Südafrika, Tag 6: We are the Blatter family!

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JOHANNESBURG. Es läuft der 60. FIFA-Kongress. Es grüßt uns heute der Große Vorsitzende, hier bei den letzten Vorbereitungen, ganz glücklich schaut er drein. Rechts neben ihm Christine Salzmann, Direktorin des Executive Office of the President, und FIFA-Generalsekretär Jérôme Valcke.

Nur ein paar Meter entfernt, ganz vorn unter den wichtigen Gästen wie Politikern oder IOC-Mitgliedern, Weltverbandspräsidenten, Jean-Marie Weber und anderen – auch die Familie Blatter. Ich finde, das ist ein schöner Schnappschuss, als er erledigt war, hat Blatters Sekretär die Brüder flink aufgeklärt, wer sie da fotografiert hat. Egal, hier sehen wir: Peter und Marco Blatter, Sepps Brüder. Links sitzt lustiger Weise, das ist mir erst später aufgefallen, Philippe Blatter, Sepps Neffe, der Boss von Infront und damit auch Teilhaber der Agentur MATCH, die mit den WM-Tickets und Hospitality-Paketen dealt, was oft genug als fragwürdig beschrieben wurde, in Wirklichkeit aber ist das völlig normal: Was kann Sepp schon dafür, dass er einen Neffen hat, was kann Philippe schon dafür, dass sein Onkel FIFA-Präsident ist?

Rechts hinten sehen wir übrigens den Weißschopf Fedor Radmann, Intimus vom Franz, und daneben so halb im Bild: Peter Hargitay, langjähriger Personal Advisor vom Sepp. Beide werkeln derzeit für die australische WM-Bewerbung 2018/2022.

14.50 Uhr: Wieder mal ewig offline. Schon vor zwei Stunden kurz mit Franz gesprochen, in einer Journalistentraube, auch über das Sicherheitsproblem und die Überfälle. „Warum erwischt’s eigentlich immer Journalisten“, will Beckenbauer wissen. Keine Ahnung.

16.09 Uhr: Sepp hat gerade klar gemacht, dass er gar nicht daran denkt aufzuhören. 2011 tritt er an. Und 2015 wird er es sicher auch. „Ich würde nie sagen, das sei meine letzte Amtszeit. Man weiß nie“, sagte er. Er weiß es schon. Sein Lachen verriet es. Sein Vorgänger Havelange, inzwischen 94 Jahre alt, liegt übrigens daheim in Rio im Krankenhaus.

17.17 Uhr: Auch bezeichnend, die Pressemitteilung der FIFA, die gerade reinschneit. Überschrift:

„FIFA-Präsident ruft Kongress zur weiteren Zusammenarbeit auf“

Hier bestimmt also nicht der Kongress als oberstes Organ. Im Englischen schreiben sie es noch treffender:

FIFA President invites Congress to continue working together into the future

Das komplette Meisterstück:

FIFA-Präsident ruft Kongress zur weiteren Zusammenarbeit auf

Am Vortag der Eröffnung der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2010™ ging heute, 10. Juni 2010, in Johannesburg der 60. FIFA-Kongress über die Bühne. Nach einem Rückblick auf das vergangene Fussballjahr rief Präsident Joseph S. Blatter den FIFA-Kongress auf, auch in Zukunft zusammenzuarbeiten, und gab bekannt, dass er 2011 für eine weitere Amtszeit zur Verfügung stehen werde, um die FIFA-Mission zu Ende zu führen.

Während seiner Ansprache erinnerte Präsident Blatter an seine Vision von 1999 eines „Hauses des Fussballs“. Dank Programmen wie Goal konnten die Mitgliedsverbände in der Zwischenzeit unter einem Dach einen Verbandssitz und ein technisches Zentrum realisieren. Präsident Blatter kam ebenfalls auf die drei Säulen der FIFA-Mission zu sprechen: die Welt berühren, das Spiel entwickeln und eine bessere Zukunft gestalten. „Die Fussballfamilie ist in diesem Moment geeint und will diese Ziele gemeinsam erreichen“, betonte er.

Es folgte ein Rückblick auf die finanzielle Entwicklung der FIFA in den letzten 15 Jahren und die derzeit positive finanzielle Lage der FIFA (für weitere Informationen siehe FIFA-Finanzbericht 2009: http://www.fifa.com/aboutfifa/documentlibrary/doclists/financial.html).

Wie bekanntgeben wurde, erhalten sämtliche Mitgliedsverbände und die sechs Konföderationen 2010 aufgrund des erfolgreichen FIFA-Ergebnisses 2009 einen zusätzlichen FIFA-Beitrag in Höhe von je USD 250 000 bzw. USD 2,5 Millionen.

