Paul Biedermann deklassiert Michael Phelps

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„Paul war heute schwimmerisch einfach besser. Paul hat alles richtig gemacht, hat das Ding von Anfang an geführt – und hat das Ding nach Hause geschwommen.“
ARD-Schwimmexpertin Franziska van Almsick

„Jemanden so vorzuführen, der eigentlich der Übermensch ist, das ist schon eine ganz ganz große Leistung.“
Britta Steffen

„Ich denke, ich könnte noch einiges besser machen.“
Paul Biedermann im ARD-Interview

„Ich respektiere seine Wahnsinns-Leistung von Peking.“
Biedermann zu Phelps

„Die einzige Chance, ihn zu schlagen, war: übers eigentliche Schwimmen.“
Paul Biedermann über den besseren Starter und besseren Wender Phelps

Ich fange einfach mal einen Beitrag an, den ich erst langsam mit ein wenig Content füllen kann. Denn historische Ereignisse rechtfertigen eine Diskussion, die hier auch schon geführt wird, die ich nun an diese Stelle verlagern möchte. Paul Biedermann vom Christoph-Bergner-Verein SV Halle kraulte also erneut Fabel-Weltrekord, wie schon am Sonntag, als er die 400-m-Zeit von Ian Thorpe verbesserte, die eigentlich der Ewigkeit gewidmet war. „Zu schön, um wahr zu sein“, formulierte eben Alexander Bleick, einer der ARD-Kommentatoren am Becken in Rom:

„Wie ist so etwas möglich? Wie ist so etwas schwimmerisch zu erklären?“

Ich weiß, manch einer wird jetzt wieder sagen: Kaum kommt mal eine Sensation dahergefolgen, lamentiert der Weinreich schon wieder. Warum das so ist und warum man die eine oder andere Frage stellen kann/darf/soll/muss, haben wir an dieser Stelle schon oft diskutiert, etwa nach dem Sensations-Weitsprung von Sebastian Bayer oder am Beispiel des Witz-Bolts.

Jedenfalls: The Big M, Michael Phelps, wurde von Biedermann, der einst Probleme beim Seepferdchen hatte, um 1,22 Sekunden deklassiert – siehe Protokoll. Das ist toll. Das überrascht (kaum noch). Herzlichen Glückwunsch. Das gibt zu denken.

  1. Paul Biedermann: 1-4-2-0-0
  2. Michael Phelps: 1-4-3-2-2

Das ist das Sportthema Nr. 1 derzeit weltweit, siehe auch New York Times: „Biedermann stuns Phelps amid debate over suits

Und das gibt nicht nur Michael Phelps zu denken. Schließlich heißt es, Biedermann habe im Winter sechs Wochen mit Pfeifferschem Drüsenfieber pausieren müssen.

Paul Biedermanns Omi Annemarie sagt übrigens: „Es ist Wahnsinn, es ist Wahnsinn! Wir lieben unseren Paul!“ Vater Frank erklärt dem ARD-Mikrofonmann: „Mann, das war sagenhaft!“ Die Mama ist auch noch überwältigt: „Es ist einfach sensationell!“ Und Experten-Franzi „fand das super, Michael Phelps mal menschlich zu erleben. Er ist schlagbar, er ist keine Maschine.“

Übrigens hat die ARD jetzt noch einen zweiten Dopingexperten, neben Hajo Seppelt. Florian Bauer berichtet aus Rom, dass die FINA vor Ort keine Blutkontrollen und ohnehin kaum Trainingskontrollen durchführt. Zu 99 Prozent seien alle sauber, meint Thomas Rupprath. Es gibt ja schließlich flotte Anzüge. Einige Zahlen zu den FINA-Kontrollen findet man hier. Sehr lustig, wie oft gerade die Frage gestellt wurde, ob es im Schwimmen Doping gibt. Ich sage seit Monaten, dass die Anzugsdiskussion leider einige mögliche andere Gründe für die fulminanten Leistungssteigerungen verdängt hat. Das wird sich hoffentlich ab dem 1. Januar 2010 ändern, sollte die FINA bei ihrer Entscheidung bleiben, dann nur Stoffteilchen zuzulassen, aber kein Polyurethan.

Übrigens, um die Frage von Christoph aufzugreifen: Wenn Trainingskontrollen stattgefunden haben sollten, was wir nicht wissen, weil wir ja keine Protokolle dieser Kontrollen kennen, dann müsste Biedermann auch während seiner maladen Phase kontrolliert worden sein. Er hat nach dem 400-m-Sieg gesagt, er habe eine Menge Kontrollen absolviert. Eine Dokumentation dazu liegt meines Wissens nach nicht vor. Ich plädiere (bekanntlich) seit Jahren dafür, dass Athleten dieses Kalibers ihre Kontrollen auch jederzeit dokumentieren. Ich finde auch, dass es zu den Pflichten eines mit Steuermitteln geförderten Verbandes gehört, derlei Kontrollen zu dokumentieren, auch um Sportler wie Paul Biedermann zu schützen. Fürsorgepflicht ist wohl das passende Wort.

