München 2018: „Münchner Herzl für deutsche Vancouver-Mannschaft“

Die unendliche Serie der überflüssigsten und dämlichsten Pressemitteilungen (Foto: München 2018 GmbH) wird in den kommenden Monaten bis zur IOC-Entscheidung über die Olympischen Winterspiele 2018 gewiss mit zahlreichen Elaboraten aus München ergänzt werden dürfen. In loser Folge erlaube ich mir, einige bizarre Ergüsse in Gänze zur Kenntnis zu geben. Zum Beispiel die „Pressemitteilung“ von heute Mittag; übrigens gibt es derlei Meldungen jetzt auch in Englisch:

Munich 2018 Send Best Wishes to the German Olympic Team

Munich, 29 October 2009 – As Germany’s finest winter athletes gathered in Munich today for their official apparel outfitting for the 2010 Olympic and Paralympic Winter Games in Vancouver, they were each given a surprise good luck gift by the Munich 2018 Bid Committee.

Munich 2018 presented a world famous Bavarian „Lebkuchenherzl“ (gingerbread heart), containing the message „Munich 2018 in the heart“, to each athlete.

Bernhard Schwank, Joint Director of the Munich 2018 Bid Committee and Germany’s „Chef de Mission“ for the Olympic Winter Games in Vancouver said:

„We are delighted to pass on best wishes to our Olympic athletes for Vancouver 2010. It is wonderful to have the German team here in Munich; it has already created a fantastic Olympic atmosphere in our city.

„So many of these athletes dream about performing at the Olympic Winter Games in their own country and we are determined to help them realise their dreams“.

„München 2018 im Herz’n“ – Olympioniken erhalten Lebkuchenherz

München, 29. Oktober 2009 – Die Vorbereitungen für die Olympischen und Paralympischen Winterspiele 2010 in Vancouver sind auf der Zielgeraden. Bei der offiziellen Einkleidung der deutschen Mannschaft erhielt jeder Athlet auch ein Lebkuchenherz der Bewerbungsgesellschaft München 2018 mit der Aufschrift „München 2018 im Herz’n“.

„Das Münchner Wiesn-Herz ist weltberühmt. Wir geben es unseren Athletinnen und Athleten mit auf den Weg nach Vancouver. Sie stehen in Vancouver im Mittelpunkt und sind gleichzeitig Botschafter von München 2018. Wenn ich in die jungen Gesichter blicke, dann hoffe ich, dass wir gemeinsam den Weg bis 2018 gehen können. Olympische Spiele im eigenen Land, da stimmen uns insbesondere die Athletinnen und Athleten zu, sind ein Traum, für den auch die Bewerbungsgesellschaft eine Höchstleistung erbringen wird. Die Einkleidung der Olympia-Mannschaft in München durchzuführen ist ein schönes Signal für die Bewerbung,“ so Bernhard Schwank, Geschäftsführer der Bewerbungsgesellschaft München 2018 und Chef de Mission für die Olympischen Winterspiele in Vancouver.

Bin mal gespannt, welche Qualitätsmedien diese Texte sonst noch veröffentlichen. Wer mag, kann die entsprechenden Links einstellen.

Nachtrag, 13.35 Uhr: Der SID hat’s gemeldet, natürlich:

(…) „Unsere Athleten sollen aber nicht nur saubere, faire und erfolgreiche Leistungen abliefern, sondern sie werden hervorragende Botschafter für München 2018 sein. Wir wollen zeigen, dass das Land hinter der Bewerbung steht und wir in Deutschland endlich wieder einmal Olympische Spiele feiern wollen“, sagte der oberste deutsche Olympier. Die sieben Olympia- und vier Paralympics-Models bekamen deshalb auch auf der Bühne ein Lebkuchenherz mit der Aufschrift „München 2018 im Herzen“ und dem Logo umgehängt.

