Sepp Blatters Tafelrunde: das ehrenwerte FIFA-Exekutivkomitee

 •  • 25 Comments

Unsere Gesellschaft ist voller Teufel und solche Teufel findest du eben auch im Fußball. Joseph Blatter

ACAPULCO. Es fällt mir einigermaßen schwer, mich aus der Ferne vom IOC-Termin zu den jüngsten Entwicklungen in FIFA und UEFA zu äußern. Für die NZZ am Sonntag habe ich dennoch mal die Kurzprofile der FIFA-Exekutivmitglieder erstellt. Kann man natürlich alles ganz anders machen, besser und treffender – ausführlicher sowieso: über die Untaten etlicher Mitglieder, die 100.000 Dollar jährlich (plus Tagesspesen von 800 Dollar, glaube ich, bitte korrigieren, liebe FIFA-Kommunikationsabteilung, falls die Zahl überholt sein sollte) und je nach Dienstjahren auch eine satte FIFA-Rente kassieren…

Unsere Gesellschaft ist voller Teufel und solche Teufel findest du eben auch im Fußball.

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Thomas Seeholzer #1

Wow.
Ich habs mir noch schnell durchgelesen, bevor jemand die Seite hier dicht macht…
Die meisten der Chorknaben durften wir ja schon früher, teilweise ausführlich, kennen lernen, aber die komplette Liste ist dann doch nochmal beindruckend.
Danke.

indykiste #2

da möchte ich mich doch glatt anschließen.
So viel Kompetenz in Sachen Korruption auf einen Haufen, Respekt!

cf #3

ganz klar: um den teufel effektiv bekämpfen zu können, muss man ihn erst einmal gründlich kennenlernen. alte bauernregel.

die uefa hat sich unterdessen zu einer reaktion auf die korruptionsvorwürfe made in zypern durchgerungen — und ihre juristischen geschütze in stellung gebracht. nun kann es mit er vorlage der beweise also auf einmal gar nicht schnell genug sehen, oder es wird zurückgeschossen™.

Ralf #4

SZ-Kommentar von Thomas Kistner: Ein heikles Ultimatum

Thomas Seeholzer #5

Nicht ganz neu, aber passend:

SZ Comic: Wie Blatter entscheidet

:-)

horatio #6

Lieber Herr Weinreich,

ich hatte Sie mal (vor Jahren) als etwas dicktuerischen Hin- und Herflieger bemopst, aber was Sie hier immer wieder an journalistischen Perlen abliefern, läßt mich meinen Hut ziehen.

Herr Holle #7

Die Vorgeschichte und das etwas ungewöhnliche Vorgehen des Zyprioten (will die Unterlagen „nur der Justiz übergeben“, meldet sich vorher aber bei der UEFA) lässt auch darauf schließen, dass es sich hier um einen größeren Erpressungsversuch von Herrn Marangos gehandelt hat/ handelt. Offenbar würde er gern mit der UEFA (und möglicherweise auch mit den in seinen Unterlagen genannten Personen) besprechen, in welchem Umfang die Unterlagen an die Justiz gelangen sollen. Was aber, wie im Fall FIFA/ISL gesehen, noch lange nicht heisst, dass die Unterlagen und Namen auch an die Öffentlichkeit gelangen würden.

cf #9

@herr holle
derlei überlegungen sind natürlich nicht ganz von der hand zu weisen. mit heiligen muss man in der (fussball-)geschäftswelt wohl eher nicht rechnen.

insgesamt scheint da noch so einiges etwas ungereimt. am anfang hieß es ja auch noch, dass er sich nur geweigert habe, seine beweisstücke postalisch zu übersenden. und wenn er sie wirklich der justiz hätte übergeben wollen, dann macht es ja in der tat keinen sinn, dabei eine ewigkeit auf die uefa zu warten. wenn es ihm aber nur um etwas geld gegangen wäre, hätte er die beweise seiner wahl auch an die medien verkaufen können.

andererseits: sein schon vereinbartes treffen mit dem (damaligen) uefa-ermittler wurde ja ganz offenbar auf betreiben der uefa kurzfristig abgesagt. das scheint ja eindeutig dokumentiert zu sein, sodass er den schwarzen peter irgendwie schon losgeworden zu sein scheint.