Einige weiterführende Infos:

Im TV-Gespräch sagte Biedermann, die Rückkehr zu den Stoffanzügen sei „der richtige Rückschritt“.
Ralf Kohler #1

Falsch war heute schon mal der Bild-Titel: „Paul Biedermann verspricht – Ich bin ein Saubermann.“

Geht so halt nicht. Er könnte versprechen, einer zu bleiben oder evt. auch einer zu werden. Aber wenn etwas schon gegeben ist, brauchzt und kann man es nicht versprechen – allenfalls versichern.

Das ist aber „nur“ eine journalistische (stilistische) Frage.

Martin #2

Natürlich wundert sich Phelps, bislang hatten die Deutschen sein Mittelchen immerhin nicht. Aber jetzt hat es offenbar weite Verbreitung im Schwimmsport gefunden (siehe auch Pellegrini und die bald Dutzend anderen Rekorde), das passt einem als Überflieger natürlich nicht so richtig. War schliesslich schöner, als man das noch für sich hatte. Da kann er Lance Armstrong fragen, wie es sich so anfühlt, der war ähnlich angepisst am Sonntag. Der Lauf der Zeit halt. :-))

Christoph #3

Oha, die „Tagesschau“ macht nicht mit Biedermann auf …

Joern #4
ha #5

Mal sehen, welche Sprünge Daniela Schreiber vom Bergner-Verein SV Halle noch absolviert nach ihrem als „phänomenal“ apostrophierten Staffelrennen. Vielleicht fragt ja dann auch mal wer nach dem Sportmediziner und nicht immer nur nach dem Anzug.

kli #6

Habe eigentlich nur ich den Eindruck, dass die Schwimmer und Schwimmerinnen langsam Fischform annehmen? Riesig breite Schultern und dann stromlinienförmige Verschlankung bis zur Schwanzflosse, ähem den Füßen. Marc Spitz sah irgendwie anders aus … Naja, man wird alt.

ha #7

kli,
sozusagen die Erfindung des Muskelfisches.

Marc #8

Bei Olympia glaubte ich persönlich ja nicht daran, dass Phelps und dieser Franzose das alles dank guter Ernährung, Eisen pumpen und viel Schwimmen geschafft haben. Jetzt allerdings sind wir ja auch auf dem Treppchen, also muss das ja alles vollkommen korrekt gelaufen … äh … geschwommen sein. Logisch. ;-)

Jens Weinreich #9

Marc, hast Recht. Das leuchtet ein.

nocheinjurist #10

@ jw: Vor einer Woche stand in Ihrem Kalender noch Romn als geplanter Termin. Ohne vom Thema ablenken zu wollen — warum haben Sie die Reise gekippt?

Jens Weinreich #11

Harte Zeiten für freie Journalisten, mein lieber nocheinjurist. Also musste der Kalendereintrag geändert werden.

nocheinjurist #12

War der schon verlinkt? Wenn ja, dann sorry. Wenn nicht, dann …

http://www.freitag.de/kultur/0929-kultur-aufmacher-doping

Warum ist Doping immer die Ausnahme und nicht Teil der Erzählung vom Sport?

Pollesch: Das ist wie bei der Finanzkrise. Unsere Gesellschaft basiert auf Profitgier, und dann gibt‘s einen Knall, und man sagt, da waren aber einige profitgierig.

Danquart: Der Wettkampf unter Gleichen findet nicht mehr statt, das ist das Argument gegen das Doping. Das ist Quatsch.

Pollesch: Schon deshalb, weil auch eine Gesellschaft davon ausgeht, dass wir unseresgleichen sind. Aber dann gibt’s Theorien, die sagen, vielleicht kommt man erst an Kommunikation ran, wenn wir beide zwei vollkommen unterschiedliche Wesen sind, und wir uns erst eine Grundlage erarbeiten müssen, um uns zu verstehen. Diese Grundlage wird immer nur vorausgesetzt. Vor allem im Fernsehen und im Theater, sonst würde das nicht mehr funktionieren. Die wüssten nicht mehr, was sie senden sollten.

Oliver #13

Die Rekordjagd beim Schwimmen ist nicht neu. Zeigt wahrscheinlich den kontinuierlichen Fortschritt, den die Dopinghersteller mit der Zeit erzielen.
Dass der Dopingkampf nicht wirklich ernst genommen wird, ist ja wohl klar.

B.Schuss #14

das ganze Geschrei um die Anzüge verstehe ich nicht so richtig. Gutes Material ist doch in den meisten Hochleistungssportarten wichtig, und neben der Leistung des Athleten eine Grundvoraussetzung für Top-Ergebnisse.

Schwimmen ( und natürlich zusätzlich in Topform sein ) muss man aber weiterhin selbst, und solange alle Athleten den gleichen Zugang zum Material haben ( in Rom ist das der Fall, in Peking war es das noch nicht ) seh ich da eigtl. kein Problem.
Und Kollege Bowman sollte mal lieber das Maul nicht so weit aufreissen. Schliesslich hat auch sein Schützling in den letzten Jahren von den neuen Rennanzügen profitiert ( auch finanziell, denke ich ). Hätte Phelps ohne seinen Anzug in Peking 8 Mal Gold gewonnen ?
Würde er ohne diesen Anzug Millionen Dollar an Sponsorengeldern bekommen ?

Natürlich kann man den Rekorden von einst nachtrauern. Aber was soll das bringen ? Rekorde sind nicht für die Ewigkeit. Sie bestehen nur so lange, bis sie von der Entwicklung in den Bereichen Material, Trainingsmethoden, etc. überholt werden.

