Südafrika, Tag 35: Wasserstandsmeldung, Olympia 2020, Abstimmung beste WM-Spieler

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JOHANNESBURG. Fünf Wochen sind genug. Abflug O.R. Tambo 20.40 Uhr. Dass es in den vergangenen Tagen etwas ruhiger zuging, mag auch an den Pillen liegen, die ich in mich reinstopfen musste. Ein kleines Fazit wollte ich schon noch schreiben und auch eine kleine wissenschaftliche Abhandlung zur FIFA in Afrika, die ich mir seit fünf Wochen vornehme und die vielleicht die Liste der tausend unerledigten Themen und Vorhaben verlängern wird. Aber ich verspreche lieber nicht zu viel. Kann sein, dass ich am Wochenende daheim erst mal Fußball spiele und mich in die Hängematte lege. Und dann natürlich das Endspiel gucke.

Sepp Blatter hat gestern im Sandton Convention Centre gemeinsam mit den beiden WM-OKs (dem der FIFA und dem der Südafrikaner) noch eine Pressekonferenz gegeben, die ich leider verpasste, weil es in der Holzklasse mit Kulula natürlich etwas länger dauert als mit „FIFA one“ und anderen Privatjets und mein treuer Taxifahrer Wilson auch kein Blaulicht hatte. Jedenfalls, Sepp hat wieder viel Unsinn erzählt. Zum Beispiel sagte er:

„Wir sollten nicht mehr über Doping im Fußball sprechen.“

Denn es hat, welche Überraschung, keine positiven Dopingtests gegeben (anders als in der Leichtathletik, wo gerade Zahnspangen-Lady Shelly-Ann Fraser ein Problem bekommt).

Er sagte auch:

„Die Stadien in Südafrika sind Juwelen. Kein einziges Land in Europa verfügt über solch gute Arenen wie Südafrika, kein einziges.“

Das gilt vielleicht für Polen und die Ukraine, Gastgeber der Euro 2012, ist ansonsten aber Nonsens. Über die Nachnutzung der überdimensionierten WM-Arenen ist schon viel geschrieben worden. Das interessiert die FIFA aber nicht. Sie hat die Pflichtenhefte verfasst, Auflagen und Preise hochgetrieben und verdrückt sich nun aus dem Land. Die meisten Stadien werden Invest-Ruinen.

In Durban droht Ähnliches, wenngleich die Moses-Mabhida-Arena vielleicht doch bald Schlagzeilen machen wird. Es ist das einzige Stadion von olympischen Ausmaßen, nicht nur, weil es Platz für eine Leichtathletik-Anlage bietet, auch die Katakomben und das Drumherum sind, man könnte sagen: olympisch geplant.

Blatters Aussagen zu den Olympia-Ambitionen Südafrikas (bisher hat es eine Bewerbung von Kapstadt für die Sommerspiele 2004 gegeben) werden von der südafrikanischen Regierung natürlich dokumentiert:

„If there is any country in Africa that can host the Olympics it is South Africa … I can tell you now if a country can host a FIFA World Cup successfully, that country can definitely organise the Olympics“, Blatter said.

The International Olympic Committee awarded the 2016 Games to Brazil, making it the first time a South American country will host the games. This will leave Africa as the only continent yet to stage the Olympics.

Blatter noted that unlike the World Cup, which requires the cooperation of many cities, organising the Olympics needed only one city. Both Durban and Cape Town have indicated their willingness to host the event should South Africa decide to launch its bid.

Since the dawn of democracy in1994, South Africa has hosted several major international events, including the Rugby World Cup in 1995, African Cup of Nations in 1996 and the Cricket World Cup in 2003. Next year the country is scheduled to host COP 17, the largest gathering of world leaders and civil organisations to discuss climate change.

