DOSB-General Vesper offiziell an der Reihe:

Er rühmt die Maßnahmen des DOSB, der auch den Bericht der BMI-Projektgruppe begrüßt habe. Vesper erinnert an die Antidopingberichte der Verbände, die bis 31. März 2009 auf aktualisierten Formblättern für 2008 Stellung beziehen müssen. Die Umsetzung des neuen NADC sei gerade nach dem Fall Busch von „entschie­denem Interesse“ und wichtig für die „Akzeptanz des Spitzensports“.

Dann zitiert sich Vesper selbst (was man „normalerweise nicht tut“, wie er sagt, was er aber, wie alle Anwesenden wissen, sehr gern tut) und sagt, dass sich der Fall Busch nicht wiederholen dürfe. Die Weltantidopingagentur Wada habe sich viel Zeit genommen mit ihrem WADC, weshalb die Zeit für die Nada, den NADC und die nationalen Verbände sehr gering sei, dies umzusetzen.

Er erinnert an die Daten:

  • 17. November 2007: Verabschiedung des neuen Wada-Codes auf der Weltantidopingkonferenz in Madrid.
  • Dezember 2007: Tagungen der Arbeitsgruppen Recht von DOSB und Verbänden mit Nada und Mahnung an die Verbände, sicherzustellen, dass der Code rechtzeitig übernommen werden kann.
  • Januar 2008: „DOSB-Treffen mit allen Akteuren.“
  • Februar 2008: Infotreffen der Nada mit den Verbänden.
  • Aber erst im Mai 2008 lagen die Teststandards vor.
  • Am 8. August, dem Eröffnungstag der Peking-Sommerspiele, sei der Entwurf des NADC den deutschen Verbänden zugegangen. (Die hatten jetzt natürlich anderes zu tun.)
  • September/Oktober 2008: Workshops mit allen Beauftragten und Vertrauensleuten der Verbände.
  • Dezember 2008: Auf Basis der Muster-Antidopingordnung des Deutschen Schwimmverbandes (DSV) hat der Rostocker Professor Martin Nolte eine Muster-Ordnung und Übergangsregelungen erstellt. „Seit 9. Dezember liegt das Konvolut vor“, sagt Vesper. (Die Schriftstücke sind auf der Nada-Homepage abrufbar.) Am 11. Dezember seien die Papiere allen Verbänden zugegangen – drei Wochen vor dem Stichtag.

Am Mittwochmorgen, 17. Dezember, habe Vesper die letzten Rückmeldungen der Verbände zur Umsetzung des NADC 2009 erhalten.

Es ist eine Selbstauskunft der Verbände, die von uns auf Plausibilität geprüft wird.

Die Rückmeldungen haben einen Umfang von „zwei bis drei Seiten“ bis „zu 72 Seiten Ausarbeitung“.

Winfried Hermann (Bündnis 90/Die Grünen) fragt Vesper, ob er nicht mal zum Punkt kommen könne.

Vesper sagt, er teile Fakten mit.

Klaus Riegert (CDU) behauptet, für Hermann seien „Fakten störend“.

Vesper sagt: 32 der 33 olympischen Verbände setzen den NADC fristgemäß um. „In einem Fall gibt es eine Prognose, dass er nicht fristgerecht umgesetzt wird.“ 17 Verbände hätten eine eigene Antidopingordnung entwickelt; 6 geben eine dynamische Verweisung zum NADC in ihren Statuten; 5 geben eine konkrete Verweisung zum NADC in den Statuten; 14 haben zusätzliche Athleten­verein­barungen geschlossen; 4 Verbände haben es nicht geschafft, die Musterordnung in ihre Satzungen aufzunehmen, haben es aber über Athleten­verein­barungen geschafft. (Versuche nur niemand, die Zahlen zu addieren.)

Vespers nächste Prognose: Sämtliche olympischen Verbände setzen den NADC fristgemäß um. Von 25 nichtolympischen Verbänden haben 9 die Regelung aufgenommen; 5 haben Übergangsregelungen über Athleten­verein­barungen; 4 wollen das bis Ende Januar 2009 realisieren; und 7 Verbände sagen, sie werden das „im Frühjahr“ erledigen. Vesper: „Ich halte Sie gerne auf dem Laufenden.“

Winfried Hermann (Bündnis 90/Die Grünen) erkundigt sich jetzt, 16.39 Uhr, wie lange die Sitzung noch dauert. Er hat Angst, dass Schluss ist, bevor es richtig los geht.

Peter Danckert (SPD) sagt: „Sicherlich bis 18 Uhr.“

Peter Rauen (CDU) wirft empört ein: „Nee, nee, nee, nee, nee!“

Peter Danckert (SPD) erwidert: „Natürlich müssen alle Abgeordneten ihre Fragen stellen.“

Göttrik Wewer (SPD, ehemals BMI-Staatssekretär, heute Nada-Geschäftsführer)

Im „hochkomplexen und schwierigen Thema“ der Dopingbekämpfung sei man „nach vorne hin sehr gut aufgestellt, immer mit dem Vorbehalt, dass die Angaben auf der Selbstauskunft der Verbände beruhen“. Genau. Er kennt ein halbes Dutzend Verbände mit Problemen. „Wir sind nicht in der Lage, die Selbstauskunft der Verbände kritisch zu hinterfragen.“

Seine Ausführungen wirken nicht stringent, denn nun sagt er: Es handele sich um eine Mischung aus Selbstauskünften, Nachfragen und Recherchen. „Jetzt können Sie ihre Schlüsse draus ziehen, was stimmt denn jetzt“, sagt er den Parlamentariern. Ein klarer Satz:

Welcher Verband jetzt im Jahr 2008 den Schuss noch nicht gehört hat, dem kann man auch nicht mehr helfen.