War ja auch bei anderen Sportarten so.

Vielleicht wirkt das aktuell beim Schwimmen etwas bizarr, weil es in so kurzer Zeit passiert ist, aber ungewöhnlich ist es nicht.

Die anscheinend eher laxen Dopingkontrollen sind das zweite Thema. Da muss man einfach mehr Druck auf die Verbände ausüben. Das wird schon.
Wenn die Anzüge 2010 verboten werden sollten, sehen wir ja, wieviele Sekunden von den Rekorden übrig bleiben. ^^

Walter #15

Ist ja alles sehr lustig.

JW,
warum schickt die ard nicht ihren Experten Hajo Seppelt nach Rom? Wenn Klöden dem Contador in Verbier 4 min davon gefahren wäre,hätte er wohl seine Koffer gepackt,so bleibt er erstmal in Wien?

Gua #16

B.Schluss, schwimmen muss man zwar noch selbst, aber man muss bei manchen Anzügen wohl nicht mehr so viel Kraft investieren, damit man oben bleibt, sondern kann mehr in den Vortrieb stecken, wenn ich das richtig verstanden habe. Damit will ich jetzt aber nicht sagen, dass ich das glaube, dass der Anzug so viel ausmachen kann. Das liegt bestimmt noch am Wasser, weil früher war es immer das schnelle Wasser! ;)

Jens Weinreich #17

@ nocheinjurist: Ja, das war schon irgendwo verlinkt. Bitte nicht mehr :) Ich ertrage Danquart so schwer und kann ihn in seiner Naivität spätestens seit dem Tour-de-France-Helden-Epos „Höllentour“ nicht ernst nehmen.

Hier mal eine Passage aus einem FR-Interview vom 24. Mai 2007, das Daland Segler mit Danckert, äh: Danquart geführt hat.

Danquart glaubt an Aldag

“Ich wäre sehr enttäuscht?

FR, Medien, 24. Mai 2007

(…)
Was haben Sie denn beim Dreh von der medizinischen Betreuung mitbekommen?

Wir hatten “all access?, und das zu jeder Zeit, da merkt man, wenn Geheimnistuereien laufen – zumal wenn man so eine lange Zeit mit den Sportlern unterwegs ist. Und was ich mitbekommen habe, ist, dass die auf ihre Fitness sehr geachtet haben. Von der Vitamin-Einnahme über Massage bis zur Akupunktur: Das alles war immer Thema, aber es waren weder Getuschel noch Aufgeregtheiten zu spüren, und verschlossene Türen gab es auch nicht.

Sie hatten auch zu den Ärzten des Teams engen Kontakt?

Ja, auch zu den Ärzten hatten wir ein enges Verhältnis, ich komme ja aus Freiburg, wie Lothar Heinrich und Andreas Schmidt, die an der Uniklinik gearbeitet haben, und habe mich selbst einem Leistungstest bei ihnen unterzogen; sie haben auch Sportler des SC Freiburg behandelt und eigentlich immer eine sehr gute sportmedizinische Arbeit gemacht. Ich weiß nicht, ob man sie jetzt plötzlich zu den Bösewichten dieser Welt zählen muss – was auch immer sie im Einzelnen getan haben mögen. (…)

Von heute aus gesehen: Hätte das Thema einen größeren Raum im Film einnehmen müssen?

Nein, das halte ich nach wie vor für richtig, wenn man eine so große Vertrauensbasis hat und etwas ganz anderes erzählen will. Da geht es ja um die Bereitschaft, sich in frühen Jahren auf ein Ziel festzulegen, Radsport-Profi zu werden und damit seine Jugend aufzugeben und auf vieles zu verzichten – die quälen sich ja schließlich auch heute noch jeden Tag -, und es ging um Leidensbereitschaft und Freundschaften. Das war ja eine Kinoerzählung und kein investigativer Journalismus.

Was einen ja nicht hindern muss an den Fragen.

Ja, aber wenn von hundert Journalisten 99 nur eine einzige Frage interessiert: ob die nun dopen, dann reicht das, dann brauche ich das nicht auch noch zu tun. Ich wollte eine große Kinogeschichte erzählen über zwei Freunde in einer Extrem-Situation und einen Einblick geben in diesen Sport, der anders funktioniert. Selbst mit einer Spritze im Arm müssen die sich ja quälen bis zum Umfallen. (…)

Rolf Aldag will heute vor die Presse treten. Wenn es nun von ihm oder auch von den Ärzten Geständnisse gäbe: Ja, wir haben gedopt, würden Sie sich dann getäuscht fühlen?

Das würde mich menschlich enttäuschen. (…)

ha #18

Dirk Lange erklärt den wundersamen Aufschwung der Deutschen:

http://www.abendblatt.de/sport/article1115255/Darum-sind-die-deutschen-Schwimmer-erfolgreich.html

Stärkung und Erweiterung des Betreuerstabes, umfangreiche medizinische und physiotherapeutische Betreuung, bessere Interaktion zwischen Athleten und Betreuern, offene Kommunikationswege, flache Hierarchien, direkte Ansprache an die Athleten, Herstellung von Verantwortlichkeiten, Eingliederung von Experten anderer Disziplinen und anderer Länder, größere Internationalität, mehr Wettkämpfe vor großen Titelkämpfen …

Usw. usf.