„South Africa has shown what it can do. I know we are still going to match 63 and 64 but we are satisfied and if South Africa wants to host the Olympics I would fully support such a candidature.“

Es gibt viele Gründe für Durban. Eine Standortbestimmung, mehr nicht, hatte ich in Kürze am Dienstag für den DLF gedichtet:

Durban macht kein Geheimnis daraus, erste afrikanische Olympiastadt werden zu wollen. Die Bewerbungen für 2020 und 2024 sind fest avisiert. Clever hat man sich zunächst darauf konzentriert, sportpolitische Highlights an den Indischen Ozean zu holen. Das ist immer ein guter Start. Im Dezember findet das vom IOC organisierte Weltforum für Sport, Bildung und Kultur in Durban statt – im Juli kommenden Jahres dann die 123. IOC-Vollversammlung. Es ist die erste IOC-Session überhaupt in Afrika, am 6. Juli 2011 werden in Durban die Olympischen Winterspiele 2018 vergeben – an Pyeongchang oder München.

Durban ist vor zwei Jahren in Peking vom IOC ausgewählt worden, und schon damals haben die Olympia-Ambitionen der größten afrikanischen Hafenstadt eine Rolle gespielt.

Seit Mai hat Durban einen neuen Flughafen. Das Moses Mabhida-WM-Stadion, neues Wahrzeichen der Stadt, soll für Olympische Spiele und/oder die Commonwealth Games auf 85.000 Zuschauer ausgebaut und mit einer Leichtathletik-Bahn versehen werden. Es ist die einzige Arena auf dem Kontinent, in der eine Leichtathletik-WM austragen werden könnte. Durban hat auch das einzige olympische Schwimmstadion in Afrika. Vom WM-Stadion kann zu Fuß an den Strand, die meisten Hotels sind in der Nähe – ideale Bedingungen für ein Olympisches Dorf.

Und schließlich: Sam Ramsamy, Südafrikas IOC-Mitglied, stammt aus Durban. Ein kleines, aber feines Detail.

Colleen Dardagan ist sportpolitische Korrespondentin der größten Zeitungsgruppe der Region. Sie sagt, auch das Wetter spreche für Durban – ein gewichtiges Argument in Afrika. Durban will die Spiele und hat Platz für das Olympische Dorf. Durban hat die Vision und Vorteile gegenüber Kapstadt und Johannesburg.

Keine andere WM-Stadt hat sich dermaßen clever und nachhaltig aufgestellt. Es wird eine politische Entscheidung. Durban ist bereit, aber Südafrikas Präsident hat das letzte Wort. Jakob Zuma hat sich mehrfach für eine Bewerbung ausgesprochen und wird das Thema mit IOC-Präsident Jacques Rogge debattieren, der zum WM-Finale nach Südafrika kommt.

Nachtrag, 13.51 Uhr: So, und jetzt habe ich mal noch meine 2 cents bzw. meine Stimme bei der Wahl zum besten WM-Spieler abgegeben. Kurioserweise wird über diesen „Goldenen Ball“ von Adidas (natürlich) ja immer schon vor dem Finale entschieden. Weshalb etwa 2002 Kahn und nicht Ronaldo und 1998 Ronaldo und nicht Zidane den „Goldenen Ball“ erhielten.

Ich hätte nicht gedacht, dass mir das mal passiert, aber ich habe für Schweinsteiger gestimmt und schäme mich auch nicht dafür. Seine Entwicklung (ich fand ihn bei der WM noch besser als in der Champions League) hat mich schwer beeindruckt. Meine Nummer zwei: Sneijder. Dann Forlán.

Die FIFA hat diese Shortlist aufgestellt, in alphabetischer Reihenfolge, und darüber könnten wir hier ebenfalls abstimmen, eine Spielerei, mehr nicht:

Wer soll den "Goldenen Ball" als bester WM-Spieler 2010 erhalten?

  • Bastian Schweinsteiger

    54.7%

  • Diego Forlán

    9.9%

  • Wesley Sneijder

    9.5%

  • David Villa

    7.8%

  • Xavi

    7.8%

  • Andres Iniesta

    4.8%

  • Mesut Özil

    3.2%

  • Lionel Messi

    0.9%

  • Arjen Robben

    0.9%

  • Asamoah Gyan

    0.7%

Lade Umfragedaten…

Als beste junge Spieler der WM stehen auf der Shortlist diese drei Herren, und ich denke, angesichts der durchschlagenden Bilanz Müllers (vier Tore, drei Assists bislang) ist die Sache sonnenklar:

Wer war bester junger Spieler der WM 2010?

