Elefantes brancos oder: Was erlauben das Volk? Die FIFA und die Proteste in Brasilien

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Eine Frage, die mich seit einiger Zeit interessiert, musste ich gestern kurz an den FIFA-Generalsekretär und Serienlügner Jérôme Valcke los werden:

Valcke, ein enger Kumpel des vollkorrupten brasilianischen Fußball-Mafiosi Ricardo Teixeira, war derjenige Sportfürst, der den Brasilianern, die nicht Teixeira und Havelange heißen und mit den FIFA-Granden Geschäfte machen, unlängst in den Arsch treten wollte – und sich dann doch wieder missverstanden fühlte, wie so oft.

Beim Spiel im Confederations Cup zwischen Brasilien und Mexiko erschien am Mittwochabend im Stadion von Fortaleza ständig ein FIFA-Werbespruch auf den Werbebanden.

„Football for hope“, hieß es da.

„For the Game – for the World“, lautet sogar der offizielle FIFA-Slogan.

Sepp Blatter verkauft seine korrupte Organisation, die rund 1,4 Milliarden Dollar auf den Konten hortet und damit allerlei Propaganda finanzieren kann, ja durchweg als Weltverbesserungsanstalt.

Frieden und Bildung soll sein Fußball bringen. Zum Beispiel.

Doch wenn das Volk sich vom Opium Fußball nicht mehr berauschen lassen will und Millionen auf die Straße gehen (auch gegen die FIFA, auch gegen grassierende Korruption, woran die Cartolas, die Fußballmafia des Landes, die untrennbar mit der FIFA-Mafia verbunden ist, großen Anteil haben), dann reagiert Blatters Truppe beleidigt.

Denn sie können es nicht verstehen.

Wie kann das Volk, zumal das fußballverrückteste der Welt, sich anmaßen, Hoffnungen und Bedürfnisse zu artikulieren, ohne zuvor bei den gestrengen, mit Knebelverträgen agierenden FIFA-Sittenwächtern und knallharten Vermarktungsmonopolexperten schriftlich um Erlaubnis gefragt zu haben?

Was erlauben das Volk?

[kraut project=“https://krautreporter.de/de/projects/94-macht-moneten-marionetten/“]Missbraucht den Fußball nicht!

Greinte also Sepp Blatter, der Mann, der den Fußball seit Jahrzehnten für seine Interessen missbraucht – gemeinsam, vor allem, mit seinen brasilianischen Kumpanen wie Havelange, Teixeira und Marin. Dann verabschiedete sich Blatter für ein paar Tage in die Türkei zur u20-WM.

Witzig. Wunderbar.

Denn in der Türkei demonstrieren die Menschen auch gerade. Nicht zuvorderst gegen Pläne der Sportkonzerne. Aber es gibt einige Parallelen zwischen dem WM- und Olympiagastgeberland Brasilien und der Türkei bzw Istanbul, das sich um die Olympischen Spiele 2020 bewirbt.

Hochspannende Entwicklungen sind das. Und das ist erst der Anfang, denke ich mal. Wladimir Putin wird seinen Schergen schon erzählen, wie im Vorfeld der Sotschi-Spiele mit aufmüpfigen Bürgern umzugehen ist, die Reformen, Kritik und Hoffnungen artikulieren und die organisierte olympische Korruption in Sotschi (und bei der Fußball-WM 2018) brandmarken.

Passt also auch alles bestens zu meinem Buchprojekt, ich werde diese Ereignisse analysieren und in meine Beschreibungen der Parallelgesellschaft Sport einfließen lassen. Das gehört untrennbar zusammen.

Habe dazu heute schon einige Interviews gegeben, u.a. in der Big Show auf Sportradio360, die ab 17 Uhr zu hören ist, aber auch für ARD-Radiosender. Und ich werde die Thematik aktuell für einige Medien durchdenken.

Bis dahin einige Links und Videoempfehlungen:

So sieht das die FIFA:

… und so Carla Dauden, eine in den USA lebende Brasilianerin, die ihr Video vor Beginn der Demonstrationen produziert hatte. Innerhalb von drei Tagen wurde das Video 2,2 Millionen Mal gesehen, bisher …

Da prallen natürlich Welten aufeinander.

Einige Empfehlungen werde ich nachtragen.

Klaus #1
Stefan #2

Der Postillon
http://www.der-postillon.com/2013/06/brasilien-fifa-boss-blatter-glucklich.html

„Das ungeheure Engagement der brasilianischen Bevölkerung zeigt einmal mehr, dass wir… Verzeihung, dass ich bei der Vergabe der WM wieder alles richtig gemacht habe“, verkündete Blatter sichtlich stolz am Donnerstag.

JW #3

Hier mal etwas ausformulierter …

Piti #4

Sehr gut geschrieben. Blatter wird’s gerne lesen. ;)

(Wobei ich allerdings noch leise Zweifel hege, ob hier nicht ein Randaspekt der brasilianischen Proteste über Gebühr thematisiert wird, weil der mitteleuropäische Medienkonsument mit Brasilien eben nicht mehr verbindet als Fußball, Kaffee und Karneval.)

HvH #5

So sieht es die FIFA:

„Der FIFA Konföderationen-Pokal 2013 fand in einer Zeit breiter Massenproteste im ganzen Land statt, doch der Fussball brachte die Menschen in den Stadien zusammen.

(http://de.fifa.com/confederationscup/news/newsid=2127454/index.html)

….Ich mach‘ mir die Welt
Widdewidde wie sie mir gefällt ….

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