Peter Danckert (SPD) ruft dazwischen: „Der kriegt auch kein Geld mehr!“

Klaus Riegert (CDU)

Auch er erwähnt die „Komplexität“ des Problems.

Ich will aber für meine Fraktion ganz deutlich sagen, dass wir für ein rechtsstaatliches Verfahren sind. Gründlichkeit geht vor Schnelligkeit.

(Die Frage ist nur: Welches Verfahren meint er. Und: Schnell hat die CDU in der Dopingfrage noch nie gehandelt.)

Riegert will vom BMI wissen, ob es Verbände gibt, von denen Geld zurückgefordert werden muss. Dann geht er auf jenen aktuellen Text aus der SZ ein, in dem geschrieben steht:

Die Abteilung SP des BMI und der DOSB verrichten ihre Geschäfte weitgehend ohne öffentliche Kontrolle, obwohl mit öffentlichen Mitteln in beträchtlicher Höhe gedealt wird. Mitgliedern des Bundestages bleibt, sollten sie gelegentlich ein Informationsbedürfnis verspüren, nur das Recht, freundlich nachzufragen.

Riegert sagt: „Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Dass muss ich doch zurückweisen, dass wir mit Geldern dealen. Wir sind bereit, auch die Kontrolle darüber zu suchen.“ Seine Frage lautet deshalb zur Umsetzung des NADC: „Wann sind Ergebnisse zu erwarten?“

Dagmar Freitag (SPD, DLV)

Sie geht auf die von Bergner kritisierte „Klamaukberichterstattung“ ein und bezieht das Wort auf die Berichterstattung zum Fall Busch/DEB:

Das war Berichterstattung über einen handfesten Skandal! Wenn das jemand als Klamauk begriffen hat, war es der DEB in Person des Herrn Harnos. Das war ein handfester Skandal, der dem deutschen Sport geschadet hat.

Sie bleibt, anders als es Bergner darstellt, bei ihrer Ansicht, dass zwischen Abgabe der Antidopingberichte durch die Verbände und der noch nicht erfolgten Würdigung durch BVA/BMI skandalöse neun Monate vergangen sind (was stimmt, wie jeder leicht nachrechnen kann und was Bergner später auch einräumen wird). „Dermaßen schleppende Antworten halte ich nicht für akzeptabel“, sagt Frau Freitag.

Die Verbände haben ein Bringschuld. Man sollte deutlich machen, dass das Konsequenzen haben könnte.

(Nur wie: Kein Parlamentarier hat einen Antrag eingereicht und reicht auch keinen ein in den nachfolgenden Minuten der Diskussion. Frau Freitag selbst zählte im Fall des BDR zu den Umfallern und sagt stets, sie habe nicht anders handeln können, weil keine Fakten vorlagen.)

Zu Vesper sagt sie: „Welche Verbände wie geantwortet haben, wäre von größtem Interesse!“ Sie zitiert aus dem BMI-Bericht vom Dezember 2007, wo auf Seite 80 u.a. vermerkt wird:

Die Umsetzung des NADA-Code durch die (hier geprüften) Verbände ist von dem Wunsch geprägt, eine „eigenständige“ Lösung für die Dopingbekämpfung zu finden. Kein Lösungsweg der Verbände gleicht dem anderen. Diese Art der „rechtlichen Selbstverwirklichung“ ist ohne Mehrwert.

Warum die Verbände bei der Umsetzung des NADA-Code nicht den Wortlaut, die Struktur und den Aufbau des NADA-Code übernehmen (soweit nicht verbandsspezifische Besonderheiten ein Abgehen erzwingen), ist schlichtweg unerfindlich. Ein solches Vorgehen riskiert nur Regelungskonflikte und Umsetzungsdefizite und macht darüber hinaus auch einen fruchtbaren Informations- und Erfahrungsaustausch zwischen den Verbänden unmöglich.

Frau Freitag sagt, sie werde hellhörig und fragt Vesper: „Kontrolliert das eigentlich mal jemand, was Ihnen dort von den Verbänden erzählt wird?“ Mehr als dass DOSB und Nada hin und wieder auf den Webseiten der Verbände nachschauen, habe sie nicht erfahren heute Nachmittag. Und sie erkundigt sich mehrfach danach, ob der DOSB seiner Fürsorgepflicht und seiner Pflicht als Dienstleister nachgekommen ist und den kleinen Verbänden die nötige Hilfestellung bei der Umsetzung des NADC gegeben habe.

Detlef Parr (FDP)

Sagt das, was er immer sagt:

Ich möchte mich gegen pauschale Kritik an Vereinen und Verbänden nachdrücklich wehren.