  • Thomas Müller

    96.8%

  • Andre Ayew

    2.0%

  • Giovani dos Santos

    1.6%

Lade Umfragedaten…
cf #1

Was ist eigentlich aus dem von seiner Heiligkeit versprochenen Interview geworden? Solltest du in der Tat einfach noch nicht die Zeit gefunden haben, die Aufzeichnungen zu verwursten oder hat sich der Terminkalender seiner Exzellenz auf wundersame Weise geradezu gravitätisch derart verdichtet, dass da beim besten Willen — dem man ja getrost unterstellen darf — kein noch so kleines Mikrofon mehr dazwischen gepasst hat?

Jens Weinreich #2

Seine Heiligkeit straft gern auch mit Gunst-Entzug. Die Schweizer Weltwoche, die gern auf der Schleimspur daher kommt (Chefredaktor Roger Köppel, auch als Stammgast bei Anne Will bekannt), wenn es um Blatter geht, hat wohl gerade ein Interview gedruckt, schreibt mir ein Kollege aus der Schweiz.

Er hatte es mir mehrfach versprochen, seine „Kommunikationsbeauftragte“ Daniela Leeb auch. Aber da kam wohl einiges dazwischen. Viele Termine, Abendessen (Wombles soll sein favourite place in Joburg sein), Staatschefs, die Lösung von Menschheitsfragen (Hunger, Elend, Bildung, Fußball), Schleimscheißer, die „FIFA one“ und etliches mehr, wozu (nachrangig) auch einige Beiträge zählen, die ich in den vergangenen Wochen gedichtet habe (siehe oben: #Gunst-Entzug).

Ich habe großes Verständnis für seine Nöte. Beim nächsten Mal reden wir bestimmt wieder. Wird nicht lange dauern, schätze ich, vielleicht noch in diesem Sommer.

SvenR #3

Wo ist den der Flattr-Knopf für diesen Beitrag?

Jens Weinreich #5

@ SvenR: Hier gibt’s nicht automatisch Knöpfe, nur wenn ich meine, ich hätte es u.U. verdient.

yzemaze #6

bzgl. Stadien, bei Interesse: "Weiße Elefanten" [Sport Inside, WDR, 31.05.2010]

SvenR #7

Ich fürchte, diese Umstände sind eingetroffen.

Sebastian #8

Flattrnwirtschaft…

Stefan W. #9

Off topic, aber aktuell – ein Link von mir zu einer Grafik über die Ligen, in der die Nationalspieler der WM spielen, nach Nationen: http://www.estadao.com.br/especiais/2010/06/copa_jogadores.shtm

Hübsch in Szene gesetzt – die Farben stehen für Kontinente, die Länder oben und unten kann man per Maus überfahren und so hervorheben, ebenso die Kontinente auf der Weltkarte – alles sehr liebevoll gemacht.

In der Geschichte kann man das bis 1994 zurück verfolgen.

Gua #10

Ich mag Schweinsteiger nicht, seitdem er 2006 in einem Freudschaftsspiel (!!!) einen Japaner fast aus der ganzen WM™ getreten hat! (Er ist also sozusagen der deutsche KPB.)

Und Sepp bekommt jetzt von mir einfach erstmal auch #Gunst-Entzug, auch wenn es mich ja nicht überrascht, dass es kein Interview gibt.

haju #11

hi jens,

wenn du zeit und lust hättest, könntest du so einen rückblick wie vor den peking-spielen machen?

http://www.jensweinreich.de/2008/08/01/peking-der-start-und-ein-ruckblick/

interessant wäre vor allem dann equiqment diesmal.

mfg

haju

Horst #12

@9/Stefan W.: Vielen Dank! Tollaufbereitetund informativ.

