Notizen vom Sportausschuss (2): Steuermittel für den BDR?

 •  • 18 Comments

So, passend zum Tage der zweite Teil meiner Notizen zur 59. Sitzung des Sportausschusses des Deutschen Bundestages am Mittwoch, 15. Oktober. Was bisher geschah, kann man hier nachlesen.

Die Session mit Willi Lemke, die partiell witzig war, lasse ich aus, darum kümmere ich mich später mal. Nur noch dies: Lemke wäre nicht Lemke, also nicht der Verkäufer seiner Sache, als der er bekannt geworden ist, wenn er mir nicht, wie allen anderen Anwesenden, noch diese Broschüre in die Hand gedrückt, die ich gern symbolisch weiter reiche. „Hier bitte, auch für Sie“, sagte der UN-Sonderbeauftragte. Ich sage: Danke, Willi.

Noch zwei Vorbemerkungen:

  1. Unter seinem Vorsitzenden Peter Danckert (SPD) tagt der Sportausschuss seit Beginn der Legislaturperiode öffentlich. Alle anderen Ausschüsse des Bundestages tagen grundsätzlich nichtöffentlich. Damit ist aus meiner Sicht nur im Sportausschuss ein Mindestmaß an Transparenz gewährleistet. Beobachter können sich ein Bild von der Arbeit der Abgeordneten machen.
  2. Ich habe nach bestem Wissen und Gewissen Notizen gemacht. Anmerkungen, die mir als Erläuterung wichtig scheinen, sind kursiv gesetzt (heißt das so im Blog, „setzen“? Scheint eher ein Begriff aus dem Holzmedium).

Nun zu dem, was wirklich wichtig war. Am Morgen hatte die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen diesen Antrag im Sekretariat des Sportausschusses eingereicht:


So, passend zum Tage der zweite Teil meiner Notizen zur 59. Sitzung des Sportausschusses des Deutschen Bundestages am Mittwoch, 15. Oktober. Was bisher geschah, kann man…
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Ralf #1

BDR lädt zum Dialog: «Ein paar Punkte klarstellen»
http://www.rad-net.de/index.php?newsid=16003

Jens Weinreich #2

Ziemlich unerträglich, dieses Geblubber. Ich bin nicht mal gespannt drauf, was die „klarstellen“ wollen. Klartext: Sollte der Sportausschuss am 12. November nicht endlich handeln, hat er auch das letzte Quäntchen Kredit verspielt. Ich finde, der Entzug aller Steuermittel ist eine sehr feine Sache. Das würde weh tun und anderen Verbänden auch zu denken geben. Ich rede von Entzug, nicht Sperre. Es gibt kein Grundrecht auf Steuermittel, auch wenn das jetzt angesichts der Bankenturbulenzen ziemlich einfältig klingt.
Und es gibt auch nicht wirklich viel zu diskutieren. Die Geschichten sind ziemlich klar für alle, die nur hinschauen wollen. Und zwar seit Jahren und Jahrzehnten.

Ralf #3

Martin Wolf: «Wenn ich sowas höre, platzt mir der Kragen»
http://www.rad-net.de/index.php?newsid=16004

Ah, jetzt, ja! Der BDR hat mit Straßenradsport eigentlich gar nichts zu tun. Die wesentlichen Säulen des BDR sind BMX, Radball und Kunstradsport… ;-)))

Jens Weinreich #4

Das ist ein Wahnsinn. Danke, Ralf. Bin mal auf die Pressekonferenz gespannt, die der BDR gerade gibt. Ich habe den Wortlaut dieser Meldung oben in den Blogeintrag eingebaut. Das ergänzt doch das sportpolitische Panoptikum recht schön.

Ralf #5

Du schreibst: „Gerade hat der BDR auf seiner Internetseite dies veröffentlicht“

Vermutlich erhälst Du in den nächsten Minuten eine Beschwerde-Mail des rad-net-Redakteurs, der sich als „unabhängig“ vom BDR betrachtet… ;-)

Jens Weinreich #6

merci. ist korrigiert. ob bdr-organ oder nicht, ich habe keine lust, mich wegen solcher nichtiger spitzfindigkeiten zu streiten.

ha #7

Eine aufschlussreiche Übersicht über einen Teil des BDR-Personals:
http://www.cycling4fans.de/index.php?id=4133

Michael #8

Der Entzug von Fördermitteln ist ein Mittel, welches den deutschen Radsport ja nicht unvorbereitet treffen kann. Auch im Fall Florian Busch wurden die Fördermittel an den DEB eingefroren und das in einer Konstellation, in der ein sechs Mal in einem Monat getesteter Spieler den siebten Test aufgrund eines Restaurantbesuches verweigerte, ihn aber noch am selben Abend nachholte. Sämtliche weiteren Tests waren ebenso negativ, wie die seiner Sportskollegen.