Der Punkt beim Anzugdoping ist: Bodybuilder liegen jetzt weiter oben im Wasser. Mich würde mal der Muskelzuwachs bei Biedermann interessieren. Beim Franzosen Alain Bernard wurde das wunderbar analysiert: 6 bis 8 Kilo im letzten Jahr. Weshalb ein Italiener meinte, Bernard habe halt „die richtigen Vitamine entdeckt“. Bei Biedermann isses bestimmt Müsli und Hallorenkugeln.

Martin #19

Meine Meinung: Um vorne bei einer WM dabei zu sein braucht es Doping, schon immer. Ob es saubere Finalisten gibt ist mehr als fraglich.
Aber um die Rekorde von anderen Dopern so zu zertrümmern braucht man durchaus die Anzüge, sonst wären die schon früher so schnell geschwommen, denn Doping ist keine neue Erfindung. Oder was soll das neue Mittel sein, dass soviel besser ist als alle vorherigen? Ein gutes Dopingmittel macht heute doch vor allem aus, dass es nicht gefunden wird. Es muss nicht unbedingt besser sein als die Mittel aus Zeiten als es noch gar keine Tests gab, denn die kann die Konkurrenz ja auch nicht einsetzen.
Keine Trainings- und Blutkontrollen fürchten zu müssen hilft natürlich auch, gilt aber ebenso für alle Finalisten gleichermaßen (anders als in der LA, wo Witzbolt und Co. einen „Vorteil“ gegenüber vielen anderen haben).

B.Schuss #20

Gua, schon klar, aber hat man deswegen Laufschuhe mit Spikes in der Leichtathletik verboten, oder Leichtbaumaterialien im Bootsbau, oder moderne Kunstharze zum Wachsen im Wintersport ( Biathlon, Alpinski ) ?
Für mich sind das ganz normale Weiterentwicklungen im Bereich Material, die in fast jeder Sportart passieren bzw. passiert sind, und dort zu einer „Relativierung“ der bisher geltenden Rekorde geführt haben.

Warum man diesen technologischen Fortschritt bei allen anderen Sportarten akzeptiert, und beim Schwimmen verteufelt, erschliesst sich mir nicht.
So lange alle gleichberechtigten Zugang zu dem besten Material haben, ist das doch kein Problem.
Dann macht nämlich doch die individuelle Leistung des Athleten den Unterschied.

Ob diese dann noch zusätzlich durch Doping unterstützt wird, ist was anderes.

Die Anzüge sind für mich ein Nebenkriegsschauplatz, der zur Zeit recht erfolgreich vom Thema Doping ablenkt.

Jens Weinreich #21

B.Schuss, ich denke auch, dass das Thema vom Doping ablenkt. Spricht im Schwimmen – wenn es nicht um Chinesen geht – eh kaum jemand drüber. Übrigens auch die zahlreichen ständigen Schwimmberichterstatter kaum. Allerdings glaube ich, dass die Anzugfrage inzwischen doch vielleicht mehr ist, als Du es darstellst. In den vergangenen Jahren war ich da noch skeptischer, mit den neuen Geräten glaube ich (was weiß ich schon) an den Spuk und an einen beträchtlichen Zeitgewinn. Ich habe oben auf ScienceBlogs verlinkt, hattest Du Dir das mal angesehen? Interessant, aber natürlich auch keine befriedigende Erklärung.

Ich wollte gerade lang ausholen und versuchen zu beschreiben, warum die Anzüge vielleicht doch keine normale Weiterentwicklung eines technischen Hilfsmittels sind. Mein Hauptargument wäre wohl gewesen: weil sie über Sieg und Niederlage entscheiden, was in anderen Sportarten eher nicht der Fall ist, nimm nur mal die Leichtathletik; ob da ein Sprinter Spikes anhat, sie geschlossen hat oder mit offenen Schuhen rennt, ist dort völlig egal, am Ende steht für einen Witzbolt ein Weltrekord :)

Nein im Ernst, ich wollte wirklich länger ausholen, und da hast Du mich mit drei Worten in die Schranken verwiesen: „Kunstharze zum Wachsen“. Tatsächlich ist es ja wohl so, dass selbst die brutalsten Blutdoper mit verwachsenen Skiern nicht gewinnen, oder?

Punkt für Dich. Darüber muss ich erst mal nachdenken.

Stefan #22

Das Verbot der Schwimmanzüge ist ein Ablenkmanöver, genauso wie das Verbot des Funkverkehrs auf einer Etappe der Tour in diesem Jahr.

B.Schuss #23

Jens, das die Anzüge was bringen, bezweifelt glaube ich keiner. Das ZDF hat ja sogar den Selbstversuch mit einem seiner Experten in Rom gemacht, und der war mit Anzug auf Anhieb über 50m eine Sekunde schneller als nur in Badehose.