Chris #13

Was für ein Unsinn mit den Stadien. Das leuchtendste Beispiel dafür sind die deutschen Stadien, wo selbst der Problemfall Kaiserslautern sich gelöst hat und der Rest angenommen wird wie doof(Berlin kann ja nix für die Hertha), ja selbst Düsseldorf hat die Kurve bekommen. Diese „Südafrika muss immer besser sein als alle anderen“-Haltung kann er sich langsam mal schenken. Wozu die Erhöhung? Sie haben geschafft, was ihnen viele lange nicht zugetraut haben, die Fazits werden trotz der Streiks und der infrastrukturellen Probleme während des Turniers absolut positiv ausfallen. Südafrika kann stolz auf sich sein, aber deswegen muss man nicht gleich sagen, das alle anderen unfähige Trottel sind, die sich jetzt daran messen lassen müssen. Ich glaube auch, dass 2012 die EM ohne große Probleme ablaufen wird und sich dann niemand mehr daran erinnert, was das alles für ein Gejammer in den Jahren davor war. Glaubt doch niemand, dass solch wichtige Ereignisse in Länder vergeben werden, wo ernsthaft das Risiko besteht, das könnte nicht klappen. Dafür hängt da viel zu viel Geld dran. Und welche Einstellung die FIFA oder das IOC zu Geld hat, darüber konnte man viel viel viel viel lesen in den letzten Tagen, Wochen, Monaten und Jahren. ;-)

ttom #14

@Chris

Ohne auf die Diskussion der WM-Stadien in Deutschland einzugehn –

Wie kannst du einfach die weitere Entwicklung der deutschen WM-Stadien mit denen in Südafrika vergleichen? Das ist mir doch etwas schleierhaft. Wozu sollen denn diese riesigen Stadien genutzt werden? Die KaizerChiefs und OrlandoPirates (beide aus Johannesburg/Soweto) sind von Zuschauerzahlen gesehen mit regelmäßig 40.000 die einzig erfolgreichen in der 1.Liga treiben aber den Schnitt gerade mal auf 7000 Zuschauer pro Ligaspiel hoch. Da kannst du dir ja vorstellen, wie die Zuschauerzahlen bei sonstigen Spielen aussehen. Nur als Beispiel: der Meister der letzten drei Jahre, Supersport United, hatte beim Spitzenspiel gegen den vierten Santos hatte im Februar 2500 Zuschauer!

Und da Fußball in Südafrika Lieblingssport der schwarzen Bevölkerungsmehrheit ist (mit niedrigem Durchschnittseinkommen), die wohlhabenden Bevölkerungsschichten sich aber wenn überhaupt für Fußball dann eher für PremierLeague etc. interessieren, können die Clubs selbst für diese mageren 7000 Durchschnittstickets keine Premiumpreise verlangen.

cf #15

@ttom
ich glaube ja, du hast chris da etwas mißverstanden… oder ich… oder wir beide. ich jedenfalls dachte, der „unsinn mit den stadien“ bezog sich auf die blattersche aussage, dass die stadien in südafrika besser seien als alles was es in europa gäbe.

mit nachhaltigkeit hat die stadiongröße natürlich nichts zu tun — eher schon mit dem bedürfnis, unbedingt einen zuschauersuperlativ melden zu können. auch wenn man in den arenen wohl auch rugby spielen können sollte, wenn man denn wöllte. könnte man? will man? (wobei man die riesenschüsseln auch damit wohl kaum halbvoll kriegen dürfte)

Arnesen #17

Schweinsteiger zweifellos mit einem herausragenden Turnier.
„Bester Spieler“ wäre keine entsetzliche Fehlentscheidung, würde aber übersehen, dass er im Halbfinale nur noch defensiv gut war. Die Fehlpassquote gegen Spanien war eindeutig zu hoch, mit spielentscheidend, fürchte ich…
Die nominierten Niederländer sind ein Witz, ebenso Messi, Özil und Gyan.
Villa wäre schade, weil der Goldene Ball ja nun nicht zwei mal nacheinander an Spieler mit Tätlichkeiten vergeben werden muss.
Forlan, so scheint es mit, genießt (zumindest in Deutschland) fast uneingeschränkt Sympathien. Bei mir auch. Bester Spieler war aber nicht.
Würde man die Auszeichnung zu gleichen Teilen an Iniesta und Xavi geben, wäre der spanischen Taktik- und vor allem Technikschule am besten gehuldigt.
Im Zweifelsfall entscheide ich mich knapp für Iniesta.