Im Vergleich zur Schweiz, er zitiert einen NZZ-Artikel vom selben Tage, seien „Detailfragen in Deutschland auf sehr hervorragendem Wege“. Er kritisiert aber die Praxis der Zielvereinbarungen zwischen DOSB/BMI und Verbänden: „Das closed-shop-Verfahren gefällt mir nicht.“

Es sei richtig, „dass nicht alles auf dem Markt diskutiert werden kann“, es handele sich schließlich um vertrauliche Vereinbarungen (über Steuermittel übrigens). Er habe aber ein Anrecht darauf, Inhalte zu erfahren:

Auch wenn wir dann vielleicht zurückkehren müssen zu nichtöffentlichen Sitzungen.

(Das sagt der FDP-Mann, Parteifreund des DOSB-Präsidenten Bach. Dabei ist es Danckerts größtes sportpolitisches Verdienst, die Sitzungen des Sportausschusses öffentlich und damit nachprüfbar gemacht zu haben. Der Sportausschuss ist der einzige Ausschuss des Bundestages, der konsequent öffentlich tagt.)

Umsetzungsfragen seien sehr wichtig, Deutschland sei aber auf einem „sehr, sehr gutem Wege“. Man solle Geduld haben und „nicht bei jeder Abweichung Skandal buhen“.

Im Übrigen werden Parrs Anmerkungen zweimal vom Klingeln seines Handys unterbrochen. Ein gewöhnungsbedürftiger Klingelton: Queen, „I want to break free.“ Okay, kurze Pause:

Winfried Hermann (Bündnis 90/Die Grünen)

Erkundigt sich gleich mal bei Parr, wie er das meinte, ob er die Sportausschuss-Sitzungen wieder geschlossen abhalten wolle.

Klaus Riegert und Bernd Heynemann von der CDU rufen unisono dazwischen, Parr unterstützend: „Wir haben das schon richtig verstanden!“ — (Wie sie es verstanden haben, sagen sie nicht.)

Hermann sagt:

Es ist doch die pure Selbstverständlichkeit, dass wenn mit öffentlichen Mitteln gefördert wird, auch öffentliche Kontrolle ausgeübt wird.

Im Ausschuss sei es aber Praxis, diejenigen, die suchen und nicht gleich etwas finden, lächerlich zu machen. „Das kann ja wohl nicht sein!“ Er rügt, dass hier über einen Bericht geredet wird, den die Parlamentarier noch immer nicht haben (den Antidopingbericht 2007).

Detlef Parr (FDP) ruft nun dazwischen: „Sie lesen es nicht mal.“

Hermann zeigt seinen Task-Force-Bericht, schmeißt ihn auf dem Tisch in Richtung Parr und sagt: „Sie können es gern angucken.“ Er hat viel angestrichen.

Klaus Riegert (CDU) behauptet: „Reingeguckt habe ich auch!“

Hermann will wissen, warum es DOSB/BMI/BVA/Nada bei Selbstauskünften der Verbände belassen. Man stelle sich das mal unter Athleten vor: Statt Doping­proben werden nur noch Selbstauskünfte eingeholt! Zu Vesper sagt er, er habe erwartet, dass die Auskünfte überprüft werden. Vom BMI will er wissen, ob die Zuwendungsbescheide auch nur auf Selbstauskünften beruhen.

Peter Rauen (CDU) sorgt sich ums leibliche Wohl. Er will wissen, ob er das Catering rufen soll: „Oder ob wir in absehbarer Zeit durchkommen?“

Peter Danckert (SPD)

Wir haben viel zu lange gewartet, um die Debatte anzustoßen. Was wir heute erleben, ist für mich erschreckend.

Das zentrale Thema Dopingbekämpfung funktioniere in der Umsetzung überhaupt nicht. Verantwortung werde nur umher geschoben. Auch er zitiert aus dem Bericht von 2007 und den Anmerkungen der Gutachter Ulrich Haas und Tanja Haug, die von „rechtlicher Selbstverwirklichung“ der Verbände sprachen. Danckert wird immer lauter und knöpft sich die Institutionen einzeln vor.

  • BMI: Lässt ein Jahr tatenlos vergehen.
  • BVA: Nimmt nicht die Interessen des Parlaments wahr, sagt Danckert: „Ihre Aufgabe ist es, unsere Zielsetzung umzusetzen. Hätten Sie das ein einziges Mal umgesetzt (also auch mal Verbände bestraft), wäre das Problem innerhalb von vier Wochen gelöst.“
  • DOSB: Selbstauskunft sei zu wenig. Es fehle an Druck und Willen. Zu Vesper: „Ja, so ist es! Du kannst mit dem Kopf schütteln, solange Du willst.“

Im Nada-Bericht seien die Defizite „mit den Händen zu greifen“. Seither aber hätten BVA und BMI nicht gehandelt.

Das ist schlicht ein Unding, was hier passiert. Ich weiß gar nicht, womit sie sich beschäftigen!

Es sei ihm „heute schlagartig klar geworden, wie hier gearbeitet wird“. Erschreckend sei dies. Aber „offenbar sind sich alle einig, dass das alles wunderbar ist“. Es brauche weniger juristische Beratung als vielmehr klare Anweisungen, den NADC 1:1 umzusetzen.

Detlef Parr (FDP) ruft dazwischen: „Das ist Klamauk!“

Danckert setzt fort und erklärt, er hörte, der Fördermittelstopp für den DEB von 100.000 Euro werde sogar auf zwei Jahre gestreckt. Zum BVA:

Diese Mittel hätten Sie gar nicht auszahlen dürfen! Weil Sie nämlich eine große Mitschuld an diesem Desaster haben.

