Was vom Tage übrig bleibt (39): Whistleblower diesseits und jenseits des Teiches

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Einige Lesebefehle. Zunächst Fachliteratur von und mit Volksvertretern des Deutschen Bundestages:

Korruption & more:

Andere Länder, andere Sportarten, andere Sitten:

  • In Thüringen, in der Tageszeitung Freies Wort, interviewt Thomas Sprafke den Thüringer Helden und von einer Gänsefüsschen-Kommission des Deutschen Skiverbandes entlasteten Biathlontrainer Frank Ullrich

Meine, nun ja, Lieblingspassage:

Denken Sie jetzt ernsthaft darüber nach, von dem vor einem Jahr angekündigten Rücktritt abzurücken?

Der gewaltige Zuspruch hat mich tatsächlich zum Nachdenken animiert. Doch ich will das Thema gar nicht so hoch hängen. Bis zum Ende des Winters möchte ich meine ganze Energie in die Mannschaft stecken. Ich werde nach der Saison gewiss nicht mehr Bundestrainer sein. Es ist aber nun viel wahrscheinlicher, dass ich dem Biathlonsport weiter verbunden bleibe.

In welcher Form?

Das wird man sehen.

Als Funktionär?

Möglicherweise.

Gab es Anfragen aus anderen Bereichen wie der Politik oder der Wirtschaft?

Einige wenige.

Die Olympischen Spiele stehen vor der Tür. Wie ist die Saison angelaufen?

Planmäßig. (…)

Doping auf der anderen Seite des großen Teiches:

  • Scott M. Reed im Orange County Register 25 Jahre nach den Spielen von Los Angeles über die Dopingvertuschungen des USOC: „Early effort to drug test Olympic athletes kept secret“ – with organizers and athletes alike uncomfortable with testing regimen, officials chose to keep 1984 results confidential

(Just in case, ich müsste mich wieder gegen Vorwürfe verteidigen, hier würden sonst nur DDR-Doper gewürdigt: Über die Vertuschungsaktionen in Los Angeles und jenen angeblichen mysteriösen Einbruch im Biltmore-Hotel im Zimmer des IOC-Medizinchefs, bei dem positive Proben verschwanden, habe ich schon vor anderthalb Jahrzehnten geschrieben, u.a. im Buch „Muskelspiele“ gemeinsam mit Thomas Kistner. Eine Zusammenfassung zur „Achse der Täuscher“)

Schließlich noch etwas Harmloses für Statistik-Freaks (und Liebhaber):

Jens #1

hallo jens, ich nehme an, du kennst die floyd landis geschichte. letzten sonntag nochmal zusammengefasst in der nyt/iht = http://www.nytimes.com/2009/08/01/business/global/01iht-spy.html

Jens Weinreich #2

Nee, kenne ich nicht. Aber dafür ist die Rubrik ja da, dass wir hier gemeinsam etwas kennenlernen :)

Es gibt ja auch heute in den USA noch Ergänzendes zu dem oben von mir als Lesebefehl Verlinkten, zum Beispiel:

David Wharton in der L.A. Times: Doping at the L.A. Games? Ignorance was bliss – Steroid use by athletes was already widespread in 1984 and the Olympics here were no exception, but the public hadn’t noticed yet.

Christoph #3
Herbert #4

Harting : „Man darf zwar keinen Generalverdacht aussprechen. Aber das Problem ist, dass Sportler wie ich, die einen Riesenverschleiß am eigenen Körper erzeugen, weil sie nicht dopen, um den Lohn für ihre ehrliche Arbeit gebracht werden.“

„Wo Geld ist, wird gedopt. Eigentlich ist es sinnlos, gegen diese Tatsache anzukämpfen. In der Formel 1 wird auch getunt, um die Boliden weiterzuentwickeln und die Zeiten zu verbessern – und dort ist das erlaubt. Manchmal frage ich mich, ob es nicht besser wäre, Doping in irgendeiner Form zu erlauben , so knallhart sich das auch anhören mag. Dann würde sich zumindest niemand mehr darüber aufregen.“

Heiße Eisen,die keiner anfassen will. Diskussionen darüber sind scheinbar tabu. Eigentlich könnte sich eine offene und aufgeschlossene Gesellschaft sich auch solch eine Diskussion leisten. Tut sie aber nicht und marginalisiert bzw. grenzt diejenigen unverzüglich aus, die es trotzdem wagen,am Baum der Erkenntnis zu rütteln. Weshalb eigentlich ?
Da war man doch schon mal weiter. ;) Wenn am Ende der Diskussion die bekannte und mehrheitlich geteilte Erkenntnis stehen bleibt, dann gibt es doch keinen erkennbaren Grund für diese Berührungsangst.