18.33 Uhr: Oh, willkommen im Klub, Sepp! @SeppBlatter ist seine brandneue Twitter-Adresse. Follow him! Sagt: @jensweinreich

Sepps Twitter-Auftritt hat mich auf eine Idee gebracht. Weiter geht es hier:


tomru #1

Ach, wen interessiert das denn, dass die beiden verwandt sind – sie gehören doch eh beide zur großen Sportfamilie, da ist Blutsverwandtschaft doch unerheblich… Es lebe die Schweißverwandtschaft! (Im Bedarfsfall einfach das „w“ streichen)

cf #3

haben sepps brüder eigentlich auch gewichtige funktionen in (bzw. im umfeld) der fußball-familie oder sind sie nur rein private gäste des großen vorsitzenden?

und warum es immer journalisten erwischt? tja, im gegensatz zum franz sind die wahrscheinlich einfach nicht so oft per heli unterwegs. und nächtigen nicht in schwer bewachten 5-sterne hotes?

Olli #4

Mal ganz Off-Topic:

Merkt man in J’burg die Höhenluft? 1750m ist ja schon was…. Das sind alles Parameter, die in meine Fußball-Tipps einfließen…

motzky #5

*** gelöscht ***

Eine ganze Familie bereichert sich unter dem Deckmantel der steuerbegünstigten, nicht-gewinnorientierten Unternehmensform eines gemeinnützigen Vereins nach Schweitzer Recht.

Gemeinnützlig ist dieser Verein nur deshalb, weil sich die FIFA in den eigenen Statuten in Artikel 2 verpflichtet, den Fussball laufend zu verbessern und weltweit zu verbreiten, ins- besondere durch Jugend- und Entwicklungsprogramme.

Allerdings stellt sich die Frage der Gemeinnützigkeit, weil lediglich 5,8 % der Einnahmen im WM Jahr 2006 für sogenannte Entwicklungsprojekte ausgegeben wurden:

Einnahmen in 2006: 3238 Mio CHF (4468 Mio Euro)

Ausgaben für Profifussball: 1125 Mio CHF
Ausgaben für Betrieb/Verwaltung: 622 Mio CHF

Ausgaben für Entwicklungsprojekte: 557 Mio CHF

(Quelle: Finanzbericht FIFA 2006 Seite 18)

Im Finanzbericht 2009 wird die Geschäftsentwicklung seit 2003 dargelegt. In jedem Jahr wird ein positives Ergebnis von mehr als 100 Mio US-Dollar ausgewiesen (2007 ca. 50 Mio USD).

Das Eigenkapital hat sich von 76 Mio USD im Jahr 2003 auf 1,06 Mrd. USD im Jahr 2009 vervielfacht.

Ein Verein, der über Jahre hinweg positive Geschäftsergebnisse erzielt, der das Eigenkapital innerhalb von 7 Jahren fast vervierzehnfachen kann, erfüllt meiner Meinung nach nicht mehr den Tatbestand der nicht-gewinnorientierten Unternehmensform, der eine Steuerbegünstigung rechtfertigen würde.

hirngabel #6

Also, 557 Mio CHF von 3238 Mio CHF sind für mich rund 17,2 %.
Aber das mit dem Dreisatz lag mir auch zugegebenermaßen nie so wirklich, deswegen glaube ich Dir jetzt einfach mal die 5,8%. Passen ja besser ins Bild.

Jens Weinreich #7

@ motzky: Ein bisschen was musste ich sicherheitshalber löschen. Okay?

motzky #8

Es ist beschämend! Die Zahlen sind richtig. Ich habe falsch gerechnet. Es sind 17,2 % anstelle von 5,8 %.

Das ändert nichts an der Tatsache, dass die Ausgaben für die Entwicklungsprojekte einen zu geringen Anteil einnehmen. Wäre ich Schweitzer würde ich bei den Steuerbehörden einen Antrag auf Prüfung der Gemeinnützigkeit stellen.

Johan Petersen #9

Was macht eigentlich die Corinne?

Wer bezahlt eigentlich den Aufenthalt der Teams bei der Weltmeisterschaft. Wenn die FIFA für travel and accomodation – teams and officials 2009 schon $47 Mio. verbucht hat, muss das ein ganz schöner Batzen sein.

Fragen über Fragen. Interessant auch, dass die FIFA die Weltmeisterschaften 2010 und 2014 nicht gegen Absage versichert hat.

Ralf #10
Jens Weinreich #11

@ Johan Petersen: Vielen Dank für die Aufmerksamkeit! Ich habe Corinne nicht gesehen und/oder übersehen. Ich werde die nächsten Tage drauf achten.

Linksaussen #12

australien-bewerbung nur noch 2022. ob radmann und hargitay das da gerade besprochen haben?

Ralf #13

Robert Ide im Tagesspiegel: Sein Spektakel

Ralf #14

Bilanz-Interview mit Andrew Jennings: Fifa: Auf dem Prüfstand

Probleme gibt es bei einem derartigen Anlass immer, es ist nur eine Frage, wie gross sie sein werden. Allein schon der unprofessionelle ­Ticketverkauf bietet den Blatter-Gegnern sehr viel Munition. Wenn Asien und Afrika gegen ihn stimmen, wird es sehr eng.

c.sydow #15

Ich pack`s mal hier rein: Laut diversen Tweets soll Thierry Henry positiv getestet worden sein. Mehr Infos gibt`s aber noch nicht.

c.sydow #16

Kommando zurück: Das Henry-Doping-Gerücht war wohl nur ein schlechter Scherz. ‚Tschuldigung…

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