Es sei ein schweres Versäumnis, wie mit dem klaren Auftrag des Parlaments – hundertprozentige Umsetzung des NADC – umgegangen werde.

Detlef Parr (FDP) findet Danckerts Ausführungen „nicht in Ordnung“.

Nachtrag am 20. Dezember: Ich sehe gerade, dass der sid am 18. Dezember, also einen Tag nach der Ausschusssitzung unter Berufung auf den DEB gemeldet hat:

Das Bundesinnenministerium hat Fördergelder in Höhe von 128.000 Euro einbehalten. Dieser Strafe stimmte der DEB nun zu. „Wir haben unsere Rechtsmittel zurückgenommen. Dieser Entscheid ist jetzt rechtskräftig“, verkündete DEB-Präsident Uwe Harnos nach dem 1:2 nach Verlängerung in Hamburg gegen die Schweiz und fügte an: „Damit sollte es jetzt sein Bewenden haben.“ (…)

Das BMI strich dem DEB für 2008 und 2009 jeweils 50.000 der ihm zustehenden 370.000 Euro. Zudem behielt es 28.000 Euro für den Zeitraum ein, in dem es keine Trainingskontrollvereinbarung mit der Nationalen Anti-Doping-Agentur (NADA) gab. Die NADA hatte den Vertrag im Frühjahr gekündigt, knapp einen Monat später wurde eine neue Vereinbarung unterschrieben.

Danckert poltert weiter, und weil Parr schimpft, erwähnt er das IOC, dessen Vizepräsident Bach zu Parrs Partei- und Duzfreunden zählt.

Es ist eines von Danckerts Lieblingsthemen: Das IOC könne Exempel an säumigen Nationalen Olympischen Komitees und Verbänden statuieren, macht es aber nicht. „Sie kehren es unter den Teppich!“ Gleiches gelte aber auch für DOSB, BVA und BMI.

Christoph Bergner (BMI, CDU)

Vergleicht die Diskussion mit einem Gewitter, das reinigende Wirkung haben könne. Geht noch einmal auf seinen Begriff der „Klamaukberichterstattung“ ein und erwähnt wie Riegert den SZ-Artikel, der „eine gewisse Klamaukstimmung erzeuge“.

Zum Nada-Bericht sagt er: „Ich hoffe, dass es nie wieder passiert, dass wir einen Bericht erst im übernächsten Jahr abschließen können.“ Denn es ist ja klar, dass sich in diesem Jahr nichts Entscheidendes mehr tut. Er sagt aber auch, dass Danckert als Mitglied des Nada-Kuratoriums den Bericht eigentlich im Sommer erhalten haben müsste.

(Danckert hat vor zwei Wochen in der Bundestagsdebatte zum Sport gesagt, dass er sich den Bericht besorgt habe.)

Peter Danckert (SPD)

Kontert Bergner, indem er aus einem Brief des Staatssekretärs zitiert, der ihm geschrieben hat: „Ich möchte anregen, zum jetzigen Zeitpunkt den Bericht nicht im Ausschuss zu diskutieren.“

Christoph Bergner (BMI, CDU)

Stellt sich „ausdrücklich vor das BVA“, übernimmt die Verantwortung für Verzöge­rungen: „Ich bitte, die entsprechenden Vorwürfe an uns direkt, an mich zu wenden.“ Sagt: „Mir war klar, dass immer Sprengkraft in dieser Nummer liegt. Ich hätte mir nur gewünscht, dass wir schon mal vorher aneinander geraten wären.“ Es sei ein „ernster Beratungsgegenstand“.

Göttrik Wewer (SPD, Nada)

Legt dar, wir kompliziert die Erstellung des Berichts gewesen sei, weil einige Verbände nur schleppend geantwortet haben und sich die Nada viele Satzungen selbst besorgen musste.

Michael Vesper (DOSB, Bündnis 90/Die Grünen)

Mahnt die präzise Trennung aller Vorgänge und Berichte zwischen den Jahren 2007, 2008 und 2009 an. „Das wird sonst nämlich eine ungenießbare Brühe.“ Grundsätzlich findet er: „Wir haben hier eine gute Nachricht abgegeben!“

Erwähnt noch einmal, dass es vier Methoden gäbe, den NADC umzusetzen: über die Verbandssatzung, den dynamischen Verweis, den konkreten Verweis, die Athletenvereinbarungen. Er nennt Dagmar Freitag beim Vornamen, was bei dieser nicht gut ankommt, sie redet ihn konsequent mit „Herr Dr. Vesper“ an, woraufhin Vesper später nicht mehr „Dagmar“ sagt, sondern: „Die Abgeordnete Frau Freitag.“

Desweiteren spricht er von einer „Bringschuld der Verbände“, erinnert an die DOSB-Workshops im September in Köln und im Oktober in Bonn: „Wir haben unsere Pflichten erfüllt!“

Willm Wöllgens (Referatsleiter Sport des BVA)

(Der coolste Beitrag des Nachmittags. Routiniert übergeht er Danckerts Attacken und widmet sich der einzigen Frage, die er „in Erinnerung hat“. Welche Frage das war, habe ich in einem Moment des Amüsements allerdings vergessen.)

Dagmar Freitag (SPD, DLV)

Erinnert an den Fall Krabbe und sagt, den Verbänden müsse seit fast 20 Jahren klar sein, um was es gehe. Ihr Mitgefühl halte sich in Grenzen.