Aber wie gesagt, das sind für mich völlig normale Entwicklungen, die es auch in anderen Sportarten gegeben hat, und die immer noch fortschreiten.
Klar, die Qualität des Materials tritt in anderen Sportarten deutlicher in den Vordergrund, einfach weil es schon immer so war, dass man in díesen Sportarten ohne das richtige Material nicht gewinnen konnte ( Alpinski, Biathlon, Rodeln, Bobfahren zb. ), aber das Prinzip gilt denke ich auch für Sportarten, die bisher keine „Materialschlachten“ waren.
Und es hat natürlich auch was mit dem Zeitraum zu tun, über den sich diese Entwicklungen vollzogen haben. Gerade im Ski- und Bobsport haben sich die Entwicklungen beim Material ja über Jahrzehnte hingezogen, da hat man die Unterschiede wohl nicht so deutlich wahrgenommen, wie jetzt beim Schwimmen, wo innerhalb weniger Jahre durch neue Materialien Zeitenverbesserungen möglich sind, für die es bei anderen Sportarten Jahrzehnte gebraucht hat.

Aber die Unterschiede sind auch bei anderen Sportarten teilweise dramatisch.

Beispiel Alpinski, ich zitiere frei aus dem Wikipedia-Artikel über die Streif in Kitzbühel:

„Die erste Hahnenkamm-Abfahrt auf der Streif gewann 1931 Ferdl Friedensbacher mit einer Rennzeit von 4:34,2 Minuten. Den Streckenrekord setzte 1997 der Österreicher Fritz Strobl mit einer Rennzeit von 1:51,58 Minuten.“

Das nenn ich mal eine Verbesserung, oder ? ^^
Da schreit auch keiner „unfair!“ Und warum ? Weil die Fortentwicklung des Materials zum Profisport einfach dazugehört. Und so lange alle Athleten die Möglichkeit haben, gleichberechtigt davon zu profitieren, ist das ja auch völlig ok, finde ich.

Zum Thema „Verwachst“ hier ein Artikel aus der FAZ:

http://www.faz.net/s/Rub987B0DA694D74356A1FA6C5C40084A07/Doc~E0A92C4906C9A4A27B657ADE737ADF535~ATpl~Ecommon~Scontent.html

ha #24

B.Schuss, jw:

Finde, es gibt einen Unterschied: Die Anzüge verändern den ganzen Sport – da er für den Auftrieb sorgt, entscheiden nicht mehr Schwimmtechnik oder Wasserlage, sondern Kraft.
Heißt: Der Anzug unterstützt den Doper, ist quasi Anstiftung zum Doping.

B.Schuss #25

ha, Fortschritte beim Material haben schon immer den Sport verändert. Das gehört einfach zum Sport dazu.

Das Beispiel mit der Streif ist nur eines von vielen, es gilt analog für viele andere Sportarten, z.B: Biathlon, Bobsport, aber auch Leichtathletik-Disziplinen wie dem Stabhochsprung. Oder glaubt hier jemand ernsthaft, Sergej Bubka hätte ohne die kontinuierliche Verbesserung der Stäbe bis auf 6,14m springen können ?

Ich weiss natürlich, dass diese Unterschiede das Resultat eines Zusammenspiels von Verbesserungen in der Technik, dem Training, der Physis der Athleten und des Materials sind, also eine Kombination aus vielen Faktoren.
Man fährt die Streif nicht über 2 Minuten schneller hinunter, nur weil das Material besser ist. Aber das Material spielt eine Rolle, von Sportart zu Sportart in verschiedenem Ausmaß.
Beim Schwimmen war es bisher kein Thema, entweder weil alle dachten, das Material spiele keine so große Rolle; oder weil die Entwicklung der entsprechenden Materialien länger gedauert hat.

Jetzt ist die FINA gefragt, das zu tun, was in anderen Sportarten längst üblich ist: dem technologischen Fortschritt durch geeignete Regelungen Rechnung zu tragen, und dafür zu sorgen, dass es mit größtmöglicher Sicherheit der Athlet ist, der den Unterschied macht, und nicht das Material.

Man kann das natürlich so angehen wie geplant, und die Anzüge einfach komplett verbieten. Aber ich finde, das wäre der falsche Weg. Verbesserungen und Neuerungen beim Material gehören genauso zum Leistungssport, wie moderne Trainingsmethoden, oder andere Taktik/Technik.
Sie sind einfach Teil der Entwicklung des Sports.
Solange diese technologischen Entwicklungen allen Athleten gleichermaßen zur Verfügung stehen, hat das mit Doping nichts zu tun, finde ich.

foe #26

Klare Sache eigentlich. In den letzten Jahren haben es die deutschen Schwimmer tatsächlich probiert und nur ganz normal (bzw. kaum oder gar nicht, je nachdem) gedopt, jedenfalls nicht das ganz harte Zeug genommen. Ergebnis: man ist bei Olympia und den Weltmeisterschaften regelmäßig ziemlich weit hinterhergeschwommen, von einigen Ausnahmen mal abgesehen.

Das war nicht mehr tragbar, also hat man sich dann gesagt: jetzt machen wirs halt die wie Amerikaner/Chinesen/Japaner/Schweden/Holländer/Italiener/Australier/… Und Zack: Weltrekord, Weltrekord, Weltrekord, Weltrekord. Funktioniert doch – alle sind stolz auf den deutschen Paul und das deutsche Mädel Britta. So what?

Jens Weinreich #27

B.Schuss: Die Entscheidung der FINA ist ja nun auf dem Kongress gefallen, wenngleich aus meiner Sicht zwei Jahre zu spät. Daran, dass das neu besetzte FINA Bureau gestern nach seiner Tagung erneut erklären musste, dass es bei der gerade beschlossenen Regelung zum 1. Januar 2010 bleibt, sieht man einmal mehr, welche Kräfte (in diesem Fall die Industrie) im Hintergrund wirken. Wenn ich die Berichte über den FINA-Kongress richtig gelesen habe, dann haben sich der scheidende Präsident Larfaoui und sein Exekutivdirektor Morculescu gegen den Anzug-Stopp ausgesprochen.