Um das doppelte Ziel in Vancouver zu unterstreichen, wird Bernhard Schwank das deutsche Team bei den Winterspielen als Chef de Mission führen. Der Geschäftsführer der Münchner Bewerbungsgesellschaft für 2018 erklärte, dass das Vancouver-Team von der Begeisterung in Deutschland getragen werden solle: „Für alle Sportler in unserem Team geht mit der Olympia-Teilnahme ein Traum in Erfüllung. Viele fahren dorthin und wollen gewinnen. Alle wollen aber auch dabei helfen, dass sich unser Traum von Olympia 2018 erfüllt.“ (…)

Auf die bis Juli 2011 laufende Umfrage möchte ich erneut verweisen:

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54 Gedanken zu „München 2018: „Münchner Herzl für deutsche Vancouver-Mannschaft““

  1. Hihihi.
    Höhö: „In der Kombination aus Qualität, Aktualität und Exklusivität werden wir von keinem anderen Medium übertroffen. Keine an unsere Zielgruppe gerichtete Werbekampagne geht an unseren Medien vorbei“.

  2. Bei der sid geht es heute hoch her,gerstern wurde verkündet, dass man im Mai von Neuss nach Köln umzieht, dabei gehen bestimmt auch Arbeitsplätze verloren.

  3. Glück gehabt, die Guten, dass man ihnen keine „White Sausages“ umgehängt hat. Oder „Liver Cheese Rolls“ – ähm, Leberkäs-Semmeln.

  4. Lässt du mir noch einen Nazi-Scherz durchgehen, Jens? Wenn ja, dann den:
    Holla, liebe Welt, *** GELÖSCHT ***

  5. Jens Weinreich

    Nein, Arnesen, leider nicht. Persönlich habe ich nichts gegen einen derartig harmlosen Spruch – gehabt, muss ich ja schon sagen, denn ich habe etwas gelöscht. Habe keine Lust auf die nächste juristische Auseinandersetzung. Ich glaube, die Münchner Bewerber und das UDIOCM verstehen keinen Spaß, wenn man sie darauf hinweist, dass ausgerechnet Münchner Lebkuchenherzl braun sind bzw. dass Münchner Lebkuchenherzl ausgerechnet braun sein müssen. Hätte es nicht eine andere Farbe auch getan. Gelb, wegen des FDP-UDIOCM? Oder gar Grün wegen des fantastischen Umweltkonzepts?

  6. man weiß nicht wer einem am meisten leid tun soll – die athleten, der verleiher des braunen lebkuchenherzens oder der journalist, der diese tolle story schreiben darf…

  7. Alles klar, Jens, geht in Ordnung.
    Dann sage ich halt ohne Scherz, dass der deutschsprachige Raum schon einzigartig ist. Kann mir nicht vorstellen, dass anderswo auf der Welt so viel Geld und so viel Kreativität verwendet werden, um volkstümliche Peinlichkeiten zu produzieren.

    Lebkuchenherzen am Ende eines zweifellos teuren Arbeitsprozesses, das muss man sich mal vorstellen…

  8. Persönlich habe ich nichts gegen einen derartig harmlosen Spruch – gehabt, muss ich ja schon sagen, denn ich habe etwas gelöscht. Habe keine Lust auf die nächste juristische Auseinandersetzung.

    „Es ist 1 Schande.“

    Grüße an die Hauptstadt der Bewegung Bewerbung,
    sternburg

  9. Heiner Effern in der SZ: Oberammergau – Loipen statt Felder

    In der Gemeinde geht man davon aus, dass die meist landwirtschaftlichen Flächen vom Frühjahr 2016 bis in den Herbst 2018 hinein nicht genutzt werden können.

    Heiner Effern in der SZ: Königssee – Eiskanal Deluxe

    Kommt die Olympia-Deluxe-Modernisierung für 30 Millionen Euro oder muss die etwas abgespeckte weltmeisterschaftstaugliche Aufrüstung reichen?

  10. Merkur: Olympia 2018: CSU will Bürger abstimmen lassen

    Der Gemeinderat müsse eine „so tief greifende Entscheidung“ treffen, für die eigentlich die Rückendeckung der Bürger erforderlich sei. Allerdings habe der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, Thomas Bach, bereits deutlich gemacht: „Dann können Sie diese Bewerbung vergessen“, zitiert Koch.

  11. Wenn nicht alles täuscht, ist die Installierung von Willy B. die Reaktion der Bewerbungsgesellschafter auf die seit geraumer Zeit kursierenden Gerüchte über Friktionen zwischen den Geschäftsführern Adam und Schwank unter gütiger Mithilfe aus der Frankfurter Otto-Fleck-Schneise. Oder anders formuliert: Ein Aufpasser für einen Euro.