Peter Rauen (CDU)

Hat die Sache mit dem Catering aufgegeben. Sagt nun:

Ich muss gestehen, ich habe in langen Jahren so eine erbitterte und lange Auseinandersetzung im Sportausschuss nicht mitgemacht.

Maßlos geärgert habe ihn der Fall Busch. Vesper fragt er: „Können wir wechselseitig davon ausgehen, dass jetzt wirklich alles getan wird, um die Voraussetzungen zu schaffen …“

Winfried Hermann (Bündnis 90/Die Grünen)

(Hat es wieder schwer, das Wort zu ergreifen, weil – wie meistens – Riegert dazwischen ruft und ihm unterstellt, er höre nicht zu und wolle dieses und jenes nicht hören. Der übliche Riegert halt.)

Hermann sagt schließlich, man solle nicht auf die Verwaltung einprügeln für Dinge, die politisch zu verantworten sind. Er kritisiert Danckert, der den Nada-Bericht und andere Berichte kannte und dennoch den Haushalt 2009 verabschiedet habe, ohne jede Auflage für Verbände. Hermann sagt:

Ich möchte gern den ungeschönten Bericht haben, den möchte ich haben.

(Hintergrund ist offenbar, dass seit Wochen das Gerücht gehandelt wird, BMI, DOSB, BVA wollten den Nada-Bericht schönen.)

Christoph Bergner (CDU, BMI)

Der Nada-Bericht steht für sich. Und der wird auch nicht mehr geändert!

Es sei nur die Frage gewesen, ob der Bericht im Sportausschuss diskutiert werden solle. Da habe er Danckert empfohlen: „Lassen wir es erstmal.“ Zum Fall Busch sagt Bergner „ungeschützt“ (eine seiner Lieblingsformulierungen):

Welchen Sinn haben Dopingkontrollen noch, wenn Sanktionsfragen nicht geklärt sind?

Göttrik Wewer (SPD, Nada)

Erwähnt einen schwierigen Verband: „Handball war ein schwieriger Fall und die Einsichtsfähigkeit nicht sonderlich ausgeprägt.“ Man sei nun aber auf einem guten Weg und überhaupt: „Doppelt genäht hält besser!“ Und noch einmal:

Aber jetzt wird auch alles besser!

Peter Danckert (SPD)

Stellt die Abläufe richtig: Er hat am 13. November an das BMI geschrieben, Bergner hat ihm am 20. November mitgeteilt, er solle den Nada-Bericht lieber nicht im Sportausschuss behandeln. Allerdings sagt das nichts darüber aus, dass er den Bericht – wie Bergner erklärt hat – schon Monate länger als Nada-Kuratoriumsmitglied gehabt haben soll.

Klaus Riegert (CDU)

Hat ja die SZ gelesen und fragt Danckert deshalb auch, ob es stimme, dass BDR-Leistungssportdirektor Burckhard Bremer von ihm (und Hermann) eine Unterlassungserklärung haben will. Es geht bei Danckert um ein Sportgespräch des Deutschlandfunks vom 16. November, bei Hermann um ein SZ-Interview vom 15. November.

Danckert wirkt wenig souverän. Er sagt: „Ich habe als Privatmann in Gegenwart von Herrn Bergner, er ist mein Zeuge, eine Bemerkung gemacht.“

(Tags darauf erklärten Danckert und Hermann, sie werden die geforderte Erklärung nicht abgeben.)

Und noch drei Links:

Ralf #1

Herzlichen Dank! Besser als eine Live-Übertragung im TV…

Habe mich zunächst gefragt, wie

Vesper sagt: 32 der 33 olympischen Verbände setzen den NADC fristgemäß um.

zu

Vespers nächste Prognose: Sämtliche olympischen Verbände setzen den NADC fristgemäß um.

paßt. Sehe erst jetzt, daß beides nur „Prognosen“ sind. Sehr schön!

Passend zum Themenkomplex Bremer/Unterlassungserklärung:

Mainpost: Experte Ralf Meutgens hält das Rad-System immer noch für verlogen

In den entscheidenden Funktionen sind doch beim Bund Deutscher Radfahrer immer noch Leute, die ganz entscheidend vom alten System geprägt wurden. Das gilt für Trainer wie für Funktionäre. Allen voran der Leistungssportdirektor Burckhard Bremer.

Tobi #2

Wenn öffentliche Ausschüsse schon so einen Kindergarten veranstalten will ich gar nicht wissen was in anderen Ausschüssen passiert…

Tomte #3

Ich hatte einen echten Sch… tag. Aber dieser Beitrag lenkt nicht nur ab sondern ringt mir heute erstmals ein Lächeln ab!
Inhaltlich möchte ich mich dazu jetzt nicht äußern – das würde in meiner Stimmung nur zur Generalabrechnung…
Wenn ich nicht wüßte, dass es dieses Kasperletheater wirklich gibt: Oscar für das beste fiktive Drehbuch 2009, Jens!

Daniel #4

@Tobi: Ja, es ist manchmal sehr erhellend, sich die Mühe zu machen, Stenografische Berichte von Debatten und Ausschüssen durchzulesen. Ich habe da auch schon oft Tränen in den Augen gehabt.

Jens Weinreich #5

Danke für die Blumen. Ich finde ja: Das ist gelebte Demokratie!

ha #6

Ja, das gilt „in besonderer Weise“ (bisher dachte ich, so ähnlich geht Bundestagssprech) für das Video … Die starke Seite von Detlef Parr! Da war mal fällig, jw!