Chris #18

cf hats gesagt, ich bezog mich auf die Blattersche Idee, das die südafrikanische Stadionlandschaft ihresgleichen selbst in Europa sucht. Man kann natürlich nen Haufen Kohle für Riesenbauten ausgeben, die nach den 4 Wochen nicht mehr genutzt werden. Da hab ich bei Deutschland Leipzig unterschlagen, mea culpa. Dennoch ist die Nachhaltigkeit und der Komfort der deutschen Stadien immer noch Weltklasse, und selbst das Thema Überdimensionierung ist eben bis auf Lautern und Leipzig nicht vorhanden gewesen.

wil #19

Na, Arnesen, bei Loddarmaddeus betont man im Nachhinein doch auch immer sein überragendes Turnier 1990 und nicht, dass er sich auch in dem Finale damals versteckt hat.

Schweinsteiger zweifellos mit einem herausragenden Turnier.
“Bester Spieler? wäre keine entsetzliche Fehlentscheidung, würde aber übersehen, dass er im Halbfinale nur noch defensiv gut war.

Aber natürlich wären auch die beiden Spanier eine gute Wahl – und Özil ist in der Tat wie viele andere der Vorschläge ein Witz

Stefan W. #20

Überdimensionierung bei Kaiserslautern? Von den 48500 Plätzen sind 41513 für die WM genutzt worden – in der 2. Liga hatte Lautern einen Zuschauerschnitt von 35.400. Es gibt, glaube ich, nur wenige Stadien die so gut ausgelastet sind wie der Betzenberg.

Chris #21

Ja, die Lauterer haben den Betze größer gebaut als sie ursprünglich wollten. Ein gewisser Franz B. soll damit auch was zu tun gehabt haben. Da gabs viele Artikel zu in den letzten Jahren. Dass der FCK wieder erfolgreich spielt und das Stadion füllt ist natürlich erfreulich.

Laie #22

„Ich“, der andere Sonnenkönig von Gottes Gnaden, „habe entschieden“, dem Jogi Löw das Bundesverdienstverdienstkreuz zu verleihen. Dafür durfte ich mich bei der Pressekonferenz des DFB heute eine halbe Stunde im Glanz der Erfolgreichen sonnen. Sollte die deutsche Mannschaft 2014 Weltmeister werden, muss Löw das verliehene Bundesverdienstkreuz natürlich wieder zurückgeben. Wie kann bloß man im winterlichen Südafrika einen Sonnenstich erleiden?

Berlinerin #23

nee, nee: für das bundesverdienstkreuz kann jedeR jedeN vorschlagen, und der bundespräsident kann qua amt gleich noch selbst entscheiden ;). witzig finde ich, daß wulff den jogi offensichtlich für korrumpierbar hält. nun kann man dem bundestrainer ja vieles vorwerfen, z.b. übermäßige eitelkeit, oder daß er sein team vor lauter bewunderung für den spanischen fußball ohne taktisches konzept ins spiel geschickt hat. aber korrumpierbar isser sicher nich.

Börni #24

Muss man dem Bundespräsi für das Vermischen von Politics und Games nicht eine Gelbe Karte zeigen? Tsss, und so was soll Vorbild für die Jugend sein.

Stefan W. #25

Riecht für mich mehr danach, als wolle der Präsident sich selbst in gutes Licht rücken – weniger den Geehrten (und das schnell, bevor dieser seinen Rücktritt verkündet, womöglich).

Das gute am Ende der WM ist, dass man nicht mehr den doofen ZDF-Song (Marchin on) hören muss – der ging mir ja auf den Wecker! Wer denkt sich sowas aus? Vom Text mehr eine Durchhalteparole für den Führerbonker, von der Musik etwas, das man seinen 7jährigen Kindern vorsummt, wenn man 30 Minuten auf’m Land auf’n Bus warten muß – halb depressiv, halb monoton – kein Schwung, kein überraschender Paß, kein Mannschaftsspiel und kein Solo – ein trüber Semipop mit dem man einen Schildkrötengeburtstag vielleicht beglücken kann.

Gräßlich!