  12. Jens Weinreich

    Ja, eine ziemlich hilflose Reaktion, so wie der Ein-Euro-Mann Zühlsdorff damals in Leipzig nichts mehr retten konnte. Ich sammle noch einige München-Geschichten und blogge demnächst dazu.

  13. Merkur: Olympia: Grüne warnen vor Fiasko

    Anlagen zu errichten und danach wieder rückzubauen – „was ist daran nachhaltig?“, fragte der Landtagsabgeordnete Ludwig Hartmann.
    […]
    Oberstdorf, wo 2005 die Nordische Ski-WM stattfand, sei „finanziell am Ende“, machte Andreas Keller deutlich. Für den Kreisort befürchtet der Grainauer eine ähnliche Entwicklung.

  14. SZ: Unterschlagene Paralympics

    Dass sich München gleichzeitig um die Winterspiele der Behinderten bewerbe, finde in der Öffentlichkeit kaum Beachtung, begründete Dieter Rippel (FDP) seinen entsprechenden Antrag: „Bei der offiziellen Präsentation ist das völlig untergegangen.“

  15. Bund Naturschutz in Bayern: Bund Naturschutz und Verein zum Schutz der Bergwelt kritisieren das „Umweltkonzept München 2018“

    Abgesehen davon, dass eine solche allgemeine Berücksichtigung sowieso bereits genügend Gesetze vorgeben, haben solche Aussagen in der konkreten Realität schnell keinerlei Wert mehr.
    […]
    „Es enthält Punkte, deren Realisierung die Bewerbungsgesellschaft überhaupt nicht sicherstellen kann: Beispielsweise entscheidet über die Realisierung eines Biosphärenreservates die Bevölkerung und die IUCN
    […]
    „Was dort aufgeführt wird, sollte angesichts der staatlichen Klimaschutzziele und den nötigen drastischen Energieeinspar-Maßnahmen 2018 sowieso Standard sein.“
    […]
    „Soll es etwa ein Fortschritt sein, wenn das bayerische Abfallwirtschaftsgesetz eingehalten wird?“
    […]
    Am Ziel „Zuschauermobiliät – Vorfahrt für den öffentlichen Verkehr, Erhöhung des Anteils der mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisenden Zuschauer auf über 50%“ hat der BN massive Zweifel: „Warum werden dann Straßenbauten im Ausmaß von mehr als 500.000.000 € geplant?“

    Merkur: Gezerre um die Bürger

    Sollte der Marktgemeinderat den CSU-Antrag auf ein Ratsbegehren ablehnen, erwartet der BN-Vertreter ein Bürgerbegehren, das zum Bürgerentscheid führen soll.
    […]
    „Wenn man die Natur zerstört, soll man sich dazu auch bekennen und nicht unter dem Etikett grüner Olympischer Winterspiele verstecken“

    Merkur: Naturschützer klar gegen Olympia

    „Allein das IOC entscheidet, was bezahlt wird“, betonte Rehberg. „Und die ,olympische Familie‘ verlangt sogar noch Steuerfreiheit für sich. Ab der Unterschrift herrscht in München und Garmisch-Partenkirchen für die kommenden sieben Jahre ein gesetzloser Zustand.“

    Traunsteiner Tagblatt: Olympia 2018: »Riesenchance« oder »unkalkulierbares Risiko«?

    SZ: Keine Sondermittel für Olympia 2018

  16. Man darf den Sinn der Bewerbung hinterfragen und bezweifeln, aber man darf nicht wie Herr Janecek „Bobschanze“ schreiben, wenn man die Leser nicht zum Lachen bringen will.
    (Obwohl Bobschanzen sicher eine Sportart gebären würden, die selbst ARD und ZDF in Quote umsetzen könnten.)

  17. Iris Hilberth in der FR: Mist und Zwist

    Ist doch eine tolle Sache, finden die Städter, und dass ganz Garmisch-Partenkirchen eigentlich begeistert sein sollte von der Idee, das riesige Sportereignis ins Werdenfelser Land zu holen.

    PNP: Olympia 2018: Ja zum „Mini Bid Book“

    Zwischen acht und 10 Kreisräte der Grünen, der ÖDP und von Teilen der SPD votierten jeweils mit Nein, ob für die Fortsetzung des Bewerbungsprozesses, das Darlehen oder die Bobbahn-Modernisierung.