Nimm mir es bitte nicht übel, wenn ich keine Diskussion über Für und Wider der polyurethan-beschichteten Anzüge führen möchte. Ich halte es da ganz mit Paul Biedermann und bin froh, dass das Zeug verboten wird. Das wird uns, denke ich, ab kommendem Jahr vielleicht ein wenig die Augen öffnen. Und wenn dann doch alle so schnell wie heute schwimmen sollten, werden sie sicher sagen: Naja, durch die schnellen Anzüge sind psychologische Barrieren gefallen, die sich jetzt positiv auf die Leistung auswirken …

Jedenfalls, was der Herr Lange da so von sich gibt, überzeugt mich nicht sehr.

Doch kurz zurück zu den Anzügen. Selbst wenn wir zwei Laien nichts davon verstehen, hier noch eben die PM zur FINA-Bureau-Sitzung von gestern, Dienstag, 28. Juli:

The FINA Bureau decisions on swimsuits include:

MATERIAL – The material of the swimsuits will definitively be constituted only by textile fabric(s). The definition of “textile? will be made by a group of scientific experts chosen by FINA and led by Prof. Jan-Anders Manson, from the Swiss Federal Institute of Technology (EPFL) in Lausanne (SUI). This definition will be available to manufacturers by no later than September 30, 2009. The first definition of “textile? to be further confirmed by this group is: “Material consisting of, natural and/or synthetic, individual and non consolidated yarns used to constitute a fabric by weaving, knitting, and/or braiding.?

SHAPE – For men, the swimsuit shall not extend above the navel nor below the knee, and for women, shall not cover the neck, extend past the shoulder, nor extend below knee. Furthermore, no zippers or other fastening system is allowed.

USE – In the regulation approved by the Congress, the swimmer can only wear one swimsuit and no taping is allowed.

TESTS – Only measurable scientific tests will be performed within the frame of the swimwear approval procedure. For thickness, the 1mm limit will be adjusted to 0.8mm, for buoyancy the present value of 1 Newton will be reduced to 0.5 (FINA will even consider the limit of 0 Newton), and for permeability the material(s) used must have at any point a value of more than 80l/m2/second. Permeability values are measured on material with a standard multidirectional stretch of 25%. These parameters will be further considered by the above mentioned scientific group.

CONSISTENCY – Swimsuits effectively manufactured and used shall correspond to and be fully consistent with submitted samples. Any modification before use (including impregnation) is prohibited. Moreover, there shall be no variation/modification for individual swimmers.

APPLICATION – Considering the time needed for manufacturers to produce their swimsuits, the submission dates and the implementation of the rules are applicable from 2010 only in Swimming competitions.

Thomas #28

Im Skispringen wurden Anzüge und Ski reglementiert weil (iirc) die Entwicklung des Materials einen Typ Sportler förderte der nicht gut für den Menschen und den Sport wäre. (Immer kleinere, leichtere Sportler)

Und überhaupt besteht für mich ein himmelweiter Unterschied darin ob ein Sport mit einem bestimmten Sportgerät (Ski, Rad, Hochsprungstab) ausgeübt wird oder das Material „nur“ schützende Funktionen hat und nun den Sport verändert.

Überspitzt formuliert: Der Mensch soll schwimmen, nicht seine Badehose.

B.Schuss #29

PS: man könnte auch einfach sagen, dass es darum geht in der Wahrnehmung der Schwimmer einen Paradigmenwechsel herbei zu führen.
Weg vom Kleidungsstück, das im Grunde bloß dazu dient, „private“ Gegenden des Körpers vor der Öffentlichkeit zu verbergen; hin zum tatsächlichen Sportgerät, dessen Eigenschaften und korrekte Handhabung einen unmittelbaren Einfluß auf das Ergebnis haben.

Ich wage mal einen Vergleich zum Tennis. Wenn ich einen neuen Tennisschläger auf den Markt bringe, der es den Spielern erlaubt, 10% härter zu schlagen, würde sich da jemand aufregen ?
Nein, das wäre die völlig normale Weiterentwicklung eines Sportgerätes, wie sie in vielen ( eigtl. allen ) Sportarten gang und gebe ist. Was anderes sind die neuen Anzüge auch nicht.

Bisher hat nur niemand die Bekleidung der Schwimmer als „Sportgerät“ betrachtet.

Es sagt ja niemand, dass die FINA die Eigenschaften der „Sportgeräte“ der Athleten nicht reglementieren darf. Andere Sportarten tun dies ja auch.
Aber gleich komplett verbieten ?

Daniel - Sport Jobblog #30

Hier erst einmal ein Artikel der Sporthochschule Köln:“
Hightech-Schwimmanzüge auf dem Prüfstand

Daran kann jeder erkennen, dass der Auftrieb massiven Einfluss auf die erbrachte Leistung hat. Es ist nicht nur die Geschwindigkeit sondern auch die Kraftausdauer die hier positiv beeinflusst wird und das macht sich bei Langstrecken extrem bemerkbar. Das ist wie im Radsport, wird der Rollwiederstand kleiner gehts auch leichter. Alles nur Physik.

