Südafrika, Tag 3: „the internet is down in the whole building“

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JOHANNESBURG. Es wird eine aufregende WM. Eine lustige WM. Eine spannende WM. Eine ärgerliche WM. Eine großartige WM. Keine Frage. Ich weiß nur noch nicht, ob alles, was zu berichten wäre, auch einigermaßen zeitnah berichtet werden kann – zum Beispiel hier im Blog. Okay, das ist Afrika, und keine Sorge, ich werde kein plumpes Afrika-Bashing betreiben, nur weil die Netzverbindungen am anderen Ende der Welt nicht sonderlich stabil sind. Im Sandton Sun Hotel, wo heute Mittag eine Pressekonferenz des Großen Vorsitzenden stattfand, gab es überhaupt keine Verbindung. „The internet is down in the whole building“, sagte eine reichlich verzweifelte FIFA-Mitarbeiterin. Bin echt gespannt, wie das wird, wenn die Tausendschaften Journalisten erst eingeritten sind und in den Stadien dann mit zehntausenden Fans die UMTS und WLAN-Netze besetzen. Ich ahne, was passiert. Das hatte vor vier Jahren in Deutschland schon einige Probleme gegeben. (Die UMTS-Karte, angeblich G3, die ich gekauft habe, liefert derzeit rund 1-2 kb. kb, ja, nicht die versprochenen bis zu 7 MB. Fürchte, muss auch diese Karte abschreiben, just in case, das Finanzamt liest mit, und mir die nächste kaufen.)

Er sei ziemlich genervt, sagt Kollege C. gerade, der in einem Café im FIFA-Hotel Michelangelo Towers (mein Zweitquartier in diesen Wochen) neben mir sitzt. Hier funktioniert WLAN, muss man schon sagen. Bin Hammam verschwindet gerade im Aufzug, Platini talkt mit Chung, sie kommen jetzt alle – Leoz, Teixeira, d’Hooghe, Mutko, Jack, Hayatou, später auch Franz und Fedor und Lennart -, denn es geht zum Essen. Ein langjähriger FIFA-Berater raunt mir soeben zu: „Sie sitzen hier unten falsch, oben müssen Sie sitzen!“ Stimmt. Nur oben, in der größeren Lobby und an der Bar habe ich kein WLAN. Mann kann halt nicht alles haben.

Der Kollege C. zum Beispiel kann seine Emails nicht auf dem Handy empfangen, was für Tech-Junkies natürlich sehr dämlich ist. Zudem war er gestern auf dem Weg zum FIFA-Schiedsrichter-Workshop kurzzeitig verschollen. Nach stundenlanger Irrfahrt trat er die Heimreise nach Sandton an. Schätze, es wird viele derartiger Geschichten geben – ein buntes Sammelsurium, hoffentlich nur bunt.

Ich halte es einstweilen mit meinem Freund Sepp, der vorhin sagte:

We are in South Africa, in the best organised country in the whole african continent. You may face problems, I ask for your understanding.

Kein Problem.

Was Joseph Blatter übrigens auch sagte: „Die Akte Triesman ist definitiv geschlossen!“ Und zwar aus diesem einfachen, selbst mir einleuchtenden Grund:

As Lord Triesman has withdrawn from all his positions and functions in football, he is not a member of the Football Family anymore.

Wer nicht der Familie angehört, gegen den kann auch nicht mehr ermittelt werden. Die Ethikkommission, erklärte Sepp, ist schließlich nur für Problemfälle in der Familie zuständig, für nichts sonst.

Es gab übrigens eine Situation, in der sich unsere Blicke auf interessante Weise kreuzten. Als Blatter von einem Australier gefragt wurde, welche Regeln für die WM-Bewerber 2018/2022 gelten – etwa hier in Südafrika, wo man so einiges hört über Katars unglaubliche Offerten -, grinste er und sagte:

Regeln? Haben wir überhaupt welche?

Ich fand, er kam der Wahrheit sehr nah.

Habe gestern an einer Bar übrigens noch eine Weile mit dem WM-Hospitality-Chef Enrique Byrom geschwätzt. Einen Extrakt des Gesprächs versuchte ich heute in einen Artikel zu packen, den ich Zeitungen angeboten habe, der aber nach der Internet-Konfusion zu wünschen übrig ließ. Sepp würde sagen: „You may face problems, I ask for your understanding.“

Laie #1

Schreib mir aber doch bitte wenigstens eine Postkarte!
(Wenn Du die zahlreichen Tippfehler korrigiert hast :-)

Jens Weinreich #2

Habe drei korrigiert. Ordentliche Quote nach so einem Tag :) Findest Du noch welche? (Mann soll so geschrieben werden.)

Laie #3

Der Kollege C. zum Beispiel kann sein[e] Emails … sonst passt’s jetzt! Ab an die Bar!

Jens Weinreich #5

Mir fällt in den Text gerade eine Ungenauigkeit auf. Wenn Byrom spricht, redet er natürlich immer über Hospitality-Pakete, nicht einzelne Tickets – er meint dann also 3.000 Personen, nicht Tickets. Die Personen haben in der Regel ja mehrere Tickets. Ich zitiere Byrom nur.

Vorhin habe ich eine Zahl gehört, wonach Deutsche nun insgesamt 41.000 Tickets gebucht hätten. Aber, noch einmal, es sind natürlich nicht 41.000 Deutsche unterwegs.

Gua #6

Muss man halt zukünftige Qualifikationsrunden so auslosen, dass Costa Rica und Irland weiterkommen und nicht Nordkorea. ;) Wobei, wenn sich Irland statt Frankreich für die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2010™ qualifiziert hätte, wäre das wiederum nicht so toll für den Sponsor gewesen. Welch ein Dilemma…

cf #7

you may face problems — i ask for your understanding

nicht vernantwortlich ist die fifa natürlich für die sicherheit vor ort. außerdem hat die wm ja auch noch gar nicht angefangen. und es wurde ja auch niemand körperlich verletzt… bei dem kleinen überfall auf ein paar spanische und portugiesische wm-journalisten. immerhin: die akkredetierungen haben sie nicht geklaut (und die schmutzwäsche auch nicht — vielleicht wäre das ja das passende versteck für wert- und ausrüstungsgegenstände? für die saubere wäsche müsste man sich freilich etwas anderes einfallen lassen ;-) ).

die hotelbezeichnung als „lodge“ deutet auf ein eher ländlich gelegenes etablissement hin?

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