Notizen vom Sportausschuss (10): Doping im Freizeit- und Breitensport

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Die hochinteressante 76. öffentliche Sitzung des Bundestags-Sportausschusses beginnt in einigen Minuten. Thema:

Medikamentenmissbrauch im Freizeit- und Breitensport

Ich kann heute nicht live bloggen, veröffentliche aber hier als Lektüre schon mal die wichtigsten Stellungnahmen der Sachverständigen, zu denen auch Seyfu gehört:

Zunächst die Frageliste der MdB’s:

  1. Wie definieren Sie den Medikamentenmissbrauch im Freizeit- und Breitensport?
  2. Welche wissenschaftlichen Untersuchungen gibt es über den Medikamentenmissbrauch im Freizeit- und Breitensport?
  3. Welche Personengruppen sind betroffen und welche Motive und Gründe liegen der Einnahme zugrunde?
  4. Welche Entwicklung hat es hier in den letzten 15-20 Jahren gegeben?
  5. Welche belastbaren Aussagen gibt es über die gesundheitlichen und daraus resultierenden volkswirtschaftlichen Schäden, die sich aus dem Medikamentenmissbrauch im Freizeit- und Breitensport ergeben?
  6. Ist Medikamentenmissbrauch nur im Sport anzutreffen oder ist auch in anderen Lebensbereichen z.B. in der Arbeitswelt eine solche Entwicklung zu verzeichnen?
  7. Welche gesundheitlichen Gefahren gehen von Nahrungsergänzungsmitteln aus und wie bewerten Sie in diesem Zusammenhang die Aufklärung des Verbrauchers?
  8. Welche Altersgruppen sind vom Medikamentenmissbrauch besonders betroffen, und wie ist das Einstiegsalter? In welchen Altersstufen stellt sich der Medikamentenmissbrauch wie dar (Häufigkeit)? Gibt es in diesem Kontext zwischen Männern und Frauen Verhaltensunterschiede?
  9. Kann beim Medikamentenmissbrauch im Sport ein Zusammenhang hergestellt werden mit der Arbeits- oder Schulwelt?
  10. Ist aus Sicht der Sachverständigen der „Übergang“ von echter Behandlung (durch einen Arzt verschrieben) zum Medikamentenmissbrauch schleichend?
  11. Welches sind die am meisten eingenommenen oder angewandten Medikamente? Wie viele davon sind verschreibungspflichtig? Welches ist das „beliebteste“ Einstiegsmedikament?
  12. Wo ist der klassische Ort der Einnahme von Medikamenten, im Fitnessstudio, im Verein, zu Haus oder in der Schule?
  13. Welche konkreten Maßnahmen ergreifen die Sport- und Fitnessverbände gegen Doping und wie bewerten sie diese Maßnahmen? Welche Präventionskampagnen bzw. -maßnahmen (national/international) sind Ihnen bekannt und welche Präventions- und Informationsmaßnahmen halten Sie für erforderlich?
  14. Welche Erkenntnisse gibt es über die illegale Einfuhr und Vertriebswege von Dopingmitteln?
  15. Halten Sie die bisherigen rechtlichen Grundlagen auf nationaler und auf EU-Ebene für die Bekämpfung des Medikamentenmissbrauchs im Freizeit- und Breitensport für ausreichend und welche Vorschläge würden Sie ggf. machen?

Die Stellungnahmen:

  • Mischa Kläber, Technische Universität Darmstadt, Institut für Sportwissenschaft (pdf, 49 Seiten, 2,87 MB)
  • Birgit Schwarze, Präsidentin Arbeitgeberverband deutscher Fitness- und Gesundheitsanlagen (pdf, 6 Seiten, 24 kb)
  • Prof. Dr. R. Klaus Müller, Brandes-Waldsteinberg (pdf, 1 Seite, 7 kb)
  • Prof. Dr. Dr. Perikles Simon, Universität Mainz; Dr. Dr. Heiko Striegel, Universität Tübingen (pdf, 6 Seiten, 27 kb)
  • Vorstand des Verbandes Deutscher Fitness- und Gesundheitsunternehmen (pdf, 2 Seiten, 15 kb)
  • Sven (Seyfu) Schulze, Berlin (pdf, 2 Seiten, 10 kb)

Es fehlen die schriftlichen Stellungnahmen von Albert Busek, Präsident Deutscher Bodybuilding und Fitness-Verband e.V. (sicher sehr interessant) und Jörg D. Börjesson.