  18. „Bobschanze“ – ein schöner Klops, sozusagen eine Kombination der defizitären Garmischer Skisprungschanze und der ebenfalls defizitären Schönauer Bobbahn. Sollte meine Blogeinträge nicht immer nach Mitternacht schreiben. Danke für den Hinweis.
    Heute gehts zur Sache in Garmisch. Ratsbegehren steht auf der Tagesordnung neben der Zustimmung zum Mini Bid Book.
    Guter Bericht auch in der FR: Mist und Zwist
    http://www.fr-online.de/in_und_ausland/sport/aktuell/2072925_Olympische-Winterspiele-Mist-und-Zwist.html

  19. Diese Nachricht zwingt mich, wie viele andere sicherlich auch, zum Innehalten. Robert Enke ist gestorben. Er war erfolgreich und trotzdem sah es tief in ihm ganz anders aus. Wie sind wir doch oft flüchtig, wenn es um das pure einfache Menschliche geht? Ist es zu spät, fällt uns zum Glück urpötzlich unsere eigentliche Bestimmung ein.
    Ich schließe mich der Trauer um Robert Enke an.

    http://www.abendblatt.de/sport/article1266372/Das-sagen-unsere-Leser-zum-Tod-von-Robert-Enke.html

  20. J. Bielicki und H. Effern in der SZ: Klares Votum für Olympia

    Es galt jedoch bereits vor der Ratssitzung als sicher, dass sich Bürgermeister Thomas Schmid und seine pro-olympische Mehrheit aus Christlich Sozialem Bündnis und Freie Wähler gegen die olympia-skeptische Opposition aus örtlicher CSU und SPD durchsetzt.
    […]
    Er halte zwar die Verteilung von Kosten, Chancen und Risiken, wie sie das IOC den Gastgeberstädten vertraglich vorgibt, „für eine Zumutung“, räumte Ude ein. Allerdings habe die Stadt keine andere Wahl, als die Bedingungen des IOC zu akzeptieren.

  21. Jens Weinreich

    Die Grünen-Landesversammlung in Bayern hat sich gerade mit ca. 80 Prozent gegen die Olympiabewerbung ausgesprochen.

    Mehr dazu später.

  22. Jens Weinreich

    Ralf, einen solchen Satz darf man als Journalist eigentlich nicht zitieren, ohne ihn nicht gleichzeitig einzuordnen. Denn so zu zitieren und damit einen Beitrag zu beenden, ist pure PR für die selbstgewissen Olympiaplaner, die munter mit Steuermilliarden hantieren. Was der Leser aber wissen sollte: Die Finanz-Arithmetik zwischen OCOG und Non-OCOG-Etat ist auf diese kleine schwarze Zahl ausgerichtet. Was eigentlich in den OCOG-Etat gehört, wird flink ausgelagert, um eben diese schwarze Zahl – Simsalabim! – stehen zu haben. Ich habe das oft genug in Beiträgen beschrieben, denn so läuft das bei Olympia und/oder Fußball-Weltmeisterschaften.

  23. Jens Weinreich

    Besser so, sternburg? Dass zweite „eigentlich“ steht halbwegs korrekt. Das erste war, zugegeben, gewissermaßen eine Höflichkeitsfloskel.

  24. Du hast mich missverstanden. Eigentlich;) (man muss sich da so ein verträumtes Seufzen dazu denken) finde ich das Maß an Nochnichtresignation, die das Wort andeutet, einfach schön. Oder niedlich.
    _Ich_ hätte es eher gefettet, als durchgestrichen, wenn du verstehst.

  25. Rein stilistisch betrachtet gehört eigentlich tatsächlich eigentlich durchgestrichen. Ich muss mir da eigentlich eine inflationäre Verwendung dieses und anderer Füllwörter attestieren. Inhaltlich hast Du völlig recht. Es tut gut, dass jemand mitfühlt. Und nochmal zum Inhaltlichen: Ich wollte und will eigentlich nicht (mehr) so viel Medienschelte in meinen Beiträgen unterbringen bzw. immer weniger Medienschelte unterbringen. Das ist ja hier kein Medienblog, davon gibt es genug (wenngleich kein Sportmedienwatchblog), aber gerade beim Thema Olympia fällt es mir doch eigentlich schwer, Texte zu fabrizieren, ohne auf gewisse Entgleisungen, große und kleine, der Konkurrenz hinzuweisen. Tut mir eigentlich auch leid.

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