Peter Treiß #7

Lieber Jens Weinreich!
Als Beobachter der Ausschussitzung ist mir noch etwas negativ aufgefallen:
Die Abgeordnete der Linkspartei ist scheinbar nach der Paralympics Debatte verschwunden, so dass von der Linkspartei an der Dopingproblematik niemand teilgenommen hat.
Auch schien es mir so, dass bei der Verteilung der Abgeordneten auf die Ausschüsse am Beginn der Legislaturperiode der Sportausschuss von einigen gewählt worden ist,die möglichst wenig zu tum haben wollten.

Jens Weinreich #8

Tja, die Linken haben zu diesem Thema noch nie etwas Relevantes zu sagen gehabt. Am 15. Oktober, als über den BDR diskutiert wurde und Hermann seinen Antrag einbrachte, waren nur sechs Parlamentarier anwesend, natürlich niemand von den Linken: http://jensweinreich.de/?p=1383

Hallenstein #9

Es ist wie im damals Sandkasten. Da haben wir uns auch immer mit den Jungs aus dem Nachbarhaus geprügelt.
Merken diese Herren (und Damen) eigentlich noch welch jämmerliches Bild sie da abgeben?
Für die Sportverbände ist das natürlich einfach. Die müssen jetzt nur mal Diesen und mal Jenen durch (hier bitte die Fantasie walten lassen) für ihre Position einnehmen und schon ändert sich nichts am Status Quo.

Wenn das schon bei einem so kleinen Thema (Sorry, Herr Weinreich, absolut nicht böse gemeint) so unqualifiziert zugeht, möchte ich mir nicht ausmalen, wie es bei den großen Themen (Bildung, Soziales, Arbeit,…) läuft.

Ralf #10

SZ: Dopingstreit um BDR-Sportchef – Hermann verklagt Bremer

Dass Bremer in seinem BDR-Spitzenamt die zahlreichen Dopingfälle im deutschen Radsport zumindest nicht verhindert habe, sei ein „Verantwortungszusammenhang“, den man äußern dürfe.

Ralf #11

Schwäbisches Tagblatt: Angriff auf Meinungsfreiheit

Auch Peter Danckert […] hat […] die Erklärung nicht unterschrieben und mit einer Gegenklage geantwortet.

Ralf #12
Herbert #13

Ralf, ich frage mich, weshalb es keinen in diesen erlauchten und umfassend informierten Kreisen gibt, der sich einmal auch zu den unangenehmen Seiten der Wahrheit bekennt. Nach der politischen Wende wurden viele Nachwuchstrainer wegen fehlender finanzieller Mittel aus dem Job gezwungen. Das war ein schleichender Prozess. Allerdings gab es damals bereits die Mahner, die auf dessen erfolgsminimierende Konsequenzen hinwiesen. Aber – wie so oft – wurde das diesmal auch mit Geldmangel begründet. Zukunft, Konzeption, Option sind da eher nicht präsent im Denken und Entscheiden der Verantwortlichen.

Jetzt werden Prämien ausgelobt, die die scheinbar ersparten Sportmittel wieder auffressen.
Allerdings seh ich für den deutschen Sport nicht nur dieses , sondern ein noch viel dramatischeres Problem. Der fehlende Nachwuchs selbst. Das ist natürlich von Sportart zu Sportart unterschiedlich. Für eine TOP-Frau oder – Mann brauchts mindestestens 30 junge, sehr talentierte Sportler, die mit der nicht immer nur freudvollen sportlichen Laufbahn beginnen. Ganz oben und nach 15 Jahren kann dann vielleicht, wenn auch die anderen Fakten passen, ein Olympiasieger oder Weltmeister stehen. Vor dieser einfachen Wahrheit wird sich auch gedrückt.
Und da müssten wir nicht immer nur über Doping diskutieren, sondern uns über das wahre Einmaleins des Sports Gedanken machen und dann Entscheidungen treffen.

Arnesen #14

Ich weiß nicht, Herbert, ob das Wort „wir“ im letzten Satz angebracht ist.
Das würde unterstellen, dass 1.) im Sport tatsächlich die Nation des Siegers wichtigstes Kriterium ist und dass das 2.) auch von allen akzeptiert wird.

Und da bei Gegenbeweisen ein einziges Beispiel genügt, kann ich 2.) schon streichen. :-)

Herbert #15

Arnesen, ehrlich, ich habe Sie nicht ganz verstanden. Zur Nation des Siegers habe ich doch gar nichts geschrieben. Wenn Sie mit 2. Gegenbeweis die kritisierte Nachwuchsarbeit meinen, dann würde ich darauf bestehen, weil ich sie noch für wichtiger als die Trainerfrage halte, auch für das gesamte Gemeinwesen.

Joern #16

Die FAZ berichtet heute über Doping im Amateur-Radsport und über die mögliche Beteiligung des BDR: Hodenkrebs-Attest als Ausweg?
und verweist auf einen entsprechenden Beitrag in „Sport Inside“ am Montag.