Der DEB hat mit dem Spieler auch nur wenige Kontakte im Jahr, das Tagesgeschäft regelt die DEL, die nicht dem DEB untersteht.

Spätestens hier hätte dem BDR klar sein müssen, dass so etwas droht. Angesichts der Überführungen im Radsport hätte der BDR sich hier viel stärker mit einer „Kampf gegen Doping an allen Fronten“-Einstellung positionieren müssen und nicht darauf vertrauen dürfen, dass die Profis schon nicht mehr dopen werden.

Lieber BDR; warum sollten die Radsportler eine Extra-Wurst kriegen und anders behandelt werden, als andere Verbände?

Ralf #9

Rudolf Scharping: «Propaganda auf dem Rücken anderer»
http://www.rad-net.de/index.php?menuid=9&newsid=16010

Wolfgang #10

@Michael – DEB ist ein gutes Beispiel. Der Spieler wurde bis heute nicht bestraft. Ein verweigerte Probe wird in anderen Verbänden wie eine positive Probe behandelt. Auch wenn sie später nachgeholt wird. Manipulationen sind da nicht ausgeschlossen.

Dann wurden vor der laufenden Saison gleich neuen Nationalspieler (7 Männer, 2 Frauen) bei Trainingskontrollen nicht angetroffen. 9 Nationalspieler/innen innerhalb sehr kurzer Zeit. So etwas habe ich noch bei keinem anderen Verband erlebt. Einige dieser Sportler wurden wegen wiederholtem nich Antreffen innerhalb von 18 Monaten mit drei Monaten Sperre bestraft. Später wurden die Sperren aufgehoben, zum Saisonende wird neu verhandelt. Die Sperren dürften dann in die Saisonpause fallen.

Dann noch die Frage, wann der letzte Spieler aus USA oder Kanada in Deutschland überhaupt getestet wurde. Antwort – noch nie!

Sieht man sich die Kontrollstatistiken in Deutschland an, sind auch diese Zahlen sehr interessant. Radsport Trainings- und Wettkampfkontrollen insgesamt 862, davon auf EPO untersucht 344, Blutkontrollen 71
Eishockey Kontrollen insgesamt 205, Epo-Kontrollen 2, Blutkontrollen 0

Wenn man jetzt die Auffälligkeiten trotz genauerer Untersuchungen vergleicht, sieht der Radsport im Vergleich zum Eishokey doch gar nicht so schlecht aus.

Ob bei Kontrollen wie im Fußball, Bakettball oder Eishockey üblich, überhaupt ein Radsportler aufgefallen wäre ist sehr unwahrscheinlich. Von daher sehe ich schon eine Verbesserung in den letzten Jahren.

Das soll jedoch die Radsportler und den BDR nicht in ein besseres Licht rücken, lediglich mit den Vergleichen harpert es etwas.

Ralf #11

rad-net.de: Trotz inhaltlichen Konsenses: BDR drohen mit Streichung von Bundesmitteln finanzielle Turbulenzen
http://www.rad-net.de/index.php?newsid=16103

Herr Scharping sagt: «Das ist Populismus auf dem Rücken anderer»

Und das folgende ist kein Populismus, Herr Scharping?
«Das heißt für uns, wegen des Profi-Radsports der Männer, für den der Verband lediglich rund ein Prozent der öffentlichen Mittel ausgibt, müsste sich der BDR mit dem Thema einer drohenden Insolvenz befassen und einen Teil seiner rund 30 Beschäftigten in die Arbeitslosigkeit entlassen»

Ralf #13

ZEIT: Nicht weitersagen: Ein neuer Dopingfall

Laut Informationen von ZEIT ONLINE […] hatte die Frankfurter BDR-Zentrale um Präsident Rudolf Scharping nämlich schon mehr als einen Monat vor der Veröffentlichung von einem Journalisten einen Hinweis auf die positive Kopp-Probe erhalten. […] Über Kopps positive Kokain-Probe wusste übrigens die gesamte Kölner Radsport-Szene seit Monaten Bescheid. Nur der BDR angeblich nicht.

Im vergangenen Jahr sind zum Beispiel die Auffälligkeiten mehrere Amateurfahrer erst Ende November und Anfang Dezember an die Öffentlichkeit gelangt […] Scharping argumentierte unter anderem, es werde nur im Profi-Radsport gedopt, das Geld der Steuerzahler komme dagegen den Amateuren zu Gute. Der BDR durfte daraufhin sein Geld behalten – wenige Tage später wurden die positiven Proben der Amateurfahrer veröffentlicht.