Teile des Textes habe ich im Netz recherchiert (hört, hört! :)) – marchin on, das ist doch echt die alte Preußentour: marchieren. Und dann Kriegsrhetorik wie in billigen Bildschlagzeilen –

„For all of the plans we made
There isn’t a flag I’d wave
Don’t care where we’ve been
I’d sink us to swim
We’re marchin on
We’re marchin on“

Wer wählt sowas aus?

cf #26

@börni
vorsicht mit solchen vorschnellen urteilen! das verdienstkreuz soll es ja dem vernehmen nach für die so hervorragend ausgeübte botschafterrolle geben. man kann wulff hier also keinen vorwurf machen, denn schließlich hat dann ja nicht er, sondern die nationalelf sport und politik vermischt. müsste nun also die mannschaft die gelbe karte gezeigt bekommen? natürlich nicht — schließlich gilt es hier immer auch die richtung der vermischung zu beachten: während die einmischung der politik in den sport in der tat verwerflich ist und mit einer verwarnung geandet werden müsste, stellt anders herum die einmischung des sports in die politik grundsätzlich kein problem dar.

insofern das beruhigende fazit: sowohl wulff als auch die nationalelf haben sich in der sache bundesverdienstkreuz völlig korrekt verhalten. die vorbildfunktionen waren zu keinem zeitpunkt gefährdet! :)

Patrick #27

Meines Wissens gibt es unter den bisherigen Bundestrainern lediglich einen, der das Bundesverdienstkreuz nicht bekommen hat und das war Erich Ribbeck. Zum „Sir“ hat es ja auch ohne besondere Verdienste für den deutschen Fussball gelangt.

Horst #28
nocheinjurist #29

Im Spiegel als Alexander Osang den Theo Z. als Präsident ohne Volk beschrieb (unter anderem, Osangs Artikel sind wegen seiner Klasse eh nicht zusammenzufassen), wurde auch noch mal auf JW rekurriert.

Laie #30

@ Patrick: Sie heißen also diese Entscheidung des ehemaligen Ministerpräsidenten von Niedersachsen, der mit seiner selbstverliebten Ankündigung die letzte Pressekonferenz des DFB bei der WM gesprengt hat, gut? Als eine Art Vorwegnahme des Ergebnisses der bevorstehenden Vertragsverhandlungen mit dem DFB? Als Schlussstrich unter die Karriere des Bundestrainers sozusagen? Entwicklungsmöglichkeiten nach oben sind ja jetzt schließlich keine mehr gegeben…
Millionen Menschen erledigen Ihre Arbeit nach bestem Wissen und Gewissen und werden weitaus weniger gut dafür bezahlt: Hätten die nicht alle auch ein Bundesverdienstkreuz verdient? Dass sich die deutsche Mannschaft im Ausland ordentlich benimmt, kann doch auch irgendwie kein ausreichender Grund sein… ich versteh’s nicht!
Mir bleibt der Eindruck, dass sich hier jemand Bestimmtes mal wieder im Glanz der Erfolgreichen sonnen wollte… schließlich hatte der auch schon Lena am Flughafen abgeholt.

Herbert #31

Mir bleibt der Eindruck, dass sich hier jemand Bestimmtes mal wieder im Glanz der Erfolgreichen sonnen wollte… schließlich hatte der auch schon Lena am Flughafen abgeholt

Ja, Laie, das wird sich niemals ändern. Wer erfolgreich ist, sucht die Nähe der Mächtigen und wer mächtig ist, sucht die Nähe der Erfolgreichen. Eines der ältesten Rituale der Menschheit. Ich mags auch nicht. Aber vielleicht liegt es daran, dass ich zu wenig mächtig oder zu wenig erfolgreich bin. ;)
Und die sich dagegen auflehnen, die kann man an einer Hand zählen. Deshalb sollten wir deren Nähe suchen, ohne ihnen grundlos nach dem Munde zu reden oder gar auffällig zu huldigen.