Der ehemalige Spitzen-Leichtathlet Krüger spricht sich dafür aus, die früheren Dopingregeln der Vereinigung der professionellen männnlichen Tennisspielern (ATP), auf den gesamten Leistungssport zu übertragen. In diesen seien lediglich Heroin, Kokain, Marihuana und Amphetaminen verboten gewesen. Anabolika, Testosteron, Wachstumshormone, EPO und weitere derzeit verbotene Substanzen wären so mit erlaubt.

„Ich möchte leistungssteigernde Mittel – wenn es das Wort gibt – entteufeln, anstatt sie nur zu verteufeln“, so Krügers Rechtfertigung. „Man kann 30 Tennisturniere im Jahr und ein Bum-Bum-Tennis mit hohen Aufschlaggeschwindigkeiten nicht ohne Anabolika spielen.“

Auch der Profi-Fußball sei nicht frei von Doping, so der Göttinger Wissenschaftler: „Wenn die Fach-Doper aus der Leichtathletik plötzlich als Fitnesstrainer auf der Bank auftauchen, gerät man schon ins Grübeln.“ Als Beispiel für eingesetzte Mittel nennt Krüger Anabolika: „Diese steigern die Aggressivität und lösen Glücksgefühle aus. Werden sie abgesetzt, kommt es zu Depressionen. Auch das ist bei Fußballern zu sehen.“

http://www.sportgericht.de/sportrecht-newstext-8130-.html

Leider scheinen nicht nur Betrachtungen zum kontrollierten Zulassung von Doping sondern auch zu jeglicher Art der Modifizierung der herrschenden (aber heuchlerischen) Auffassung zu Moral und Ethik im Sport tabuisiert.

Herbert #5

Da musste schnell reagiert werden. Aber überzeugend klingt das nicht.Die Abteilung Leistungsport des DLV darf es Robert Harting jetzt noch mal erklären. Da kommen Erinnerungen hoch.

Clemens Prokop hält die Überlegungen des Vize-Weltmeisters von 2007, die Freigabe von Doping zu erwägen, für „blanken „Unsinn“. Der Anti-Doping-Kampf sei alternativlos.

http://www.derwesten.de/nachrichten/sport/doping.html

TobiasL #6

Na klar kann man „laut nachdenken“, ob bei einem Wettkampf einer 103 Meter und ein anderer 82 Meter rennen muss/darf. Blöd nur, kein Wettkampfname lässt sich für diesen ungleichen Vergleich finden.
Man könnte es vielleicht Blödsinn nennen.

Aber das ist (war?) doch ein Sinn des modernen Sportes, Regeln und das gemeinsame akzeptieren eben dieser.
Eine ganz kleine Stufe auf der langen Treppe der Ethik und Moral. Wenn aber die Protagonisten selbst an den Regeln zweifeln, dann ist es nur noch traurig.

Ralf Kohler #7

Mal vorweg: Ich bin gegen die Freigabe.

Worüber mal aber nachdenken könnte: „Unbeabsichtigtes“ Doping freizugeben.

Es ist zwar dasselbe (eben Doping), aber irgendwie doch etwas ganz anderes, ob jmd. (passiv) Marihuana geraucht hat, oder ob er sich z. B. Blut abzapfen und wieder zuführen hat lassen.

In der Diskussion geht es ja auch vorwiegend um die großen Fische und die bewusste, massive usw. Manipulation.

Ich persönlich bin trotzdem dagegen, irgendetwas freizugeben, da es neben vielem anderem auch um eine gewisse Symbolik geht. Allerdings ist es irgendwie auch eine Definitionssache, wo Doping anfängt: Manches ist erlaubt, für Asthmatiker z. B. evtl. noch ein bißchen mehr … Das ist nicht vom lieben Gott genau so eingerichtet, sondern irgendjemand (hoffentlich Leute, die sich auskennen) hat abgewogen …

Ralf Kohler #8

Wie ist das eigentlich bei Michael Schumacher und der Formel 1?

In anderen Sportarten gibt es doch eine Regelung, wonach ein Rückkehrer sechs Monate vor der (internationalen?) Rückkehr im – nationalen – Testpool sein muss.

Welche Sonderrolle hat die Formel 1.Die Nada führt für 2008 keine Trainingskontrolle, aber 25 Wettkampfkontrollen für den Deutschen Motor Sport Bund, denke aber nicht, dass das Formel 1 Profis (und Ex-Profis) betrifft …

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