Was vom Tage übrig bleibt (3)

Drei Leseempfehlungen:

9 Gedanken zu „Was vom Tage übrig bleibt (3)“

  1. Danke für den Hinweiß zu Cyril Jonard. Ist eine tolle Geschichte und verdient großen Respekt.
    Da sieht man doch mal, was man auch mit einer solch heftigen Behinderung alles erreich kann. Ich finde solche Dinge sollten viel mehr im Mittelpunkt stehen als die ganzen Phelbs und Bolts dieser Welt.

  2. Warum spricht die Süddeutsche nicht direkt mit dem Sportler? Da schreibt der Autor sogar, dass Jonard ein Interview in „Zeichensprache“ gibt. Gemeint ist wohl die Gebärdensprache. Ich mag im Jahr 2008 keine Artikel mehr lesen, wo nur ÜBER behinderte Menschen gesprochen wird anstatt mit ihnen. Normalerweise wollen Journalisten doch auch mit den Sportlern und nicht nur mit deren Trainern sprechen.

  3. Jens Weinreich

    Christiane, kann das vielleicht daran liegen, dass der Autor die Gebärdensprache nicht kann? Ist das ein unentschuldbares Manko? Macht das die Geschichte grundsätzlich schlechter? Ich kenne kaum einen Schreiber, der mehr investiert als Thomas Hahn.

  4. Nein, es ist nicht unentschuldbar, dass er die Gebärdensprache nicht kann, aber ich verstehe nicht, dass er nicht dennoch versucht, mit ihm selbst zu sprechen, wenn er direkt neben ihm steht – über einen Dolmetscher, am Computer, mit Blatt und Stift (falls er noch lesen kann), über jemand anderen, der Gebärdensprache kann. Journalisten machen doch ständig Interviews mit Menschen, deren Sprache sie nicht können. Warum macht man sich die Mühe also nicht bei gehörlosen Menschen und begnügt sich mit den Aussagen des Trainers?

    Sicher, es ist interessant, was der Trainer erzählt, aber wie der Sportler wirklich ist, was er über die Paralympics denkt etc. das möchte ich schon wissen und das erfahre ich einfach nicht.

  5. Hallo Christiane, hier ist die Süddeutsche aus Peking. Ich hätte auch gerne gewusst, was Cyril Jonard denkt, ich hätte mir vor allem von ihm gerne erzählen lassen, wie er seinen Tunnel erlebt, wie genau er mit den Kindern trainiert. Aber als ich in seinem Training war, ging das nicht. Es kam nie die Sprache darauf, dass es gehen könnte. Monsieur Jonard war in seinem Tunnel, der Trainer wollte ihn dort lassen und ich wollte da nicht eindringen. Als ich sah, wie die beiden miteinander kommunizieren, konnte ich mir auch gar nicht vorstellen, wie er mir hilfreiche Antworten hätte geben können. Vielleicht hätte ich es doch mehr versuchen sollen, zumal es anschließend noch eine Pressekonferenz gab, die ich aber wegen des Zeitdrucks nicht besuchen konnte und die hinterher laut Protokoll auch keine erhellenden Sätze brachte. Und dieses Interview in Zeichensprache oder Gebärdensprache, wie das offenbar korrekter heiß, war eben wirklich mehr ein Anzeigen mit Händen und Füßen, als ein echtes Auskunftgeben mit gängiger Finger-Grammatik (die ich natürlich nicht beherrsche). Eigentlich glaube ich, dass es manchmal auch wichtig ist, zu begreifen, dass wir als Journalisten nicht auf etwas bestehen können, was vielleicht nach unseren gängigen Vorstellungen geboten ist, aber offensichtlich eine sehr große Anstrengung bedeutet für den avisierten Gesprächspartner. Das war so ein Fall. Am gleichen Tag hatte ich noch ein anderes Erlebnis. Beim Boccia hatte ich den späteren Dritten aus Irland, Gabriel Shelly, in der Mixed Zone angesprochen, einen Spastiker. Erst im Gespräch merkte ich, dass das Sprechen ihm große Mühe bereitet und er keinen richtigen Satz herausbekam. Hinterher habe ich mich gefragt, ob es richtig war, ihn zu fragen. Man kann darüber streiten, aber möglicherweise war es klüger, mit Monsieur Jonard nicht gesprochen zu haben, als es bei Mr. Shelly doch getan zu haben.

  6. Danke für die Antwort, Thomas. Ich glaube, für das Problem gibt es nur eine Lösung: Fragen. Wenn man nicht fragt, wird man nie wissen, ob sich ein Sportler vielleicht nicht doch sehr gefreut hätte, wenn er von Journalisten angesprochen worden wäre. Und wenn man unsicher ist, ob man jemandem ein Interview aufgrund der Sprachbehinderung zumuten kann, würde ich ebenfalls fragen. Nicht alles, was für uns beschwerlich aussieht, ist es auch und für viele Sportler ist es ja auch was besonderes, Interviews zu geben. Ich meine damit, auch wenn das Sprechen schwer fällt, machen es viele für solch einen Anlass vielleicht ganz gerne.

  7. Dear Mr. Weinreich,
    Kindly excuse me for writing in English. However, I understand — read without problem and speak some — German, but when it comes to writing, my mistakes become too obvious …
    First of all, CONGRATULATIONS to your excellent work! I have read two books you wrote together with Thomas Kistner, „Muskelspiele“ and „Der olympische Sumpf“; heard some of your comments on Deutschlandfunk and follow you blog. Keep up the good work!
    I noticed your list of doping cases at the Beijing Olympics (the first real summary on the subject I have found; something the IOC should provide!). In my opinion, you shouldn’t include Maria Isabel Moreno, because the test on her must have been taken BEFORE an Olympic start, even if it was announced DURING the Games. She must have been stopped before the women’s first Olympic cycling event, as far as I understand. You should include only cases following tests after an Olympic start or if a test was made before the Games but the result was not known and the athlete was allowed to start in the Games. Complicated, but I am sure you understand what I mean.

    Best wishes,
    Ove Karlsson
    Sports journalist and historian
    (Sweden)

  8. Dear Ove!

    Jens‘ list contains all doping cases officially announced by the IOC. I think, we should not reduce the official number of the IOC.

    As Ms Moreno was tested in the Olympic Village, this is an olympic doping case, in my eyes:
    „Ms Maria Isabel Moreno was requested, in the early afternoon of 31 July 2008, at the Olympic Village in Beijing, to provide a urine and a blood sample for a pre-competition doping control.“

    With Ms Chalkia, it is a bit more difficult. She was tested during the Olympic Games, but at her training camp in Japan:
    „Ms Fani Chalkia […] was requested, on 10 August 2008, in Fukui, Japan […] to provide a urine sample for a pre-competition doping control.“

  9. Jens Weinreich

    Ove, the official olympic view is the following: the IOC defines the olympic period (27 July to 24 August 2008) as „the period commencing on the date of the opening of the Olympic Village for the Olympic Games“ up until and including the day of the Closing Ceremony of the Olympic Games.
    see their „IOC Anti-Doping Rules“ (pdf-file)

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