Das DOSB-Präsidium und das elfte Gebot: Lass dich nicht erwischen!

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VANCOUVER. Volker Schürmann ist Leiter der Abteilung Philosophie des Instituts für Pädagogik und Philosophie der Deutschen Sporthochschule Köln. Er hat mir gerade eine Stellungnahme zum Leserbrief des DOSB-Präsidiums in der FAZ übermittelt.

Ich dokumentiere das gern. Es wird die Diskussion gewiss befruchten.

„Der olympische Gedanke ist die Seele des Sports.“
Ein „Versuch, ohne Zynismus auszukommen“

(Bourdieu)

* * *

Zum Leserbrief des DOSB-Präsidiums: Der olympische Gedanke ist die Seele des Sports vom 3.2.2010

Es ist irritierend, wenn gerade Sportfunktionäre offensichtlich den Sinn des olympischen Leistungssports verkennen und den guten Sinn seiner Förderung auf peinlichste Art und Weise begründen. Deshalb muss diesen Funktionären und der Öffentlichkeit offenkundig noch einmal die banale Weisheit mitgeteilt werden, dass der olympische Gedanke in dem Imperativ besteht, das Beste, nicht aber Alles, für den Sieg zu geben.

Sie hätten diese selbstverständliche Einsicht in jeder ihrer eigenen Sonntagsreden nachlesen können. Solche Sonntagsreden handeln von Fairness und Doping-Verbot, sie sind gespickt mit einem Empörungsgestus gegen Schiedsrichter-Bestechungen und Wettskandale, sie schalten um in den Modus der nachdenklichen Betroffenheit angesichts der Tabu-Themen im Sport, kurz: Sie erinnern daran, dass die Seele des Sports, um im Sprachgebrauch dieser Sonntagsreden zu bleiben, immer in einem konkreten Körper lebt – oder auch stirbt. Die Seele des Sports stirbt, wenn ihr Körper ausschließlich am Erfolg orientiert ist. Ein sportlicher Erfolg ist dann und nur dann ein sportlicher, wenn er auf faire Weise errungen wird.

Das DOSB-Präsidium versteht den Sinn des Sonntags nicht. An Sonntagen muss immer einmal wieder eine Rede gehalten werden, die an den guten Sinn einer guten Idee erinnert. Dass es sich jedoch bei der Stellungnahme des DOSB um eine bloße Sonntagsrede handelt, kann jeder und jede lesen. Die eindeutige Botschaft ist:

„Es geht im Leistungssport um Wettkampf und Erfolg.“

Dann kommt ein Punkt. Und dann geht es weiter mit „und dann“, nämlich: „Dass der Athlet dann(!) in einem objektiven und fairen Wettkampf mit anderen erfolgreich ist …“.

Das heißt nichts anderes, als dass das Fairness-Gebot eine einschränkende Bedingung für den Erfolg wäre. Und das wiederum heißt: Wenn man diese einschränkende Bedingung beachtet, ist das schön; wenn man sie nicht einhält oder gar: nicht einhalten kann, um Erfolg zu haben, dann gilt das 11. Gebot, sich nicht erwischen zu lassen.

Ganz offenkundig ist genau damit die Seele des olympischen Sports gestorben, denn diese wahrlich gute Idee besagte, dass Fairness nicht eine einschränkende Bedingung für Erfolg ist, sondern konstitutiv und damit alles entscheidend für das, was überhaupt als sportlicher Erfolg zählt. Eben nicht Alles, sondern das Beste für den Sieg zu geben. DAS war mal gemeint.

Marco #1

Also, ich muß schon sagen, daß der Kommentator schon irgendwie recht hat. Seit Anbeginn der Olympischen Spiele, höre in jedem zweiten Satz, daß Wort „Medaille“.
Ich kann es schon nicht mehr hören. Es ist ein schöner Tag, wenn es eine Medaille gegeben hat, und nur dann. Sonst wird „rumgemault“ und mögliche Konzequenzen in Betracht gezogen. Insofern ist ein Besuch bei meinem „Lieblingsfreund Bohlen“ oder Richling allemal interessanter. Vom Olympischen Geist kann wirklich nicht geredet werden. Den hat man in früheren Jahren, als der Kommerz noch nicht so einen großen Einfluß innehatte. Daß einzige Gesprächsstoff, ist nur noch auf welchem Platz man im Medaillenspiegel stehen wird. „Das ist schon wichtig“, wie Kati Witt anmerkte. Wie schön, wenn man sonst keine andere Sorgen hat.

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