Warum Sven „Seyfu“ Schulze zu den Sachverständigen zählt? Ich höre, ein MdB hätte ihn mal auf einer Veranstaltung erlebt und fand es toll, „mal eine andere Meinung zu hören“. Seyfu antwortet übrigens auf die Fragen so:

  1. die nachfrage bestimmt das angebot
  2. mir sind keine bekannt, zwar warnen hin und wieder mal verschiedene ärzte vor den nebenwirkungen, aber von untersuchungen hab ich noch nichts gehört
  3. so ziehmlich jede personengruppe ist betroffen
    ob nun der hartz 4 empfänger oder irgendwelche bonzen aus wannsee
    motive können sein:
    – minderwertigkeitskomplexe
    – neugier/studieren geht über probieren
    – alltagsstress kompensieren
    – sportliche ziele
    – existenzbedingt
  4. das sortiment hat sich enorm erweitert hat ein arnodl schwarzenegger dianabol verwendet, konsumiert ein ronny coleman heutzutage wachstumshormone HGH
  5. aufgrund der nebenwirkungen welche eintreten können, zieht dies eine negavbilanz der krankenkassen mit sich, es kann auch zu so starken gesunichen schäden kommen das es zu einer arbeitsunfähigkeit kommt, was man dann zu den wirtschaftlichen schäden zählen müsste
  6. natürlich auch in der arbeitswelt, gearde bei der nachtarbeit kann es zum beispiel zum gebrauch von coffeintabletten kommen
  7. ich denke auf die nebenwirkungen wird der verbraucher genü hingewiesen wenn man bedenkt das nur ganz bestimmte mittel legal in deutschland erhältlich sind
  8. einstiegsalter 12-16 jahre/besonders betroffen 16-25 jahre/es konsumieren mehr männer als frauen
  9. kann auf jeden fall hergestellt werden
    – in der schule tut man es eher weil man einem bestimmten trend nachgeht(körperkult)
    – in der arbeitsweltkann dies auch der fall sein mitunter halt aber auch mehr ein ausgleich
  10. frage nicht ganz klar
  11. einstiegsmedikament: testosteron enanthat und thais(dianabol)
    am meisten konsumiert werden die einstiegsmedikamente sowie trenbolon deca sustanon wachstumshormone ephidrin
  12. normalerweise erfolgt die einnahme zuhause, notgedrungen kann es aber auch mal dazu kommen das sich ies in fitnessstudio verlagert
  13. mir sind keine maßnahmen bekannt ausser die werbung von ALPECIN-Doping für die haar;)
    – man sollte die menschen über die medien aúfklären fernsehen/kino
  14. das internet und der sehweg
  15. ich würde die einnahme sowie den besitz und erwerb legalisieren
    – nur so erreiche ich die zielgruppe in ihrem ganzen
    – wenn ich die leute allerdings so hinstelle als wären sie kriminelle und teilweise auch dumm da sie ihrem körper sowas antun, geh ich alles andere als zu auf diese leute, sie entfernen sich eher von mir
    – denn desto mehr leute sich dazu bekennen, desto übersichtlicher wird es für mich
Gua #1

Ist es schlimm, dass mir der Name „Seyfu“ bis eben absolut nichts gesagt hat? Ich hoffe nicht…

Jens Weinreich #2

Ist überhaupt nicht schlimm, ich kannte den auch nicht. Aber jetzt haben wir uns ja gemeinsam ein Bild machen können.

Ralf #3

heute im bundestag: Experten: Medikamentenmissbrauch im Freizeit- und Breitensport nimmt zu

Solche eventuellen Folgen seien erfolgreichen Bodybuildern egal, sagte der Szenemusiker Sven – Seyfu – Schulze. „Mister Olympia“ verdiene mit seinen Auftritten viel Geld. „Der sagt sich doch: Immer noch besser, dabei eventuell die Gesundheit zu gefährden, als sich auf dem Bau kaputt zu machen“, sagte Schulze.

indykiste #4

wer möchte, kann live dabei sein:
http://www.bundestag.de/aktuell/tv/live300.html

indykiste #5

(evtl. doppelt)
wer möchte, kann jetzt „live“ dabeisein:
http://www.bundestag.de/aktuell/tv/live300.html

indykiste #6

hallo Jens, eventuell kannst du diesen Service nutzen:

„Für die aktuelle, parlamentarische Berichterstattung stellt das Parlamentsfernsehen sein gesamtes Bildmaterial TV-Anstalten kostenlos und frei von Rechten Dritter zur Verfügung. Voraussetzung dafür ist, dass die Bilder für Produktionen im Bildungsbereich oder für Informationssendungen verwandt werden, die in einem direkten Zusammenhang mit der Arbeit des Deutschen Bundestages stehen….“