Patrick #32

@Laie
Die Diskussion nach dem ob kommt doch eigentlich vier Jahre zu spät. 2006 schied Deutschland im Halbfinale der WM aus, die Zukunft des Trainers Klinsmann lag im Ungewissen. Das hinderte den Bundespräsidenten Köhler nicht, den Trainer für das Bundesverdienstkreuz vorzuschlagen und der Mannschaft das silberne Lorbeerblatt zu versprechen. Letztere Ehrung finde ich damals wie heute etwas überhöht, denn eigentlich ist das Lorbeerblatt nur Olympiasiegern und Weltmeistern vorbehalten.
Das Verdienstkreuz für Löw finde ich in Ordnung, Wullf folgt da auch nur einer bundesrepublikanischen Tradition und es gibt ja noch wesentlich höhere Orden als diesen.
Was mir überhaupt nicht gefallen hat, war allerdings, in welchem Rahmen es zu den Vorschlägen des Bundespräsidenten gekommen ist. Der Bundespräsident auf dem Podium der DFB- Pressekonferenz, das ist absolut peinlich und mit der Würde des Amtes in meinen Augen überhaupt nicht vereinbar.
Lena vom Flughafen abzuholen, war grenzwertig, aber für einen Ministerpräsidenten, der Wullf zum damaligen Zeitpunkt nur war, in meinen Augen noch hinnehmbar. Immerhin hat ihre Vorgängerin Nicole es sogar zu höheren Weihen gebracht: Sie ist Trägerin des saarländischen Verdienstordens ;-)

Jameiker #33

Ich glaube auch, dass es viele Menschen gibt, die mehr Verdienste haben als Jogi Löw, ohne seine Verdienste als Bundestrainer schmälern zu wollen. Viele Menschen mit großem ehrenamtlichen Engagement warten vergeblich auf solche Zeichen gesellschaftlichen Respekts. Aber irgendwie wird das Kreuz auch aufgewertet wenn es Personen verliehen wird die erfolgreich und berühmt sind.
Ich finde ja tatsächlich auch die Frage spannend ob der Bundespräsident tatsächlich nach Südafrika fliegen musste, ist doch irgendwie auch eine Entscheidung der finanziellen Verhältnismäßigkeit.
Allerdings muss man ihm zugestehen, dass er in Sachen Fachwissen auf jeden Fall vorne an ist, seine Interview im ZDF zeugte davon.

Stefan #34

Viele Menschen mit großem ehrenamtlichen Engagement warten vergeblich auf solche Zeichen gesellschaftlichen Respekts.

Wenn ich so was schon wieder höre…Wenn du so jemanden kennst, dann schlag ihn halt vor! Du musst halt aus Deiner Anonymität raus und mal ein Schriftstück verfassen, dass Du dann an die zuständige Staatskanzlei schickst.

Jameiker #35

@Stefan

Da hast du natürlich recht, aber mir zum Beispiel fiel es schwer, meinen Vater vorzuschlagen, obwohl ich glaube, das er es eher verdient gehabt hätte als Jogi. Grundsätzlich muss man bestimmte Dinge aber schon selbst verantworten und sollte in Kritik nicht pauschal bleiben.

Timur #36

das Verdienstkreuz ist doch nichts mehr wert, wenn sogar unser Freund Sepp es bekommt.

Viel wichtiger wäre doch jetzt mal zu klären, wer zur „Schwulencombo“ gehört. *Ironie*
Was soll so ein „Essay“ im Spiegel eigentlich. Erstmal wird auf das Renomee des Autors eingegangen bei sueddeutsche.de (preisgekrönt, Schriftsteller), damit nicht jeder denkt das wäre plumper Boulevard oder würde nur die Klischees der Homophobie des Fussballs bedienen. Letztlich ist ja irgendwie die Aussage alle Journalisten wissen wer gemeint ist, aber keiner will es sagen. Was bringt dann so ein Artikel? Soll der Berater abgeschossen werden? Aber, da ja alle Journalisten es eh wissen die Frage @jensweinreich wer ist denn jetzt die Schwulencombo?

Krischan #37

Bin ich zu dumm das endgültige Ergebnis der Abstimmung zu verstehen, oder wer hat da jetzt eigentlich den 2. Platz gemacht? Ist es der Wesley Sneijder mit 10% (wovon was auch immer) und 54 Stimmen, oder ist es der Diego Forlán mit 8% und absoluten 56 Stimmen?
Liegt ein Fehler im System vor, steht dahinter ein kompliziertes Wahlsystem, oder wurde gar das Ergebnis manipuliert (man munkelt ja so einiges im erweiterten Sportumfeld).

