Zug: das Urteil

Viel hat man ja nicht erwarten dürfen von der Urteilsverkündung im Prozess gegen ehemalige ISL-Manager. „Im Rechtsstaat gibt es keine Moraljustiz“, hat Marc Siegwart, einer der drei Richter, am Mittwoch gesagt. Was er damit meint: Es handelt sich zwar hier um den größten Korruptionsskandal der Sportgeschichte – 138 Millionen Schweizer Franken wurden an Sportfunktionäre gezahlt, 18 weitere Millionen waren als Schmiergeld schon verplant -, doch wird niemand dafür strafrechtlich zur Verantwortung gezogen. Denn Bestechung war zum fraglichen Zeitraum in der Schweiz nicht strafbar.

Apropos Strafrecht: Da schrieb gestern tatsächlich eine deutsche Nachrichtenagentur, in Zug hätte ein „Sportgericht“ ein Urteil gefällt. Manchen Leuten ist einfach nicht zu helfen. Im Groben habe ich den ISL-Komplex für den Hintergrund Politik des Deutschlandfunks aufgearbeitet – natürlich mit dem Schwerpunkt auf den wirklich wichtigen Fragen: Wer wurde mit wie vielen Millionen geschmiert? Es laufen in der Sache noch zwei Verfahren. Und es wäre ganz hübsch, wenn die Politik den unwilligen Sport etwas unter Druck setzen könnte, für Aufklärung zu sorgen, so wie es Peter Danckert in dem Beitrag verkündet.

Hier also eine Summary des ISL-Krimis (der liebe Kollege Tanda möge mir verzeihen, dass ich nicht jede juristische Finesse erwähnt habe). Wer gerade 18 Minuten Zeit hat, kann gern reinhören:

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Und was macht eigentlich Jean-Marie Weber, der Schmiergeldbote, Geldkofferträger und Hauptangeklagte im ISL-Prozess? Ihm geht es gut, Danke der Nachfrage. Ich traf ihn vor drei Wochen in Athen (auf dem Foto: der Herr in der Mitte), als das IOC die Vorauswahl für die Olympiabewerber 2016 traf. Jean-Marie ist weiterhin Mitglied der olympischen Familie. Er hat gut zu tun, erzählte mir, dass er gerade für Issa Hayatou die African Nations Championship 2009 organisiert, einen neuen Wettbewerb.

Was noch nicht in diesem kurzen Text verlinkt ist, wird hier nochmals aufgeführt:

2 Gedanken zu „Zug: das Urteil“

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