Quelle: http://www.bundestag.de/aktuell/tv/tv3.html

HopPeL #7

Warte mal, nur damit ich das verstehe.
Wurde der Fragenkatalog von Dir zum Spaß auch an Seyfu geschickt oder war das eine offizielle Anfrage des Sportausschusses an ihn?
Der Typ ist doch nur ein durchschnittlicher Gangsta-Rapper, der mal statt „ich besorg Dir Nutten und Drogen“ das Thema „ich besorg Dir Doping“ gerappt hat.
Darf man dann erwarten, dass die Rödelheimer demnächst als Psychiatrie-Experten oder die Ärzte als Sachvertständige zum Thema Inzest gefragt werden??

Bitte sag mir, dass das mit Seyfu nur ein Scherz war.

HopPeL #8

Warte mal, nur damit ich das verstehe.
Wurde der Fragenkatalog von Dir zum Spaß auch an Seyfu geschickt oder war das eine offizielle Anfrage des Sportausschusses an ihn?
Der Typ ist doch nur ein durchschnittlicher Gangsta-Rapper, der mal statt „ich besorg Dir Nutten und Drogen“ das Thema „ich besorg Dir Doping“ gerappt hat.
Darf man dann erwarten, dass die Rödelheimer demnächst als Psychiatrie-Experten oder die Ärzte als Sachvertständige zum Thema Inzest gefragt werden??

Bitte sag mir, dass das mit Seyfu nur ein Scherz war.

Jens Weinreich #9

@ HopPeL: Ich habe keinen Scherz gemacht. Er wurde angefragt, auf Vorschlag welcher Fraktion weiß ich leider (noch) nicht. Ich sehe es ähnlich wie Du. Aber ich wollte zunächst informieren und nicht kommentieren :)

Und außerdem: Gangsta-Rapper, da soll man doch vorsichtig sein, oder?

Prüfer #10

@JW
ja, da sollte man wirklich vorsichtig sein. Ohne Sonnenbrille mit Lichtschutzfaktor 40 wäre ich beim Lesen fast erblindet.

Gua #11

Gangsta-Rapper-„Diskussion“ auf jensweinreich.de
Toll kR4sS!!

Philipp Gehrmann #12

Ich finde die Idee mit Seyfu gar nicht schlecht. Lockert die Expertenanhoerung sicherlich auf und gibt einen einigermassen „authentischen“ Einblick in die Gedankenwelt eines Users. Da werden die wissenschaftlichen Statistiken doch gleich viel anschaulicher.

Herr Holle #13

Philipp Gehrmann kann ich mich nur anschließen: Ich würde mich auch über ein tiefer gehendes Interview mit Seyfu (oder einem in der Szene vertrieblich engagierten Anonymus) zu dem Thema mal sehr freuen! Mir ist das hier ohnehin manchmal viel zu akademisch-theoretisch… ;o)

HopPeL #14

Ich finde es ja grundsätzlich gut jemanden aus der „Szene“ zu fragen.
Nur sollte das jemand aus der Doping-Szene und nicht aus der Musik-Szene sein.
Nur weil er darüber rappt und seine vermeintlichen Kumpels so ausschauen, als ob sie sich gerne mal „Testo“ reinpfeifen, sagt das doch überhaupt nichts darüber aus, ob er auch nur jemals sowas in der Hand gehabt hat.
Natürlich tut er so, als ob er der größte Checker wär, damit verdient er immerhin sein Geld.
Vielleicht versucht er damit auch nur, die durch Doping verursachte Schrumpfung zentraler Körperteile zu kompensieren :-)

Aber Rapper (in Deutschland), die davon rappen, Zuhälter, Drogendealer und Mörder zu sein, sind in den seltensten Fällen authentisch.
Zum Glück.

theObserver #15

Hier gibt’s die ganze Show zum Nachsehen: rtsp://btag-od.real.t-bn.de/btag/16/bt300_20090527_a05.rm

enrasen #16

Ich sage euch das Doping kommt am meisten über den Sehweg ins Land….!

Herrlich der Typ – war der im Bundestag? Ich finde solche Experten sollten immer miteingeladen werden. Trägt sicherlich zur Belustigung des ernsten Themas bei.

Je mehr Sitzungen und Protokolle des Sportausschusses ich hier lese begereife ich wie unsere Demokratie wirklich funktioniert. Das ist nichts weiter als Kasperletheater. Unglaublich.