Cheers

Jens Weinreich #38

@ Krischan. Nein, keine Sorge, Du bist nicht zu dumm. Es ist nur so: Wir haben bei diversen Abstimmungen festgestellt, dass hier offenbar die Usancen der sportpolitischen Branche durchschlagen und tatsächliche Stimmenzahl sich nicht in Stimmenverhältnis niederschlägt. Das WordPress-Tool ist gegen diese Fliehkräfte – ausgelöst offenbar von der FIFA-Familie, von Sepp & Jack & anderen – machtlos. Insofern wundert es mich, dass es Robben mit seinen 5 Stimmen nicht klar auf Platz eins geschafft hat.

Alles klar?

Herr Holle #39

Ob sich diese junge Dame ähnlich zieren wird wie Zakumi, mit dem Hausherrn für die Kammer des Schreckens zu posieren?

Berlinerin #40

zur wirtschaftlichen bilanz der fußball-WM hermannus pfeiffer in der taz (14.07.10): Gewinner der WM ist die deutsche Wirtschaft.

Laie #41

@ Herr Holle: Ach was, so eine Katze hat sieben Leben…

McP #42

Apropos Nachnutzung, zumindest für das Soccer-City-Stadion läßt es sich gut an. Gerade beim Charity-Cup ausverkauft gewesen und beim nächsten Rugby-Spiel ist es auch wieder ausverkauft.

Ralf #43

SZ-Kommentar von Arne Perras: Südafrika nach der WM – Ein Land in Katerstimmung

Südafrika ist nicht Raumschiff Enterprise und Sepp Blatter kein Scotty, der die Besatzung eben mal per Knopfdruck von einem Planeten auf den nächsten rettet.

Ralf #45

Johannes Dieterich in der Berliner Zeitung: Selbst die Vuvuzelas haben ausgedient

Vor einem halben Jahr begeisterten sich die Südafrikaner an ihrer Fußball-WM. Jetzt aber tragen sie schwer an der Erblast

Ralf #46

Am Montag bei sport inside: Nur Verlierer

Es scheint, als habe die Fußball-WM in Südafrika nur Verlierer zurück gelassen.

Ralf #47

gamesbids.com: South Africa won’t bid for 2020 Summer Games

Chief government spokesman Jimmy Manyi told a post-cabinet media briefing, „the decision taken by cabinet is final“, adding that „job creation is going to be a serious issue. That is where the focus is going to be. So if any money is going to be spent, it’s going to be on basic service delivery“.

He added that the $50 million dollar price tag to bid had also played a role.

Ralf #48

aroundtherings.com: Ramsamy „disappointed“ South Africa not bidding for 2020 Olympics

The government is reportedly prioritizing improvements in the provision of basic services like water and electricity as well as investing in job creation. „It was a 50-50 chance. I am certain we will definitely go for 2024,“ Ramsamy said.
[…]
So far, only Rome has won the endorsement of its NOC to launch an Olympic bid for 2020. The IOC opened the application process this week, with a deadline of Sept. 1.

Ralf #49

Olaf Jansen für sportschau.de: Und wieder leuchten weiße Elefanten…

Neue soziale Projekte müssten eigentlich her, dringend auch in Kapstadt, der „schönsten Stadt der Welt“, wie man sich selbst nennt. Das nötige Geld für derlei Projekte wird von der Stadt aber anderweitig gebraucht. Es fließt derzeit hauptsächlich in die jährlichen Betriebskosten des schmucken WM-Stadions. Die betragen etwa sieben Millionen Euro pro Jahr.

Ralf #50

Claudia Bröll in der FAZ: Das Ende eines Wintermärchens

Südafrika feiert die Fußball-Weltmeisterschaft auch ein Jahr nach ihrem Anpfiff noch als einen der größten Erfolge seiner Geschichte. Den wirtschaftlichen Nutzen jedoch haben viele überschätzt.

Ralf #51

Koordination Südliches Afrika e.V. (KOSA): Seminar: Die Fußball WM 2010 in Südafrika – wer hat profitiert?

Erfahrungen aus Südafrika – Perspektiven für die WM 2014 in Brasilien
Freitag, den 23.09.2011 bis Samstag, 24.09.2011,
Königswinter bei Bonn

Ralf #52

Wolfgang Zängl für nolympia.de: Die Sportpalast-Architekten

Ralf #53

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