Richard Pound

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Ich gebe ja zu, Richard Pound, scheidender Präsident der Weltantidopingagentur (Wada), ist so etwas wie mein Lieblings-Sportfunktionär. Gerade habe ich eine kleine Hymne („Schöpfer im Chaos“) auf seine Arbeit als Wada-Chef verfasst, die ich wirklich sehr erstaunlich finde. Die Arbeit natürlich, nicht die schnell runter geschriebene Hymne.

Abschied von der WADA: Dick Pound

Richard „Dick“ Pound auf Abschiedstour auf dem WADA-Kongress in Madrid

Manch einen wird derartige Schwärmerei erstaunen, weil ich doch gewöhnlich anders mit Sportfunktionären verfahre. Aber ich denke schon, dass sich diese Einschätzung mit Fakten deckt. Im Laufe der Jahre ist er einem ja oft genug über den Weg gelaufen (das eine oder andere Interview, das ich mit Pound geführt habe, finde ich jetzt gerade nicht im Archiv). Jedenfalls, Pound ist, und er würde über diese Bezeichnung lachen, für mich ein durchaus sympathischer Schweinehund. Er ist, Achtung Floskel!, selbstverständlich mit allen Wassern gewaschen. Aber er ist im persönlichen Gespräch stets sehr direkt und von einer gewissen Ehrlichkeit, die in dieser verkommen Branche ihresgleichen sucht. Und: Er hat einige Ganoven, wie etwa Kim Un Yong, erfolgreich gejagt.

Noch ein letzter Punkt, der Pound ebenfalls aus der Masse einflussreicher IOC-Mitglieder heraushebt: Er macht sich ständig Gedanken: Und zwar nicht nur darüber, wie er die Summen auf seinen Privatkonten erhöht. Pound hat ein wunderbares Laster: Bücher schreiben. U.a. kann ich „Inside the Olympics“ (2004) und „Inside Dope“ (2006) sehr empfehlen. Natürlich schreibt er selten das, was er schreiben könnte – und doch finden sich sehr viele ganz erstaunliche Geschichten, Fakten und Wertungen, die – wenn sie Journalisten aufschreiben – gern als Hirngespinst abgetan werden. Wer die olympische Welt verstehen will, muss diese Bücher gelesen haben.

Auch deshalb ist das desaströse Versagen der Politik bei der Suche nach einem adäquaten Pound-Nachfolger ein Jammer.

Als Nachtrag dazu weitere Beiträge aus Madrid:

Gua #1

sportschau.de über ein Procycling-Pound-Interview: „Wenn ihr kein Fairplay macht, verpisst euch!“
Sogar der „sympathische Schweinehund“ ist in dem Text mit drin.

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