Sepp Blatter oder: Interviews vs. Hintergrundberichte

 •  • 21 Comments

DUBAI. Ich habe gestern mit FIFA-Präsident Joseph Blatter ein kurzes Interview geführt und als Wortlautgespräch u.a. in der Süddeutschen Zeitung veröffentlicht. enrasen hat dazu interessante Einwände geltend gemacht, wie ich finde. Es geht durchaus um journalistische Grundpositionen.

enrasen sagt zum Beispiel:

Ich muss sagen, dass mir diese Form der Abbildung in einem Qualitätsmedium wie der SZ nicht mehr zusagt. Gut das Interview wird 1:1 wiedergegeben, aber es wirkt so uninspiriert. Mir gefällt es wirklich viel besser, wenn die Informationen (?-oder eher Dementis) in einem netten Text von JW hier abgebildet würde. Da könnten dann die eigenen Einschätzungen des geschätzen Bustouristen eingepflegt werden. Verknüpfungen zu Äußerungen der beteiligten FIFA Regierung (habe ich auch zum ersten Mal gehört) könnten eingepflegt werden. Zudem käme das Ende nicht so plump, da fehlt ein Nachsatz. Kurz gesagt: Qualitätsergänzungen.

Ich habe u.a. entgegnet (und versucht, die Produktionsbedingungen zu beschreiben):

That’s business. Das ist tagesaktueller Journalismus. Mann muss entscheiden, und diese Entscheidungen sind sicher nicht immer perfekt im Sinne des Konsumenten. … Manchmal finde ich aber, dass sich Leute in Interviews einigermaßen bloßstellen können. Was Sepp da so alles sagt, bei allem Respekt, finde ich nicht sehr überzeugend, gerade in Bezug auf die finanziellen Mindereinnahmen im VIP- und sonstigen Ticketbereich teilweise absurd.

Und weißt Du: Genau diese Erklärungen würde ich gern in Zeitungen mit geben wollen. Irgendwie geht das aber nicht. Im Blog funktioniert das besser, das gefällt mir außerordentlich. Nur kann ich mit dem Bloggen keine Rechnungen bezahlen, womit wir wieder beim alten Thema sind.

Eigentlich bin ich kein Freund von Interviews, selbst Gespräche, bei denen sich der Gesprächspartner windet, weil er ziemlich unter Druck gerät, sind nicht unbedingt das Nonplusultra, finde ich – wie etwa dieses hier, ebenfalls mit Joseph Blatter, aus dem Jahr 2001 in der Berliner Zeitung: „Ich bin nicht bestechlich, da können Sie mir beide Hände abhacken„. Ich erinnere mich noch sehr gut an dieses Gespräch und die Situation, die für Sepp nicht leicht war, er musste sogar eine Pause einlegen. Beim Aufschreiben aber musste viel in die Fragen reingebastelt werden, was ich so nicht erwähnt hatte, denn die Vorgänge sind komplex (ISL/ISMM) und der Leser muss folgen können.

Doch zurück nach Dubai: Diesmal musste ich auch im Nachhinein einiges in die Fragen reinpacken, um den Leser bei der Hand zu nehmen und Orientierung zu geben. Zwei, drei Passagen/Zitate von Sepp habe ich aus dem kurzen Vorgespräch eingebaut, was völlig in Ordnung ist. Im Grunde lief das Gespräch genau so ab, wie es gedruckt wurde. Die Aussagen des Gesprächspartners sind nicht entstellt worden, das ist wichtig. Wenn sich gewisse Aussagen Blatters jetzt und künftig als Nonsens herausstellen, hat das Gespräch zumindest Dokumentationscharakter. Hier die Q & A Session mit Sepp:

Es gibt natürlich tausend mehr Aspekte zu bedenken, als es die Überschrift „Interviews vs. Hintergrundberichte“ suggeriert.

Ralf #1

Evi Simeoni in der FAZ: Lukrative Pläne eines Großvaters

Was bringen Spezial-Spiele, etwa für Kampfsportarten? Und muss das IOC das Projekt von Hein Verbruggen fürchten? Seine Projekte sind groß dimensioniert: Den ersten Millionen-Plan setzt er bereits im August um.

sternburg #2

Seit dieser Beitrag online ist, erhalte ich beim Versuch, die Heimseite aufzurufen, eine fehlermeldung, welche sinngemäß aussagt, dass Adobes Flash Player 10 von einem Skribp „in diesem Film“ verlangsamt wird, sich bei Weiterladen vieleicht der Computer aufhängt und wir alle störben würden (oder so).; deshalb: Abbrechen des Ladens Ja/ Nein.