Ralf #18
Ralf #19
Walter #20

Ralf,ich verstehe die ganze Aufregung nicht.Im Juli/August 2007 waren R.Scharping mit J.Jaksche im aktuellen Sportstudio zu Gast bei Poschmann.Dort sagte Herr Scharping sinngemäß“…man kann doch nicht heute Leute für etwas zur Rechenschaft ziehen,was vor 20 Jahren gang und gäbe war,ihnen die Existenz vernichten…das wird in anderen Gremien erörtert,damit sich nicht noch jemand das Leben nimmt… damals wurde mit öffentlichen Mitteln eine Studie erstellt,in Freiburg,wie wirkt denn dieses Testosteron auf die Leistungsfähigkeit,in dem Fall von Nordischen…“
Ich finde mehr Geständnis geht nicht ,nur Herr Poschmann war auf diesem Ohr taub;-)
Leider fehlt der Beitrag in der ZDF Mediathek seit kurzer Zeit,gibt es da ein Archiv?

Ich nehme an,die Wahrheit darf nicht gesagt werden,am Ende müssen sie sich auch noch bei Jan Ullrich entschuldigen?

Tobi Kiefer #21

blöde Frage: aber hatte Lance A. nicht auch Hodenkrebs? Und war nachdem er diesen besiegt hatte, bei der Tour de France nicht mehr zu schlagen?

Ralf #22

WELT: Scharping soll mal wieder gestürzt werden

Als Bremer sich von Politikern wie dem Sportausschuss-Vorsitzenden Peter Danckert oder dem Grünen Winfried Hermann diffamiert sah, die darauf hinwiesen, dass er „schon in den heißen Zeiten des Dopings in dieser Position war“ (Hermann), begehrte er Unterlassungserklärungen. „Nach Rücksprache mit meinem Anwalt habe ich das nicht unterschrieben“, sagt Danckert, „seither habe ich nichts mehr gehört.“

Ralf #23

Winfried Hermann in der Berliner Zeitung: „Da könnte ich die Arbeit einstellen“

Herr Hermann, am Donnerstag wird vor Gericht in Berlin eine Auseinandersetzung zwischen Ihnen und Burckhard Bremer verhandelt, dem Sportdirektor des Bundes Deutscher Radfahrer.

Walter #24

Vor Gericht dürfte auch nichts anderes herauskommen als im Prozeß Sprenger.Wissen kann man viel aber beweisen ist eine andere Geschichte.
http://www.cycling4fans.de/index.php?id=4133
Ich glaube nicht,dass im Radsport anders oder mehr gedopt wurde als in anderen Sportarten.Durch die Verfolgung von Jan Ullrich ist nur mehr herausgekommen.Aber selbst bei dieser Kampagne ist Doping nicht nachgewiesen worden.

Er habe nie, wie in einigen Medien gedruckt, gesagt, dass Ullrich gedopt habe, sondern lediglich festgestellt, dass die Staatsanwaltschaft nach den Ergebnissen der umfangreichen Ermittlungen davon ausgehe, dass Ullrich gedopt habe. „Die Feststellung selbst kann nur ein Gericht treffen“, so Apostel.

http://www.general-anzeiger-bonn.de/index.php?k=spor&itemid=10067&detailid=436751

Ralf #25

@ Walter:

Im Fall Sprenger kam es nicht zum Prozeß, und im Fall Bremer geht es nicht darum, ihm eine Dopingmitwisserschaft nachzuweisen, sondern einem MdB das Recht auf freie Meinungsäußerung zu sichern.

Im übrigen glaube ich, daß im Radsport „etwas“ mehr gedopt wurde als in anderen Sportarten. Aber darüber brauchen wir wohl nicht zu diskutieren.

Walter #26

Ist das nur bei Radprofis im Einsatz?

Alle konzentrieren sich auf den Radsport, und die anderen Sportarten verstecken sich dahinter. Diese Mittel wirken auch im Schwimmen, im Rudern, im Paddeln, im Lauf, im Skilanglauf. Da werden sie auch eingesetzt.

http://www.faz.net/s/RubCBF8402E577F4A618A28E1C67A632537/Doc~EFB379B0C84794C41A2A745EFA76C604D~ATpl~Ecommon~Scontent.html

Richtig ,Sprenger hat ja den Zeugen angezeigt und das Ermittlungsverfahren wurde eingestellt;-)

Ralf #27
Jens Weinreich #28

Ich komme gerade aus dem Gericht. Äußere mich später dazu.

Ralf #29

Amerika-Dienstreise also erfolgreich beendet?

Ralf #30

Wormser Zeitung: Winzer-Geld für Doping? Ex-Buchhalter der Winzergenossenschaft Westhofen im Visier

Nach Informationen der WZ soll dabei auch der Name von Schulz’ ehemaligem Teamchef, damals noch Buchhalter bei der Winzergenossenschaft Westhofen, gefallen sein. Der aufgeflogene Doping-Sünder bezichtigt seinen ehemaligen Manager, ihm die Substanzen, die er sich gespritzt oder geschluckt habe, ausgehändigt zu haben.
[…]
Welche Rolle das Geld der Winzergenossenschaft Westhofen in der Doping-Affäre spielt und ob mit den veruntreuten rund 270.000 Euro das Doping im Team „Rowe Motoroil“ finanziert wurde, ist zum derzeitigen Stand der Ermittlungen noch unklar.

Ralf #31

Wormser Zeitung: Alleintäter oder Mittelsmann?