TobiasL #17

Ich bin mir nicht so sicher, ob die Abgeordneten wirklich so umfassend informiert sind um über die Gastbeiträge lachen zu können.
Ich finde es traurig, dass diese Informationen überhaupt nötig ist! Ein bisschen Interesse und Nachfragen im Amateursport und die Volksvertreter hätten genügend Informationenund Zeit um endlich selbst Sachdiskussionen führen zu können.

Jens Weinreich #18

Das Wortprotokoll dieser Anhörung steht als pdf-Datei online.

the_doctor #19

Lesetipp: Markus Völker (taz) im Interview mit dem Sportwissenschaftler Mischa Kläber zum
Thema Doping im Amateursport

ha #21

Schon putzig, wie das ZDF den zweieinhalb Jahre alten und seinerzeit auführlich behandelten Donati-Bericht mit ebenfalls bekannten Studien zum Freizeitdoping koppelt und daraus eine Schlagzeile („zwischen Russenmafia und deutschen Fitnessstudios“) geriert, die allerhand verspricht …
Indes: Manches kann nicht oft genug gesagt werden.

Wolfgang #22

Hi, Guter Artikel, ich hoffe das wir uns auf eine Fortsetzung Freuen koennen :-)

Ralf #23

Daniel Drepper für dradio.de: Doping ohne Grenzen – Niemand kümmert sich um den Breitensport

Daniel Drepper für ZDF online (25.12.): Viele machen mit – und keiner schaut hin

Ralf #24
Ralf #25
Ralf #26
Ralf #27

TV-Tip (ARTE): Doping fürs Gehirn – Machen Pillen schlauer?

Wiederholungen:
07.09.2011 um 05:00
Doping fürs Gehirn
(Deutschland, 2011, 52mn)
ZDF
Regie: Christian Schidlowski, Hannah Leonie Prinzler

Ralf #28

GA: Schwunghafter Doping-Vertrieb von Bonn aus

Etwa 190 000 Kunden sollen die Dopingmittel über das Internet bestellt haben. Offenbar pflegte der 33-Jährige von Bonn aus die Kundendatenbank der Bande […] Der gelernte Kaufmann soll das höchste Gehalt innerhalb der Organisation bezogen haben. Die Ermittler gehen davon aus, dass er bis zu 2 500 Euro pro Woche verdient hatte.
[…]
Der Verteidiger ist der Ansicht, dass es „die deutsche Justiz nichts angeht“, wenn Dopingmittel von Zypern nach Amerika verschickt würden.

KR: Größter Prozess um Dopinghandel

Nach monatelangen Observationen und auch Testkäufen kam es unter Federführung des Bundeskriminalamtes am 7. Dezember 2010 auf Zypern, in Österreich, Frankreich, Niederlande, Spanien, Irland und in den USA zu Hausdurchsuchungen. Mehrere mutmaßliche Bandenmitglieder, wie auch der 33-jährige Bonner, wurden festgenommen.

Ralf #29

TV-Tip: Die tägliche Dröhnung – Höchstleistung aus dem Medizinschrank

ZDFzoom, 5. Oktober 2011, 22:45 – 23:15 Uhr, von Ralf Paniczek und Felix Hero

Ralf #30

Daniel Drepper für den DLF: Niedrige Ergebnisse gewollt? – Die Kolibri-Studie zum Doping im Breitensport ist offenbar staatlich gelenkt

Vor der Befragung hatte Perikles Simon dem Robert-Koch-Institut noch einmal mit drastischen Worten klar gemacht: „Das Ergebnis dieser Studie können sie komplett vergessen.“
[…]
„wir haben dann unisono nichts mehr gehört und dann zum Schluss nur noch unsere Namen als Experten unter dieser Studie gefunden.“
[…]
Das Ministerium gibt zu, dass die Zahl der Freizeitdoper mit der Studie unterschätzt wird. Dieser „systematische Fehler“ sei bei solchen Studien üblich, aber nicht quantifizierbar.

Ralf #31
Ralf #32
Ralf #34

Andreas Strepenick in der BadZ: Deckname Teris

„Der Beschuldigte ist griechischer Staatsangehöriger, die Taten hat er in Griechenland begangen. Deswegen haben wir die griechischen Justizbehörden ersucht, das hiesige Ermittlungsverfahren zum Zweck der Strafverfolgung zu übernehmen.“ […] Wie die Rechtslage in Griechenland aussieht, vermochte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Freiburg nicht zu sagen.

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