Beim Aufrufen nur dieses Eintrages hier interessanterweise nicht.

Andere Frage: „Man kann ehrlich sagen, dass es ein kleines Exklusivgespräch war, denn das macht Sepp nicht mit jedem, wahrlich nicht.“

Deine vielen Verdienste unbenommen, aber kann dieser Status nicht auch mit der Reichweite und Leserstruktur dieses Blogs zu tun haben? Womit die viele Arbeit selbst finanziell gesehen eventuell nicht völlig, absolut restlos, ganz und gar umsonst.. ?

Venjan #3

Jens, ich weiß dass du kein Designer bist, aber bitte verwende nie nie wieder Comic Sans als Schrift in einem Video oder irgendwo sonst. Dieser infantile Augenkrebsbeschleuniger ist ziemlich suboptimal wenn es darum geht seriösen Journalismus zu präsentieren.

Nichts für Ungut,
Venjan

Jens Weinreich #4

@ Venjan: Zu Befehl. Welche Schriftart soll ich verwenden? (Von denen, die mir iMovie vorschlägt, fand ich das jetzt nicht sooo blöd. Nehme aber gern jeden Hinweis an.)

@ sternburg: Ich weiß wieder mal nicht genau, was das Problem verursacht. Habe am Video geschraubt, jetzt sollte eigentlich kein Skript mehr ausgeführt werden. Ich weiß es aber nicht, ob überhaupt ein Video zu sehen ist – bei mir in den Emiraten jedenfalls nicht. Im Übrigen sind die Verbindungen nicht sehr schnell und stabil, weshalb ich auch etwas hinterher hinke.

Du zitierst wohl aus meinem ersten Kommentar zu enrasens Anmerkung. Das Zitat klingt großkotziger, als es gemeint war. Ich habe nur versucht, die Umstände zu schildern; die Interviewform schien mir die in diesem Moment bessere zu sein. Und nö, mit dem Blog hat das, glaube ich, nicht viel zu tun. Sepp und ich waren schon Freundfeinde, als es das Blog noch nicht gab. Unser Verhältnis ist ein bisschen skurril.

sternburg #5

Das Problem ist zwar nicht behoben, da sich die Site nach klicken auf „Ja“ (Abbrechen) problemlos bedienen lässt, dürfte dies aber nicht eilen.

„Großkotzig“ ist jetzt kein Wort, welches ich verwendet hätte, aber ich hatte Dich in der Tat so verstanden, dass Herr Blatter an Dir nicht so vorbeischweben _kann_. Und daraufhin gemutmaßt, dass dies an einer gewissen Relevanz liegen könne, die auch in der – schon von Dir hier beschriebenen – Leserschaft aus Sportpolitik und Politiksport dieses kleinen Blogs herrührt.

Wenn es sich stattdessen aber um eine dieser echten Männerfreundschaften handelt, dann soll Dein Wirken hier halt weiterhin als völlig zweckfrei gelten. ;)

cf #6

@jens
mit der comic sans biste natürlich in ein übles fettnäpfchen getreten, gewissermaßen eines der übelsten überhaupt. insofern hast du es einfach — jede andere schrift hat einen besseren ruf unter den schriftexperten. ;-)

was das hängende skript angeht — dem gefühl nach war der verursacher die medvedev-rede aus dem russischen fernsehen. jedenfalls hängt er bei der anfrage an http://www.1tv.ru — vielleicht hat der gospodin präsident hier ja auch seine schuldigkeit getan?

Venjan #7

cf sagte es schon, alles ist besser als Comic Sans. In iMovie hast du ja auch Helvetica oder Times, damit bist auf der sicheren Seite. Wenns ganz professionell sein soll kannst du natürlich auch die Schrift aus deinen Überschriften nehmen, Stichwort Corporate Design und so.

Das Problem mit dem Video habe ich übrigens auch (in Safari). Gestern dauerte es ewig lange, heute wird es gar nicht mehr angezeigt.

sternburg #8

Soll sogar Leute geben, denen das ein Hobby wert ist.

Matze-n #9

Die Tage von Blatter sind doch eh gezählt. Ich kann den Typen auch jetzt schon nicht mehr sehen. Auch wenn wir von profitiert haben mit den Mauscheleien für die WM 2006 (wir sind da ja auch ganz gut drin), frischer Wind tut dem Laden mal gut!