Es bestehe grundsätzlich die Gefahr, so die Angaben der Staatsanwaltschaft, dass die Fahrer „den eigenen Tatbeitrag schönen und den von anderen übertreiben“.
[…]
Klar sei allerdings, dass der Beschuldigte selbst, „einen erheblichen eigenen Bedarf“ gehabt habe, so dass man nicht ausschließen könne, dass mit dem Winzer-Geld die Doping-Geschäfte finanziert wurden.

Ralf #32

Grit Hartmann für dradio.de: Erste Kronzeugenaussage mit Folgen – Strafbefehl gegen Radsport-Amateur und Ermittlungen gegen Mediziner

„Es haben sich Hinweise ergeben, das möglicherweise Ärzte oder ein Arzt, wissend, wozu diese Mittel eingesetzt werden, Rezepte ausgestellt hat, damit die entsprechenden Arzneimittel beschafft und dann zu Dopingzwecken eingesetzt werden können.“

Nada und BDR allerdings haben die Ermittlungen in der pfälzischen Doperszene zuletzt ignoriert. Staatsanwalt Orthen versucht es mit einem Tipp:

„Wenn die Nada nach Abschluss des Verfahrens wieder Akteneinsicht will, dann wird das genauso wenig ein Problem sein, wie das im Ermittlungsverfahren ein Problem war.“

Ralf #33

Die Textversion des oben verlinkten Beitrags (#37) ist derzeit leider nicht verfügbar. Der Beitrag läßt sich aber nachhören:

Doping im Radsport: Erste Kronzeugenaussage mit Folgen

Ralf #34

misterboo.de: Wirbel um Bernd Fuhrmann: erneute Suspendierung

Gestern beim Rennen in Bornheim erschien nun persönlich der Vizepräsident des BDR, Günter Schabel, um die Rennlizenz des Fahrers vom RV Rodenbach einzuziehen.
[…]
Von einem „positiven Befund“ ist da die Rede, was immer das heißen mag, es fehlen, wie sonst bei Doping-Suspendierungen üblich, Ort und Datum der Kontrolle und der Hinweis auf die B-Probe. Es stellt sich auch weiter die Frage, warum die Meldung erst jetzt erscheint, obwohl die Suspendierung schon am 17.06. erfolgt ist

Und hier nochmal der Link zur Textversion des dradio-Beitrages von Grit Hartmann: Erste Kronzeugenaussage mit Folgen

Ralf #35

Ralf Meutgens für dradio.de: mp3-Datei:

Die Aussagen von Philipp Schulz belasten den Radsportler Bernd Fuhrmann
Sendezeit: 19.09.2010 19:53
Autor: Meutgens, Ralf
Programm: Deutschlandfunk
Sendung: Sport
Länge: 05:32 Minuten

misterboo.de: Neues im Fall Fuhrmann

Ralf #36

Ralf Meutgens für dradio.de: Dopinggeständnis, Teil 3

Im Rahmen weiterer Telefonüberwachungen hat es bei mindestens vier weiteren Radsportlern Hinweise auf Dopingvergehen gegeben. Ebenso gibt es den Beleg für eine verweigerte Dopingkontrolle.
[…]
Im Rahmen einer Langzeitstudie wurden vom Kölner Anti-Doping-Labor auffällige Urinproben gesondert gelagert. Eine davon gehörte Fuhrmann. Diese Proben wurden in zwei Teile aufgeteilt, um wieder über eine A- und B-Probe zu verfügen. Ein Teil wurde mit verfeinerten Methoden analysiert und hat im Falle von Fuhrmann exogen zugeführtes Testosteron nachgewiesen.
[…]
Es sollen rückdatierte Atteste durch diesen Arzt ausgestellt worden sein, um die Einnahme eines bestimmten Medikamentes medizinisch zu begründen. So wurden positive Dopingproben nachträglich legalisiert. Nur schwer nachvollziehbar ist in diesem Zusammenhang die Tatsache, dass ein derartiges Vorgehen des Arztes strafrechtlich irrelevant ist, solange diese Atteste nicht bei einer Behörde vorgelegt werden. Sportverbände und die nationale Anti-Doping-Agentur gelten laut Strafgesetz nicht als Behörde.

Ralf #37

Daniel Drepper für ZEIT online: Gedopt und ausgepackt

Philip Schulz gab Dealer und Mitdoper preis. Jetzt ist der Rad-Amateur Außenseiter – will aber dennoch nicht vom Radsport lassen.

Ralf #38

Ralf Meutgens und Anno Hecker in der FAZ: Doping in Deutschland – Krank zum Schein

Der BDR war so überzeugt von diesem Dokument, dass er unter anderem gegenüber dem Sportausschuss des Deutschen Bundestages die Auffassung vertrat, es habe ein Gutachten eines renommierten Facharztes vorgelegen. Über den genauen Inhalt wollte der Verband keine Auskunft erteilen. Dem Tode geweiht kann X 2007 aber nicht gewesen sein. Ihm gelangen 17 Siege. Nie war er erfolgreicher.

Ralf #39

Ralf Meutgens für dradio.de: Doping dank falschen Attests? – Der Sportbetrug mit ärztlichen Bescheinigungen

Für den in Dopingfragen versierten Aachener Oberstaatsanwalt Robert Deller ist dieser Fall erneut Anlass, eine von ihm seit Jahren geforderte Anpassung der Gesetze anzumahnen. Seiner Meinung nach muss ein Tatbestand des Sportbetrugs in das Strafgesetzbuch aufgenommen werden.

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