Ralf #10

sport inside-Manuskript: „Provisorische Entschlossenheit“

Ralf #11

SZ-Kommentar von Thomas Kistner: Korruption bei der Fifa: Schluss mit dem Sonderrecht

Das wird Zeit, und ist das Einzige, was dem rasant in die – teilweise organisierte – Kriminalität abdriftenden Sport helfen kann.

Ralf #12

Jürgen Dunsch in der FAZ: Fifa, Uefa und IOC in der Schweiz: Tiefes Loch in der Korruptionsbekämpfung

Mehrere Politiker in Bern haben angekündigt, die Regierung zu einer entsprechenden Gesetzesänderung zu drängen. Nichts deutet darauf hin, dass dies mehr als ein Hoffnungsschimmer ist.

Ralf #13
Herbert #14

Die größte Gefahr für den Sport macht Rogge im organisierten Wettbetrug aus.

So oder ähnlich haben das schon viele vergleichbare (Sport)führer vor ihm angenommen und haben zu spät bemerkt, dass die Gefahr nicht von außerhalb kam. Ein sehr systemblindes Statement.

Ralf #15

Thomas Kistner in der SZ: Korruption bei der Uefa? – Das Verhalten? Rätselhaft!

Der Verband mache „keine gute Figur“, lässt sich Sylvia Schenk zitieren, die Deutschland-Chefin der Antikorruptionsorganisation Transparency International: „Marangos kann ein Spinner sein, aber das muss geprüft werden. Wenn jemand behauptet, dass bei der EM-Vergabe 2012 Stimmen gekauft wurden, kann man ihm nicht einfach ein Ultimatum von 48 Stunden stellen, in denen er öffentlich seine Beweise vorlegen muss.“ Wer solche Vorwürfe erhebe, begebe sich in Gefahr: „Das sind ja nicht lauter nette, liebe Leute, die in solche Vorgänge verstrickt sind. Das Mindeste wäre, ihm einen Ombudsmann zu benennen, dem er sich anvertrauen kann.“

Teufelskerl #16

Zu Chung Mong-joon:

Als eines seiner Hobbys nennt er: „Trinken mit Freunden“.

Das wird im Westen eher negativ ausgelegt, gilt in Korea aber als Zeichen der Männlichkeit. Fast jeder normale Koreaner könnte das als „Hobby“ angeben. Bei dieser Tätigkeit kann mann sein konfuzianisches Alltagskorsett kurzzeitig lockern, wenn nicht gar ablegen. Eine auf Wähler abzielende Führungspersönlichkeit (Chung hat immer noch präsidiale Ambitionen) signalisiert damit Bodenständigkeit.

Aber wenn Chung diese unterschiedliche Wahrnehmung im Westen nicht berücksichtigt, lädt ist das in der Tat zu Rückschlüssen auf die intellektuelle Kapazität ein. ^-^

Teufelskerl

Berlinerin #17

taz.de: So geht’s nicht! Muss die Vergabe der WM nach dem Fifa-Skandal vertagt werden? Mayer-Vorfelder sagt: ja

ist das die wahrheit, die im wein liegt? oder spielt MV gar über bande für den DFB?

Ralf #18

SpOn: Korruptionsverdacht: Ermittlungen gegen rumänischen Verbandspräsidenten

Die rumänische Antikorruptionsbehörde ermittelt gegen den Präsidenten des nationalen Fußballverbandes, Mircea Sandu.
[…]
Demnach soll Sandu, seit 2007 rumänisches Exekutivmitglied der Europäischen Fußball-Union Uefa, zwei Millionen Euro kassiert haben, damit er für Polen und die Ukraine stimmt.