Ralf #14

Peter Rauen (CDU):

„Ich war immer der Meinung, dass, wenn es einer ehrlich meint mit der Bekämpfung des Dopingsumpfes, dass es der Holczer gewesen ist.”

HMH im FR-Interview mit Jörg Hanau: „Die Chance war einfach zu verlockend“

FR: Sie haben sich in Ihrer Zeit als Teamchef von Gerolsteiner einen Namen als Antidopingkämpfer gemacht, verfolgten eine Nulltoleranzpolitik. Ausgerechnet Sie übernehmen jetzt Verantwortung in einem Land, von dem viele glauben, dort werde flächendeckend gedopt.

HMH: Das eine ist, was Kritiker mit russischem Sport assoziieren. Ob das richtig oder falsch ist, kann ich nicht bewerten. Grundsätzlich hat sich an meiner Einstellung nichts geändert, wohl aber an meiner Sichtweise: Ich werde meine Nulltoleranz auch hier weiterführen. Seit ich nicht mehr in der Verantwortung bei Gerolsteiner stehe, sind mir viele Dinge zugetragen worden, die du als Vertragspartner von deinen Angestellten nie bekommst. Wir dürfen Doping auf keine Art und Weise tolerieren, wir dürfen es nicht dulden und auch auf gar keinen Umständen legalisieren. Aber wir müssen uns mit dem Thema Doping im gesamten Sport arrangieren. Wir können es nicht wegkontrollieren.

Ralf #15

Nachhilfe für den Mathe-Lehrer:

cn (13.05.11): L’Equipe calculates index of suspicion for teams and nations

16. Russia 4.33 (6)

cf #16

gerade im fall katjuscha sind die berühmten lebenssachverhalte derartig vielfältig, dass dem normalsterblichen fast schon schwindlig werden muss: da ist der teamchef praktischerweise auch gleich der verbandpräsident der russischen radfahrer und außerdem auch noch häuptling beim sponsor (ITERA). von daher ist es vielleicht nicht mehr ganz so verwunderlich, dass der sportskamerad alexander kolobnev — der (bislang) einzig überführte doper der diesjährigen tour de france — daheim statt einer dopinganhörung (hat der teamchef verband das verfahren mittlerweile wenigstens mal eingeleitet?) erstmal einen orden für seine „verdienste um das vaterland“ verliehen bekam.

aber wie war das? je weniger die anderen dopen, umso besser sind unsere chancen.

pecas #17

@cf#27
„physical culture“ und „knight of the order of merit“ und „verdienste um’s ‚motherland‘ (wie unser berühmtes ‚vaterland‘ interessanterweise da drüben im Alten Reich der russenmafia heisst)“:
Ohgoddogoddogodd – genau! Genau das ist der anschluss an die global herrschende Pathokratie (A. Łobaczewski)! Auch die russischen radfahrer haben’s längst begriffen: sportpolitik rules supreme!

Der Fritz Nietzsche gab dieser zeitenströmung bereits seinerzeit sein Dacht’l – wie wir in Bavaria die ohrfeige gerne nennen – mit und nannte sie „die Exstirpation des Geistes“.

Wie ditte den najel bzw. dit‘ hirn vom kopp radelt: Ne, da hast’e vollkommen recht!
Da wird mir auch übel.
Der nächste, der einen orden kriegt, heisst Joachim Löw.

Ralf #18

Wolfgang Hettfleisch in der Berliner Zeitung (16.09.): Ein Mann für die Bosse

[…] weil der eloquente Schwabe aus Herrenberg jahrelang in der Rolle des integeren Radsport-Machers brilliert hatte, des aufrechten Kämpfers gegen Doping, der den Finsterlingen des Metiers mutig die Stirn bot. Hut ab vor dieser schauspielerischen Leistung!
[…]
[Beim russischen Katjuscha-Team] kann der gute Hirte Holczer verirrte Schafe wieder auf den rechten Weg führen. Solche wie den überführten Cera-Doper Danilo di Luca oder den – ausweislich seines Freispruchs absolut grundlos – auf die Liste des spanischen Blutpanschers Eufemiano Fuentes geratenen und zuvor auch schon wegen Dopings gesperrten Giampaolo Caruso.

Holczer kann den Sündern kluge Vorträge über Ethik im Radsport halten, darin ist er gut. Wenn auch nicht ganz so gut wie im Bitter-enttäuscht-sein über radelnde Mitarbeiter, die als Doper enttarnt wurden.

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