Olympic Oval: Plastiklöffel auf Papptellern

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VANCOUVER. 2.52 Uhr: Ich weiß nicht, ob das jetzt jemanden vom Hocker reißt, aber ich schaue nachher mal im Olympic Oval bei den Eisschnellläuferinnen vorbei. Bin gespannt. Leider sind die beiden interessantesten Figuren ja nicht dabei, die eine gar, die andere noch nicht. Deshalb setzt ich voll auf die DESG-Führungspersönlichkeit Gerd Heinze und seinen, nun ja, Unterhaltungswert. Den kann man ihm eigentlich nicht absprechen. Bisschen schräg.

Die Auflösung bzw. die Fortschreibung der unendlichen Geschichte gibt’s hier so gegen Mitternacht (MEZ).

11.24 Uhr: Olympic Oval, Richmond. Rundendrehen. Keiner giftet, niemand zofft. Unaufgeregt stehen die deutschen Betreuer an der Bande und geben Anweisungen. (Und ich weiß, dass im Olympic Oval künftig lange Unterwäsche Pflicht ist. Denn nach einer halben Stunde regungslosen Beobachtens auf der Pressetribüne kriecht einem doch die Kälte in die Glieder. Eisige Sache, halt. Für meine Befindlichkeit aber wichtiger: WLAN funktioniert in der Halle tadellos. Das macht Freude und ermöglicht Schnellschüsse an dieser Stelle in den nächsten Wochen.) Die Führungspersönlichkeit Heinze habe ich leider noch nicht gesehen. Aber seinen Kompagnon Helge Jasch.

13.41 Uhr: Nach einigen Gesprächen in der Mixed Zone kann ich nichts Aufregendes konstatieren. Wie immer bei den Eisschnellläuferinnen. Eine kommt später (Friesinger) und wohnt, wie ich höre, auch nicht im Olympischen Dorf. Andere halten zusammen und schütteln die Köpfe.

Weltmeisterin Jenny Wolf sagt:

„Da ist man ja gegen gewappnet, dass da wieder etwas hochkommt. Und es ist ja auch nichts Neues, das gerade zu Höhepunkten immer wieder etwas angesprochen wird, was nichts mit Sport zu tun hat. Dr. Lutz hat mich ja jetzt die ganze Zeit betreut, da werde ich nicht bei Olympia davon Abstand nehmen.“

Daniela Anschütz-Thoms, 2006 pikanterweise mit Pechstein und Friesinger im Verfolgungsrennen Olympiasiegerin geworden, sagt:

„Natürlich ist es Thema und man kann diesem Thema auch nicht aus dem Weg gehen. Die Diskussionen sind so unhaltbar. Für mich unverständlich. Und dass man das gerade zu diesem Zeitpunkt machen muss, sowieso. Also da hat Jenny vollkommen recht. Da gibt’s überhaupt nichts zu diskutieren.“

Von den Trainern und Offiziellen lief mir nur Stephan Gneupel über den Weg. Er hat natürlich auch kein Problem mit dem Teamarzt, mit dem er ausgezeichnet auskomme, logisch. Es interessiere ihn auch nicht, was Friesinger für Probleme habe. Er ärgert sich momenten nur im Speisesaal des Olympischen Dorfs:

„Was mich persönlich und den einen oder anderen Kollegen vielleicht stört sind: Messer, Gabeln, Löffel aus Plaste. Teller aus Pappe!“

22.04 Uhr: Presseschau. Was lese ich bei der Deutschen Presse-Agentur? Willi Wichtig Lemke, UN Sonderbeauftragter und Fan aller Sportfunktionäre, hält das IOC für friedensnobelpreiswürdig. Mein Gott, ist Lemke albern, naiv obendrein. Er nervt.

„Ich würde das nachdrücklich unterstützen. Der Sport trägt zur Entwicklung von Frieden bei, deshalb wäre ich für eine Nominierung des IOC. Es wäre auch ein positives Signal im Kampf gegen die Auswüchse des Sports.“

Die Nobelpreiskiste werde ich in einem gesonderten Beitrag verwursten.

mb #1

ja ok, ich sag mal, die beiden Absätze über die nicht anwesende Führungspersönlichkeit Gerd Heinze und die fehlenden langen Unterhosen des Hausherrn haben mich bisher wirklich nicht vom Hocker gerissen. Aber gut, ich hole mir jetzt mal ein koffeinhaltiges Heißgetränk und versuche bis zum nächsten Bericht um Mitternacht (MEZ) durchzuhalten.

Jens Weinreich #2

das ist halt so in der vorberichterstattung. wird bald spannender.

Marco #3

@jw
Etwas neues aus England.
Bis es losgeht.

Marco #4
Marco #5

Haben wir keine Sportler mehr, die Würdig wären, die Deutschland-Fahne zu tragen? Oder machen es immer jene, die sich mit fremden Federn schmücken?

Marco #6

zu kommentar 6
tut mir leid für den Blödsinn. Meinte Fackel von deutschen Sportler.

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