Michael Jordan #19

Ganz schön mutiger Artikel Herr Weinreich! Ich halte den Richter Geoff Thompson eher für einen der Guten. Ich glaube nicht, dass er bedingungslos tut was man ihm sagt.

indykiste #20

Bruno Affentranger in „Zeit- Online“:
FIFA – Korruption, ganz legal

[…]
Jérôme Valcke hatte die Idee, gleich zwei Vergaben in einem Meeting des Exekutivkomitees (ExCo) geheim entscheiden zu lassen.[…]
Im ExCo hat sich niemand gegen Valckes Idee gesträubt. Weshalb auch? Es gibt einigen älteren Semestern die Gelegenheit, ein letztes Mal die Hand aufzuhalten. Unter den 24 Mitgliedern der abstimmenden Fifa-Regierung sitzen 13 Vertreter, die aus einer Zeit stammen, als man sich die Spesenbelege noch selber auf einem Blankopapier ausstellen konnte – und der Quästor hat immer brav das Checkbuch gezückt. Die zwei mittlerweile suspendierten, der Korruption verdächtigten Vertreter haben diese alten Zeiten nicht erlebt.[…]

Jens Weinreich #21

Schöne Geschichte von Jean François Tanda, dem einzigen Schweizer Journalisten, der regelmäßig so etwas bringt. Eigentlich im Tagesanzeiger, aber auch die Basler Zeitung druckt’s:

WM-Kandidat Qatar mit «Projekt Seleucia» gegen Zen-Ruffinen

indykiste #22

Abschreiber melden: FIFA-Ethikkommission sperrt sechs Funktionäre
Perikles Monioudis/NZZ meint: Fifa straft milde

[…]Einen Einfluss auf die Vergabe der Fussball-Weltmeisterschaften 2018 und 2022 (am 2. Dezember in Zürich) hätten die Verfehlungen der beiden Exekutivmitglieder laut Sulser nicht. Ausserdem schätze der Präsident der Fifa-Ethikkommission die Art und Weise, wie die «Sunday Times» agiert habe, nicht.[…]
[…]Sulser verstieg sich in einer Belehrung der Medien, die zwar «für die Demokratie in einem Land» wichtig seien. Im Fussball wollten «die Menschen aber Freude erfahren», keine Zwietracht vorgesetzt bekommen.

so isses! :-)

Ralf #23

Auch die dpa stellt nun Sepps Tafelrunde vor…

cf #24

wenn man die von der dpa prognostizierten stimmen mal zusammenzählt, kommt man demnach für 2018 auf:
SPA/POR: 8, ENG: 4, RUS: 3 — bei 7 ungewissen stimmen.

für 2022 ergibt sich demnach:
QAT: 7, USA: 4, AUS: 2 — bei 9 ungewissen stimmen.

demzufolge müssten also spanien/portugal für 2018 und qatar für 2022 als klare favoriten gelten. wundern tut mich an der dpa-prognose aber zweierlei: zum einen wird seiner seppheit eine traditionelle schweizer neutralität unterstellt („um es sich mit niemandem zu verscherzen“) — wobei ich mich jedoch zu erinnern glaube, dass er in der vergangenheit zumindest für südafrika ganz offen partei ergriffen hatte. zum anderen wundert mich, dass jack’s concacaf-fraktion zumindest bzgl. 2018 angeblich nicht einheitlich abstimmen wird — während jack himself ins englische lager gezählt wird, ist sein guatemaltekischer kompagnon salguero angeblich im iberischen lager zu verorten…?

zu ehren der favorisierten qataris aber noch flink ein link auf deren inoffizielles bewerbungsvideo… ;-)
(auch wenn es natürlich schon alle gesehen haben)

Kurt M. #25

Ihr arroganter und selbstverliebter Auftritt bei Züri News war eine Frechheit. Das ist genau der Grund weshalb wie euch Deutsche nicht in der Schweiz haben wollen. Ich habt keinen Anstand und ihr glaubt die größten zu sein, dabei solltet ihr lieber mal in Euer Land hinschauen, wo es hinten und vorn nicht stimmt. Ein Land voller Unterdrückung und Verrat. Pfui

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