Gruss Daniel

OE #31

Ein modernes Carbonrennrad setzt auch die Kraft auch effizienter um als ein altes Stahlrennrad – bitte in der aktuellen Procycling nachlesen (PROCYCLING – Ausgabe 08/09). Schade, dass hier alle gleich Doping schreien, kommt mir manchmal wie Verfolgswahn vor…

Jens Weinreich #32

@ Martin, foe: Können wir uns darauf einigen, dass Eure Kommentare (die ja Meinungsäußerungen sind, das wollen wir nicht vergessen) knapp an der Grenze des juristisch Zulässigen sind? Bitte also ein bisschen vorsichtiger in der Wortwahl. Oder, nocheinjurist, muss ich da schon Passagen löschen?

Grundsätzlich können wir nur Informationen sammeln, die Leistungen beschreiben helfen. Ich sage noch nicht einmal: erklären. Jegliche Angaben über ein Dopingkontrollsystem, so es existiert, gehören dazu.

btw: Was ich da in reiner Fleißarbeit aus den FINA-Listen generiert habe zur Kontrolldichte bei Biedermann und Steffen, ist allemal mehr wert (weil dokumentiert), als Aussagen der Helden, sie seien in den vergangenen Monaten „bestimmt 20 Mal“ kontrolliert worden. Es wäre schön, könnten die Helden derartige Behauptungen auch belegen.

Über die Qualitäten der von der FINA angegebenen Kontrollen können wir, glaube ich, leider überhaupt keine Aussagen machen. Doch, wer fleißig ist, kann auszählen, wie viele Kontrollen vor den jeweiligen Saisonhöhepunkten durchgeführt wurden. Am Beispiel van Almsick habe ich schon angedeutet, dass da einiges keinen Sinn ergibt.

Jens Weinreich #33

@ Daniel: „Schreit“ jemand „Doping“? Leidet jemand an „Verfolgungswahn“, außer natürlich all den blitzsauberen, asthmakranken Superhelden?

Ich denke, L.A. und J.U. und all die anderen haben/hatten auch Top-Carbonräder und anderes Zeug aus Nasa-Labors, oder? Warum dann die blöde Nummer mit dem Blut-Tuning? Etwa weil Epo die Ausdauerleistung exorbitant erhöht? Oder doch bloß aus Neugier, um für die nächste Blutspende gewappnet zu sein?

Ich denke, über die Bereitschaft, die Grenzen in jeder Hinsicht auszuloten und zu überschreiten – was übrigens auch für Sportwissenschaftler gilt, oder -, müssen wir nicht mehr grundsätzlich diskutieren. Die ist vorhanden.

Ich denke, wir versuchen ich versuche, Leistungen zu erklären. Mit gesundem Menschenverstand, der oft genug irrt. Nur komischerweise stimmt der Denkansatz kolossal. Ich erspare mir hunderte Beispiele. Einfach mal hier blättern.

foe #34

Jens, Meinungsäußerung, ja. Ich weiss aber gar nicht, ob es überhaupt sinnvoll ist, Leistungen per se zu erklären, sprich: die Leistungsfähigkeit des Menschen an sich in Frage zu stellen und zu diskutieren („Kann ein Mensch 100m in 9,5 Sekunden laufen?“).

Es reicht völlig, sich kritisch die Deltas anzuschauen und zu Resultate zu hinterfragen. Da schwimmt ein Paul Biedermann bei Olympia 2008 über 200m Freistil 1:46:00 – und ein Jahr später hat er (nach Abzug der Bonus-Anzug-Sekunde) 3 Sekunden gutgemacht und schwimmt einen der überragenden Schwimmer der letzten Jahre in Grund und Boden. Das kann man schön nachlesen und dann darf man auch Fragen stellen, die man mit Hilfe der obigen Tabellen dann gern auch präzisieren kann.

Ich bin übrigens auch nicht sicher, inwiefern eine Kontrolle bei der FINA (lese: beliebiger Sportverband) tatsächlich als solche zu bewerten ist. Aber auch dazu wurde ja schon genug geschrieben …

Jens Weinreich #35

@ foe: Inhaltlich überhaupt keine Einwände. Es ging mir nur um die Formulierung „klare Sache eigentlich“. Aber jetzt weiß ich ja, wie ich das zu verstehen habe: Du meintest: klare Sache, dass wir gemeinsam Deltas anschauen und Leistungen kritisch hinterfragen und versuchen zu erklären. Stimmt’s?

foe #36

Selbstredend, Jens.

ha #37

BSchuss,
würdest Du auch einen Tennisschläger akzeptieren, der Dir das Ballgefühl erspart – so wie der Anzug das Gefühl fürs Wasser?
Erinnere mich an den Versuch der westdeutschen Olympiaschwimmer 1976, den Darm mit Luft aufzupumpen wegen des Auftriebs … Das hieß damals „Körpersimulation“ und kostete 250.000 Mark.
Simulation sind auch die Anzüge. Um eine Vorhersage zu wagen: Typen wie der Franzose Bernard werden ohne die Anzüge absaufen, weil sie – im Vergleich zu Anderen – nicht mehr gerade durchs Wasser kommen.

Linksaussen #38

Und das täte Bernard auch ganz gut.