Und: Ich habe auch immer noch das Skript-Problem auf dieser Seite.

Gua #10

Wow, Sepps „Kein Deal mit Katar“-Aussage (und noch was mehr aus dem Interview) hat es sogar in den heutigen Fanzine-Teil des hiesigen Käseblatts geschafft. Natürlich nicht mit den Namen des Hausherren unter dem Artikel, sondern per sid. :/

Und:
Comic Sans im Video geht gar nicht – check.
Startseite lädt komisch mit einer längeren „Keine Rückmeldung“-Phase – check.

sternburg #11

Startseite läd nunmehr wieder völlig beanstandungsfrei – check.

cf #12

// was aber nur daran liegt, dass das medwedew-video mittlerweile auf die zweite seite gerutscht ist. wenn man sich also die mühe macht und ganz nach unten scrollt und seite zwei lädt — oder sich den artikel einzeln anschaut — kann man den hänger nach wie vor schön reproduzieren.

Gua #13

„Wenn man ganz nach unten scrollt.“
Der war gut! ;D

Jens Weinreich #14

@ Gua: Was bildest Du Dir eigentlich ein? Störst hier alle paar Wochen mit einer süffisanten Bemerkung die intellektuelle Debatte; bedankst Dich nicht mal für den Wortwechsel mit Sepp und hältst Dich Nebensächlichkeiten wie einer meterlangen Homepage fest. Relax! Oder schweig!

@ cf und Gua: Ich jage nur ein News-Layout drauf, wenn cf mir hilft und es aufhübscht.

@ Gua: Damit Du Dich wieder beruhigst: Schau doch mal bitte nach in der Kammer des Schreckens.

Gua #15

Wenn du mir Sepps Nummer gibst (ja, ich habe sie leider nicht!), werde ich mich sofort bei ihm bedanken, dass er mit dir gesprochen hat. Dass du ihn dir nämlich so oft krallst, wie du kannst, halte ich für selbstverständlich. ;)

Wer von euch beiden hat da auf dem Bild schon mehr intus?

cf #16

@gua
die entscheidende frage ist doch: wer hat das foto gemacht? und wieso wird das vom hausherrn geschossene foto (ich kann kaum glauben, dass es nur eins ist) so ostentativ unter verschluss gehalten?

sternburg #17

wer hat das foto gemacht? Wenn ich raten darf: Sieht mir sehr nach Kellner aus.

Herbert #18

Annan erhielt 2001 den Friedensnobelpreis – eine Auszeichnung, mit der das Internationale Olympische Komitee (IOC) ebenso liebäugelt wie der Internationale Fußballverband (Fifa). Rogge und Fifa-Chef Joseph Blatter, den Annan als seinen „guten Freund“ bezeichnete, dürften seine Rede deshalb genossen haben. Annan bescheinigte dem Sport „Heilkräfte“: „Ohne den Sport wäre die Welt ein schlechterer Ort.“ Annan wies darauf hin, dass die Vereinten Nationen nur 192 Mitgliedsländer haben, die Fifa aber 208 (und das IOC 205). „Dies zeigt ihr einigendes Potential.“

Kofi Annan bescheinigt dem Sport Heilkräfte

cf #19

soso… 100.000$ hat die fifa also zurückgestellt wegen der tickets. und da fragt so ein impertinenter journalistendarsteller doch tatsächlich nach, ob da das komma nicht ein paar stellen verrutscht ist — und was meldet die dpa da gerade? eine 100mio-finanzspritze von der fifa an die südafrikaner. im märz. da schau her.

Jens Weinreich #20

Ich glaube wirklich, Sepp hat diese 100 Millionen gemeint – aber 100.000 gesagt, obwohl ich nachgefragt habe. Insofern gab es in dem Gespräch sogar was Exklusives :) Was mich gleichzeitig fragen lässt: Verwechselt Sepp ständig Tausender mit Millionen? Ich fürchte: ja. Zeigt gleichzeitig aber auch, dass ihm die Nullen nicht so viel bedeuten. Er will die Macht.

Gua #21

Ach in Bilanzen etc. ist es doch gang und gäbe, dass da mal ein T€ steht. Und so ein T kann man doch schnell mal übersehen, weshalb ich gar nicht böse bin auf Sepp. ;)

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