Herr Lange, achja. Nachdem er die südafrikanischen Schwimmer nach vorne gebracht hat, ist man auch in Deutschland wohl wieder auf ihn aufmerksam geworden. Zu dem sag ich besser nix.

Martin #39

Im Zweifelsfall bitte löschen. Danke.

Martin #40

Noch zur Erklärung: Ich habe natürlich kein Ergebnis konkret gemeint, sondern versucht eine allgemeine Entwicklung zu erklären. In jedem Einzelfall kann das falsch sein, es gilt auch für Überflieger die Unschuldsvermutung.
Und wie gesagt, ich erkläre mir die derzeitigen Rekorde im Schwimmen eher mit den Anzügen als mit neuen Dopingmitteln, sonst würden die Rekorde in der Leichtathletik ähnlich purzeln, tun sie aber deutlich weniger, soweit mir bekannt.

Chuck #41

@foe:
wenn Du von „(nach Abzug der Bonus-Anzug-Sekunde)“ sprichst, solltest Du diese dann auch benutzen, denn wenn Du Dich auf den ZDF-Test u.ä. beziehst gilt die auf JEWEILS 50m.

@B.Schuss:
„Fortschritte beim Material haben schon immer den Sport verändert“
Richtig, aber muß/soll dies so in jeder Sportart sein?
Beim Motorsport oder auch Skisport usw., kann eine Weiterentwicklung ja auch durchaus spannend sein und gehört dazu, da das Sportgerät eben auch als „Position 1b“ mit im Mittelpunkt steht.

Es gibt aber auch Sportarten, die aufgrund ihrer „Einfachheit“ und von ihrer „Ur-Kraft/-Geschwindigkeit etc des Menschen“ leben. Dazu zählt, für mich, eben das Schwimmen. Genauso wie Wettrennen (100m – Marathon), Weitwerfen, Kampfsportarten u.ä.
Die Zuschauer mögen, so glaube ich, diese Einfachheit, denn genau daraus ziehen sie ihre Faszination und der zu große Einfluß von „technischen Hilfsmitteln“ wirkt da eher kontraproduktiv.

Die These auf scienceblogs.de „Mehr Rekorde allerdings sind doch genau das, was alle haben wollen“ glaube ich so nicht. Bleiben wir beim Schwimmen. Den durchschnittl. Fernsehzuschauer gefällt doch der Kampf „Mann gg. Mann“, es schwimmen 8 Mann gegeneinander und am Ende ist der Erste eben der Sieger. Die (Rekord-)Zeit ist eher ein Nebeneffekt, der unglücklicherweise von den Medien häufig in den Vordergrund gestellt wird.
Auch der Mythos den die 100m als Königsdiszplin jeder Olympiade umgibt, beruht doch auf diesem einfachen Prinzip des direktem Wettbewerbs und seit dem die 10sek dort geknackt sind ist doch der Hype um die Laufzeit sehr abgeebbt.

Auch wäre die FINA gut beraten, die Neu-Regelungen wirklich durchzuziehen und sich nicht in zu komplexe physikalische Diskussionen zu verstricken („Newton an Auftriebskraft…“). Die Verbände sollten auf den Kern ihrer Sportart, auch aus Popularitäts- und Vermarktungsgründen, besinnen und jeglichen Nebenkriegsschauplatz vermeiden. Der Nebenkriegsschauplatz Doping ist schon groß und kompliziert genug und sollte ausreichen.

Denn wohin sollte denn die Anzugentwicklung gehen?
Will man wirklich ein „Wettpadeln auf der Luftmatratze/Surfboard“ haben?
Es muß doch jedem klar sein, daß dies, peu à peu eine ganz andere Sportart wird und noch dazu andere anatomische Eigenschaften bei Schwimmern fördert, die eben mehr Kraft und Ausdauer in den Vordergrund stellt und Technik und Schnellkraft verdrängt. „Kraft und Ausdauer“ – da war doch was…
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Nebenbei:

Ein ganz anderer Punkt an der kritischen Betrachtung von M.Phelps in Peking waren weniger die Zeiten, die er schwamm (die kann man ja noch auf den Speedo-Anzug schieben), sondern die Vielzahl der Wettbewerbe (einschl. Vorläufe) die er ohne erkennbaren Kraftverlust absolvierte.
Das Verhalten von Phelps und seinem Umfeld nach dem Wettkampf war schon ein wenig „Un-Sportsman-Like“

AKUK #42

@chuck

Bleiben wir beim Schwimmen. Den durchschnittl. Fernsehzuschauer gefällt doch der Kampf “Mann gg. Mann?, es schwimmen 8 Mann gegeneinander und am Ende ist der Erste eben der Sieger. Die (Rekord-)Zeit ist eher ein Nebeneffekt, der unglücklicherweise von den Medien häufig in den Vordergrund gestellt wird.

Wenn sich der Hochleistungssport doch endlich (wieder?) am „einfachen Zuschauer“ orientieren würde…
Und- die Zeit der einfachen Feldversuche war irgendwie schon vor 40 Jahren vorbei. Seitdem der Sport von Politik, Medien und Wirtschaft als Tummelfeld okkupiert und damit korumpiert wurde sind die Stadien zum Projektionsfeld surrealer, apokalyptischer Wesen geworden. Der sogenannte “ Muskelfisch“ ( Danke @ha!)ist nur die aktuellest Mutation.

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